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    Toleranz, Rinderwahn und Labskaus

    Aufgeschlossenheit. Wer ist schon aufgeschlossener als die Jugend?
    Und ich meine hier nicht das Aufgeschlossen, wenn einige ihrer vortrefflichsten Vertreter aus dem Jugendknast entlassen werden.
    Warum denn nicht mal anstelle von "Bauer sucht Frau" eine Sendung mit dem Titel
    "Schläger sucht Knast"?
    Aber hallo liebe Privaten, falls ihr jetzt Blut geleckt haben solltet, erkläre ich hier an Eides statt, dass ich auf alle finanziellen Ansprüche meinerseits, die sich aus der Ausschlachtung meiner Idee ihrerseits ergeben würden, aus moralischen Überlegungen genauso verzichten werde wie aus Gründen des guten Geschmacks. So das musste unbedingt noch raus, bevor ich Ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Jugend lenken möchte.
    Die Jugend ist tolerant, sie ist aufgeschlossen gegenüber andersdenkenden, anders aussehenden Menschen, Menschen mit anderen sexuellen Ausrichtungenals die Masse. Ich gebe zu, vielleicht nicht in allen Teilen Deutschlands gleichermaßen, aber immerhin tut sie sich doch damit wesentlich leichter als wir Erwachsene. Dennoch sollte ein jugendlicher Schalke-Fan vielleicht nicht gerade auf dem Borsigplatz sein Vereinslied skandieren, denn irgendwo hat ja auch Toleranz ihre Grenzen.
    Wie sang doch Robert Long so treffend:
    "Heute sind wir tolerant, tolerant, tolerant. Wir finden selbst die größten Idioten intressant,
    wir reichen jedem Arsch die Hand.. "
    Nur eben keiner blau-weißen, wenn man ein Schwarz-Gelber ist. Doch verlassen wir jetzt die Rivalitäten im Profifußball und wenden uns wieder dem ursprünglichen Thema zu. Sie fragen sich bestimmt: Was war das denn noch gleich?
    Auch wenn Vergesslichkeit durchaus ein Symptom darstellt, müssen Sie jetzt nicht gleich Angst bekommen, es könnten sich erste Anzeichen von Alzheimer oder Rinderwahn bei Ihnen ankündigen. Zum Thema Rinderwahn möchte ich an dieser Stelle kurz etwas einfügen.
    Es soll mittlerweile einen neuen Schnelltest geben, mit dem sicher festgestellt werden kann, ob das betreffende Tier mit BSE infiziert ist oder nicht. Dabei wird das angeborene Fressverhalten der Rinder zugrunde gelegt. Rinder sind von Natur aus Grasfresser, sollten Sie dazu wissen. In der Versuchsanordnung stellt man unseren wiederkäuenden Hamburger-Lieferanten folglich einen Trog mit Tiermehl und einen mit frischem Gras vor die Rübe. Zur Interpretation: Wenn das Rind das Tiermehl lieber frisst als das Gras, muss das Gehirn schon so weit aufgeweicht sein, dass zwingend auf Rinderwahn geschlossen werden sollte. Die einzige Ausnahme in dieser Versuchsanordnung bilden blinde Rinder, die Schnupfen haben.
    Um den Faden wieder aufzunehmen, will ich zu Ihrer Beruhigung gerne gestehen, dass auch ich grade im Skript spicken musste, um nachzulesen, was das eigentliche Thema noch mal war. Ich hoffe, nun schwappt nicht gleich eine Welle von Rüchtrittsforderungen durch unser Land, die ja gerade höchstpopulär zu sein scheint und äußerst medienwirksam einem Tsunami gleichend durch die Presselandschaft rauscht. Aber zu meiner Verteidigung will ich folgendes anfügen: Ich habe von meinem eigenen Skript abgeschaut und auch keinen Ghostwriter engagiert, um mir zu Unrecht irgendwelche Ehrenbekundungen anzuhängen, die ihren einzigen praktischen Nutzen vielleicht darin haben, beim Reservieren in einem schicken Restaurant einen besseren Tisch zu ergattern. In der Politik jedenfalls sollen bei der Kandidatennominierung bereits erworbene Doktortitel einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil bedeuten.
    Kein Doktor, keine Plagiatsvorwürfe, keine Rücktrittsdebatte, kein Stress!
    Sehr zu Leidwesen der Boulevardpresse versteht sich. Aber die werden sicher andere Schlachtfelder finden, um ihre sensationsgeile Leserschaft adäquat zu befriedigen. Wie haben wir bei James Bond gelernt? "Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten!"
    Man braucht sich um diese Zunft sicher keine allzu großen Sorgen zu machen. Wer nicht einmal davor zurückschreckt, Lady Di in den Tod zu hetzen, um den wird es nie richtig schlecht bestellt sein. In den Reigen derjenigen, die behaupten, diese Tragödie sei allein inszeniert worden, um die Auflagenzahl zu steigern, möchte ich aber nicht einstimmen. Ich muss aber dazu sagen, dass mir ein gehöriges Maß an Naivität nachgesagt wird. Regeln kann das sowieso allein der Leser. Denn es wird doch stets das befriedigt, was erwünscht ist. Besonders den Frauen wird ja ein häufiger Konsum dergleichen nachgesagt, und das nicht nur, weil sie ohne diesen visuellen Labskaus gar nicht wissen, wie sie den nächsten Friseurtermin überstehen sollen.
    Beim Labskaus, das sollte ich an dieser Stelle erläutern, müssen grundsätzlich zwei Komponenten unterschieden werden, eine visuelle und eine geschackliche. Was unsere Assoziation bei Ersterer eher in Richtung Erbochenes lenkt, kann vom Geschmack her dagegen durchaus positiv überraschen. Ich finde es wichtig zu betonen, dass ich durch das Weglassen der geschmacklichen Komponente der oben erwähnten Metapher noch ein wenig mehr an Schärfe geben wollte.
    Sie fragen sich nun vielleicht auch, wer in dieser Kausalkette eingentlcih mehr Schuld trägt am Tod von Lady Di, die Frauen oder die Friseure?
    Dazu möchte ich mich nur sehr ungern äußern oder für eine Seite zu stark Partei ergreifen, nicht zuletzt weil mir ja bewusst ist, dass ich sowohl von der einen wie von der anderen Gruppe auch in Zukunft abhängig sein werde, wenn es darum geht, gewisse menschliche Bedürfnisse einzufordern.
    Nur soviel:
    Wenn Sie in Zukunft keine Bilder mehr von toten Prinzessinnen sehen möchten, machen Sie von Ihrem Recht als Nichtleserin ruhig Gebrauch.


    Peer Dorst
    Geändert von Peer Dorst (01.06.2012 um 14:38 Uhr)

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