1. #1
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    Friedhof der weggelegten Bücher

    Ich fing mal Matt Ruffs Buch "Fool on The Hill" an zu lesen, was ja ein Beatles-Song ist. Ich hörte an der Stelle auf, wo der Ich-Erzähler schreibt, er hätte eine Axt im Kofferraum - nur so, also ohne besonderen Grund.

    Ich begann neulich auch mal "Undine" v. Fouqué und beendete vorzeitig, als der Ritter sich offensichtlich in Undine und seine Frau... nun ja, offensichtlich gab es da romantische Meinungsverschiedenheiten, deren Zeuge zu werden ich vorerst vermied.

    Ab der Hälfte von Richard David Prechts "Liebe" mußte ich plötzlich passen. Irgendein anderes Buch kam mir dazwischen. Vermutlich war es "Das Kapital" von Erzbischof Reinhard Marx. Das ich bei Seite 55 stoppte.

    Als Teenager fing ich mit den "Nieten in Nadelstreifen" an. Als 33jähriger dann zu Ende gelesen. Zufall?

    Anton Tschechows "Liebesgeschichten". So leicht und luftig geschrieben... ab der zweiten Geschichte beiseitegelegt (das junge Mädel lauscht ihrem Ehemann hinter der Laube - er baggert eine andere an).

    Bei Jenny Williams Biographie über Hans Fallada fehlen mir die letzten 20 Seiten - Fallada hat sich soeben mit dem blutjungen Mädel aus dem gleichen Dorf verlobt, ich schätze mal zum gemeinsamen Opium spritzen und wilde Nächte erleben.

    "1000 € für jeden" - nun ja, wer will die nicht? Entschuldigung, Götz Werner und Adrienne Goehler, nach zwei Dritteln war vorerst Schluß. Doch eines Tages möchte ich unbedingt erfahren, wie das Bedinungslose Grundeinkommen finanzierbar ist.

    Carson McCullers´ "Das Herz ist ein einsamer Jäger": Mist, ich kann dieser 11jährigen einfach nicht folgen. Dabei hat es so gut angefangen, der Betrunkene in der Bar, den der einsame Taube mitnimmt...

    "Die Logik des Misslingens" von Dörner. Gutes Buch, durchgelesen. Allerdings weiß ich bis heute nicht, weshalb es mir immer wieder mißlingt, ein Buch bis zum Ende zu lesen.

    Vielleicht hätte mir "Seneca - Der Lebensmeister" in der Ausgabe von K.O. Schmidt weiterhelfen können. Diesmal kamen mir jedoch eigene amouröse Verwicklungen dazwischen. Nach Seite 22 war Schluß.

    Eifrig markierte ich auch die interessanten Stellen in der Einleitung zu "Gegen die Wissenschaftler" von Sextus Empiricus. In Grün. Danach kommt kein Grün mehr. Es scheint hoffnungslos.

    "Bitte sagen Sie jetzt nichts". Ach Loriot. Dich durchzulesen, nach anfänglicher Skepsis, nachdem Du bereits einige Monate tot warst, war plötzlich ganz leicht.

    Was hingegen hält mich davon ab, Nietzsches "Antichrist" weiter zu verfolgen? Shakespeares "Hamlet"? Safranskis "Romantik"? Neumahrs "Cesare Borgia"? Miriam Meckels "Das Glück der Unerreichbarkeit"?

    Eingehend vertieft habe ich mich in Heinz-Peter Röhrs "Die Angst vor Zurückweisung". Doch weshalb ich manche Bücher nach der Halbzeit zurückweise, mag ich keiner dramatischen Überreaktion zuschreiben.

    Heinrich Mann - ich bitte untertänigst um Entschuldigung. "Professor Unrat" war himmlisch, bei "Der Untertan" verhagelte mir etwas die Sicht. Glücklicherweise gibt es ja von beiden die Filmfassung, auch wenn ich das Ende "Ihres" Blauen Engels gelungener finde.

    Was ritt mich, Fitzgeralds "Der große Gatsby" in die Zielgerade zu bringen, wohingegen mich Joyces "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ nach einer ordentlich zurückgelegten Strecke einfach abwarf?

    Wer vermag zu sagen, wann ich “Trotkzi“ von Bertrand M. Patenaude aus dem heimischen Regal ziehe, obwohl “1812“ von Adam Zamoyski schon beim Buchhändler lockt?

    Werde ich je das schon deutlich angegilbte Clausewitz´sche „Vom Kriege“ durchackern, wohingegen ich Keegans „Die Kultur des Krieges“ sozusagen im Sturm eroberte?

    Werde ich dereinst Buch 1 von Humes „Ein Traktat über die menschliche Natur“ zumindest ´gelesen´, ohne dabei den Verstand verloren zu haben?

    Silke Schützes „Henny Walden“ über eine junge Frau im Berlin zwischen den Weltkriegen liest sich interessant, doch was nützt es, wenn ich sogar bei Stephen Coveys “Schnelligkeit durch Vertrauen“ nach Hundert Seiten verstolpere?

    Es mag gut sein, daß ich eines Tages alle einmal angefangen Bücher wirklich zu Ende lese, dazu gehören dann sicherlich auch Erich Fromms „Haben oder Sein“, Hans Küngs „Jesus“, „Echt sein“ der Edition Büchergilde, Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“, Janusz Zajdels „Limes Inferior“, „Afghanische Märchen“ herausgegeben von Manfred Lorenz sowie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.

    Wahrscheinlicher aber ist, Euch alle bis zum Ende als reines Anschauungsobjekt im Bücherregal wertzuschätzen, als praktisches Füllmaterial wie Heinrich Heines „Sämtliche Gedichte“ in der „Einmaligen Jubiläumsausgabe“ für 12 €.

    Warum? Nur so, ohne besonderen Grund.
    Geändert von skyzerot (20.06.2012 um 21:22 Uhr)

  2. #2
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    Liebe(r) skyzerot,

    das ist eine beeindruckende Auflistung gelesener und ungelesener Bücher. Sehr gelungen finde ich die jeweiligen Kommentare über den Anlass des "Scheiterns" beim Beenden eines Buches und die Verbindung von Anfang und Ende der Geschichte "nur so, ohne besonderen Grund". Es macht Spaß das zu lesen. Ich selbst gebe ab und zu ganz gerne mit dem Besitz von 7 Metern doppelt belegten Bücherregalen an. Bei genauerer Betrachtung sind etliche Bücherrücken verdächtig glatt und in unzähligen Büchern stecken irgendwo Lesezeichen.

    LG Susi
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

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