Im südlichen Hotel

©Hans Hartmut Karg
2012

Wo die Rosen zwischen Palmen spitzen
Und die Hitze uns den Atem raubt,
Bleiben wir im Schweiße sitzen,
Höher sich die Sonne schraubt.

An der alten Hügelkette wartet
Stiller Wind in ausdauerndem Flimmern.
Kein Rennradler, der jetzt mehr startet,
Wo auf Straßen täuschend Wasser schimmern.

Selbst Thermalbecken im Süden sind leer,
Nur Siesta rettet jetzt noch alle Gäste.
Jeder kleine Atemzug fällt schwer,
Viele Bäume tragen Traueräste.

In gekühlter, weiter Eingangshalle
Sitzen Nordländer – und reden,
Denken sehnsuchtsvoll von jenem Falle,
Wie Urlaub wohl jetzt in Nordnordschweden?

Alles, was der Mensch im Augenblick nicht hat,
Möchte er sogleich jetzt auf der Stelle,
Und was ihm bereitet Ungemach,
Kritisiert er möglichst rasch und auf die Schnelle.

Doch der Süden hat nun einmal jene Flut
Vieler guter, stiller Sonnenstrahlen.
Auch das Essen ist hier wunderbar und gut
Und die Landschaft lässt sich prächtiger ausmalen.

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