1. #1
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    Mar 2011
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    Alphonse und Avecude



    AVECUDE
           Werter Herr, mir wurde zugetragen,
           dass Ihr mich wollt etwas fragen.
           Ich bin kurzerhand hier her geeilt,
           durch diese vielen, langen Gänge,
           habe an keiner Stelle verweilt,
           kam zu Euch auf direktem Wege
           und stehe Euch nun zur Verfügung,
           für die gewünschte Unterredung.
    ALPHONSE
           Ach, wie wunderbar, du bist nun hier,
           stehst in deiner weiblichen Pracht vor mir
           und wie ich sehe, trägst du die Kleider,
           welche ich dir kunstvoll schneidern ließ.
           Sie schmeicheln deinem grazilen Körper
           und sind gemacht aus dem gar feinsten Vlies.
           Chrysomallos selbst hatte kein schön'res,
           damals, als man es ihm nahm in Kolches.
    AVECUDE
           So sehr ich es liebe und es mir gefällt,
           verglichen zu werden mit 'ner anderen Welt,
           desto lieber möchte ich von Euch wissen
           was dies alles hier zu bedeuten hat.
           Heut' morgen schlief ich auf meinem Kissen,
           doch abrupt zerrte man mich dort fort
           und viele, viele stumme Schneider
           nähten mich in befremdliche Kleider.
    ALPHONSE
           Am Tage zuvor war ich am Marktplatz
           und dürstete nach einem neuen Schatz
           und als ich dich dort sah, mein Schimmer,
           wurde mir eines so ganz gänzlich klar.
           Mein ach so schönes Frauenzimmer,
           du warst dort himmlisch, göttlich wunderbar
           und brachtest bei meinen vielen Tagen,
           noch mein altes Herz wie wild zum Schlagen.
    AVECUDE
           Ach, mein lieber Herr, mein lieber Herr,
           Ihr schmeichelt mir doch wirklich sehr.
           Doch gibt mir keine Eurer Preisungen
           auch nur in geringster Art und Weise
           eine Antwort auf eine meiner Fragen
           und es ist mir eines meiner Dürfnisse,
           den Grund für dies alles hier zu finden,
           um den ach so dichten Nebelwald zu lichten.
    ALPHONSE
           Du standest dort auf einem Podest
           und hieltest an deinem Leben fest,
           denn, wie ein gar schlichtes Objekte
           trugst du ein Schild um deinen Hals,
           wie ein Tier auf 'nem Bauernmarkte,
           auf diesem stand geschrieben der Preis,
           welchen, wenn man dich haben wollte,
           wohl oder übel zahlen musste.
    AVECUDE
           So habt Ihr den Betrag gegeben,
           von Eurem eigenen Vermögen!
           Ach, ich weiß doch garnicht,
           wie ich es Euch denn je vergüten kann!
           Nun, so sehe ich es als meine Pflicht,
           Euch jeden einzeln' Wunsch zu erfüllen!
           Ihr habt mir meine Freiheit geschenkt
           und dafür sei Euch ewiglich gedankt!
    ALPHONSE
           Halte mich bitte nicht für einen Tor,
           doch fürchte ich, liegt hier ein Irrtum vor.
           Ja, fürwahr, ich habe dich dort fortgekauft,
           aber dies bedeutet nun wirklich nicht,
           dass dein Leben nun ganz frei verläuft.
           Du stehst nun auf ewig in meiner Pflicht
           und musst und sollst jede meiner Launen
           von meinen beiden Augen ablesen.
    AVECUDE
           Nun weiß ich, wie der Hase rennt
           und dass er keinen Anstand kennt.
           Ich hielt Euch für einen rechten Mann,
           doch seid Ihr wahrlich nicht mehr
           als ein gar widriger Scharlatan
           und ein elend lüsterner Freier!
           Wie konnt' mich die Tat eines Menschen
           nur so wunderlich schrecklich täuschen?
    ALPHONSE
           Sei es wie es wolle, so ist nun mein Wille
           und mein Wille verlangt nun deine Stille.
           Ich habe dich gut und recht erworben
           und feines Gold für dich bezahlt
           und du musst mir nun ergeben
           sein, oder deine Tage sind gezählt.
           So wirst du dich nun erfreuen
           an meinem leiblichen Verlangen.
    AVECUDE
           Wo steht Euch denn nur Euer Sinn?
           In meinem Land galt ich als Göttin.
           Meine Ländereien erstreckten
           sich über gar maßlose Weiten
           und verwahrten und bewahrten
           die wunderbarsten Schönheiten.
           Ihr solltet daher dann nur wissen:
           Ich muss mir dies nicht bieten lassen!
    ALPHONSE
           Doch dann setzten wir dein Reich
           dem unseren gar völlig gleich.
           Wir haben es gänzlich erobert
           und zu unserem Eigen gemacht,
           deine Herrschaft damit beendet
           und dich auf den Sklavenmarkt verfracht'.
           Dort traf ich dann eine Übereinkunft
           und habe dich dem Herren abgekauft.
    AVECUDE
           Ihr habt nie, nimmer über mich triumphiert!
           Wenn, dann habt Ihr gar mein Leben ruiniert!
           Euer Volk beraubte mich meiner Kinder
           und zwang mich eisern mit anzusehen,
           wie sie stahlen und raubten meine Länder
           und meinem Manne sein Leben nahmen!
           Schrecklich weinend kniete ich vor den Armeen
           und flehte und wimmerte um Erbarmen!
    ALPHONSE
           Du musst doch nicht so übertreiben.
           Du solltest es vielmehr rosig sehen.
           Denn ohne 'nen Mann an deiner Seite
           und ohne diese hinderlichen Kinder,
           wird die kommende Zeit für uns Beide
           mit Sicherheit noch um Vieles schöner.
           Sie könnte uns unter Umständen
           doch in eine Romanze einbinden.
    AVECUDE
           So sprecht nicht von mir als Eure Romanze,
           bin ich doch mehr wie eine Pomeranze!
           Meine Kleider sind wie meine Schale,
           welche Ihr pellt und dann eiligst entsorgt
           und mein Körper ist mein frucht'ges Fleische,
           an welchem Ihr Euch so begierig labt!
           Ihr solltet mich in dünne Scheiben schneiden
           und Euch so recht an meinem Leibe weiden!
    ALPHONSE
           O, wie ich mich an dir weiden werde.
           Wie ein wilder Hengst und dessen Herde
           falle ich tobend über dich herein
           und besteige dich wie eine Stute.
           Du wirst dann gänzlich die Meine sein
           und nicht wissen, wie es dir zu Mute
           sein wird, wenn ich voller Lust liebkosen
           werde deinen gar prächtigen Busen.
    AVECUDE
           Unerhört! Wie könnt Ihr es wagen
           solch Schändliches von Euch zu geben!
           Dieser Körper ist mein Heiligtum       
           und will nicht von Eurem Schund
           ehrlos entweiht werden und Faktum
           solle Euch eines nun werden Kund:
           Niemals werdet Ihr meinen Busen
           auch nur zu Gesichte bekommen!
    ALPHONSE
           Ein gar schöner, blanker Rücken
           kann doch auch wahrlich entzücken.
           Darum löse nun dein Mieder
           und sei so nett, zeige ihn mir.
           Dann beuge dich darnieder
           wie ein gar läufiges Tier
           und lass dich nun bequemen
           mich dich endlich zu nehmen!
    Geändert von Leopold Lilienfeld (10.06.2012 um 21:54 Uhr)
    Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. - Albert Einstein

    Es ist nur ein schmaler Grat zwischen Narr und Dichter.

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