Thema: Im Park

  1. #1
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    Im Park

    Im Park

    Vergilbte Seiten singen leise Lieder,
    ich lausche ihren totgeglaubten Klängen;
    und Gärten, die an Wolkenbergen hängen
    verlieren sich im steten Auf und Nieder,

    wie sommermüder, blassgetünchter Flieder.
    Da spüre ich ein dunkelblaues Drängen
    und sehe, dass die Farben sich vermengen:
    Verlassenheit und Stille kehren wieder.

    Ich liebe diesen Ort von Lust und Trauer;
    den Park, in dem schon manche Purpurschauer
    durch meine kargen Seelenhöfe wehten.

    Er prangt und steht in immervoller Blüte,
    als ob des Daseins Last ihn niemals mühte -
    und lacht mich an mit seinen Blumenbeeten.
    Geändert von Coup de grâce (22.01.2016 um 08:42 Uhr)
    Ich bin definitiv nicht für diese Zeit gemacht.

  2. #2
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    @Picasu


    Moin.
    Zitat: „durch meine kargen Seelenhöfe wehten.“

    Ein Bildlicher Wiederspruch in sich. Seelenhöfe, da sehe ich weite große Hallen. Dazu karge? Ähnlich wie meine wenigen Millionen. Seelengassen würde zu karge besser harmonieren, oder stille zu Seelenhöfe, oder bleiche zu Seelenhöfe.




    Zitat: Vergilbte Seiten singen leise Lieder,
    Möglich, dass der Kontrast besser funktioniert:
    Vergilbte Seiten wispern alte Lieder,

    Ansonsten, ein ausdruckstarkes Sonett, wobei ich mir nicht sicher bin, ob These, Antithese klar genug funktionieren. Die Synthese funktioniert sehr gut.

    Nachtrag: und lacht mich an mit seinen Blumenbeeten.
    Überlegungswert:
    und lacht mich an mit seinen frischen(jungen)(neuen) Beeten.
    Und lacht mich an mit immerfrischen Beeten-

  3. #3
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    Moin Horst,

    schön, dass wir langsam aber sicher auf einen Nenner zusteuern -
    du weißt ja, dass ich ziemlich penibel sein kann.

    Karg im Sinne von trist, leer, grau, leblos, kalt passt mmn
    durchaus zu Seelenhöfen, allerdings:
    Das "still" gefällt mir ausnehmend gut, auch im Kontrast zu
    den Purpurschauern; auch die dadurch entstehende
    Alliteration sagt mir sehr zu. In diesem Sinne übernehme
    ich das.

    Das "wispern" passt mmn nicht zu Liedern - aber das "leise"
    ersetze ich gern durch "alte".

    Auf die Änderung der Conclusio verzichte ich allerdings.
    Das Werk ist ohnehin schon sehr adjektivbelastet und die
    Blumenbeete tuns doch auch, meinst du nicht?

    Wie immer einen herzlichen Dank für Deine Gedanken und
    Anregungen!

    Liebe Grüße

    Picasu

    Nachtrag: Musste Q2V4 noch ändern wegen der "still" Doppelung.
    Geändert von Coup de grâce (29.05.2012 um 08:10 Uhr)
    Ich bin definitiv nicht für diese Zeit gemacht.

  4. #4
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    @Picasu


    Ja ich weiß, wir haben manchmal unterschiedliche Auffassungen gehabt. Es wäre auch traurig, wenn alle schreien würden, prima. Wobei dein Sonett sehr gelungen ist. Da ist alles drinnen, schöne Natur und Philosophie.
    Glückwunsch.




    Er prangt Jahrein, jahraus, in voller Blüte,
    als ob des Lebens Last ihn niemals mühte -
    und lacht uns an mit bunten Blumenbeeten


    Warum ziehe ich „bunten“ gegenüber den „seinen“ vor? Ganz einfach, „seinen“ ist hier wirkungslos, da wir ja sowieso von einem Park erzählen. „Bunten“ verstärkt den Lebenssinn, die Vielfältigkeit. Damit werden die Blumenbeeten noch eine Stufe höher gehoben.


    So tschüss.

  5. #5
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    Hallo Picasu!

    Schön, dass du hier bei Gedichte.com mal wieder vorbeischaust – und noch dazu mit einem so stimmungsvollen Sonett!

    Horstgrosse hat sich des Inhalts ja bereits sehr ausführlich angenommen. Ich stimme ihm in Bezug auf These und Antithese weitgehend zu. Aber andererseits: Welches Sonett setzt schon klare Grenzen? Und welche Rolle spielen klassisch-strenge Regeln, wenn das, was man liest, einen anspricht? Dein „Park“ spricht mich an, vielleicht auch deshalb, weil ich (und sicherlich viele andere) den Wert eines schön gestalteten Parks zu schätzen gelernt habe. Solch ein Park kann eine kleine Heimat, eine Zuflucht werden, der ruhige Pol, in dem man sich selbst wieder versammelt. Das hast du sehr schön mit deinen Worten eingefangen.

    Ich könnte jetzt sagen, dass mir der Wechsel der Gefühlsaufwallung und -legung in Strophe 2 ein wenig zu gedrängt erscheint. Denn ein Drängen bedeutet für mich zunächst mal Bewegung, Gedränge. Du schreibst, dass sich die Farben vermengen. Auch das sehe ich als Bewegung. Doch dann kehrt für mich zu plötzlich die Ruhe (und Verlassenheit) ein.

    Dann sehe ich, dass aus den kargen inzwischen stille Seelenhöfe wurden. Doch „still“ gefällt mir auch noch nicht so ganz. Vielleicht wären „weite Seelenhöfe“ oder gar „dunkle Seelenhöfe“ noch besser? (Einen Purspurschauer auf dunkle Höfe fände ich als Bild recht reizvoll.) Denn aus deinem Gedicht spricht mir eine leise Melancholie entgegen.

    Die letzte Zeile mit den Blumenbeeten hat mir ein Lächeln ins Gesicht gesetzt. Ich musste gleich an „meinen“ Park denken, der immer so schön bepflanzt wird, dass es eine Augenweide ist.

    Ein schönes, klassisches Gedicht, das mir sehr gefällt

    Herzlich
    Honigblume

  6. #6
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    @Honigblume


    Dein Zitat:
    “ Dann sehe ich, dass aus den kargen inzwischen stille Seelenhöfe wurden. Doch „still“ gefällt mir auch noch nicht so ganz. Vielleicht wären „weite Seelenhöfe“ oder gar „dunkle Seelenhöfe“ noch besser? (Einen Purspurschauer auf dunkle Höfe fände ich als Bild recht reizvoll.) Denn aus deinem Gedicht spricht mir eine leise Melancholie entgegen.“

    Der Ausdruck „Seelenhöfe“ bezogen auf Höfe, gibt mir innerlich ein breites großes Gehöft ab. Von dieser Eigenschaft oder Feststellung ausgehend möchte man den Zustand des Gehöftes beschreiben. Die erste Beimengung „karg“ sagte aus, das der Inhalt im Gehöft spärlich sei. (gering) Das stimmt aber nicht ganz so, es ist gefüllt mit reichlich glücklichen Bildern (Von vergangenen Tagen) aber sie schlafen. Schlafen- eben still. Dein Vorschlag „dunkel“ assoziiert unterschiedlich Betrachtungsweisen.
    Dunkle Seelenhöfe, hat auf alle Fälle einen bitteren Beigeschmack, wie negative Bilder, aber warum? Natürlich könnt man bei „dunkel“ auch altes oder zerfallenes sehen, richtig. Aber die Zweideutigkeit (negativ) würde bestehen bleiben.

    Ich denke „stille Seelenhöfe“ ist perfekt, denn sie vermitteln unbewusst, früher waren sie nicht still. Möglich aber, das ich das zu eng sehe. Mal schauen was Picasu meint.


    Übrings, schön, das die Honigblume auch mal da ist, grins.

  7. #7
    Rûh Al-Qudus Guest
    xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
    Geändert von Rûh Al-Qudus (21.03.2013 um 00:48 Uhr)

  8. #8
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    Irgendwie missfallen mir die Seelenhöfe. Ein Hof gehört zu einem "Haus" = Mondhof z. B. Seelenhof, das klingt ja doch ein bisschen sehr geschwollen. Aber das ist ein schön gestaltetes Sonett, es reißt mich zwar nicht unbedingt vom Hocker, aber ich habe es gern gelesen.

    Gruß, Smarty

  9. #9
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    Hallo allerseits,

    verzeiht bitte meine etwas längere Abwesenheit; schön zu sehen, dass sich hier eine Art Eigendynamik entwickelt hat.
    Hallo Horst, ich stimme Dir zu - "seinen" ist redundant, weswegen ich mich gerne zu den "bunten" Blumenbeeten hinreißen lasse, obwohl mir diese "Lösung" etwas arg flach erscheint... =/ Gib mir noch etwas (mehr...) Zeit!

    Hallo Honigblume
    , vielen Dank für Deinen Kommentar und schön, dass Du auch nach meiner sehr langen Unsichtbarkeit noch bei mir vorbeischaust. Um Deinem Kommentar annähernd gerecht zu werden, muss ich auch hier die Teilinterpretation liefern, dass ich beim dunkelblauen Drängen nicht umbedingt die Gefühle im Mittelpunkt hatten.
    Die Quartette sind viel mehr als Tag/Nacht These/Antithese ausgelegt (zumindest meinerseits...), welche dann wiederum im übertragenen Sinne auf die Gefühle übertragen werden können, aber nicht müssen.
    Q1: Lesen, Licht, betrachten des Blattwerks das augenscheinlich an den Wolken hängt und sich im Wind bewegt
    Q2: Vermenung der Farben, dunkelblaues Drängen (Dämmerung->Nacht); Verlassenheit, Stille
    Terzette: Synthese mit Interpretationsspielraum (war zumindest die Intention...)

    Zu den Seelenhöfen: durch "dunkle" geht zwar die Alliteration verloren, aber die Wirkung nimmt zu. Ich übernehme es mal provisorisch und schaue, wie es sich macht, danke..
    An Horst nochmal, Zitat: "Das stimmt aber nicht ganz so, es ist gefüllt mit reichlich glücklichen Bildern (Von vergangenen Tagen) aber sie schlafen."
    Mich würde brennend interessieren, woran Du diese Aussage festmachst. Der melancholische Unterton ist in diesem Gedicht mMn fast überdominant, weswegen auf "reichlich glückliche Bilder" eigtl. gar nicht geschlossen werden kann?!

    Hallo Rûh Al-Qudus,
    freut mich, dass Du ein wenig in meinen Park mitgekommen bist und Dich wohlgefühlt hast.
    Trotz der aufmunternden Conclusio finde ich, dass eine gewisse Grundmelancholie im Werk mitschwingt - und ob das LI den Blumenbeeten auf gleicher Ebene begegnen kann, bleibt dem Leser überlassen...
    Dein grundsätzliches Missgefallen gegenüber den Parkanlagen kann ich durchaus nachvollziehen - doch mit Zeitmangel bleibt zumindest mir in der Großstadt nichts an Alternativen...

    Hallo Smarty,
    da dreh ich am Adjektiv herum und Dir stößt das Substantiv unangenehm auf...
    Ich nehme es einfach mal als geschwollen hin, da mir die Assoziation von Haus zu
    Seele nicht unbedingt als realitätsfern erscheint.
    Vom Hocker hauen möchte ich niemanden, lediglich etwas Freunde und Unterhaltung bereiten -
    wenn das klappt, schön - wenn nicht, schade, aber genauso legitim...
    Danke für Dein Vorbeischauen.


    Grüße an euch Alle

    Picasu
    Ich bin definitiv nicht für diese Zeit gemacht.

  10. #10
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    Lieber Picasu,

    ich würde, um die Melancholie und Idylle ein bisschen zu brechen "mit seinen aufgepflanzten Blumenbeeten" vorschlagen.

    LG
    Okotadia

  11. #11
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    @Picasu


    Zitat:
    An Horst nochmal, Zitat: "Das stimmt aber nicht ganz so, es ist gefüllt mit reichlich glücklichen Bildern (Von vergangenen Tagen) aber sie schlafen."
    Mich würde brennend interessieren, woran Du diese Aussage festmachst. Der melancholische Unterton ist in diesem Gedicht mMn fast überdominant, weswegen auf "reichlich glückliche Bilder" eigtl. gar nicht geschlossen werden kann?!

    Antwort:
    Zitat:
    Vergilbte Seiten singen leise Lieder

    Also waren sie einmal „lebhafter“ Vergilbte Seiten waren einmal rein, schön, ein Lieblingsort, mit angenehmen Erinnerungen.

    Zitat:
    Ich liebe diesen Ort von Lust und Trauer;
    den Park, in dem schon manche Purpurschauer

    Purpur//=Schmuck=Prunk=Prachtentfaltung= Glanz=Schönheit.

    Also, durch den Park ziehen jetzt noch, manche Erinnerungen an schönere Tage durch, natürlich gedanklich. Das alles steckt in „Purpurschauer.“
    Mein Denken.


    Nachtrag:
    Zitat:
    und lacht mich an mit seinen Blumenbeeten.

    Und lacht mich an mit Immergrünen Beeten.
    Geändert von horstgrosse2 (08.06.2012 um 08:05 Uhr)

  12. #12
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    sind es nicht eher Saiten..............Instrument, die da da leise Lieder "singen"...dass Seiten von Büchern, Heften singen sollen, befremdet mich etwas

    und das Ganze deutet auf die besondere Kraft und Einzigartigkeit des Parks hin:
    ..."ich liebe diesen Ort voll Lust und Schauer und
    ...."er prangt und steht in immervoller Blüte"--
    da wirkt es dann lapidar, fast am Thema vorbei, wenn der Titel des Gedichts nur "Im Park" lautet und nicht "Der Park" oder ist dir das zu statisch, am thema vorbei ist natürlich stark übertrieben, aber so in der Art kommt die Überschrift nach dem Lesen des Gedichts raus

    sehr schön alles, gern gelesen!!
    Geändert von wortfee (01.07.2012 um 10:14 Uhr)
    du bist jung
    wenn du liebst
    und alt wie trockener gips
    wenn du die hoffnung aufgibst

    rose ausländer

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