1. #1
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    Schneewittchen Remake

    Was es hiermit auf sich hat, sowie Platz für Kommentare, Ideen und Vorschläge findet ihr HIER.

    I Akt 1. Szene Prolog

    Der Vorhang ist geschlossen. Ein Mann in bunten Lumpen betritt die Bühne, schaut sich um, erblickt das Publikum, betrachtet es fragend und zögert kurz. Dann spricht er es an:

    Erzähler:       Kamt ihr, Geschichten zu hören?
       Da will ich niemanden stören. (kurze Pause, dreht sich langsam weg und dann ruckartig zum Publikum)
       Aber ich kenne da eine,
       Wäre das eine so Feine!
       Ach, ich erzähle sie einfach.

    (Geht während des Erzählens auf und ab und gestikuliert mit den Armen)
       Es war einmal vor unendlich langer Zeit
       Und in einem Land sehr weit entfernt, ganz weit,
       Da gebar die Königin ein Kind, ein Kind,
       Dessen Haare schwarz wie Ebenholze sind,
       Schneeweiß seine Haut und Lippen, rot wie Blut.
       Dennoch ist die Tochter nicht des Teufels Brut.
       Auch wenn Majestät bei der Geburt noch starb
       Und der König lang in Einsamkeit verdarb,
       Heiratete er erneut ne schöne Frau.
       Jahre gingen, Schneewittchen wurd älter. Schau:
    (mit dem letzen Wort verbeug er sich, der Vorhang öffnet sich, er weist in Richtung der Bühne und verlässt diese. Es wird die böse Stiefmutter vor dem Spiegel sichtbar. Sie trägt eine Narrenkappe.)

    I Akt 2. Szene Spiegelsaal

    Spiegel:        (mechanisch) Bitte Passwort eingeben!
    Stiefmutter:  Scheiß Tablets! Da braucht der Idiot (schreit das Wort überdeutlich) da draußen mal wieder ewig und
       schon wird man abgemeldet.
    Spiegel:        Ich konnte sie nicht aufnehmen. Bitte sprechen sie langsam und deutlich.
    Stiefmutter:  (Überdeutlich) Da braucht der Idiot da draußen mal wieder ewig und schon wird man abgemeldet.
    Spiegel:        Danke, dass sie sich angemeldet haben. Sie haben nun Zugriff auf alle Daten.
    Stiefmutter:  Geht doch. Wenigstens habe ich eine Internetverbindung. „MyBeauty.com“ öffnen.
    Spiegel:        MyBeauty.com geöffnet.
    Stiefmutter:  Sehr schön! Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
    Spiegel:        Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.
    Stiefmutter:  (Streicht sich eitel durchs Haar) Sowas hört man doch gerne!
    (Der Erzähler betritt von der Seite den Raum. Stiefmutter und Spiegel (Gesicht) im Freez.)
    Erzähler:       So hat es sich nun immer zugetragen.
       Nur, heute änderte sich‘s, muss ich sagen.
       Doch lasst uns erst noch sehen,
       was dieses Mal geschehen:
    (Erzähler wieder verbeugend ab. Freez vorbei.)
    Stiefmutter:  „MyBeauty.com“ öffnen!
    Spiegel:        „MyBeauty.com“ geöffnet.
    Stiefmutter:  Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
    Spiegel:        Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.
    Stiefmutter:  Was erlaubst du dir! Ich bin die Schönste!
    Spiegel:        (nicht mehr mechanisch)Sorry, aber ich bin zur Wahrheit verpflichtete. Außerdem habt Ihr seit zwei Monaten
       keine Beiträge mehr bezahlt, eure Majestät.
    Stiefmutter:  (Schreit) Das ist die Höhe! (Wutentbrannt ab.)
    Spiegel:        (Schaut ihr nach) Tja, so ist das Leben. (zum Publikum) Ihr meint doch auch, dass sie ziemlich alt geworden ist.
       Und ich habe heute Morgen erst wieder Schneewittchen gesehen. Hui.
    (Vorhang schließt sich)
    Geändert von Nachteule (01.07.2012 um 02:04 Uhr)

  2. #2
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    I Akt 3. Szene Spiegelsaal

    Stiefmutter:  (murmelt wütend) Was fällt diesem dummen XC-579 ein, mich so zu beleidigen?Ich werde dieses
       Schneewittchen um die Ecke bringen, jawohl! (zu ihren Dienern) Holt mir diesen, wie heißt er doch gleich?    Ghostbuster? Nein. Crocodile Hunter? Nein. Achja… Holt mir den Typen von NikolausHuntingServices her!
    Diener:         (zum Publikum) Jetzt muss die schon wieder Befehle erteilen… Sind wir hier im Mittelalter oder was? (schließlich
       zur Stiefmutter, aber ironisch)
       Ja, natürlich, eure Majestät. (geht hinaus, murmelt dabei vor sich hin) Schon wieder ich, warum schickt die    nicht ihren ultimativen GH-56293-F? (ab)
    Stiefmutter:  (betrachtet sich von oben bis unten, Spiegel bleibt stumm, zieht während sie redet Grimassen) Ich soll nicht
       die Schönste sein? Die wird was erleben! Keine andere Frau hat 37 Paar Schuhe! Und das maßangefertigt! Soll    die mir mal unter die Augen kommen mit ihren Holzpantoffeln… (redet sich in Rage) Was für ein dummer    Computer! Nur Scheiß erzählt er mir… Und zum Anmelden ist das Altmetall auch nicht zu gebrauchen, ich    brauch‘ ein iPad!
    Diener:         (tritt mit Jäger ein, hüstelt um sich bemerkbar zu machen) Äähm. Äähm. (tritt von einem Fuß auf den
       anderen)

    Jäger:          (verdreht die Augen, raunt dem Boten zu) Jetzt scheiß dir nicht in dein Hemd, die wird uns schon bemerken. So
       füllig wie du bist… (Diener wirft im einen vernichtenden Blick zu)
    Stiefmutter:  (dreht sich um, bemerkt die zwei) Ach, da ist ja der Weihnachtsmann, ääh… der Jäger. Ich hab‘ schon auf dich
       gewartet.
    Jäger:          (verbeugt sich, bleibt unten knien) Eure Exzellenz! Nikolaus, eure Exzellenz.
    Stiefmutter:  Königin reicht. Steh schon auf, Holzkopf!
    Jäger:          Geht nicht, Hoheit, meine Füße sind eingeschlafen…
    Stiefmutter:  (gelangweilt) Wirklich? Das ist ja höchst interessant… (tritt ihm auf den linken Fuß) Spürst du was?
    Jäger:          Nein, eure herrliche Boshaftigkeit…
    Stiefmutter:  Mit Komplimenten brauchst du gar nicht erst kommen! Du wirst mir jetzt zuhören!
    Jäger:          Klar doch, wenn ihr diesen lächerlichen Gauklerhut von eurem Haupt nehmt…
    Stiefmutter:  (dreht sich 2x um die eigene Achse) Wer hat mir diesen hässlichen Fetzen aufgesetzt? (zu einem Diener) Du?
       (Diener schüttelt den Kopf, Stiefmutter rauscht auf den Spiegel zu) Hast du widerliches Ding mir diesen… Hut    aufgesetzt?
    Spiegel:        (mechanisch) Passwort ungültig, bitte versuchen sie es noch einmal!
    Stiefmutter:  (wütend) Ich habe dich etwas gefragt, du unnützes Stück Blech!
    Spiegel:        Passwort ungültig, bei erneuter Falscheingabe wird ihr Benutzerkonto gesperrt!
    Stiefmutter:  Was fällt dir ein… Beantworte gefälligst meine Frage!
    Spiegel:        (mit menschlicher Stimme) Sorry, aber Euer Benutzerkonto ist gesperrt, ich fürchte, Ihr müsst jetzt bei Eurem
       Provider anrufen…
    Stiefmutter:  (begreift so langsam, was gerade passiert ist, schleudert die Narrenkappe auf den Boden und brüllt ihre Zofe
       an)
       AAAAH! Was?! Du da, hol mir ein Telefon her! Sofort! (zum Spiegel) Blödes Stück Altmetall… Ich hab‘ mich doch    gar nicht ausgeloggt!
    Spiegel:        Doch, habt ihr, ich hab‘ gehört, wie ihr gesagt habt, und das ist ein Zitat: „Zum Anmelden ist das Altmetall auch
       nicht zu gebrauchen, ich brauch‘ ein iPad2!“ Damit habt ihr euch erfolgreich ausgeloggt, sorry…
    Stiefmutter:  (mit ziemlich angesäuertem Gesichtsausdruck) Ich hätte wohl doch den Anbieter wechseln sollen… (Spiegel
       stumm, verdreht die Augen, Stiefmutter zum Diener)
       Du hilfst dann dem Typen von O2, den Spiegel wieder startklar zu machen und macht mal das Virenprogramm    runter, der läuft ständig grün an…
    Diener:         Das, ääh… das liegt daran, Eure Hochwohlgeboren, dass ihr ihm immer ins Gesicht… spuckt.
    Stiefmutter:  (hat das nicht gehört) Weihnachts- Ähm Nikolaus, ja genau, so heißt du… Du holst dieses Schneewittchen ab
       und gehst mit ihr im Wald spazieren, klar?
    Jäger:          Aber warum denn? Sie ist so blond, sie hat doch gar keine Ahnung, was passiert…
    Stiefmutter:  Soll sie doch auch nicht, du Apfelbirne! Pass mal auf, ich demonstriere dir das mal. (drückt auf einen Knopf ihrer
       Fernbedienung und eine Leinwand fährt herunter, setzt sich gemütlich auf ihren Thron, damit anzeigend, dass    es länger dauern könnte)
       Film ab!
    Zofe:           (schaltet einen Beamer an, macht das Licht aus und lässt den Film beginnen. Der Film zeigt, dass der Jäger
       Schneewittchen in den Wald bringt, um es dort mit einem Baseballschläger zu töten, sein Herz heraus zu    schneiden und es dann der Königin zu bringen, Film dauert insgesamt genau 43 Minuten und 28 Sekunden, kann    in 2 Minuten gezeigt werden, am Ende erscheint nur noch „…“)
    Stiefmutter:  (schreckt schnarchend auf) Äääh… Was war? Achja… Schöner Film, nicht?
    Jäger:          Euer Hoheit, aller 30 Sekunden erschien der Slogan „Ich bin die Schönste im Land“ und die ganzen
       Ausrufezeichen, die darauf folgten, konnte ich nicht zählen…
    Stiefmutter:  Ist mir beim Zusammenschnitt gar nicht aufgefallen… Und die Ausrufezeichen unterstreichen doch nur noch mal
       die Kernaussage – meine Schönheit!
    Diener:         (sarkastisch zur Zofe) Gar nicht eitel, die Alte…
    (Zofe kichert)
    Stiefmutter:   Also, hast du alles begriffen? (lässt den Jäger gar nicht zu Wort kommen) Schön, dann lass mich jetzt in
       Ruhe!
    (Jäger schüttelt den Kopf, geht aber hinaus, Vorhang schließt sich)
    Geändert von Nachteule (17.09.2012 um 02:42 Uhr) Grund: danke Eule, für die Formatierung :) "vom NikolausHuntingServices" in "von NikolausHuntingServices" geändert, klingt besser :)
    Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du ohne Flügel fliegen kannst.


    Auf den Spuren der Krimikatze

  3. #3
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    I Akt 4.Szene Im Wald

    (Der Erzähler betritt die Bühne)
    Erzähler:       Dem Jäger war dabei nicht wirklich wohl zumute,
       Doch ging zum Turm, weil Schneewittchen dort ruhte
       Und riss es mitten in der Nacht aus seinen Träumen
       Es solle ihr Gemach doch bitte schleunigst räumen.
       Dann ging er mit dem jungen Mädchen in den Wald,
       Doch macht er es auch wirklich kalt?
    (verbeugt sich und zeigt wieder auf die Bühne, während er die Bühne verlässt. Im Hintergrund sieht man das Schloss, um Schneewittchen und den Jäger sind Bäume. Schneewittchen läuft vor dem Jäger,der einen Baseballschläger in der Hand hat.)
    Jäger:          (zu sich) Eigentlich bin ich ja Headhunter… Aber das der Königin zu erklären hätte wohl zu lange gedauert… Und
       dann hätte sie sich womöglich jemanden geholt, der weiß was er tun muss, um Schneewittchen umzubringen.    Das will ich verhindern.
    Schneew.:    Was habt Ihr mit mir vor?
    Jäger:          Ich soll dich umbringen, hat mir eure gnädige Frau Mutter aufgetragen.
    Schneew.:    Aber ihr seid doch eigentlich nur Headhunter. Ihr wisst doch gar nicht, wie sowas geht.
    Jäger:          Ich (betont das Wort) weiß das, aber eure gnädige Frau Mutter scheinbar nicht. Wobei ich mir an deiner
       Stelle noch einmal die Wortwahl durch den Kopf gehen lassen würde. Ein Headhunter ist ein wichtiger Beruf.    Wer soll sonst den neuen König finden, wenn der alte gefeuert wurde? Ohne Leute wie mich, fiele das    Königreich schnell zusammen.
    Schneew.:    (Ironisch) Hat bei meiner Stiefmutter ja super geklappt. Die hat sowieso von nichts eine Peilung. Und dann
       denkt sie auch noch sie sei immer noch die Schönste im ganzen Land. (lacht)
    Jäger:          Hey, nicht beleidigend werden. Das war vor meiner Zeit. Aber ihre Paranoia ist glaube ich der Grund, weshalb du
       sterben sollst.
    Schneew.:    Das hätte ich mir denken können. Hat sie wiedermal ihr Mitgliedsbeiträge bei „MyBeauty.com“ nicht bezahlt?
    Jäger:          Wahrscheinlich schon. Das hat sie mir aber nicht rausgelassen. Jedenfalls soll ich dich mit diesem
       Baseballschläger töten. Die ist wiedermal zu geizig, um mir eine richtige Waffe zu geben.
    Schneew.:    Ich bekam auch nie Taschengeld…
    Jäger:          Das hat wohl andere Gründe.
    Schneew.:    Werdet ihr mich umbringen?
    Jäger:          Natürlich nicht. Ich wüsste nicht einmal wie… (schaut den Baseballschläger an) zumindest nicht, bis ich weiß,
       wo hier der Abzug ist. Sie will übrigens dein Herz und deine Lunge. Wohl damit sie auch mal weiß, was das ist.
    Schneew.:    Sie wird sich einen Chirurgen suchen, der es ihr einpflanzt. (lacht)
    Jäger:          Mit einem fremden Herz wird man sowieso nie überleben können. Jedenfalls solltest du das Land verlassen. Wenn
       ich dich nicht töte, wird es ein anderer tun, falls sie wieder ihren Spiegel befragt. Wie kann man auch so blöd    sein und nur nach seinem Land fragen… In diese Richtung jedenfalls (zeigt in eine Richtung) gibt es mehrere alte    Bergwerke. Wenn du lange genug rennst, dann wird es auch außerhalb des Königreichs sein. So acht Berge    müssten reichen. Aber beeil dich. Ich kann die Königin nicht ewig hinhalten. Und du darfst nie mehr    zurückkehren, bis die Königin tot ist. Wenn sie sich weiter so mit Chemie vollstopft geht das zwar schnell, aber    richte dich auf viele Jahre ein.
    Schneew.:    Und wie soll ich da leben? Ich weiß noch nicht einmal, wie man jagt, geschweige denn, wie man Beeren
       pflückt. Und Trinken erst. Hat es da Supermärkte? Du vergisst, dass ich eine Prinzessin bin. Dagegen ist die    Prinzessin auf der Erbse ein Waisenkind.
    Jäger:          Keine Angst, da leben Acht Zwerge, die werden dich sicher mit offenen Armen empfangen. So oft verirrt sich da
       keine junge, hübsche Frau hin. Und so weit ich weiß, hat Schlecker da noch eine Filiale, die vergessen wurde zu    schließen. Muss der Insolvenzverwalter wohl übersehen haben. Bei dem Umsatz wird sie wohl nirgends    aufgetaucht sein. Zumindest mit Drogerieartikel bist du also versorgt.
    Schneew.:    Das klingt wenigstens mal vielversprechend. Danke für alles! Ich werde es dir nie vergessen!
    Jäger:          Keine Angst, das wirst du schon, aber jetzt laufe. Der Tag naht schon.
    Schneew.:    Auf Wiedersehen! (läuft in die falsche Richtung, der Jäger starrt ihr kurz kopfschüttelt hinterher)
    Jäger:           (ruft) In die andere Richtung! Du läufst geradewegs auf das Schloss zu. So wird die Königin uns beide töten. Da
       geht’s lang. (zeigt wieder in die Richtung)
    Schneew.:    Oh, ich Dummerchen! Adieu (rennt diesmal in die richtige Richtung. Schneewittchen ab)
    Jäger:          (zu sich) Ich dachte schon, sie würde nie gehen. Dummes Ding. (Packt ein Butterbrot aus, setzt sich auf einen
       Baumstamm und beginnt zu essen. Kauend:)
       Das wird die Königin sicherlich nicht freuen. Ich hoffe nur, sie merkt meinen Schwindel nicht. Wenn    Schneewittchen es nur schafft, das Land zu verlassen, damit der Spiegel nicht lügen muss. Er ist immer so    stolz darauf die Wahrheit zu sagen. Er prahlt damit immer in der Kneipe.Und mal ehrlich, wir kennen alle die    Frauen und ihre Orientierung. Dazu noch die Mathekenntnisse. Ich weiß nicht mal, ob sie bis vier zählen kann,    geschweige denn bis Acht. Oder?
       Doch wie überzeuge ich die Königin, dass ich Schneewittchen wirklich getötet habe? Ich würde es mir nicht mal    selber glauben. (mit verstellter/tiefer Stimme) Ja, also ich habe das Kind getötet, aber die Lunge, ähm, die hat    ein Löwe gefressen und damit er mich nicht auch noch tötet, gab ich ihm das Herz noch dazu. Alles nur, um    Ihnen, eure Hochwohlgeboren, berichten zu können, was sich im Wald zugetragen hat. Und dass Ihr einen    Löwen in eurem Wald habt. (wieder normal) So ein Löwe ist aber auch ein herzloses Tier. Okay, dieser jetzt    nicht mehr, aber allgemein. (verzweifelt) Das wird sie mir entweder nie abnehmen und mich dafür köpfen lassen.    Oder vierteilen. Eher beides. (Ist mit dem Brot fertig und knäult das Butterbrotpapier zusammen) Ich brauche    einen besseren Plan. Oder besser: einen Plan. (grübelt sichtlich) Das ist es: Ich brauche eine Lunge und ein    Herz von einem wilden Tier! (kurze Pause) Aber von welchem. (grübelt sichtlich) Am besten von einem    Wildschein. Aber wo bekomme ich eins her? Und: wie erlege ich jetzt mit dem Baseballschläger ein Wildschwein?    Hätte die Königin mir nicht ein Messer oder einen Bogen mitgeben können, wenn das Gewehr schon nicht    erfunden ist… (späht ins Publikum, schreit glücklich) Da hinten ist eins! (enttäuscht) Aber für mein    Baseballschläger zu weit weg. (blickt auf das Papierknäul in seiner Hand und grinst) Das könnte klappen. (wiegt    es in der Hand und wirft es ins Publikum) Schade. Nicht weit genug. Und die Sau rennt auch noch davon. Ich    hätte Schneewittchen nicht einfach so gehen lassen sollen. Dann hätte ich wenigstens ihr Herz. So habe ich es    zwar gewonnen, aber besitze es nicht. (hält inne und lauscht) Ein Eichhörnchen. Das muss reichen.    (verschwindet hinter der Bühnendeko, man hört Kampfgeräusche Schreie vom Eichhönrchen und dem Jäger,    kommt verkratzt, aber überglücklich mit einem kleinen Herz und einer kleinen Lunge zurück) Von Anatomie    sollte die Alte eigentlich keine Ahnung haben. Das müsste klappen… Und wenn sie doch was fragt, dann werde    ich mir schon was ausdenken.

    (Erzähler auf)
    Erzähler:
       Dem armen Jäger ist sehr angst und bange,
       So schleicht er langsam zu der bösen Schlange,
       Mit seinen zwei Trophäen im Gepäck.
       Allmählich nähert er sich diesem Fleck,
       Den wir das große Königinnenschlösschen nennen,
       Wo Schneewittchen mal wohnte. Lasst uns doch schnell rennen,
       Damit der Jäger überlegen kann,
       Was dieser arme und auch kleine Mann
       Für eine Ausrede erzählen werde.
       Und ignoriert dabei ne Wildschweinherde.
       Wir könnten nach der Königsgattin sehen,
       Doch müssten wir dann etwas schneller gehen.
    (Rennt ab)
    Geändert von Nachteule (21.09.2012 um 18:16 Uhr)

  4. #4
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    I Akt 5. Szene Spiegelsaal

    (Stiefmutter sitzt auf ihrem Thron, während ihr Diener Franz mit einem Fachmann von O2 den Spiegel repariert; im Hintergrund sieht man noch andere Diener stehen)

    Fachmann:    (Mit Akzent z.B. Sächsisch) Ach, ihr habt aber einen komischen Virus auf eurem Spieglein…
    Spiegel:        (Mit vernichtendem Blick) Nenn mich noch einmal „Spieglein“ und du bist tot!
    Fachmann:    Aber die Königin darf’s doch auch...
    Spiegel:        Ja, sie ist ja auch böse, herzlos und dermaßen eitel, dass sie mir eh nie richtig zuhört. Mal unter uns, sie hört
       eigentlich nur das, was sie auch hören will…
    Fachmann:    Naja, soll mir egal sein, das ist wohl dein Bier. (grinst)
    Stiefmutter:  Was hat der Spiegel denn jetzt?
    Fachmann:    Ja, wie schon gesagt, das ist ganz komisch. Ich kann keinen Virus erkennen bzw. zuordnen… Der läuft ständig
       grün an, habe Sie gesagt? Vielleicht braucht er eine Ernährungsumstellung… Ich meine, wie wär‘s denn, von    Öko-Strom zu Yellow-Strom zu wechseln? Wäre mein Vorschlag. Ein Update wär natürlich die 26. Option.
    Spiegel:        Warum die 26.?
    Fachmann:    Weil ich die anderen 25 Buchstaben des Alphabets vorsichtshalber schon mal nicht erwähnt hab, sonst würde
       die dir wahrscheinlich eine Kosmetikerin schicken oder so.
    Spiegel:        Ich hab gleich gewusst, dass der Anruf bei O2 eine blöde Idee war…
    Stiefmutter:  Ach, ist mir sowieso egal, von wem ich Strom bekomme. Was ist überhaupt ein Update?
    Diener:         Ähm… Also… (zum Publikum) Wie erklärt man das so einer Hohlbirne am besten? Hmmm… (wieder zur
       Stiefmutter)
       Wisst ihr, updaten heißt, etwas auf den neuesten Stand zu bringen. Also die neueste Software draufzuladen.
    Stiefmutter:  Rede doch mal Deutsch mit mir! Was ist denn jetzt eine Software?
    Fachmann:    (zum Spiegel) Typisch Frau! (zum Publikum) Und jetzt soll ich auch noch Deutsch reden… Hochdeutsch! (redet
       ab sofort Hochdeutsch)
    Diener:         (zum Publikum) Hätte ich bloß nichts gesagt…
    Stiefmutter:  Hallo!? Hört ihr jetzt mal alle auf, Selbstgespräche zu führen, ich will wissen, was eine Software ist!
    Fachmann:    Äh ja, richtig. Also, um es kurz und knapp und äh… verständlich auszudrücken, ist eine Software das, was den
       Spiegel oder generell alle technischen Geräte überhaupt zum Laufen bringt.
    Stiefmutter:  Aber da läuft doch gar nichts. Oder hast du schon mal eine Waschmaschine mit Beinen gesehen? Also ich nicht!
    Fachmann:    Laufen heißt hier, dass er funktioniert… (zum Publikum) Man, wo bin ich denn hier gelandet? Da war ja die
       taubstumme Alkoholikerin von vorgestern schlauer und vor allem entgegenkommender als die hier, die hat mir    wenigstens einen Schnaps angeboten…
    Stiefmutter:  Achso. Na dann mach das mal.
    Fachmann:    Gerne.
    Spiegel:        Fragt mich eigentlich einer nach meiner Meinung?
    Stiefmutter:  Halt den Mund, du kannst froh sein, dass ich mir doch kein iPad gekauft habe.
    Spiegel:        Jaja, schon gut.
    (während der Fachmann am Spiegel herumwerkelt, tritt der Jäger mit einem blutigen Sack und dem Baseballschläger ein)
    Stiefmutter:  Ach, der Jäger.
    Jäger:          Nikolaus, eure Exzellenz.
    Stiefmutter:  Ist mir egal, hast du das, was ich will?
    Jäger:          (betont fröhlich) Die neueste Schuhkollektion von Zalando?
    Stiefmutter:  Was, es gibt eine Neue? Wusste ich gar nicht… (ruft einen der Diener) Hey du, bestell mir sofort die neuesten
       Schuhe. Und zwar direkt bei Zalando und nicht bei so einem schmierigen Ebay-Typen!
    Diener:         Wie Ihr wünscht! (ab)
    Stiefmutter:  So, das wäre jetzt auch geklärt. (zum Publikum) Oh juhu, neue Schuhe! (zum Jäger, der jetzt sichtlich nervös
       von einem Fuß auf den anderen tritt)
       Aber ich meinte eigentlich deinen letzten Auftrag bezüglich einer gewissen weiblichen Person, deren Namen ich    nicht nennen will, die aber Schneewittchen heißt.
    Jäger:          (stotternd) A-a-achso, das meintet ihr… Ja also…
    Stiefmutter:   (unterbricht ihn) Was also? Hast du sie nun umgebracht oder nicht?
    (alle auf der Bühne halten erschrocken die Luft an, Stiefmutter schaut sich verwundert um)
    Stiefmutter:  Ja, was denn? Soll ich mir jeden Tag anhören, dass ich nicht mehr die Schönste im Land bin? Also bitte…
    Jäger:          Wisst ihr…
    Stiefmutter:  (unterbricht ihn wieder) Komm zum Punkt!
    Fachmann:    (fällt plötzlich zu Boden, ungeachtet dessen, was sich nur wenige Meter neben ihm abspielt) Ach Mist, du
       solltest deine Augen zumachen und gleichzeitig „Aaah“ sagen und nicht deine Arme nach vorn stoßen. Toll,    jetzt hab ich einen blauen Fleck…
    Spiegel:        Sorry, aber du redest manchmal so komisch, dass ich dich kaum verstehe.
    Fachmann:    (redet wieder im Akzent) Was denn, meinst du das? Ist doch nur ein bisschen... [hier kann der Akzent
       eingesetzt werden]
       Was hast du denn dagegen?
    Spiegel:        Äh, nichts…
    Stiefmutter:  (giftet die beiden verärgert an) Sind wir jetzt fertig mit den Zickereien? Mein Gott, ich hab besseres zu tun!
       (wendet sich wieder dem Jäger zu) Also?
    Jäger:          Ja, also… Ich hab den Job erledigt…
    Stiefmutter:  Na super, mehr wollte ich doch gar nicht wissen… Und wo ist es?
    Jäger:          Wo ist was?
    Stiefmutter:  Na das verräterische Herz und die nikotingeschmückte Lunge der Schlampe!
    Jäger:          Also bitte!
    Stiefmutter:  Was denn?
    Jäger:          Wisst ihr denn überhaupt, was eine Schlampe ist?
    Stiefmutter:  Ääh… Nein, aber das Wort hab ich gestern im Kindergarten gelernt. Toll, nicht.
    Fachmann:    (zum Publikum) Oh mein Gott! Die Alte hat echt nichts auf dem Kasten…
    Jäger:          Also ich hab den blutigen Sack ja nicht zum Vergnügen mitgebracht…
    Stiefmutter:  Wieso?! Ich dachte, es ist schon Weihnachten. Schließlich bist du ja der Weihnachtsmann…
    Jäger:          Ich heiße Nikolaus, eure Exzellenz. Ni-ko-laus! Geschenke verteilen macht mein Bruder…
    Stiefmutter:  Ach ja? Ist ja auch egal, dann zeig mal, was du hast.
    Spiegel:        (zum Fachmann) Kann die mal mit ihren Anspielungen aufhören?
    Fachmann:    (kichert)
    Jäger:          (öffnet den Sack, zieht eine kleine Schmuckschatulle heraus und legt sie der Königin vor die Füße) Bitte sehr.
    Stiefmutter:  Und da soll ich mich jetzt selber bücken?
    Jäger:          Ääh…
    Stiefmutter:  (unterbricht ihn, ruft ihren Diener) Franz, heb die Schachtel für mich auf.
    Diener:         Wie ihr wünscht. (verdreht die Augen in Richtung Publikum, gibt der Stiefmutter die Schatulle)
    Stiefmutter:  Schön. Und warum die Kiste?
    Jäger:          Es ist eine Schmuckschatulle, eure Hoheit. Ich dachte, sie gefällt euch vielleicht und unterstreicht die
       Zeremonie auch ein bisschen dramatisch.
    Stiefmutter:  Pah, dramatisch… Dramatisch ist das, was dieser Bruce Darnell immer ablässt…
    Jäger:          (unsicher) Wie ihr meint…
    Stiefmutter:  Aber schön ist sie nicht, keineswegs… Wo ist denn nun das Herz?
    Diener:         Und die Lunge!
    Stiefmutter:  (wirft ihm einen vernichtenden Blick zu) Und die Lunge?!
    Jäger:          (zum Publikum) Ist die so dumm oder tut sie nur so? (zur Stiefmutter) Sowohl Herz als auch Lunge sind
       natürlich in der Schatulle…
    Stiefmutter:  Achso. Und warum sagst du das nicht gleich?
    Jäger:          Also, ich dachte, das sei klar.
    Stiefmutter:  Ach ja? Du kannst denken? Interessant. (öffnet langsam die Schatulle) Na mal sehen. Hui. Das ist ja süß… So
       hässlich, ecklig, schleimig und vor allem blutig.
    Jäger:          (ironisch) Vielen Dank.
    Stiefmutter:  Aber warum ist beides so klein?
    Jäger:          Wisst ihr, ich wollte es zunächst nicht glauben, – ihr wusstet das ja natürlich schon immer – aber
       Schneewittchen ist ausgesprochen herzlos – ich meine war herzlos – und treibt auch nicht wirklich übermäßig    Sport, - ich meine, sie hat Sport getrieben – dass alles ziemlich verkümmert bei ihr ist. Äääh, ich meine war.    Tut mir leid, ich bin noch ganz durcheinander…
    Stiefmutter:  Ach was, um die ist es niemals schade! Aber stimmt, jetzt wo du es sagst. Sie sitzt wirklich immer nur rum und
       liest – Wie heißt das? – Dornröschen… Ich meine, sie hat es natürlich gelesen. Was die an dem Märchen so toll    findet, möchte ich mal wissen. Ähm, fand meinte ich eigentlich… Aber eigentlich ist das ja auch egal,    hauptsache, ich bin wieder die Schönste im Land! (grinst boshaft)
    Jäger:          Ääh… Sicher. Darf ich denn dann gehen?
    Stiefmutter:  Gehen? Willst du nicht zum Abendessen bluten… Ääh, bleiben?
    Jäger:          (verunsichert) Was gibt’s denn?
    Stiefmutter:  Na Schneewittchen. (kichert)
    Diener:         (flüstert dem Jäger zu) Sag lieber Ja, sonst merkt sie vielleicht noch, dass du nur ein Eichhörnchen getötet
       hast.
    Jäger:          (schaut den Diener erschrocken an)
    Diener:         Ja, was denn? Das sieht doch jeder, der ein bisschen Ahnung von Biologie hat, dass das niemals das Herz und
       die Lunge von einem jungen – und übrigens sehr netten – Mädchen sind… (zum Publikum) Also, passt immer alle    schön im Unterricht auf, sonst endet ihr so, wie die Eitelkeit, die gerade unseren Thron vollsabbert…
    Jäger:          Wirst du mich verraten?
    Diener:         Warum denn? Ich finde es ausgesprochen lustig, wenn sie sich so blöd anstellt, dass sie vor lauter Dummheit
       nicht mal bemerkt, dass sie ziemlich bescheuerte Dinge sagt…
    Jäger:          Danke.
    Stiefmutter:  Also, was ist jetzt?
    Jäger:          Ja, also ich würde gern mit euch essen.
    Stiefmutter:  Na fein. Franz, geh den Koch holen!
    Diener:         Aber ich muss doch den Spiegel reparieren…
    Stiefmutter:  Die letzte halbe Stunde hast du nichts gemacht, außer dem Spiegel und dem O2-Typen Blondinenwitze zu
       erzählen, – die übrigens sehr lustig sind, weil sie ja über Schneewittchen sind – da kannst du dich jetzt auch    mal in Bewegung setzen und den Koch holen!
    Diener:         Na gut. (ab)
    Stiefmutter:  Und wir beide werden uns jetzt die Zeit mit einem Dame-Spiel vertrödeln, okay?
    Jäger:          Meinetwegen.
    Fachmann:    Ich bin fertig!
    Stiefmutter:  Oh, schön. Was kann er denn jetzt? Und warum ist der Olaf so zerkratzt?
    Fachmann:    Ich dachte, das ist ein XC-579?
    Stiefmutter:  Ist er ja auch, aber gebt ihr euren Haustieren nicht auch Namen?
    Fachmann:    Ja schon…
    Stiefmutter:  Na also. Und mein Spieglein heißt nun mal Olaf. Punkt!
    Fachmann:    Gut, also der Olaf ist so zerkratzt, weil er mir nicht zugehört hat und…
    Spiegel:         (unterbricht ihn) Du hast doch immer so unverständliche Sätze gelabert.
    Fachmann:    Dann sperr die Ohren auf!
    Stiefmutter:  Hey, hier geht es immer noch um mich! Also, was kann er jetzt, der Kleine?
    (Der Spiegel schaut sie böse von der Seite an)
    Fachmann:    Eigentlich nicht viel mehr.
    Stiefmutter:  Was soll das denn heißen? Wofür bekommst du von mir Geld, wenn du nichts downdatest?
    Jäger:          Das heißt updaten, meine Königin.
    Stiefmutter:  Das hab ich doch gesagt!
    Jäger:          Nein, ihr habt…
    Stiefmutter:  (unterbricht ihn) Willst du mich berichtigen? Bin ich die Königin oder du?
    Jäger:          Natürlich ihr, aber…
    Stiefmutter:  Na also. Ich habe immer Recht!
    Fachmann:    Ich meinte ja nur… Hört Ihr mir überhaupt zu?
    Stiefmutter:  Ja, komm zum Punkt!
    Fachmann:    Also, er läuft jetzt schneller, braucht weniger Strom, würde, wenn Sie den Anbieter wechseln, irgendwann nicht
       mehr grün anlaufen und meldet sich jetzt immer per SMS auf ihrem iPhone, wenn eine neue Schuhkollektion    vorgestellt wurde…
    Stiefmutter:  Naja, das klingt doch gar nicht schlecht. Und das mit den Schuhen ist ja toll! Freut mich! Wirklich! Geh jetzt!
    Fachmann:    Darf ich nicht auch zum Essen bleiben?
    Stiefmutter:  Spinnst du? Du bist doch nur ein gutbezahlter Handwerker. Kauf dir selbst was!
    Fachmann:    Ihr habt mir nie was bezahlt… Eure Mitgliedsbeiträge bei mybeauty.com hinken schon seit Monaten hinterher…
    Stiefmutter:  Schon wieder einer, der rumstänkert… Los, raus!
    Fachmann:    (beleidigt) Fein. (ab)
    Stiefmutter:  Oh Mist, jetzt hab ich doch das Dame-Spiel im Salon liegen lassen. Ich hole es schnell. Warte hier! (ab)
    Jäger:          Jetzt ist sie weg, am besten verdufte ich auch… (ab)
    Spiegel:        Schön, jetzt lassen mich alle allein… Ich bin ja so einsam! (zum Publikum) Hoffentlich kommt sie nie wieder… Ich
       mach dann mal ein Nickerchen. (zwinkert dem Publikum zu und schläft ein)
    Stiefmutter:  (kommt wieder) Man, das Dame-Spiel ist weg... (bemerkt die Stille im Raum) Warum ist es denn hier so ruhig?
       Wo sind denn alle? Und warum schläft mein Olaf? (setzt sich unverständliche Worte murmelnd auf ihren Thron    und schläft kurz darauf selbst ein)
    Geändert von Nachteule (17.09.2012 um 02:31 Uhr) Grund: Formatierung 3. Stufe
    Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du ohne Flügel fliegen kannst.


    Auf den Spuren der Krimikatze

  5. #5
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    (Erzähler auf)

    Erzähler:       Dem Gott sei es gedankt, die alte Schachtel ruht,
       Für unsere Erzählung ist das wirklich gut,
       So hört sie nicht, was ich euch nun erzähle,
       Muss nicht auf Worte achten, die ich wähle.
       Denn meines Wissens lehrt uns die Geschicht:
       Mein Wissen hilft ihr meines Wissens nicht.
       (kurze Pause. Der Erzähler dreht sich kurz zu der Stiefmutter, dann nach links und rechts)
       Wenn sie nun wüsste, dass ihr Schneewittchen noch lebt, (Stiefmutter öffnet ein Augen)
       Dann könnten wir gleich sehen, wie die Erde bebt.

    (Stiefmutter wacht auf)
    Stiefmutter:  Was, Schneewittchen lebt noch?
    Erzähler:       Habt Ihr mir zugehört?
    Stiefmutter:   Ich bin auf der Bühne, ich bin aufgewacht. Ja, klar habe ich euch zugehört.
    Erzähler:       Ist euch bei dem, was ich sagte, nichts aufgefallen?
    Stiefmutter:   Nein. Wobei. Wartet. Oh, das war gereimt... Das war ein Gedicht... (trotzig) Aber ein schlechtes. Das darf ich                     dennoch gar nicht hören. Das ist ja nur für das Publikum.
    Diener:          (aus dem Off) Genau, das dürft Ihr gar nicht hören, eure Hohlheit!
    Stiefmutter:   Ja, schon gut, ich habe nichts gehört. Was machen wir jetzt?
    Erzähler:       (genervt)Am besten fange ich noch einmal an.
    Stiefmutter:   Ja, von mir aus, machen wir es so.
    Erzähler:       Also dann:
       (Nachdrücklich) Dem Gott sei es gedankt, die alte Schachtel ruht,
       Für unsere Erzählung ist das wirklich gut,
       So hört sie nicht, was ich euch nun erzähle,
       Muss nicht auf Worte achten, die ich wähle.
       Denn meines Wissens lehrt uns die Geschicht:
       Mein Wissen hilft ihr meines Wissens nicht.
       (längere Pause. Der Erzähler dreht sich prüfend zu der Stiefmutter, dann nach links und rechts)
       Wenn sie nun wüsste, dass ihr Schneewittchen noch lebt,
       Dann könnten wir gleich sehen, wie die Erde bebt. (Scheuer blick zur Stiefmutter, dann
       entspannt.)

       Wenn sie jetzt wüsste, wo das Mädchen sich befindet,
       So sähen wir wie sie sich auf dem Boden windet.
       Doch schauen wir mal hinter diesen Bergen,
       Bei diesem großen Pack der kleinen Schergen.

       (trotzig) Und so schlecht war das Gedicht nicht.
    (Verbeugt sich und verlässt die Bühne, während der Vorhang sich schließt.)

    2. Akt 1. Szene Bei den Zwergen

    (Der Vorhang öffnet sich wieder. Im Hintergrund sieht man sieben Berge und einen DM-Markt. Auf der rechten Seite sieht man die Seite der Wand eines eingerichteten Häuschens mit sieben Betten auf der Rückseite und einem langen Tisch, mit sieben Stühlen. Sechs auf der Rückseite und einer am Kopfende. Schneewittchen rennt von links außer Atem auf die Bühne.)

    Schneew.: …Sieben, (keucht) Acht. (keucht) So, hier bin ich. Wie der Jäger gesagt hat, Acht Berge. Und da hinten ist auch
    die Drogerie, von der der Jäger (keucht) gesprochen hat. Ich habe es geschafft. Und dort ist auch die Hütte, in der die acht Zwerge wohnen sollen. Oh, rustikal. Aber besser, als nichts. Mal sehen, ob ich hier richtig bin. (geht in die Hütte, zählt die Stühle) Eins, zwei, drei, vier, fünf, sieben, acht. Passt. Von wegen, wir Frauen seien zu dumm! Die Zwerge werden bestimmt froh sein, endlich mal eine Frau zu sehen. Und wenn ich ihnen erzähle, weshalb ich hier bin, dann werden sie mich sicher liebend gerne aufnehmen. Der lange Marsch hat mich angestrengt und meine Füße tun weh. Vielleicht massiert mir sogar einer die Füße. Hach. (Schaut sich um) Oh, das ist aber ziemlich staubig hier. Ich werde zuerst die Hütte fegen, dann werden sie mich noch liebevoller aufnehmen. (Schaut sich in der Hütte um, schaut in Schränke, findet bald einen Besen und beginnt laut summend zu fegen. Von der Ferne hört man die Zwerge singen.)
    Alle Zwerge: (Singen während sie von links auf die Bühne kommen, jeder von ihnen hat ein Sack über der Schulter) Hey ho,
    hey ho, wird sind vergnügt und froh, hey ho, hey ho, den Finger in Po Mexiko, hey ho,…
    (1. Zwerg bleibt stehen, während die anderen sechs weitersingen und beim zweiten „Hey ho,“ enden.)
    Zwerg 2-7: (gleichzeitig) Was ist denn los?
    1. Zwerg: (hebt die Hand beginnt zu flüstern, ohne sich umzudrehen) Ich habe ein Summen gehört. Es kommt aus unserer
    Hütte. Und schaut nur, die dicke Staubwolke darüber. Irgendetwas stimmt hier nicht. Vielleicht sind das Einbrecher.
    2. Zwerg: Wie sarkastisch…
    3. Zwerg: Was ist denn los?
    (2. Zwerg wiederholt alles Gesagte wortwörtlich.)
    3. Zwerg: wie sarkastisch… (Das Selbe bis zum 7. Zwerg.)
    1. Zwerg: Folgt mir! (Wird nach hinten durchgegeben, sobald es hinten angekommen ist, laufen die Zwerge los und linsen
    um die Hauswand. Der 1. Zwerg ganz unten, der 7. ganz oben. Schneewittchen fegt unbekümmert weiter.)
    Wer ist das? (Die Zwerge stehen wieder auf. Der 1. Zwerg schleicht zur Tür, die anderen folgen. Ab jetzt wieder normale Lautstärke. Wer bist du und was machst du hier.
    Schneew.: (Erschrickt und lässt den Besen fallen) Ich bin Schneewittchen. Und ich fege hier.
    1. Zwerg: Du verstehst nicht. Warum fegst du hier?
    Schneew.: (verwirrt) Weil es hier staubig war. Weshalb sollte man sonst fegen?
    1. Zwerg: Bist du blöd oder ich? Also Klartext: Warum bist du hier?
    Schneew.: Ach so, sagen Sie das doch gleich. Meine Stiefmutter wollte mich umbringen lassen, weil ich ihr zu hübsch
    (spielt eitel mit ihrem Haar) bin und der Jäger sagte mir, ich solle über die acht Berge, zu den acht Zwergen gehen. Dort würde sie mich nicht mehr finden.
    1. Zwerg: Aha. Das klingt für mich nicht sehr einleuchtend. Aber: Welche acht Berge.
    Schneew.: Die zwischen dem Wald und dieser Hütte. Die Drogerie hier hat er auch erwähnt.
    2. Zwerg: Ich hätte nie gedacht, dass das acht Berge sind. Höchstens Sieben…
    Schneew.: Ich habe das gezählt, das passt!
    3. Zwerg: Und warum solltest du ausgerechnet zu uns?
    Schneew.: Der Jäger sagte, ihr wäret acht ehrenwerte Bergleute. (Alle sieben Zwerge lachen)
    4. Zwerg: Definiere „Ehrenwert“…
    5. Zwerg: Definiere „Bergleute“…
    Schneew.: Ihr werdet ja wohl wissen, was diese Worte bedeuten.
    6. Zwerg: Auf eine bestimmte Art und Weise bergen wir ja etwas…
    7. Zwerg: Und ehrenwert sind unsere Raubzüge auch. (Alle Zwerge lachen)
    Schneew.: Was soll das bedeuten?
    1. Zwerg: Wir sind Räuber. Keine Bergleute. Ist das so schwer zu verstehen? Oder bist du wirklich so blöd?
    Schneew.: Nein, das klingt eigentlich recht logisch. Und es erklärt auch, weshalb es hier so (schaut sich angewidert um)
    schmutzig aussieht.
    1. Zwerg: Das klingt jetzt nicht logisch.
    Schneew.: Na ja, wenn ihr immer im Dunkeln… ach, lassen wir das… Aber wieso wurden aus Bergleuten Räuber?
    2. Zwerg: Wir hatten eine Kohlemine, aber da der Staat, also ihre Frau Stiefmutter, die Subventionen strich, lohnte sich
    das Ganze nicht mehr, dank Ihrer Frau Stiefmutter. Die Lohnkosten sind hier einfach zu hoch, weswegen die Gesamtkosten höher sind als die der Wettbewerber, dank Ihrer Frau Stiefmutter. Es würde sich nur noch rentieren, wenn es eine Edelsteinmine wäre, doch das ist sie nicht. Und bis aus der Kohle Edelsteine werden dauert wohl noch etwas, eine Maschine zu betreiben, die aus der Kohle durch Druck Edelsteine macht, arbeitet ziemlich unrentabel, trotz Ihrer Stiefmutter. Verstanden?
    Schneew.: Ich glaube schon. Aber: Darf ich hier bleiben?
    (Die Zwerge rotten sich zusammen und tuscheln. Ab und zu sieht man einen Zwerg, wie ein Murmeltier, nach oben gehen und zu Schneewittchen schauen.)
    1. Zwerg: Wir haben beschlossen, dich hierzubehalten und die Königin zu erpressen. Wenn sie uns
    nicht eine Million Taler (zögert kurz) schenkt, werden wir dich umbringen. Dann könnten wir endlich wieder legal leben.
    Schneew.: Cooler Plan. Aber wie wollt ihr von illegalem Geld legal leben. Und habt ihr verstanden, dass sie mich umbringen
    will?
    (rotten sich wieder zusammen, das selbe Prozedere, wie vorher, nur kürzer.)
    1. Zwerg: Ok, wir werden von ihr eine Million Taler verlangen, damit wir dich umbringen.
    Schneew.: (nickt) Das klingt schon viel erfolgsversprechender. (stutzt kurz) Halt, was wollt ihr tun?
    2. Zwerg: Irgendwie reden wir alle nur aneinander vorbei… Wir erpressen deine Stiefmutter, dass du lebst, wenn sie uns
    nicht eine Million Taler zukommen lässt.
    Schneew.: Dann habe ich euch richtig verstanden. Gut. Wie wollt ihr meiner Stiefmutter eure Forderungen zukommen
    lassen?
    (rotten sich wieder zusammen, das selbe Prozedere, wie vorher.
    3. Zwerg: (schaut aus der Rotte heraus, zu Schneewittchen) Kannst du schreiben?
    Schneew.: Ja, warum? (Der 3. Zwerg ignoriert ihre Frage und die Zwerge beginnen wieder zu tuscheln)
    4. Zwerg: Weißt du, wo der nächste Briefkasten ist?
    Schneew.: Äh… Ja, da vorne im Wald war glaube ich einer.
    (tuscheln)
    5. Zwerg: Hast du Briefmarken?
    Schneew.: Äh… Was wollt ihr von mir?
    5. Zwerg: Eine Briefmarke.
    Schneew.: Irgendwo glaube ich noch eine zu haben…
    (tuscheln, dann gehen sie wieder auseinander)
    6. Zwerg: Wir haben einen Plan.
    Schneew.: Lasst mich raten: Ich schreibe euch einen Erpresserbrief, in dem ich von meiner Stiefmutter eine Million Taler
    verlange, dass ihr mich tötet, klebe da meine Briefmarke drauf und bringe ihn zum Briefkasten im Wald.
    6. Zwerg: (Verdutzt) Woher weiß sie das?
    Schneew.: Ich kann gut raten.
    6. Zwerg: Oh… Cool. (Holt einen Stift und ein Blatt)Hier ist ein Stift und ein Blatt Papier.
    Schneew.: Was soll ich schreiben?
    (kurzes tuscheln)
    7. Zwerg: (räuspert sich, deklamiert. Schneewittchen schreibt mit.) „Sehr geehrte Frau Königin, Wir haben Ihre
    Stieftochter. Sollten Sie nicht innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Million Taler bereitstellen, wird sie überleben. Hochachtungsvoll die Zwerge.“ Und auf den Briefumschlag schreibst du „Das große Königinnenschlösschen 5, 70896 Märchenland“ Absender „am siebten Berg 1, 70896 Märchenland“
    Schneew.: Ist erledigt. Wollt ihr wirklich, dass ich den Absender draufschreibe?
    1. Zwerg: Sie muss doch wissen, wohin sie das Geld schicken soll oder wenn sie unbekannt verzogen sein sollte, muss die
    Post ja wissen, wohin der Brief zurückgesendet werden muss.
    Schneew.: Das klingt bestechend logisch. (Packt den Brief ins Kuvert und klebt eine Briefmarke auf, die sie aus ihrem
    Kostüm hervorholt.)
    Und jetzt?
    1. Zwerg: Wo ist denn dieser Briefkasten?
    Schneew.: Da hinten, den Weg entlang und dann hinter der ersten Kurve.
    1. Zwerg: (Zum 7. Zwerg) Hast du das verstanden? (7. Zwerg nickt) Gut, dann bring du den Brief weg. (7. Zwerg
    schnappt den Brief und rennt nach links weg)
    Schneew.: Da wir ja nun ein paar Tage zusammen verbringen werden, können wir uns auch vorstellen. Dass ich
    Schneewittchen heiße und die Stieftochter meiner Stiefmutter bin, haben wir schon geklärt, aber wie sind eure Namen?
    1. Zwerg: Ich heiße Achim
    2. Zwerg: Ich heiße Bernd.
    3. Zwerg: Ich heiße Carl.
    4. Zwerg: Ich heiße Dieter.
    5. Zwerg: Ich heiße Edmund.
    (6. Zwerg will etwas sagen, Schneewittchen unterbricht ihn)
    Schneew.: Halt, lass mich raten: Du heißt Franz!
    6. Zwerg: (Verlegen) Nein, ich heiße Wladimir. Ich bin Austauschräuber. Franz ist für mich in Russland. Er lernt dort etwas
    über Korruption und Unterdrückung, während ich hier über das Räubertum Neues erfahre. Nächstes Semester bin ich dann in Somalia und lerne, was ein Pirat alles wissen muss. Piraterie ist aber nur ein Nebenfach.
    Schneew.: Das klingt ja wirklich spannen! Hast du schon viel bei uns gelernt?
    6. Zwerg: Ja, zum Beispiel, dass man hier Geiseln töten muss, um Geld zu bekommen. Ich verstehe den Grund zwar nicht,
    aber ich werde es mir merken. Bei uns ist das aber anders. Vielleicht sind wir darum nicht so erfolgreich.
    Schneew.: Du scheinst ja wirklich gelehrig zu sein.
    (7. Zwerg kommt angerannt, außer Puste, steht genau in dem Moment in der Reihe, als Schneew. mit dem 6. Zwerg fertig ist.)
    Schneew.: Und wie heißt du?
    7. Zwerg: (Keuchend) Ich heiße Gustav.
    Schneew.: Hast du den Briefkasten gefunden, Gustav?
    7. Zwerg: Ja, er war ja direkt um die Ecke. Wenn wir mehr Briefe verschicken würden, dann fänden wir ihn auch ohne deine
    Hilfe. Allerdings müssten wir dazu schreiben können. Übermorgen wird er gelehrt.
    Schneew.: Und was tun wir jetzt, bis die Antwort meiner Stiefmutter kommt?
    1. Zwerg: Du könntest fertig putzen und uns dann etwas kochen.
    Schneew.: Das klingt fair. (Nimmt sich wieder den Besen und fährt mit dem Fegen fort. Der Vorhang schließt sich.)

    (Erzähler auf)
    Erzähler:       Die Antwort lässt wohl auf sich warten…
       So können wir zum Schlösschen starten.
       Dort werden wir dann auch erfahren
       Was uns die andren Offenbaren.

    (Erzähler ab)
    Geändert von Nachteule (18.08.2014 um 15:39 Uhr) Grund: Tz, wer liest schon Regieanweisungen...

  6. #6
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    2. Akt 2. Szene Spiegelsaal und Bei den Zwergen

    (Die Bühne ist zweigeteilt: links sieht man den Thronsaal, rechts die Zwergenhütte; getrennt werden die jeweiligen Szenen durch Einfrieren der Schauspieler; begonnen wird im Spiegelsaal, wo die Stiefmutter immer noch schnarchend auf ihrem Thron sitzt; außer ihr ist der Raum verlassen; der Spiegel zieht im Hintergrund Grimassen)
    Stiefmutter:  (wacht durch ein lautes Geräusch hinter der Bühne auf) Was? Wo? Wo bin ich? … Oh, ich bin wohl
       eingeschlafen. Olaf! (dreht sich herum) Olaf, was machst du da?
    Spiegel:        Nichts.
    Stiefmutter:  Wie nichts sieht das aber nicht aus!
    Spiegel:        Es ist aber nichts. Meine Nase juckt nur.
    Stiefmutter:  Achso.
    Spiegel:        Ja.
    (kurze Stille)
    Stiefmutter:  Wo sind denn alle?
    Spiegel:        Keine Ahnung. Der Jäger ist… (hält inne und sieht sich erschrocken um; flüstert dann Richtung Publikum) Ups!
    Stiefmutter:  (verärgert) Was ist mit dem Jäger?
    Spiegel:        Er ist… weg.
    Stiefmutter:  Ja, das seh ich auch. Und wohin ist er?
    Spiegel:        Weiß ich nicht.
    Stiefmutter:  Du lügst, das seh ich dir an!
    Spiegel:        Quatsch!
    Stiefmutter:  Ach ja? Na das werden wir ja sehen. (loggt sich ein) Da braucht der Idiot da draußen mal wieder ewig und schon
       wird man abgemeldet.
    Spiegel:        (überrascht) Hu, ihr wollt euch anmelden? Äh, ich meine… Willkommen, Sie haben sich erfolgreich angemeldet.
    Stiefmutter:  Gut. Und jetzt MeinSpiegelIstNichtEhrlichZuMir.de öffnen, aber ein bisschen zackig!
    Spiegel:        (zum Publikum) Oh Scheiße, jetzt bin ich dran! (zur Stiefmutter) Wie ihr wünscht…
    Stiefmutter:  Schön, na dann wollen wir mal sehen. Rufe den Lügenkatalog der letzten zweieindrittel Tage auf!
    Spiegel:        Äh… Ja.
    Stiefmutter:  Gut, so… (liest vor) Ihr Spiegel hat erstaunlich viel gelogen, womöglich liegt ein Virus vor. Die erstaunlichste
       Lüge lag uns vor einer Minute vor. (sieht den Spiegel böse an) So Olaf, wenn du mir nicht endlich die Wahrheit    sagst, ruf ich den Klempner und der wird dich hier rausschmeißen. (wie ein kleines Kind zum Publikum) Dann    bekomme ich endlich mein iPad 2!
    Spiegel:        Bitte nicht, dann bin ich doch arbeitslos! Ich will nicht!
    Stiefmutter:  Dann sag, was Phase ist.
    Spiegel:        Okay, ich hab Euch angelogen.
    Stiefmutter:  Ach.
    Spiegel:        Ja, der Jäger ist…
    (Freeze; Wechsel zur rechten Seite der Bühne, wo Schneewittchen gerade einen Kochtopf auf den überfüllten Tisch stellt und daraufhin wieder fegt. Die Zwerge fangen an, sich gemütlich die Bäuche vollzuschlagen)
    1. Zwerg:     Das schmeckt ziemlich gut, wo hast du denn Kochen gelernt?
    Schneew.:    Weiß nicht, ich hab noch nie so richtig was gekocht. Nur durch Zufall…
    2. Zwerg:     Zufall?
    Schneew.:    Ja. (kichert) Das Meerschweinchen von meiner Stiefmutter…
    3. Zwerg:     Oh man.
    Schneew.:    Naja, sie hat es doch aus dem Fenster geworfen, weil es ungezogen war. Und ich stand unten mit einem heißen
       Kochtopf. Kann ich doch nichts für… Sollte die Kochwäsche beaufsichtigen. Ziemlich mittelalterlich, wir haben    zu Hause nicht mal ‘ne Waschmaschine…
    (der 4. Zwerg kann nur mit dem Kopf schütteln)
    5. Zwerg:     Weißt du denn dann überhaupt, was du uns hier gekocht hast?
    Schneew.:    (unschuldig) Nö, da lag draußen sowas rum, das hab ich genommen…
    6. Zwerg:     Was!? Das war doch ein Teil unsere Wintervorräte! Also das haben wir in Russland besser drauf mit unseren
       Hausmädchen.
    Schneew.:    Na toll, das hättet ihr mir ja ruhig sagen können. (spielt die beleidigte Leberwurst)
    7. Zwerg:     (hat das überhört) Ihr habt Hausmädchen?
    6. Zwerg:     Ja klar.
    1. Zwerg:     Na und?! Wir haben doch jetzt Schneewittchen, die die ganze Drecksarbeit für uns macht.
    Schneew.:    Oh ja, ich bleib gerne hier und helfe euch.
    1. Zwerg:     (zum 7. Zwerg) Siehste!
    (ein plötzlicher Aufschrei Schneewittchens, die sich beim Fegen immer näher Richtung Schrank geschoben hat, lässt alle herumfahren; Freeze)
    Spiegel:        (spricht seinen Satz, ohne Pausen zu lassen, zu Ende) …einfachsoabgehauen.
    Stiefmutter:  Was? Ich versteh dich nicht, sprich deutlicher.
    Spiegel:        Man, du hörst dich an wie meine Mutter… Immer dieses ständige „Lauter“ und „Langsamer“… Bist du Regisseur
       oder was?
    Stiefmutter:  Nein, aber jetzt sag mir endlich, was mit dem Jäger ist!
    Spiegel:        Jaja, keine Hektik. Der Jäger ist einfach so abgehauen. (schaut sich ängstlich um)
    Stiefmutter:  Wie bitte?!
    Spiegel:        (ironisch zum Publikum) Das war ja so eine unvorhersehbare Reaktion.
    Stiefmutter:  Das kann doch nicht wahr sein! Hat er wenigstens das Herz und die Lunge – oder war’s ne Niere? – dagelassen?
    Spiegel:        Weiß nicht, ich hab geschlafen.
    Stiefmutter:  Jaja, der Olaf. Nein, das geht mir aber auch echt zu weit. Wo ist meine Zofe?
    (Zofe tritt ein)
    Zofe:           Eure Boshaftigkeit?
    Stiefmutter:  Geh mal bitte in den Security-Raum und frag den Thomas, ob der was auf der Überwachungskamera gesehen
       hat, ich vermisse diese Schachtel.
    (Zofe geht ab)
    Stiefmutter:  (zum Publikum) Na toll, da war doch dieses Herz drin… Ich will’s zurück haben!
    Zofe:           (kommt zurück) Thomas lässt ausrichten, dass die Überwachung des Thronsaales aufgrund eines technischen Defekts
       in den letzten sieben Stunden leider nicht möglich war.
    Stiefmutter:  Was?! Das wird ja immer besser hier… Hat er den Jäger denn wenigstens gesehen, wie er das Schloss verlassen
       hat?
    Zofe:           Nein, zur Zeit funktionieren nur die Kameras in den Toiletten, tut mir leid.
    Stiefmutter:  Na toll! Immer muss man alles selber machen… (wendet sich dem Spiegel zu) Öffne
       brauchehilfebeieinemproblemmithausangestellten.com!
    Spiegel:        Erledigt.
    Stiefmutter:  So, wo haben wir es denn? … Ah, das hier klingt vielversprechend: „Wie ich meinen entschwundenen Jäger
       wieder finde, der mir noch eine Runde Dame schuldet.“ Öffne das!
    Spiegel:        Wird gemacht. Warum wollt ihr ihn überhaupt wiedersehen? Er kann sowieso nicht Dame spielen.
    Stiefmutter:  Ja eben deshalb. Da gewinne ich nämlich (grinst).
    Spiegel:        (murrt) Vielleicht sollte die mal ihre Werte überdenken… Und an das Herz und die Lunge…
    Stiefmutter:  (ignoriert ihn) So, hier steht: „Wenn ihr Jäger einfach davon gelaufen ist, obwohl er mit Ihnen noch eine Runde
       Dame spielen sollte, sollten sie schleunigst an eine Gehaltserhöhung denken.“ Das ist ja eine Frechheit! Dafür,    dass er einfach abhaut, soll er noch bezahlt werden? (schüttelt den Kopf) Nein, nein, das ist eine schlechte    Idee. Was steht denn hier noch? Aha! „Des weiteren wäre es eine mögliche Option, sich einen neuen und    zuverlässigeren Jäger zu suchen, der dann noch zum Erfreuen der Königin den alten Jäger um die Ecke bringt.“    Was heißt denn das nun wieder?
    Zofe:           Um die Ecke bringen bedeutet, dass Ihr ihn umbringen lasst.
    Stiefmutter:  Nein, das meinte ich doch gar nicht! Was soll das heißen „einen neuen Jäger suchen“? Muss ich jetzt etwa
       selbst durch die Dörfer latschen und selbst jeden anquatschen, ob er nicht mein neuer Jäger sein will? So eine    Unerhörtheit! Da werden doch meine neuen Schuhe dreckig!
    Zofe:           Ihr könntet ja auch einen der Diener schicken. Nur so als Vorschlag…
    Stiefmutter:  Fantastische Idee! Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin… Also dann, hol mir Franz her, aber ein bisschen
       dalli.
       (Zofe ab. Stiefmutter wendet sich wieder dem Spiegel zu.) Und du Olaf, erzählst mir jetzt mal, warum du    Grimassen geschnitten hast…
    Spiegel:        Ich…
    (Freeze. Wechsel wieder zu den Zwergen und Schneewittchen, welches sich wieder beruhigt hat, aber immer noch ängstlich schaut.)
    2. Zwerg:     Was hast du denn?
    Schneew.:    Ich…. Ich war nur erschrocken. Was ist das? (zeigt auf ein Bündel, das halb hinter dem Schrank hervorschaut)
    3. Zwerg:     (lacht) Ach das. Das ist Franz‘ Kürbiskernsammlung.
    Schneew.:    Aber so… groß.
    4. Zwerg:     Ja, er hat ziemlich viele gesammelt. hat wohl irgendwann Überhand genommen… Deswegen haben wir’s auch
       dahinten versteckt. Da findet er’s nicht. Hoffentlich hat er die Kerne vergessen, jetzt wo er in Russland    besseres zu tun hat…
    Schneew.:    Na gut. Dachte, da wäre eine Leiche drin oder so. Und was machen wir jetzt?
    (Freeze; Spot wieder auf die Stiefmutter und den Spiegel)
    Spiegel:        (verärgert) Was soll denn dieses ganze Herumgefreeze hier? Jetzt muss ich nochmal von vorne anfangen, man!
    Stiefmutter:  Komm endlich zum Punkt!
    Spiegel:        Ich äh… Mir war langweilig.
    Stiefmutter:  (denkt lange nach, schaut ihn dabei böse an, sagt dann schließlich in neutralem Ton) Achso, sag das doch
       gleich! Ich hab gedacht, du verarschst mich…
    Spiegel:        (verdreht die Augen Richtung Publikum; ironisch) Nein, wie kommt ihr denn auf sowas?
    Stiefmutter:  Egal, lassen wir das. Sagt mir lieber mal einer, warum Franz immer noch nicht hier ist!
    Zofe:           (kommt eben mit Franz herein) Hier ist er, Eure Majestät.
    Stiefmutter:  Ah, Franz. Du gehst sofort durch die Dörfer in meinem Land und suchst uns einen neuen Jäger. Und bitte einen,
       der nicht wegrennt, wenn er mit seiner Königin Dame spielen soll…
    Diener:         Sehr wohl, meine Königin.
    Stiefmutter:  Achso und wenn du den alten Jäger zufällig in der Kneipe bei einem Bier triffst, dann grüß ihn ganz lieb von mir
       und tritt ihm in den Arsch.
    Diener:         Soll ich ihn nicht umlegen?
    Stiefmutter:  (empört) Also Franz, nein! Das macht doch dann der neue Jäger.
    Diener:         Okay, dann geh ich mal (ab.)
    Stiefmutter:  Schön, hätten wir das auch geklärt. Ich glaube, ich werde jetzt mal meinen zweiten Schönheitsschlaf des Tages
       machen. (rauscht eitel aus dem Saal)

    (Man sieht noch, wie sich der Spiegel und die Zofe anschauen und dann lachen, daraufhin schließt sich der Vorhang.)
    Geändert von Nachteule (10.08.2014 um 19:40 Uhr) Grund: Formatierungen eingefügt
    Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du ohne Flügel fliegen kannst.


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  7. #7
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    (Erzähler auf)
    Erzähler:       Der Jäger wird nun zum Gejagten
       Nachdem die bösen Leute tagten.
       Was wird der arme Mann jetzt tuen?
       Und kann er jemals wieder ruhen?
       Denn Diener Franz ist auf der Suche,
       Da hülfe ihm auch kein Gefluche,
       Um einen Jägersmann zu finden.
       Doch kann sich unser Niklaus aus dem entwinden?
       So lasst uns einmal nur herüber schauen,
       Vielleicht kann er auf den treuen Diener bauen?
    (Erzähler verbeugend ab)

    II Akt 3. Szene in der Kneipe
    Rechts ist ein Tresen, an dem der Jäger mit einem leeren Glas auf einem Barhocker sitzt, vor ihm liegt die Schatulle. Ihm gegenüber steht ein Barkeeper, der immer mal wieder den Tresen abwischt.

    Jäger:           …Und dann hat sie tatsächlich geglaubt, dass das Eichhörnchenherz das von Schneewittchen ist, weil sie so
       herzlos wäre und als ich ihr dann noch sagte, dass die Lunge so klein sei, weil sie nie Sport gemacht hätte,    dachte ich, es wäre aus mit mir. Aber zum Glück hat sie auch das gleich geschluckt. (beide Lachen; der Jäger    schaut sich ängstlich um) Aber das darfst du niemandem erzählen!
    Barkeeper:     Keine Angst, ich mag das alte Mistvieh auch nicht. Aber dass sie nicht die hellste Lampe im Leuchter ist,
       hättest du ja wissen können. Schon alleine dadurch, dass sie dich geschickt hat, Schneewittchen umzubringen,    obwohl jeder weiß, dass du nur ein Headhunter bist.
    Jäger:           Hey, was heißt denn hier „nur“. Warum sagt das jeder?
    Barkeeper:     Och, nur so. Willste noch eins?
    Jäger:           Da sage ich nicht nein.
    Barkeeper:     (Füllt das Glas auf) Und was machst du jetzt? Wirst du ihr noch einmal deine Aufwartung machen?
    Jäger:           Das habe ich eigentlich nicht vor. Ich hoffe sie findet mich nicht. Sie will noch eine Partie Dame gegen mich
       spielen. Sie weiß doch, dass ich das nicht kann.
    Barkeeper:     Hier war sie jedenfalls noch nie. Solange du hier bist und etwas trinkst, musst du keine Angst haben. Zumindest
       wenn du deine Zeche bezahlst. (Lacht)
    Jäger:           Ich bezweifle, dass ich das lange kann, wenn ich hier bleibe. Vielleicht sollte ich ein neues Büro eröffnen.
       Irgendwo im Ausland. Vielleicht hinter den acht Bergen, bei Schneewittchen. (Seufzt)
    Barkeeper:     Äh. Ich dachte, dein Job besteht darin, Leute zu vermitteln.
    Jäger:           Schon.
    Barkeeper:     Solltest du die Leute dann nicht kennen?
    Jäger:           Schon.
    Barkeeper:     Tust du das hinter den acht Bergen?
    Jäger:           Schneewittchen, aber sonst...
    Barkeeper:     Siehst du.
    (Pause. Kurz darauf kommt der Diener herein und setzt sich neben den Jäger. Zwischen allen Sätzen entstehen Pausen. Der Barkeeper wechselt den Blick immer zum Sprecher.)
    Diener:          Hey.
    Jäger:           Hey.
    Diener:          Und?
    Jäger:           Jo. (Pause)Selbst?
    Diener:          Muss ja.
    Jäger:           Schon.
    (Lange Pause.)
    Diener:          Die Königin sucht dich.
    Jäger:           Wegen Dame?
    Diener:          Jupp.
    Jäger:           Ihr Pech, ich spiele nicht mehr.
    Diener:          Und wegen dem da. (Zeigt auf die Schatulle.)
    Jäger:           Das ist meine Schatulle, die kriegt sie nicht!
    Diener:          Geht glaub um den Inhalt.
    Jäger:           Welchen Inhalt?
    Diener:          Du erinnerst dich an das Herz und die Lunge?
    Jäger:           Ach so, das. Kann sie haben. (Wieder normale Gesprächsgeschwindigkeit)
    Diener:          Und außerdem will sie deinen Tod.
    Jäger:           Das wüsste ich gerne verhindert.
    Diener:          Dies ist zum Glück nicht mein Auftrag. Aber was soll ich ihr sagen, wo ich die beiden herhabe?
    Jäger:           Keine Ahnung. Vielleicht hast du sie bei ihr in der Vorratskammer gefunden. Du bist doch sonst nicht so
       unkreativ.
    Diener:          Das klingt nicht schlecht. Auch wenn ich nicht weiß, ob sie mir das abnimmt. Aber die hellste Lampe im
       Leuchter ist sie ja nicht. Da könnte ich mir das schon vorstellen. (zum Barkeeper) Kannst du mir die beiden    Dinger einpacken, damit der Jäger…
    Jäger:           (erschüttert) Im Ernst? „Der Jäger“? Wie lange kennen wir uns? Ein Jahr? Und du nennst mich „der Jäger“? Du
       solltest wissen, dass ich Nikolaus heiße.
    Diener:          (eingeschüchtert) Sorry… Also, damit Nikolaus seine Schatulle behalten kann, kannst du mir die Dinger in eine
       Schüssel oder dergleichen tun?
    Barkeeper:     Klar, ein Moment. (Verschwindet im Hintergrund und kommt mit einer Plastikschüssel zurück.) Ist die hier
       okay?
    Diener:          Geht es auch etwas *Hüstel* nostalgischer? (nickt mehrfach auffällig Richtung Publikum)
    Barkeeper:     Ich hätte höchstens noch eine Tüte. Aber die wäre auch aus Plastik. Mehr kann ich nicht anbieten.
    Diener:          Das kommt mir nicht in die Tüte. Nimm lieber die Plastikschüssel. (Der Barkeeper beginnt, die beiden Organe in
       die Schüssel zu packen und stellt die Schatulle wieder vor den Jäger.)
    Jäger:           Danke.
    Diener:          Was willst du in der Zwischenzeit machen, bis die Königin die Partie Dame vergessen hat?
    Jäger:           Das weiß ich noch nicht. Vielleicht ein neues Büro aufmachen oder ins Ausland gehen.
    Diener:          Klingt nicht spannend. Sie hat mir nämlich aufgetragen, einen neuen Jäger zu suchen, der dich dann umbringt.
       (kurze Pause) Das klänge doch nach einem Auftrag für dich. Immerhin bist du der Headhunter unter uns.
    Jäger:           Ist klar. Ich suche einen Jäger und empfehle ihn der geliebten Königin, damit sie jemanden hat, der mich
       umbringt.
    Diener:          Gut, wie lange brauchst du?
    Jäger:           (schaut ihn schief an) Ist das dein Ernst?
    Diener:          (unbekümmert) Warum nicht? Ich würde dich ja dafür bezahlen.
    Jäger:           Womit möchtest du mich denn bezahlen? Mit meinem Leben? (lacht auf)
    Diener:          Das wäre dann doch etwas viel, für vielleicht drei Stunden Arbeit. Ich würde dir 100 Taler anbieten. Das sollte
       doch eigentlich genügen, oder?
    Jäger:           Ich glaube, der Auftrag ist nichts für mich. Aber dennoch danke, dass du an mich gedacht hast. Wahrscheinlich
       solltest du selbst jemanden suchen, der gerne Jäger im Auftrag ihrer Majestät ist.
    Diener:          Ich hatte ja schon angefangen. Aber das waren alles Nullen, um nicht zu sagen Doppelnullen. Ich bin halt nicht
       so gut in dem Job, den du hast. Ich habe andere Qualitäten.
    Jäger:           So? Welche denn?
    Diener:          Ich habe einen Job, in dem ich gut bin und hatte auch davor einen Job, den ich beherrschte.
    Jäger:           Wenn du darin gut gewesen wärst, hättest du ihn weitergemacht, statt einer alten, herz- und hirnlosen Frau zu
       dienen und alles zu machen, was sie dir sagt. Wenn es sein muss, sogar einen Freund hintergehen und    umbringen lassen.
    Diener:          Nicht wirklich. Ich soll nur einen neuen Jäger einstellen. Was der dann macht, dafür kann ich nichts. Sicherlich
       sollte er auch Wild jagen, für den Fall, dass die Königin mal Appetit auf Wild bekommt. Und zudem habe ich dir    den vorherigen Job bei der Königin besorgt!
    Jäger:           Für den ich nicht qualifiziert war, was du wusstest. Ich sollte Schneewittchen töten und er hätte mich fast
       umgebracht, beziehungsweise, er wird mich vielleicht noch töten. Je nachdem, wie qualifiziert der Jäger ist, den    du findest. Richtig wäre gewesen, der Königin mitzuteilen, dass ich „nur“ ein Headhunter bin. Dann hättest du    mir geholfen. Nicht so, wie du es gemacht hast. Das hat mir nicht geholfen, sondern das bringt mich um.
    Diener:          Es bringt dich vielleicht (Betont das Wort besonders) um.
    Jäger:           Aber es kann mich umbringen, was schlimm genug ist.
    Diener:          Dass du aber auch immer nur die negativen Dinge siehst.
    Jäger:           Und wo ist das positive? Ich wurde für den Auftrag noch nicht einmal bezahlt und sollte dann noch mit der
       Königin Dame spielen, obwohl sie weiß, dass ich das nicht kann. Warum nicht mal Mühle?
    Diener:          Sagte ich doch gerade. Du siehst nur das Negative.
    Jäger:           Ach, sei doch ruhig. (winkt ab und trinkt einen Schluck)
    Diener:          Dann halt nicht. Ich wollte dir nur helfen.
    Jäger:           Und das dachtest du wirklich? Da kann man dir fast nicht böse sein. Wenn da nicht die Sache mit dem
       drohenden Tod wäre. Gar nicht auszudenken, was passiert, wenn sie merkt, dass Schneewittchen noch lebt!
    Diener:          Ich merke schon, wenn ich wo nicht erwünscht bin. Auf Wiedersehen, Jäger? (Steht auf und will gehen.)
    Jäger:           Im Ernst? Jäger?
    Diener:          Sorry. Nikolaus. (geht Richtung Ausgang.)
    Jäger:           (Hält ihn auf halben Weg auf und winkt mit der Plastikschüssel.) Hast du nicht etwas vergessen?
    Diener:          Oh, was täte ich nur ohne dich. Du bist ein wahrer Freund. Danke!
    Jäger:           Ich wünschte, ich könnte das selbe über dich sagen. (zum Publikum, während der Diener geht) Und wenn ich
       ihm das Ding nicht gegeben hätte, wäre er wieder zurückgekommen. Gar nicht auszudenken, was das für mich    bedeutet hätte.
    Barkeeper:     Und was gedenkst du jetzt wirklich zu tun?
    Jäger:           Wenn ich das wüsste. Ich schätze, ich werde zu den acht Zwergen, hinter den acht Bergen gehen. Vielleicht
       gibt es noch einen Job als Zwerg. Trotz meiner Klaustrophobie, die mir sicherlich unter Tage das eine oder    andere Problem machen könnte. Oder aber der Schlecker hat noch was. Ich habe gehört, die seien recht froh,    jemanden zu finden, der abends an der Kasse sitzt. Den Haushalt wird wohl Schneewittchen schon machen.    Und was kann das schon für eine Arbeit sein, acht Zwergen, die den ganzen Tag im Schmutz arbeiten, den    Haushalt zu schmeißen. Das wird wohl in wenigen Stunden gemacht sein. (Der Barkeeper nickt zustimmend)    Eine andere Möglichkeit wäre, ich lasse mich von Schneewittchen aushalten. Immerhin verdankt sie mir ihr    Leben, wegen dem ich um meines laufen muss.
    Barkeeper:     Ihr habt wohl einen Narren an ihr gefressen.
    Jäger:           Sie sieht ja auch nicht schlecht aus. Und sie wird einmal Königin, sobald irgendjemand auf die Idee kommt,
       Hexen zu verbrennen oder im Fluss zu ertränken.
    Barkeeper:     Aber ist es nicht so, dass Hexen dabei nicht sterben können?
    Jäger:           Doch. Das ist ja das Lustige daran. Man wird die Hexe los, indem man beweist, dass sie keine Hexe gewesen sein kann.
    Barkeeper:     Ihr habt eine komische Art von Humor.
    Jäger:           Nennen wir es einfach avantgardistisch. Stelle dir einfach mal vor, du könntest einfach jemanden suchen, den
       du nicht magst und sagen, er sein ein Hexer und schon kümmert sich jemand um dein Problem. Es wird sicherlich    eine Generation kommen, die mir folgen kann. Ob das nach der Einführung oder erst nach der Abschaffung    dieser Folter der Fall ist, weiß ich zwar noch nicht, aber das spielt ja auch keine Rolle. Die Hauptsache ist doch,    dass meine Sichtweise irgendwann einmal modern wird. Ich bin ja ein bescheidener Headhunter.
    Barkeeper:     Darf ich raten, dass ihr die Hexen, natürlich durch euren Beruf als Headhunter, suchen und vorschlagen wollt?
    Jäger:           Och, das würde ich mir sicherlich nicht nehmen lassen, wenn mich jemand darum bittet. Aber planen würde ich
       das sicherlich nicht.
    Barkeeper:     Ihr seid mir ja ein komischer Kauz.
    Jäger:           Ist das nicht jeder, irgendwie? Ich werde jetzt jedenfalls zum achten Berg aufbrechen.
    Barkeeper:     Und dein Deckel? Du hast noch nicht bezahlt.
    Jäger:           Das übernimmt Franz. Der hat sich genug geleistet, da kann er sich auch meine Getränke leisten.
       Auf Wiedersehen! (Jäger ab, der Vorhang schließt sich.)
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
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  8. #8
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    II. Akt 4. Szene: Bei den Zwergen
    5. Zwerg: bbbbbbbbb(verärgert Richtung Off) Wer hat sich eigentlich diesen Mist ausgedacht? Erst dämliches Herumgefreeze und jetzt wird bbbbbbbbbbbbbbbbbbuns auch noch die Szene zerstückelt (schüttelt mit dem Kopf)
    Schneewittchen: bbbAlso…Was machen wir jetzt?
    6. Zwerg: bbbbbbbbbNichts. (tätschelt sich den Bauch) Obwohl ich jetzt einen Umtrunk gebrauchen könnte.
    7. Zwerg: bbbbbbbbbAu ja!
    1. Zwerg: bbbbbbbb Schnaps ist alle!
    6. Zwerg: bbbbbbbb Schade!
    Schneewittchen: bbbWir können doch nicht einfach hier herumsitzen und warten, bis die fiese Königin unseren…ähäm…euren Erpresserbrief
    beantwortet. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie lesen kann.
    2. Zwerg: bbbbbbbb Ist uns doch egal, wozu hat sie schließlich Diener?
    Schneewittchen:bbb Aber was ist, wenn sie jemanden schickt, der mich wieder umbringen soll?
    3. Zwerg:bbbbbbbb Quatsch, so schlau ist deine Stiefmutter nicht. Schließlich ist sie immer noch nicht zu Yellow-Strom gewechselt. Das weiß
    doch jeder Dummkopf, dass das die beste Option hier im Märchenland ist.
    Schneewittchen:bbb (steht auf)
    4. Zwerg: bbbbbbbb Wo willst du hin?
    Schneewittchen: bb b Ich geh schnell zu DM. Braucht ihr auch noch was?
    1.-7. Zwerg:bbbbbb (einzeln nacheinander) Nein.
    Schneewittchen:bbb (geht nach draußen)
    1. Zwerg:bbbbbbbb (ruft) Halt, warte!
    Schneewittchen:bbb (kommt wieder herein gehetzt) Was denn?
    1. Zwerg:bbbbbbbb Ich brauche doch noch [hier beliebigen Gegenstand einfügen].
    Schneewittchen:bbb Okay. Sonst noch jemand? (sieht fragend in die Runde)
    Restliche Zwerge:bb (einzeln nacheinander) Nein.
    Schneewittchen:bbb (geht nach draußen)
    [dasselbe wiederholt sich in dieser Reihenfolge bis zum 7. Zwerg, zum Schluss geht Schneewittchen sehr verärgert ab]
    7. Zwerg:bbbbbbbbb Ich mach ein Nickerchen. (ab)
    6. Zwerg:bbbbbbbbb Ich such den guten Wodka. (ab)
    5. Zwerg:bbbbbbbbb Ich geh Pilze sammeln. (ab)
    4. Zwerg:bbbbbbbbb Ich geh mich draußen sonnen. (ab)
    3. Zwerg:bbbbbbbbb Ich lese mal im „Handbuch für räuberische Zwerge“ weiter. (ab)
    2. Zwerg:bbbbbbbbb Ich schaff mal Franz‘ Sammlung weg. (nimmt die Säcke voller Kürbiskerne und geht ab)
    1. Zwerg:bbbbbbbbb Wo ist denn meine Pfeife? (ab)

    II. Akt 5. Szene: Spiegelsaal
    Stiefmutter:bbbbbbb (kommt herein, stolziert hochmütig auf den Spiegel zu) Na Olaf, geht’s wieder?
    Spiegel:bbbbbbbbbb (brummt) Mh.
    Stiefmutter:bbbbbbb Sei nicht so mürrisch, was denkst du, was ich mir hier ständig gefallen lassen muss?
    Spiegel:bbbbbbbbbb (bleibt ihr einer Antwort schuldig)
    Stiefmutter:bbbbbbb MyBeauty.com öffnen.
    Spiegel:bbbbbbbbbb (gelangweilt) Passwort?
    Stiefmutter:bbbbbbb Da braucht der Idiot da draußen mal wieder ewig und schon wird man abgemeldet.
    Spiegel:bbbbbbbbbbb MyBeauty.com geöffnet
    Stiefmutter:bbbbbbb (grinst) Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
    Spiegel:bbbbbbbbbbb Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.
    Stiefmutter:bbbbbbbbWas?! Wie kannst du es wagen!
    Spiegel:bbbbbbbbbbb Sorry, aber so ist es.
    Stiefmutter: bbbbbbb Überprüf das gefälligst nochmal.
    Spiegel: bbbbbbbbbbb(kurze Pause) Nope, bleibt dabei.
    Stiefmutter:bbbbbbb (schreit wütend auf, stampft mit den Füßen) Das kann doch nicht sein! Der Jäger hat sie doch umgebracht!
    Spiegel: bbbbbbbbbbbOffensichtlich nicht.
    Stiefmutter: bbbbbbb Sei still! Was mach ich denn jetzt?
    (in diesem Moment tritt die Zofe ein)
    Zofe: bbbbbbbbbbbbbEure Boshaftigkeit, Franz ist zurück.
    Stiefmutter: bbbbbbb Endlich! Hat er einen neuen Jäger dabei?
    Zofe: bbbbbbbbbbbbbNei-Nicht direkt. Aber er hat etwas anderes.
    Stiefmutter: bbbbbbb (setzt sich immer noch sauer auf ihren Thron, signalisiert mit einer Handbewegung, dass der Diener eintreten soll)
    (Zofe ab, Franz tritt herein)
    Franz: bbbbbbbbbbbb (verbeugt sich) Eure Widerlichkeit.
    Stiefmutter: bbbbbbb Sag schon, was hast du für mich?
    Franz: bbbbbbbbbbbb Einen Brief.
    Stiefmutter: bbbbbbb Wieso ein Brief?
    Franz: nnnnnnnnnnnn Ich habe wie jeden Tag um 14.53 Uhr den Briefkasten geleert.
    Stiefmutter: bbbbbbb Ja, das weiß ich, ich hab’s dir aufgetragen. Aber warum denn ein Brief?
    Spiegel: bbbbbbbbbb Hat wohl kein Mailprogramm.
    Stiefmutter: bbbbbbb Mag sein, aber da schickt man doch keinen Brief. Noch nichts von Whatsapp gehört oder was?
    Franz: bbbbbbbbbbbb (räuspert sich)
    Stiefmutter: bbbbbbb Na gib mal her. (bekommt den Brief überreicht) Ja und wie soll ich jetzt wissen, was da drin steht? Mails liest mir
    schließlich der Olaf immer vor.
    Franz: bbbbbbbbbbbb Soll ich, Eure teuflige Herrlichkeit?
    Stiefmutter: bbbbbbb Ja, lies vor, Franz. (gibt den Brief an Franz zurück)
    Franz: bbbbbbbb (öffnet den Umschlag, entfaltet sehr langsam den Brief, liest dramatisch vor) „Sehr geehrte Frau Königin, Wir haben Ihre
    Stieftochter. Sollten Sie nicht innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Million Taler bereitstellen, wird sie überleben. Hochachtungsvoll die Zwerge.“
    Spiegel: bbbbbbbb(zum Publikum) Der Jäger sollte jetzt flüchten, falls er es nicht schon getan hat.
    Stiefmutter: bbbb Schneewittchen lebt noch?
    Franz: bbbbbbbbb So steht es hier drin.
    Stiefmutter: bbbb Und die wollen eine Million Taler?
    Franz: bbbbbbbbb So steht es hier drin.
    Stiefmutter: bbbb Innerhalb von zwei Wochen?
    Franz: bbbbbbbbb So steht es hier drin.
    Stiefmutter: bbbbb Und die Zwerge haben sie?
    Franz: bbbbbbbbbb So steht es hier drin.
    Stiefmutter: bbbbb Warte…Wer sind denn überhaupt diese Zwerge?
    Spiegel: bbbbbbbb (aus dem Hintergrund) Kleine bärtige Männer mit Spitzhacken.
    Stiefmutter: bbbbb Bergleute?
    Franz: bbbbbbbb bbNein, eher-
    Spiegel: bbbbbbbb (unterbricht ihn) Ja genau, Bergleute.
    Franz: bbbbbbbbb (wirft ihm einen vernichtenden Blick zu, sagt aber nichts)
    Stiefmutter: bbbbb Und die wollen Schneewittchen am Leben lassen, wenn ich ihnen kein Geld bezahle?
    Franz: bbbbbbbbbb So ist es.
    Stiefmutter: bbbbbb (lacht) Das sollen sie mal versuchen. Wer betreibt denn die staatlichen Bergbaubetriebe?
    Spiegel: bbbbbbbbb (sarkastisch) Ver.di?
    Stiefmutter: bb bbb b (dreht sich zu ihm um) Nein, natürlich nicht du Idiot. Ich. Schließlich bin ich der Staat.
    Spiegel: bbbbbbbbb (zum Publikum) Monarchien sind scheiße.
    Stiefmutter: bbbbWas ich eigentlich sagen will: Die wollen also auch noch eine Gehaltserhöhung von mir? Ich hab noch nie von denen
    gehört. - Franz!
    Franz: bbbbbbbb (zuckt zusammen) Ja, Eure Lachhaftigkeit?
    Stiefmutter: bbbb Du suchst jetzt sofort einen neuen Jäger. Das Damespiel ist nicht mehr wichtig. Ich brauch jetzt jemanden, der
    Schneewittchen und die Bergleute zur Strecke bringt. Und wenn er den alten Jäger trifft, diesen auch gleich. Dringendes Arbeitsgesuch, Vollzeit auf 40h-Basis.
    Franz: bbbbbbbbbWie Ihr wollt (verbeugt sich)
    Stiefmutter: bbb Und wehe, du kommst eher wieder, als dass du jemanden gefunden hast!
    Franz: bbbbbbbbbGeht klar. (ab)
    Stiefmutter: bbbb(zum Spiegel) Und du, Olaf, öffnest jetzt Netflix und spielst meine Lieblingsserie auf Leinwand.
    Spiegel: bbbbbbbbWie Ihr wünscht.
    (Die Stiefmutter macht es sich bequem, der Vorhang schließt sich)

    Geändert von Thrillermietze (29.03.2019 um 13:28 Uhr) Grund: Formatierung
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