1. #1
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    Das sterbende Herz

    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    Sollt es denn so sein?
    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    Voll leiblich süssem Wein

    Einst war es voll, mit Purpurrot
    Dann schenkte ich dir ein
    Es labte dich, in deiner Not
    Ich lud dich dazu ein

    Wo? Wo war der Punkt
    Ich konnte ihn nicht sehn
    Wie? Wie ist's geschehn
    Als hätt ich's nicht erlebt

    Als dann Ruhe, vor dem Fall
    Hört ich es leise splittern
    Weite Leere, gleich dem All
    Der Einzug ins Verbittern

    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    So durfte es nicht sein
    Es selbst, hat sich auf neu erdacht
    So ist es nun aus Stein
    Geändert von Sinzky (12.05.2012 um 21:48 Uhr)

  2. #2
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    hallo Sinzky

    mir gefällt dein gedicht. die idee, sich vom gläsernen zum steinernen herzen zu wandeln ist schön dargestellt.
    ob aber aufgrund der materialien der titel passt, weiss ich nicht recht. ums sterben im organischen sinne gehts nicht wirklich. also schon... aber eher ums zerbrechen, kaputtgehen.

    dann hast du in S3 und 4 das metrum gewechselt. das passt inhaltlich gut. die 4 hebung wird beim lesen duch eine zäsur ergänzt, das macht die fragerei noch stockender (das stockende kommt auch schon innder wortwiederholung in S3v1)
    die gefahr besteht trotzdem immer, dass man in unseren liebhaberischen dichterkreisen nicht weiss, wie bewusst das ist.
    ich habs jetzt mal zu interpretieren versucht, und es erschien mir schlüssig, genausogut könnte man be,ängeln, dass du in einem gedicht, welches traditionell mit metrum und reimerei arbeitet, nicht konsequent bleibst.
    das aber mehr so als nebengedanke, der nicht nur dein gedicht betrifft.

    und in der letzen strophe kommt wieder das erste muster (so scheints mir doch bewusst gewollt).

    zwei technische dinge noch: etwas lesefreundlicher wärs, wenn die betonungen, bzw die auftakte der verse (zumindest den baulich gleichen strophen 1,2 und 5, sowie 3 und 4) immer entsprechend der ersten strophe behandelt würden. bei ersteren fällt S1v2 aus dem rahmen, und bei S3 und 4 vermute ich, dass du statt "Als dann" eher "Alsdann" gemeint hast. das wäre dann ebenfalls betont zu lesen, und passender.

    gruass lepi
    Geändert von leporello (12.05.2012 um 22:12 Uhr)
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  3. #3
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    Hay lepi

    Erst ma danke für die Kritik. Ich schreibe seit Jahren immer mal wieder etwas nieder das so in meinem Kopf rumschwirrt.
    Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung von Poesie und Lyrik, was man wohl auch meinen Stücken anmerkt . Das ganze Thema mit Hebungen, Senkungen und Zäsuren ist mir völlig neu. Ich schreibe halt einfach bis ich finde, dass es gut klingt .

    Den Titel habe ich eigentlich doch bewusst so gewählt, weil ich dachte, dass in der Poesie das Herz als Synonym für die menschlichen Gefühle steht. Erst ist es Liebend, voll mit Lebenssaft, voll von Gefühl. Dann zerbricht es, das Purpurrot läuft aus und die Gefühle sterben. Ein Gefühlstotes Herz is nicht mehr funktionstüchtig, desshalb ist es tot, seine Fähigkeit zu fühlen ist erloschen und es wart dann hart wie Stein.

    Das mit dem Metrum scheint mir logisch, ist mir als Laie jedoch nicht augefallen
    Würdest du sagen, dass ich das Gedicht Symetrischer gestalten, also z.B. S1, 2, 4 und 5 gleich und nur in S3 das Metrum ändern sollte?

    Mit den Auftakten hast du natürlich recht. Ich versuchs mal bissl zu ändern^^

    Grüsse Sinzky

  4. #4
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    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    So sollte es wohl sein
    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    Voll lieblich süssem Wein

    Einst war es voll, mit Purpurrot
    Dann schenkte ich dir ein
    Es labte dich, in deiner Not
    Ich lud dich dazu ein

    Wo? Wo war der Punkt
    Ich konnte ihn nicht sehn
    Wie? Wie ist's geschehn
    Als hätt ich's nicht erlebt

    Alsdann Ruhe, vor dem Fall
    Hört ich es leise splittern
    Weite Leere, gleich dem All
    Der Einzug ins Verbittern

    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    So durfte es nicht sein
    Es selbst, hat sich auf neu erdacht
    So ist es nun aus Stein
    Geändert von Sinzky (13.05.2012 um 17:42 Uhr)

  5. #5
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    hallo Sinzky.
    grossartig, wenn man sich so auf sein sprachgefühl verlassen kann!
    ich bin auch immer sehr dafür, dass mans in erster linie instinktiv, gewissermassen musikalisch angehen soll, aber das scheint nicht bei allen zu klappen, da werden dann silben gezählt... auch ne möglichkeit.

    damit man sich dann unterhalten kann, sind einige theoretische begriffe (und ich bin nun wahrlich auch kein studierter poet) ganz praktisch.

    dass diese beiden strophen metrisch nicht den anderen entsprechen, fand ich ja inhaltlich passend. mir ist grad noch eignefallen, dass man die idee (die ich anscheinend selber reininterpretiert habe) auch noch graphisch etwas unterstützen könnte:

    Wo? Wo war der Punkt -
    Ich konnte ihn nicht sehn
    Wie? Wie ist's geschehn -
    Als hätt ich's nicht erlebt

    falls dir bindestriche nicht schon zusehr satzzeichen sind, die du ja sonst nicht haben wolltest.

    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  6. #6
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    Hi, Sinzky -

    durch die Überarbeitung hat Dein Gedicht in meinen Augen sehr gewonnen!
    Ich finde die Melodie sehr romantisch und - wie leporello schon anermkte - die Wandlung von Glas zu Stein hochinteressant.
    (Erinnerte mich zuerst an Wilhelm Hauffs "Das kalte Herz").
    Ich schreibe, wie Du auch, lediglich aus dem Gefühl heraus und nicht nach Regeln.
    Ob mich deswegen Dein Gedicht so angesprochen hat?
    Es floß direkt in mein Herz hinein.

    Aber was ist "leiblicher Wein"? Blut?

    LG
    Barbarossa
    Geändert von Cyparissos (13.05.2012 um 15:49 Uhr)

  7. #7
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    Oh ja, das ist schön.
    Das Herz aus Stein..
    Anfang der 5ten Strophe scheint es so trostlos zu sein.
    Und in der 4ten Strophe..

    Alsdann Ruhe, vor dem Fall
    Hört ich es leise splittern
    Weite Leere, gleich dem All
    Der Einzug ins Verbittern
    ..scheint es als wär's schon das Ende, doch dann beginnt die Monotonie, die
    du in der 1ten Strophe benutzt hast und zeigt die Konsequenz und Kehrseite der Liebe.

    Sehr, sehr rührend.

    LG -vielleicht-

  8. #8
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    Danke für das Lob allerseits

    @ Barbarossa: Lieblich süsser Wein... Ist für mich ein Synonym für die Liebe. Ein Hochgenuss im richtigen Mass. Macht einem betrunken und betört. Doch kann sie süchtig machen und einem zerstören. Naja so irgendwie hab ich mir das jedefalls gedacht .

  9. #9
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    Zitat Zitat von Sinzky Beitrag anzeigen
    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    Sollt es denn so sein?
    Mein Herz, es war aus Glas gemacht
    Voll leiblich süssem Wein
    Das hat mich verwirrt.

  10. #10
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    Oh! da hab ich mich doch glatt verschrieben
    danke für den Hinweis

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