Thema: Der Clown

  1. #1
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    Lightbulb Der Clown

    Alkäische Odenstrophe

    Die Augen strahlen, breit lacht sein roter Mund.

    „Nit mööööglich“ ruft er, fröhlich sind Jung und Alt.
    Er tanzt und singt, zerzupft die Geige;
    weit ist sein Beinkleid, die Schuhe schlappen.

    Wie kühn die Sprünge, waghalsig wilde Kunst.
    Er läuft auf Händen, dreht sich im Kreis wie toll.
    Der Clown beweist uns großes Können;
    geht und bedankt sich im Rund mit Kusshand.

    Es fällt der Vorhang, Lacher verstummen rasch.
    Die bunte Maske, nun ist sie ohne Sinn.
    Sein Spiegelbild zeigt Leid und Not. Er
    fragt sich „warum?“ und verwünscht sein Leben.

    Er hasst den Jubel, sieht die Verlogenheit.
    Doch soll er lachen, Frohsinn verbreiten. Und
    bei jeder Schau dem Abscheu trotzen;
    wieder wird Schminke die Pein verbergen.

    Er muss sich zeigen, lustig und spaßig, laut
    „Nit möööglich“ rufen, immer und immerzu
    für Bravo, Hoch und Beifall danken -
    reißt seine lachende Maske nieder ...



  2. #2
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    Der Clown

    Liebe Medusa,

    es ist wie in allem was lebt. Es ist für das Leid geboren und Karajan sagte einmal, man ist dazu da dass man es aushält. Das bewusste Leben möchte nicht leiden, deshalb überdeckt es alles Leid zu gut es kann mit Frohsinn und Witz. Es behält möglichst nur das Schöne und Freudige in seinen Gedanken. Der Clown ist ein typisches Symbol dafür. Du hast es sehr gut dargestellt. Eine wunderbare, sinnvolle Aussage, die einen besonderen Wert hat. Habe es gerne gelesen und bedacht. Die Aufgabe hast Du mit einem interessanten Thema gut gelöst.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hi, Medusa -

    ich habe selbstverständlich aufs silbenzählen verzichtet, bei Dir weiß ich, daß alles stimmt.
    Aaaaber der Inhalt:

    die Sage vom traurigen oder unglücklichen oder leidenden Clown ist eine nicht auszurottende Mär.
    Ich habe den Bericht eines Reporters gelesen, der eine Woche lang bei Charlie Rivel und seiner zahlreichen Verwandtschaft wohnen durfte, dem man Einblick in alles gewährte, was das Leben der Clowns ausmacht.
    An erster Stelle steht die Familie. Alltag. Meist ebenso stereotyp wie bei allen anderen "Sterblichen".
    An zweiter die Vorbereitung auf die Auftritte. Das ist nüchterne Arbeit, meist in Tradition ausgeübt.
    Zirkusvolk sind sie alle.
    Wer glaubt, daß Clowns vor Witz und lustigen Einfällen nur so sprühen, wird ebenso enttäuscht wie derjenige, der hinter der Schminke ein Häufchen trauernder Traurigkeit vermutet.

    Warum sollen Clowns besonders traurig oder unglücklich sein?

    Sie feilen an ihren Kostümen, legen sich aber meist auf ein einziges fest, das dann zur Zugnummer wird, weil Applaus kam, v.a. aus der Familie.
    Das einzige, worum sie wirklich besorgt sind: Ihre Gesundheit und gute Engagements.

    Langer Rede kurzer Sinn:
    Deine formal sehr gelungene alkäische Ode entbehrt des realistischen Hintergrundes.


    LG
    Barbarossa

  4. #4
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    Lieber Hans .

    Danke zum Lob über meine Ode, das freut mich sehr! Es war eine entsetzliche Arbeit - E gleich mc zum Quadrat ist dagegen Pipifax .
    Ganz zum Schluss, ich wollte schon einstellen, da fielen mir die falsch betonten letzten Verse der Strophen auf und ich musste alle ändern !

    Viele liebe Grüße,
    Medusa.



    Lieber Barbarossa .

    Freiwillig dichte ich gewiss (vorläufig) keine Ode mehr - es war eine Aufgabe, die gelöst werden musste. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema fiel mir ein uralter italienischer Schwarzweißfim ein, dessen Inhalt ähnlich war. Regie hatte, glaube ich, de Sica und die Hauptdarstellerin war die Loren oder die Lollo, den Clown spielte ein damals sehr gefragter Italiener.

    Wenn ich einen Clown sehe, muss ich immer an den Film denken, der mich damals zutiefst bewegte. Ob das Gedicht nun der Realität entspricht oder nicht, ist zwar keineswegs gleichgültig, hier vielleicht nicht gar so wichtig; immerhin habe ich den Film als Beweisstück .

    Übrigens, das "nit möööööglich" ist von Grock und der hatte, soweit ich mich erinnere, schwere persönliche Probleme und trat trotzdem auf.

    Ich danke dir herzlich für deine Überlegungen und das kleine Lob.
    Viele liebe Pfingstgrüße,
    Medusa.

  5. #5
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    Falsch:

    Großes Lob!
    ist richtig.


    Barbarossa

  6. #6
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    Hallo Medusa,

    das Metrum passt. Da gibt es nichts zu mäkeln. Aber dennoch fehlt mir irgendwas... Ich bekomme keinen Zugang zu dem Gedicht, dass ich sagen könnte, wow, was eine Ode. Vielleicht ist es das, das du bei Klatschmohn sagtest. Dass die Form zu dominant ist oder so... Oder daran. dass der Inhalt ein trauriger ist? Fehlt mir einfach der Bezug zum Gedicht? Ich weiß es nicht. Aber so muss ich dabei verbleiben zu sagen, dass es handwerklich gut ist, aber mehr kann ich nicht sagen...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
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    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  7. #7
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    meinst du giulietta masina?
    lg w.

  8. #8
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    Das war "La Strada" von Fellini, G.M. als weiblicher Clown, aber deshalb traurig, weil der große Zampano Anthony Quinn sie wie Dreck behandelte.

  9. #9
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    Lieber Barbarossa .

    Nee, nicht die Masina, La Strada ist mir gegenwärtig! Und es war auch nicht der Grieche und schon gar nicht Fellini! Ich denke wirklich eher an de Sica, weil in dem Film Heiterkeit und Tragik sehr eng beieinander waren, und das beherrschte der Knabe perfekt, oder? War der Clown vielleicht Mastroianni?
    Das schlechte Gedächtnis macht mir einen Strich durch die Rechnung. Namen sind für mich leider vergänglich, Begebenheiten (Filme) weniger - meine Signatur passt perfekt !


    Lieben Dank für deine Rückmeldung. Vielleicht kriegen wir den Fim doch noch in mein Hirn zurück?
    Herzliche Grüße,
    Medusa.



    Geändert von Medusa (28.05.2012 um 21:27 Uhr)

  10. #10
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    hallo medusa
    der falschrater war ich. lass mich's noch mal versuchen: meinst du l'oro di napoli?
    w.
    Geändert von kaspar praetorius (28.05.2012 um 23:11 Uhr)

  11. #11
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    Liebe Medusa,
    etwas spät- nun aber doch! sonnengeschädigt wie ich zur Zeit bin, tu ich mich heute ein bisschen schwer mit Kommentaren, aber ich versuch es:
    Ehrlich gesagt, habe ich noch keine Ode als solche bewußt vorher gelesen, deshalb weiß ich nicht wie eine Ode klingen, oder was sie aussagen soll, es hat mich auch noch nie dazu gedrängt. Na ja, die Ode an die Freude ist eine Ausnahme.
    Für mich ist eine Ode zur Zeit noch ein Gedicht nach einem bestimmten Strickmuster- und das hast Du eingehalten. Die Clowngeschichte gruselt mich ein bisschen. Ich weiß nicht ob ich den Film gesehen habe den Du meinst, aber vor meinem inneren Auge erscheint ein schwarz-weiß Film, nachkoloriert, mit einem solchen Clown. Das war sehr tragisch. Dann habe ich noch einen Film mit einem ganz bösen Clown vor Augen, der eine ganze Stadt vernichten wollte. Kurzum, ich mag keine Clowns. Sie sind mir viel zu sehr hinter Masken versteckt.
    Trotzdem, Du hast die Geschichte von dem traurigen Clown in Odenform so rübergebracht, dass diese ganzen Gedanken in mir ablaufen. Also hat mich Deine Ode berührt und lässt mich nachdenklich zurück.
    Liebe Grüße,
    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  12. #12
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    Guten Morgen zusammen .


    Liebe Nachteule .

    Fast hätte ich deinen Beitrag übersehen und das wäre unentschuldbar .

    Mit deiner Kritik rennst du bei mir offene Türen ein; ich sehe die Schwachstellen meiner Ode genau so wie du. Was nützt ein gutes Thema, wenn es der Form geopfert wird? Oder anders herum: Was bringt die perfekte Form, wenn sie nicht mit Leben gefüllt wird?

    Ich habe sehr, sehr lange daran geknabbert und musste traurig feststellen, dass mein "Talent" an solchen festen Formen scheitert; zudem ist mir diese etwas aufgeblähte Gefühlswelt fremd. Vielleicht sollte ich, wenn ich mich von diesem Schock erholt habe, eine sapphische Odenstrophe versuchen? Sie erscheint mir etwas leichter zu bewältigen.

    Wie dem auch sei, die Beschäftigung mit der Ode war auf jeden Fall lehrreich.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.


    Liebe Wilma .

    Nein, L'oro die Napoli war es nicht. Da spielt zwar die Loren mit und de Sica hat Regie
    geführt, aber es kommt kein Clown drin vor. Aber Neapel hört sich ganz gut an. Erinnerte
    ich den Namen des Schauspielers, käme ich wahrscheinlich auch auf den Filmtitel, schlimm, schlimm ... .

    Herzliche Grüße,
    Medusa.



    Lieber Ferdi .

    "Hüftsteif", das passt .

    Es ist wie beim Hexameter: Ich kriege die Leichtigkeit einfach nicht hin, obwohl ich mir größte Mühe gebe. Vielleicht ist es gerade das?

    Du schreibst vom "Durchlaufen" und "Durchschwingen", das ist es! Bei mir bekommen diese Formen immer einen Aufzählungscharakter, sind sehr kühl und distanziert, obwohl ich weiß, wie sie klingen müssten. Außerdem fließt meine Sprache nicht, sie ist hölzern, fast ungelenk und berührt nicht, wer spricht denn so . Selbst die Bilder sind nebulös.

    Wie du siehst, die Theorie funzt, aber die Praxis bleibt auf der Strecke. Vielleicht sollte ich diese Gedichte nicht in meinen Grauen Zellen, besser etwas tiefer ansiedeln?

    Ich danke dir für deinen aufschlussreichen Kommentar.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.



    Liebe Klatschmohn .

    Wie unterschiedlich Gedichte gelesen und empfunden werden! Deine Gefühle kommen aus der Seele, und da soll die Ode eigentlich auch hin und nachklingen. Dass meine Ode dies bei dir bewirken kann und dich nachdenklich stimmt, freut mich sehr.

    Vielen lieben Dank für deinen positiven Kommentar.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  13. #13
    Derolli Guest
    Liebe Medusa,

    ein schwereren Inhalt hättest du dir für eine Ode fast nicht aussuchen können. Wenn man will eine Ode an einen tragischen Helden, der andere glücklich macht, selbst aber leidet. Schwer darauf ein Loblied zu singen.

    Dennoch ist deine Ode einmalig (jedenfallst habe ich noch nie eine vergleichbare gelesen), weil du durch die wörtliche Rede des Clowns eine Brücke für diese alte Gedichtform zur Gegenwart spannst. Eine prikelnde Dualität entsteht dadurch!
    „Nit mööööglich“ ruft er, fröhlich sind Jung und Alt.
    „Nit möööglich“ rufen, immer und immerzu
    Diese beiden Verse bringen deshalb für mich auch die Bedeutung, also den Inhalt, des Gedichtes auf den Punkt, sie sind für mich der Schlüssel zur Qual (dem monotonen Wiederkehren der täglichen Routine) des Clowns.

    Vom Klang her hat es mir dieser Vers angetan:
    Wie kühn die Sprünge, waghalsig wilde Kunst.
    Ich mag Alliterationen, sie klingen so druckvoll, so einprägsam. Zwar kann man bemängeln, dass dieser Vers eine geschlossene Einheit darstellt und so das Druchschwingen verhindert wird, doch "Wie waghalsig wilde Kunst" - das ist hat einfach was.

    Das dir, wie du selbst sagst die Leichtigkeit bei Oden nicht so gelingt, das mag wohl daran liegen, dass es extrem schwer ist zwar an ein festes Metrum gebunden zu sein, aber die Vers- und Strophengrenzen zu sprengen... mir jedenfalls hat das am meisten zu schaffen gemacht.

    Für ein imposantes Gedicht über die Leiden des Clowns sehr gut, aber für eine Ode, super schwer umzusetzen.

    Liebe Grüße

    Derolli
    Geändert von Derolli (07.06.2012 um 09:06 Uhr)

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