Von der Selbstliebe zur Eigenliebe
Jean-Jacques Rousseau zum 300. Geburtstag

©Hans Hartmut Karg
2012

Der in der Selbstliebe zu Hause
Ist seiner Seinsnatur sehr nah:
Natureigen bleibt jede Sause,
Mit der die Liebe einst geschah.

Doch wenn der Neid am Ego kratzt,
Wird Selbstliebe zu Eigenliebe,
Die Altruismus dem aufschwatzt –
Als Tarnung für die üble Lüge.

Genügt es doch dem Bösen nicht,
Dass er für sich kann nur gewinnen.
Verlieren muss der ANDERE Wicht,
Wenn Zorn und Hass so weiterspinnen.

Unter dem Deckmantel des Guten
Lässt der Hasser die Titel weg,
Angeblich, um den Schutz zu fluten,
Opfert er gar selbst sein Privileg.

In Wirklichkeit geht es ihm nur
Um Schädigung im Tarnungsmantel.
Von Menschlichkeit gar keine Spur,
So lebt er diesen schlimmen Wandel.

Verzichtet er auf seinen Titel,
So, um Böswillen aufzubauen.
Der Zweck wird dann zu jenem Mittel,
Lässt ANDRE in die Röhre schauen.

Scheinaltruismus lebt der Mann,
Der Eigenliebe nur noch kennt,
Weil heimlich er nur dieses kann:
Hass predigen, wild, ungehemmt.

Rousseau hat dieses wohl erkannt:
Das Eigene steht nicht als Ziel.
Vielmehr des ANDERN Unglück stand
Im Zentrum dort als Hochgefühl.

So ist das Mitleid dann geheuchelt,
Wenn jeder schlimme Egoist
Hat längst den ANDEREN gemeuchelt
Mit produzierter Hinterlist.

Der ANDERE soll nur verlieren,
Die Eigenliebe bleibt fatal:
Je weniger wir uns genieren,
Desto mehr wächst das Grundfanal.

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