Thema: Das Tabu

  1. #1
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    Das Tabu

    Es saß
    und fraß
    sich in ihren Schoß
    dort wurde es groß
    und seine Macht
    wuchs jede Nacht
    mit jedem Traum.-

    Durchdrang erst das Kind,
    dann auch die Frau,
    dann den Lebensbaum
    und des Himmels Blau.-

    Es höhlte sie aus
    und machte sie blind
    und formte daraus
    erdrückende Leere,
    bleierne Schwere
    endloses Leid
    jenseits von Zeit
    in Dunkelheit.--

    Nun sagst du
    nur wer verzeiht
    sei bereit
    für den Bruch
    mit dem Tabu
    so steht es im Buch
    dann schweigst du dazu:-

    Und lässt sie wieder allein,
    (und das ist infam)
    mit der endlosen Scham
    so tabulos zu sein...
    Geändert von macin (01.11.2019 um 15:27 Uhr)

  2. #2
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    Hallo macin,

    ich lese aus deinen Zeilen sexuellen Missbrauch heraus, der die Protagonistin in lebenslanges Leid stürzt. Ich finde das Thema bzgl. Aufbau und Wortwahl sehr gut umgesetzt, bis Dunkelheit hinterlässt der Text ein bedrückendes Gefühl.

    Der nachfolgende Text erschließt sich mir leider nicht ganz. Was bedeutet zunächst einmal Bruch mit dem Tabu? Dass dieses Verbrechen an Körper und Seele eines Kindes ein Tabu darstellt, steht außer Frage. Meint das LD, die Protagonistin sei nur bereit, das Thema des Tabubruchs emotional aufzuarbeiten, wenn sie dem Täter verzeiht? Davon abgesehen, dass sich mir auch dieser Zusammenhang nicht erschließt, denn dies ist in meinen Augen nicht nötig, jedenfalls nicht vor der emotionalen Aufarbeitung (Therapie), wäre das dann aber m.E. etwas unverständlich formuliert. Oder spricht gar der Täter selbst zu der Betroffenen und rechtfertigt sein Handeln, seinen Tabubruch?
    Sorry, stehe etwas auf dem Schlauch, was aber auch an der Uhrzeit liegen könnte. Würde mich freuen, wenn du mich aufklären könntest.

    Ein soweit aber gut geschriebener, intensiver Text, der nicht unkommentiert bleiben sollte.


    Liebe Grüße
    Yoa

  3. #3
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    Hallo Yoa,
    Danke für deinen Kommentar. Eigentlich geht es um das Schweigen über dieses Thema, wie ja der Titel schon sagt. Das Brechen des Schweigens führt dann oft zu erneuter Isolation, weil der "Normalbürger" mit Abwehr und Ausgrenzung reagiert, schon um seine eigene heile Welt, seine Glauben an Integrität, zu schützen...was dann zur Schuldzuweisung an das Opfer führt, gleichgültig ob das unbewußt oder bewußt geschieht, damit weiter an gesellschaftlichen Werten und Idealbildern festgehalten werden kann...es sind verschiedene Ebenen der Verdrängung und Verleugnung und es geht dabei nicht nur um sexuellen Mißbrauch....und ja so ganz zufrieden bin ich mit dem Schluss auch nicht, aber mir ist keine bessere Lösung eingefallen, um die Unausweichlichkeit von Schuld und Scham auszudrücken...

    LG
    macin

  4. #4
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    Hi macin,

    danke dir für deine Rückmeldung!

    Eigentlich geht es um das Schweigen über dieses Thema, wie ja der Titel schon sagt.
    O.k., das ist für viele Betroffene sicher auch ein Tabu. Der Gedanke, dass du dieses Tabu meinst, kam mir schon auch, jedoch sollte die Handlung an sich ebenfalls ein Tabu darstellen – auch wenn das bedauerlicherweise allzu oft nicht der Fall ist – was mich eben vordergründig in diese Richtung denken ließ.

    Es ist erschütternd genug, dass sexueller Missbrauch überhaupt vorkommt, und sogar häufiger, als man gemeinhin glaubt. Die Opfer sind nicht nur über Jahre, möglicherweise lebenslang traumatisiert und entwickeln nicht selten verschiedene psychische Auffälligkeiten, verschiedene körperliche und psychische Symptome bis hin zu schweren psychischen Störungen, sie müssen sich auch noch mit der von dir in deinem Gedicht thematisierten Ausgrenzung und (zusätzlichen!) Scham- und Schuldgefühlen etc. herumschlagen.

    Allein aus deinem Schluss, der zumindest mir nicht stringent erscheint, hätte ich dieses allerdings wirklich nicht herausgelesen, deshalb danke ich dir für deine Erklärungen.

    Dennoch ein wichtiger Text, gut, dass er hier steht!


    Lieben Gruß
    Yoa

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