1. #1
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    Todesspirale für Ärzte

    Ach ja die Ärzte!
    Was ist aus den Halbgöttern in weiß bloß geworden?

    Selbst in der Nachkriegszeit, als sich allmählich der Schleier über den Verstrickungen der Mediziner in die Verbrechen der NS-Zeit gelichtet hatte, war es um den Ruf der Kittelträger nicht so mies bestellt wie heute. Aus den Halbgöttern von gestern sind die Abzocker von heute geworden. Wie immer wird auch in diesem Falle ein Pauschalurteil nicht allen gerecht, und deshalb sollte man sich doch hüten, wegen ein paar schwarzer Schafe gleich die ganze Herde zu keulen.
    Woher kommt aber diese neue Missstrauen denjenigen gegenüber, die sich einst aufgemacht hatten, unsere Schmerzen zu lindern und Krankheiten zu heilen?
    Meiner Meinung nach ist das Misstrauen ein ganz entscheidender Faktor dabei. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stimmt einfach nicht mehr. Großartig verwundern kann das jedoch in der heutigen Zeit niemanden mehr, wenn die Politik mit immer neuen Gesundheitsreformen ein Klima schafft, in dem sich mehr und mehr Kunde und Verkäufer gegenüberstehen.
    Und eins ist doch ganz klar:
    Wer aus einem Arzt einen Verkäufer macht, der stempelt auch den Patienten zum Kunden ab.
    Natürlich kann niemand abstreiten, dass die Ärzte selbst auch einen großen Teil zu ihrem schlechten Image beigetragen haben. Wer Patienten abzockt oder bei der Abrechnung betrügt, zeigt ganz deutlich, dass die moralisch-ethische Komponente, die dem Arztbegriff im Verständnis vieler Menschen nach wie vor angehört, dringend eines Rettungsschirmes bedarf.
    Vielleicht sollte in der Ausbildung der Mediziner nicht völlig darauf verzichtet werden.

    Längst macht der Begriff der Zweiklassenmedizin die Runde. Keine Erfindung der Neuzeit, wie nachzulesen ist. Schon im alten Ägypten gab es so etwas wie eine Zwei- bzw. sogar eine Dreiklassen- Medizin. So konnte ein Chirurg zur damaligen Zeit unterschiedliche Honorare berechnen, je nachdem wen er gerade unter dem Messer hatte. Am meisten konnte er bei der Behandlung von Bürgern einstreichen. Für das Kurieren von Palastangestellten gab es nur die Hälfte, sozusagen einen Pharaonen-Rabatt, ganz zu schweigen von dem Spottpreis, den er für die Behandlung von Sklaven anrechnen durfte.
    Auch die Ahndung von Kunstfehlern war schon exakt festgelegt. Da konnte der Medicus ruckzuck eine Hand verlieren bei grober Fahrlässigkeit. Stichhaltige Beweise, ob der unfreiwillig Einhändige in solchen Notlagen sowas wie Ramses IV beantragen konnte, liegen derzeit noch unentdeckt unter dem Sand der ägyptischen Wüste, also fleißig weiterbuddeln.
    Was aber die Sphinx angestellt haben muss, um gleich ihre ganze Nase einzubüßen, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Eins lässt sich aber mit Sicherheit nicht leugnen, Ärzte sind auch nichts anderes als Menschen mit all ihren Ängsten und Schwächen. Vor einigen macht sogar die Insolvenz nicht Halt. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Erklärungsansätze.
    Zum einen arbeiten doch überwiegend junge attraktive Damen als Sprechstundenhilfen oder medizinisches Fachpersonal in den Praxen. Da soll es vereinzelt vorkommen, dass sich der Arzt seiner menschlichen Seite mehr oder weniger bewusst wird, was wiederum die Frau des Arztes darin bekräftigt, sich aus der Verbindung mit dem Halbgott zu verabschieden und in den Kreis der Normalsterblichen zurückzukehren. Da nun aber der Nachschub an jungen attraktiven Damen in den Praxen schier unerschöpflich zu sein scheint und auch einem Arzt natürlich das Recht nicht abgesprochen werden darf, sich seiner Menschlichkeit bewusst zu werden, besteht bei allzu starker Häufung von Scheidungen die Gefahr, dass selbst umsatzstarke Praxen nicht mehr zu retten sind. Egal wie hoch der Anteil an Privatpatienten in der Praxis auch sein mag, egal wie viele IGeL- Leistungen das Praxisteam an den Patienten gebracht hat, wer für drei Exfrauen aufwärts bezahlen muss, hat eine beträchtliche finanzielle Schieflage bis hin zum Kollaps zu erwarten.
    Daneben besteht aber auch eine andere, viel perfidere Gefahr, die jeden Arzt finanziell in die Tiefe reißen kann. Man bezeichnet sie gerne als Todesspirale. Dem liegt ein ziemlich undurchsichtiges Gedankenkonstrukt zugrunde. Wer dafür verantwortlich zeichnet, kann ich Ihnen nicht sagen.
    Sie müssen sich das etwa folgendermaßen vorstellen:
    Also ein Arzt muss sich einen teuren Wagen kaufen, auch wenn er das gar nicht will. Denn wenn er einen teuren Wagen fährt, denken die Patienten, dass er viel verdienen muss. Wenn der soviel verdient, muss er viele Patienten haben, und wenn er viele Patienten hat, muss er gut sein, sonst würden wohl nicht so viele hingehen, weil er nicht gut wäre. Und glauben Sie mir, das lässt sich problemlos erweitern mit Beispielen der Praxisausstattung von Röntgengeräten bis hin zu exorbitant teuren Lasern.
    Wie es um die Prognosen bei der Neugründung einer Praxis steht, lässt sich am einfachsten bei dem Versuch herausfinden, in einer Bank dafür einen Kredit zu bekommen. Auch hier gilt selbstverständlich: Ärzte sind bloß Menschen, und normale Mensche bekommen nur dann einen Kredit, wenn sie beinah glaubhaft nachweisen können, das sie ihn eingentlich gar nicht bräuchten.
    Welches Fazit bleibt nun für uns nach alledem?
    Ich weiß es nicht, als brennender Busch bin ich eine Niete, am besten Sie fragen Dieter Nuhr.
    Aber vielleicht stellen Sie sich ihm( Ihrem Arzt, nicht Dieter Nuhr) beim nächsten Besuch in seiner Praxis ganz einfach als Patient vor. Dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass Sie auch auf einen Arzt treffen werden. Und wenn er Sie dann trotzdem wie einen Kunden behandeln sollte, holen Sie bessere Angebote ein.

    Peer Dorst
    Geändert von Peer Dorst (03.06.2012 um 10:44 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
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    Hi, Peer Dorst!


    Das ist ein feines Stück Prosa, gewürzt mit einer gehörigen Prise Sakasmus und Ironie.
    Gefällt mir ausgezeichnet.

    Was den Sphinx von Gizeh (der mit der kaputten Nase) angeht:

    dass der strenggläubige Scheich eines Kairoer Sufi-Klosters, Mohammed Saim el-Dar (Muhammad Şā'im ad-Dahr, deutsch: „Jemand, der die ganze Zeit fastet“), als fanatischer Bilderstürmer die Nase der Sphinx 1378 abschlug und von der aufgebrachten Menge umgebracht wurde



    LG
    Barbarossa

  3. #3
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    Hallo Barbarossa,

    danke für die aufmunternden Worte und natürlich auch für Deine Background-Info die Nase betreffend, wusste ich natürlich nocht nicht. Aber ehrlich gesagt halte ich mich weiterhin an die Version, in der Obelix die Hauptrolle spielt, nichts für ungut.

    LG
    Peer Dorst

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