Thema: Dämmerung

  1. #1
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    Dämmerung

    Als sei der Tag nun müd geworden,
    die Wolken fliehen ihn in Horden,
    so steigt er in das Erdenbett hinab.
    Ein kühler Wind beginnt zu kreisen,
    die Straßen leeren sich, verwaisen,
    und ferne tönen Pfiffe. Weitab.

    Die Häuser zeigen nun ihr Drinnen.
    Bald wird die Dämmerung verrinnen,
    das Schwarz der Nacht senkt sich herab.
    Die Wände atmen ihre Schwere,
    und dir bleibt Stille nur, die Leere.
    Du weißt, mit dir auch geht’s bergab.
    Geändert von Smarty (26.05.2012 um 10:46 Uhr)

  2. #2
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    Hi, Smarty -


    darf ich?

    eine sehr interessante Betrachtung, keine Konfektion.
    Das Weitab kommt etwas abrupt, der letzte Vers ist in meinen Augen nicht so ganz geglückt (ich würde ihn umstellen mit Dir geht's auch bergab), aber die sehr gelungenen Metaphern fesseln.


    LG
    Barbarossa

  3. #3
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    Warum sollst du nicht dürfen, Barbarossa.

    Ist ja eigentlich nur eine Fingerübung für den Schweifreim. Danke für den Vorschlag zur letzten Verszeile, aber ich bleib mal bei meiner Fassung, weil da nichts weggeglättet wird. Man soll ein bisschen stolpern, aber man darf natürlich nicht das "auch" betonen, sondern das "dir". Dann kommt es hin, und der Sinn erschließt sich.

    Danke fürs Reinsehen und Kommentieren.

    Gruß, Smarty

  4. #4
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    Hallo Wendiger,

    wieso sollte ich auf Barbarossas Kritik keinen Wert legen? Im Gegenteil, ich lege sogar sehr viel Wert auf seine Ansicht. Aber es muss doch möglich sein, dass ich meinen Autorenstandpunkt darlege, Barbarossa ist ein netter Mensch, aber er schreibt nun mal seine Gedichte und nicht meine. Er hat seine Sicht geäußert, mehr hat er ja nicht getan. Ich habe versucht, ihm klarzumachen, warum ich das so und nicht anders geschrieben habe, und du kannst mir glauben, ich denke mir was dabei. Das hat doch nichts mit Ablehnung von Kritik zu tun. Wenn man will, kann man alles falsch verstehen. Außerdem nehme ich an, würde er mir selbst schreiben, wenn er sich von mir angegriffen fühlen würde.

    Außerdem, verehrter Wendiger, über Inversionen kann man lange streiten. Warum ein Wort hervorgehoben wird oder nicht (und das ist der Sinn der poetischen Stilfigur Inversion), das hat überhaupt nichts mit Unvermögen des Autors zu tun, aber einiges mit Wissen über Stilfiguren und Lyrik im allgemeinen. Zunächst solltest du vielleicht für dich selbst klären, was eigentlich eine Inversion ist, denn das angeführte Beispiel von dir (S1V1-2) ist keine Inversion, sondern wurde lediglich im Konjunktiv geschrieben. Was du mir dafür anbietest, entschuldige bitte, darüber bin ich lange hinweg, so habe ich in meinen Anfängen geschrieben, und ich schreibe nun wirklich schon einige Jahre.

    Vielleicht wurde ich hier falsch verstanden: Nicht das Gedicht als solches war eine Fingerübung, sondern die Strophenform des Schweifreimes, ich habe diese Strophenform einfach mal ausprobiert. Und ob ich in jedem Fall sagen muss, ich probier hier mal was, oder nicht, ist ja auch noch eine Frage, denke ich mir mal.

    Deine Vorschläge sind für dich gut, das bezweifle ich gar nicht. Ich registriere sie, bedanke mich, muss sie aber nicht annehmen, und ich hoffe, das entspricht auch deiner Intention. Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich finde die Schärfe deines Statements doch etwas überzogen, zumal du nichts wirklich Substantielles anbietest.

    Gruß, Smarty

  5. #5
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    Hi, Smarty -


    inzwischen bin ich ein wenig "aufgeklärter" und weiß, daß das Gedicht ein Gleichnis sein soll/ist.
    Daß ich das nicht erkannt hatte, liegt an meiner Naivität, vielleicht auch an einer gewissen Unbeweglichkeit meines Geistes.

    LG
    Barbarossa

  6. #6
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    hallo smarty und wendiger

    Als sei der Tag nun müd geworden,
    so steigt er in das Erdenbett hinab.

    das ist nie und nimmer eine inversion, auch nach wendigers lektion nicht.

    Als sei der Tag nun müd geworden,
    die Wolken fliehen ihn in Horden,
    so steigt er in das Erdenbett hinab.

    Das ist ein immer noch korrekter satz mit einem eingeschobenen satz, der sich wohl des reimes wegen, aber inhaltlich ziemlich unglücklich an den vorhergehenden hauptsatz anfügt.

    Die letzte Zeile finde ich wie w. völlig abwegig, man kann diese satzzstellung ganz bestimmt nicht inhaltlich begründen. wenn schon:
    Du weißt, mit dir geht’s auch bergab.
    Mit dir geht's ebenfalls bergab
    Dass die von dir gewählte Lösung die Mundwinkel rauf und runter zieht, hat vielleicht auch damit zu tun, dass eine im übrigen text keine parallelen findende umgangssprachliche Wendung ("mit dir geht's bergab") durch diese schwerverdauliche Inversion fast zu schillerschem Pathos erhoben wird.

    Mühe habe ich auch mit der "Weitab"-Zeile. ich weiss nicht, wie ich die lesen soll.

    Alles übrige an deinem Gedicht macht mich aber den Hut tief zeihen: Sehr schön.
    LG Wilma27

  7. #7
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    Wendiger, es ist nun mal der Ton, der die Musik macht. Ich akzeptiere, dass dir einiges nicht gefällt, das muss es ja auch nicht. Mich stört nur, wenn hier doch ziemlich großkotzig mit Begriffen herumhantiert wird, von denen man keine Ahnung hat, und dann auf den Putz kloppt. Ich kann so etwas nicht ernstnehmen. Ein wenig ernsthafter sollte man doch an Texte herangehen. Immerhin sitzt man als Autor ja auch eine gewisse Zeit daran.

    Wilma, zur letzten Zeile: Das ist völlig logisch, auch die umgangssprachliche Fügung, um dem Ganzen die Theatralik zu nehmen, die darin läge, würde ich anders formuliert haben. Aber es handelt sich nicht um eine Inversion, also Umkehrung, was dieses Fremdwort bedeutet. Das "geht's" bzw. "gehts" (was in der Lyrik erlaubt ist) ist ein ausgelassenes "e". Zur Inversion habe ich ja schon an anderer Stelle was geschrieben. Damit das wirklich verständlich ist, ein Beispiel:

    gewohnte Satzstellung (Alltagssprache): Ich schreibe heute einen Brief. (Subjekt an 1. Stelle)
    Inversion: Heute schreibe ich einen Brief. Oder: Einen Brief schreibe ich heute. (Subjekt an 2. Stelle)
    Beide Male steht hier das Prädikat vor dem Subjekt, die normale Satzteilfolge wird umgekehrt. An den Beispielen sieht man sehr gut, dass Inversionen in der deutschen Sprache Normalität sind und keinesfalls negativ zu bewerten.

    Hab besten Dank fürs Feedback.

    Gruß, Smarty
    Geändert von Smarty (23.06.2012 um 21:06 Uhr)

  8. #8
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    hallo smarty
    ich habe dreissig jahre schülerinnen und schüler mit satzumstellungen (inversionen) spielen lassen und sie animiert, ihre texte dadurch zu gestalten. also müsste ich mich mit derlei inversionen auskennen.
    in deiner bewussten zeile machst du innerhalb eines satzgliedes folgende pathetisch-emphatisch-schillernde umstellung (inversion):
    normal: auch mit dir (geht es bergab)
    umgestellt: mit dir auch (geht's bergab)
    das habe ich gemeint und nichts anderes. wenn du das gefühl hast, das sei weder gespreizt noch schwerfällig, bitte, ich bin nicht für deinen stil zuständig. aber ich weiss durchaus ein wenig von inversionen.
    lg wilma27

  9. #9
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    Ehrlich gesagt, Wilma, ich weiß jetzt nicht, worum es dir geht. Gruß, Smarty

  10. #10
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    darum, dass du mich lehren willst, eine umstellung sei keine umstellung.
    (siehe kommentar nr.10)
    w.

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