Thema: Inquisitor

  1. #1
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    Inquisitor

    Er schreitet durch ein Meer
    voll von unschuldig Seelen,
    umwölkt von der Hölle Heer,
    beiden geht er an die Kehlen.

    Er zeigt hervor den Freibrief
    ausgestellt vom hohen Herrn
    der im Vertrauen nach ihm rief ,
    der schwarzen Kunst zur Wehr.

    Sein Kreuz ist seine Vollmacht,
    und wer immer hergelaufen
    kommt und spöttelt, lacht,
    brennt bald am Scheiterhaufen.

    Sein Fanatismus ist seine Zitadell
    vor Häretikern und Ketzerei
    geboren in Höll und Bordell,
    rotes Haar haben ihre Konterfei.

    Ihm gibt man immer sein Recht,
    verweigerts nicht einmal im Traum,
    sonst wird schnell aus König Knecht
    oder man baumelt gar am Baum.

    Ihm ist alles heilig oder nichts,
    Gottes Wort ist schnell verdreht,
    Herzog wird zum Habenichts
    und die Frömmigkeit verweht.

    Wenn die Leute heben an zur Klage,
    wir bekämpfen die hässlich Hexerei
    auf dass das Böse nicht an euch nage
    und niemals werde aus der Hölle frei.

    Wenn die vielen Seelen gehen
    ein ins knisternd Fegefeuer,
    wollen in mir Gedanken spähen,
    wer ist hier das wahre Ungeheuer?

    Ich muss leiden, bücklig Bauer,
    der Herr spricht, ich muss spuren
    im Spiel der gottbefohlen Trauer
    sind wir nur bedeutungslos Figuren.

    Ich muss die Hexenkunst vernichten
    bevor sie sich erhebt zur Erd empor,
    meine aschfahl Hand wird richten,
    im Namen des Herrn bin ich Inquisitor.
    Geändert von Lazlar (28.05.2012 um 17:19 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Lazlar,

    Ich hätte da ein paar Anmerkungen.

    Ich glaube, ich hätte das nicht hier eingestellt (also die Rubrik), aber das ist nicht mein Problem.

    Die Prokura ist eigentlich ein kaufmännischer Begriff. Du braust es als Reim auf Jura, aber die passt mir auch nicht, da sie nur die Lehre der Rechte ist... Aber nur so am Rande...

    Den Inquisitor kennt man als den, der "Gottes Recht" auf unserer schönen Erde durchsetzen soll. Oder zumindest das kirchliche Recht. Ihn da in den Kontext des Teufels zu setzen finde ich interessant. Aber ich würde dann, glaube ich, nicht vom "hohen Herrn" reden, sondern eher dem "tiefen Herrn" um das zum Ausdruck zu bringen, das kurz darauf mit der schwarzen Kunst noch einmal unterstrichen wird. (Außer du meinst den Teufel, wie mir gerade auffällt...)

    Das Kreuz als Vollmacht zu bezeichnen ist nicht passend, da der Teufel gerüchteweise allergisch auf das Kreuz reagiert. (Außer du meinst, dass die Vollmacht sein Problem ist (Es ist ein Kreuz mit der Vollmacht))
    Wie du sicherlich siehst, haben mich hier deine vielen Satzverdreher durcheinander gebracht. Genau wie die viele Elisionen bringen sie den Lesefluss durcheinander, weil man manchen Satz noch einmal lesen muss. Wenigstens geben sie zum Schluss hin dem Gedicht einen relativ guten Rhythmus, den ich aber nicht überprüft habe. Wobei es immer gefährlich ist, diesen auf Elisionen aufzubauen, da ich da oft das "e" mitlese, ohne dass es da steht...

    Eigentlich gefällt mir das Gedicht ja, aber die paar Sachen brennen mir noch auf den Krallen...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
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  3. #3
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    Hallo Nachteule,

    Danke, dass du mich auf die kaufmännische Verwendungsart des Wortes Prokura aufmerksam gemacht hast. Das war mir gar nicht bekannt. Ich wusste nur, dass es entfernt einer Ermächtigung ähnelt.
    Die Strophe ist dann auch gleich mal korrigiert worden, Kaufmännisches hat in meinem Gedicht nichts zu suchen, wäre etwas merkwürdig.

    Mein Versuch ist es hier, die Inquisitoren auf eine etwas andere Art darzustellen. Ich verwende zwar auch Einblick in die bekannten Grausamkeiten, mein Ziel war es jedoch, etwas klarzustellen: Der Inquisitor, obwohl eigentlich in einer Mission Gottes, ist aufgrund seinem übertriebenen Fanatismus und der Eigenart, überall Sünder zu sehen, die natürlich baldigst und brutal für ihren Abfall vom Glauben bestraft werden müssen, eher als ein Diener des Teufels als ein Diener Gottes zu sehen.

    Tut mir etwas Leid für dich, dass dich meine Elisionen verwirrt haben, aber ich verwende sie nur allzu gern.

    Nutze die Nacht, hehe, das wird mein neuer Leitspruch.

    Grüße,
    Lazlar
    Geändert von Lazlar (28.05.2012 um 17:35 Uhr)

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