Vogelflug

©Hans Hartmut Karg
2012

Der Adebar flog übers Land
Und holte Frosche für den Nachwuchs.
Er war sehr fleißig, bei Verstand
Und landete bei einem Buchs.

Da kam ein Menschlein zu ihm hin
Und sagte vorwurfsvoll und laut:
„Dir kommt nur Fliegen in den Sinn,
Weil Deine Knochen hohl gebaut.

Wird das nicht langweilig mit Fliegen?
Ist das denn Deines Lebens Stolz?
Willst Du nicht wie wir Menschen siegen
Mit Glas, Beton, Metall und Holz?“

Der Vogel drehte langsam sich
Und sah das Menschlein lange an:
„Wir Störche schätzen alle Dich
Und haben viel für Dich getan.

Die Federn haben sicher Luft,
So fangen wir die Frösche leichter,
Erhalten Wiesen voller Duft
Und jagen, wo das Wasser seichter.

Doch, hast Du Mensch nicht Luft im Kopfe,
Wenn Du mit Riesenvögeln fliegst,
Wenn alles Du schmorst in dem Topfe
Und der Natur nur Lasten gibst?

Mit Fliegern durch die Lüfte reisen,
Zerstören allerbeste Quellen.
Ihr könnt die Schöpfung nicht mehr preisen,
Wollt alles nehmen, alles stehlen.“

Da zog beschämt das Menschlein fort
Und kaufte sich ein neues Rad.
Es flog nie mehr an einen Ort,
Beging nie mehr Umweltverrat.

*