1. #1
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    unhaltbarer Stein

    .

    Ich will nicht steter Tropfen sein.
    Das stete ist mir irgendwie zu... stet.
    Dass endlich etwas geht
    mit diesem unhaltbaren Stein,
    solls endlich einmal fliessen, strömen, reissen!

    Dass unsre Tropfen noch zerzischen,
    halten sie den Stein sich gerne heiss. -
    Man wird ihn schlauerweis
    mit wiederholten als auch frischen
    Sprenklereien aber merklich kühlen.

    Noch rückt der Stein kein Stück vom Fleck.
    Der ich-kann-selber-was-bewirken-Tropf
    versiegt im eignen Kopf,
    doch einmal schlagen wir so richtig Leck,
    dass es ihn unterspült, ihn schleift und bricht!



    .
    Geändert von leporello (18.05.2012 um 10:12 Uhr)
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  2. #2
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    hallo leporello
    grosses thema mal originell aufgemacht. schön durchgezogen in den bildern und der konstruktion.
    und nun das aber:
    was mir als erstes auffiel (berufskrankheit), sind die rechtschreibfehler. sie passen nicht so recht zum übrigen formalen anspruch. ins selbe kapitel gehört mein problem mit der letzten zeile: konjunktiv und indikativ im gleichen nebensatz.
    das unpersönliche "wir und sie" oder "es" (bei reissen etc.) bricht die romatische stein- und wasser-metapher ziemlich stark. es erinnert mich an das denken von pokemon-fans.
    damit die jeweils letzten zeilen voll spielen, müsste noch die weiche endung in zeilen 6 und 9 weg.
    das wort "unhaltbar" scheint für dich zentral zu sein. ich finde es im zusammenhang gesucht und seltsam.

    nüt für unguet
    wilma27
    Geändert von kaspar praetorius (16.05.2012 um 11:25 Uhr)

  3. #3
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    hoi wilma27

    kein problem. ich klammere mich einfach an deinen ersten satz
    auf die schreibfehler bin ich schon ganz diskret per pn hingewiesen worden, die sollten behoben sein und haben nichts mit künstlerischer freiheit zu tun.
    die 2 strophe endet weiblich, das stimmt. dafür beginnt dann die folgende (ebenfalls im unterschied zu s1 und s3) betont. ich hab da länger überlegt und rumgeschoben... ich hätte den reim auch in V2 und v3 verbacken können, da wär er immer noch weiblich gewesen, aber ich wollte ihn unbedingt drinhaben.
    es ist jetzt die frage, ob es dem gedicht mehr nutzt oder schadet; ich hab auf den nutzen gesetzt
    nur was das mit den "jeweils letzten zeilen" zu tun hat, die so nicht so gut spielen, hab ich leider nicht verstanden.

    mit der allerletzen zeile hast du recht. das kommt nicht gut, ich bleib bei den indikativen..
    die alte version zu protokoll:
    dass es ihn unterspüle, schleift und bricht!
    dann hast du noch das "wir, sie" angesprochen. mit pokemons kenn ich mich nicht so aus (sind die nicht schon lange out?) aber es geht doch um ein "wir".
    ich beginne zwar bei mir, aber in der hoffnung, dass es anderen auch so geht, und durch das wir die tropferei endlich masse bekommt.

    danke für deine -für einmal kritische- kritik.

    gruass lepi
    .
    .
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  4. #4
    Longshanks Guest
    Hallo Lepi,
    unsre Topfen
    Topfen ist glaub ich synonym für Quark. Freud'sche Fehlleistung?

    Gruß

    Longshanks

  5. #5
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    hallo Longshanks.
    ich gratuliere dir und dem forum für seine aufmerksamkeit.
    das gedicht war als test gedacht; ihr habt bestanden. setzen

    aber nein, das geht so natürlich nicht. ich muss da mit meinem lektorat mal ein ernstes -korrekt gechriebenes- wörtchen sprechen.
    Dass unsre Topfen noch zerzischen,
    halten sie den Stein sich gerne heiss.
    das gäb dann so ne art quarkpizza. die löst das problem auch nicht, aber wenns zur stärkung dient - warum nicht.

    danke fürs aufmerksame lesen,
    gruass lepi
    .
    .
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  6. #6
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    Da will ein armer Tropf einen Stein ins Rollen bringen, kein steter Tropfen sein und auch kein Tropfen auf dem heißen Stein und scheitert an seiner eigenen Unbeweglichkeit. Ob das alles so gemeint ist, weiß ich nicht, aber ich finde dieses
    Gedicht sehr inspirierend!
    LG Xenia

  7. #7
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    Zitat Zitat von Xenia44 Beitrag anzeigen
    Ob das alles so gemeint ist, weiß ich nicht, aber ich finde dieses
    Gedicht sehr inspirierend!
    was dann auch die hauptsache wäre

    schreibfehler sind dir mittlerweile keine mehr aufgefallen? sehr gut

    wenn ichs aus meiner sich nochmals erklären darf: es soll eigentlich kein scheitern darstellen, aber ich wollte die ungeduld, die man mal hat, ausdrücken. die redewendung mit dem steten tropfen ist ja schön und gut, aber manchmal gehts so einfach zu lange. das "stet" verlangt geduld und zeit, und manchmal möchte man die änderung, den erfolg jetzt gleich.
    scheitern würde es, wenn man das ganze getropfe als sinnlos verstehen würde. so solls hier aber nicht sein. ich tropfe mindestens weiter, aber mit der annahme, dass es einmal mehr wird (mit hilfe vier anderer tropfen) und die überwindung des steines gelingen wird.

    was dieser sein kann, soll dir deine inspiration sagen, ich für meinen teil habs ordentlich politisch gemeint.

    danke fürs denken.
    gruass lepi
    .
    .
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  8. #8
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    Lieber Leporello .

    Zum interessanten Inhalt hast du eine sehr eigenwillige aber durchaus passende Reimfolge gewählt, sie gefällt mir sehr gut. Den gefälligen umarmenden Reim schließt du mit einer ziemlich brutalen Waise sehr gekonnt ab (dass diese Anhängsel "Waisen" heißen, weiß ich auch erst seit gestern!).

    Aber die Fehler! Es beginnt schon mit der Frage: Will der Leporello nun alles klein oder alles groß schreiben? Kann er sich nicht entscheiden? Ich schlage dir die Großschreibung vor. Und dann die Sache mit "ss" oder "ß"! Das kann doch nicht so schwierig sein .
    Ich will nicht steter Tropfen sein.
    Das Stete ist mir irgendwie zu... stet.
    Dass endlich etwas geht
    mit diesem unhaltbaren Stein,
    solls endlich einmal fließen, strömen, reißen!

    Dass unsre Tropfen noch zerzischen,
    halten sie den Stein sich gerne heiss. -
    Man wird ihn schlauerweis
    mit wiederholten als auch frischen
    Sprenklereien aber merklich kühlen.

    Noch rückt der Stein kein Stück vom Fleck.
    Der Ich-kann-selber-was-bewirken-Tropf
    versiegt im eignen Kopf,
    doch einmal schlagen wir so richtig leck,
    dass es ihn unterspült, ihn schleift und bricht!
    Ohne Fehler hätte ich dein Gedicht sehr, sehr gerne gelesen - mit nur sehr gerne .
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  9. #9
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    hoi medusa.
    das mit dem doppel-s (du siehst, ich mach jetzt nicht extra die zeichentabelle auf deswegen) lass mal gut sein.
    das mit dem Steten leuchtet mir hingegen ein, das mit dem Leck... ähm.. auch. das mit dem Ich nicht zwingend. das sind immer noch 50% eingestandene fehler, das muss reichen, wenn man bedenkt, dass ich schon einige andere korrigiert habe...

    da war nun wirklich der wurm drin, aber dafür war mir die waise schön länger ein begriff, hehee.
    aufatmend stelle ich fest, dass es immer noch für ein "sehr gerne gelesen" gereicht hat. dankeschön. und natürlich auch für den kritischen blick auf die ortografiii.

    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  10. #10
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    hallo leporello
    entschuldige bitte mein "indiskretes vorgehen"
    bezüglich zeilenenden hast du mich falsch verstanden. dass die jeweils letzte zeile in s1 und s2 weich, in s3 aber hart endet, finde ich gut und passend. wenn das ein stilmittel sein soll, ist es m.m.n. schades, es dadurch zu verwässern, dass mitten in s2 die gleiche rhythmische variation vorkommt. na ja, vielleicht ist das nur quark und keiner versteht, was ich sagen will...
    "Dass unsre Tropfen noch zerzischen, halten sie sich gerne heiß"- Ein durch Hebung betontes SIE, das sich im Text auf nichts bezieht. Das ist sicher kein Fehler, aber ein deutlicher Stilbruch im Vergleich zum Drumherum.
    "dass es ihn unterspült, ihn schleift und bricht!" nicht gleich, aber ähnlich gelagert...
    was heute synonym für pokemon ist, weiss ich leider nicht. einfach erklärt: sie - die bösen, die andern / wir - die guten, die bedingungslos treuen. es erinnert vielleicht ein bisschen an schlachtgesänge von fussballfans. wenn das absicht war, find ich es gut gelungen, aber irgendwie scheint mir doch, dass du dem beneidenswert schönen "thema" der ersten zwei zeilen ein ernstes stück ankomponieren wolltest...

    w.
    lg wilma27

  11. #11
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    hoi wilma27

    es mach spass von aufmerksamen leuten a) richtig interpretiert, oder b) auch mal ertappt zu werden
    machmal ist diese schreiberei hier sehr ärgerlich, man müsste sich kurz anrufen können, um solches zu verdeutlichen.
    das betonte sie in S2V2 schien mir sinnvoll, weil es das pokemonsche in der tat hervorhebt. wir gegen sie
    im zweiten punkt geb ich dir recht, dass das zumindest korrekt aufgedröselt nicht schön klingt.
    ich hab mir die zeile mit unterdrückter wut zu lesen vorgestellt, wo hebungen und senkungen einem drohenden tenuto, "zum opfer fallen". also nichts jambisches sondern dass es ihn un-ter-SPÜHLT!!. weischwienimeine?

    und das führt zur windlung des ganzen: es ist mir schon oft passiert, dass ein gedicht von einer ausgangsidee eine ganz andere wendung genommen hat, als ursprünglich geplant war.
    d.h. meist beginne ich sowieso immer nur mit einem schnipsel, der rest entsteht während der arbeit.
    und wenn ich mich recht erinnere, dann war hier diese tropf-idee, die noch nicht die folgende aggression beinhaltet, die so aber entstanden ist.
    aber es wär natürlich schon zu wünschen, dass dies nicht als bruch, sondern als entwicklung dargestellt wird.

    gruass lepi
    .
    .
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  12. #12
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    hallo leporello
    ich freue mich, dass wir es ohne telefon geschafft haben, ein paar dinge zu deinem werk hin un her zu sagen.
    von meiner seite her ist alles "weischwiedumeinsch".
    ausser wenn du schreibst, du hoffest auf die unterstützung von "vier" tropfen.
    lg wilma
    (und das "spühlt" schmerzt...)

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