Thema: Datenschutz

  1. #1
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    Datenschutz

    Datenschutz

    Du meinst wohl,
    naiver Bürger,
    du könntest deine Daten
    löschen,
    wie Blutflecken
    von der weißen Weste
    Unbescholtener?

    Naiv bist du
    und gutgläubig.
    Du unterschätzt
    die unbegrenzte
    Allmacht digitalen
    Wissens.

    Der Untersuchungs-
    ausschuss befiehlt
    und tausend Techniker
    der Netzwerke
    fahnden und forschen
    und finden,
    was du getilgt
    glaubtest.

    Nichts lässt sich löschen,
    kein Schwamm
    fährt mehr drüber.
    Die Allmacht der
    Computer
    schützt alle Daten,
    gibt ihnen ewiges
    Leben.

    Das nennt man
    Datenschutz.

  2. #2
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    hallo hans werner
    das ist kompakt in sprache, form und aussage.
    bin gespannt, ob jemand moniert, es sei kein gedicht.
    mir gefällt es sehr gut.
    ausser eines stört mich ein bisschen: in der dritten strophe wird der blickwinkel dür mein gefühl stark eingeschränkt, während mich die übrige aussage viel umfassender dünkt. deshalb würde ich für mich diese strophe ganz weglassen oder am anfang abändern zu
    Wer zahlt, befiehlt
    und tausend Techniker
    ...

    lg wilma27

  3. #3
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    Ich möchte mich hier nur inhaltlich äußern, denn der lyrische Gehalt des Textes scheint mir doch minimal, während der politische schon aussagefähiger ist. Das Internet ist heute in der Lage, die Gedanken und Stimmungen der Bevölkerung auszuspionieren. Für diesen Zweck wird es nach meiner Kenntnis auch von zahlreichen Geheim- und anderen Diensten mehrerer Länder bereits benutzt. Ich erinnere nur daran, dass die Schufa von Facebook profitieren wollte, was ihr zum Glück bislang nicht gelungen ist. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Was seinerzeit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR nicht gelungen war, nämlich in geheimste Gedanken der Bevölkerung einzudringen -woran übrigens jeder Staatssicherheitsdienst der Welt interessiert ist -, das gelingt jetzt, nicht nur mit Hilfe des Internets, was viele User überhaupt noch nicht begriffen haben. Inzwischen sind die technischen Spitzelmethoden aber derart intensiviert worden, dass das Internet nur einen Teil der Ausforschung ausmacht. Aber man sollte es den Herrschaften nicht zu leicht machen und jederzeit wissen, dass das Internet eine offene Flanke ist.

    Gruß, Smarty
    Geändert von Smarty (26.06.2012 um 12:46 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Hans Werner,

    Ob es ein Gedicht ist da gibt es sicherlich viele Meinungen. Mir gefällt "die weiße Weste" und die " Blutflecken. Das ist gut gewählt um das Anliegen deiner Zeilen deutlich zu unterstreichen. Genauso verhält es sich mit dem "Schwamm".
    Sehr schön finde ich den Schluss mit der Auflösung bzw. Aufklärung des "Datenschutzes".

    Auch wenn das unter Spam fallen könnte, aber ich stimme wilma27 zu. Es sei denn es geht dir ausschließlich um Kriminelle oder vermeintlich Kriminelle die naiv sind. Du sprichst allerdings den Bürger an (was mir auch viel besser gefällt denn es geht ja nicht in jedem Fall um Kriminalität und nicht in jedem Fall ist es der Untersuchungsausschuss, sondern eben auch andere Bürger die Daten anderer missbrauchen).

    Daraus lese ich, dass es dir nicht nur um die geht die der "Untersuchungsausschuss" auf dem Radar hat (ob zu Recht oder Unrecht). Von daher würde ich die auch eher weglassen oder allgemeiner ausdrücken.

    lg
    question

  5. #5
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    Hallo Smarty, Wilma27 und question!
    Vielen Dank für Eure lieben Kommentare zu meinem Gedicht. Ihr alle seid der Meinung, dass die dritte Strophe mit dem zu konkret wirkenden "Untersuchungsausschuss" herausgenommen werden müsste. Ich habe mir das jetzt lange überlegt und würde Euch eigentlich gerne zustimmen. Denn allzu zeitbezogen und deutlich wirkt dieses Wort aus der Sprache des aktuellen politischen Tagesgeschehens. Auf der anderen Seite haben mich aber gerade diese Ereignisse zu den Versen angeregt. Ich habe versucht, das lange Wort in zwei Teile zu splitten und damit auch poetisch aussagekräftiger zu machen. "Untersuchungs-Ausschuss", in der Trennung des Wortes wird die Tatsache, dass untersucht wird und dass dieses in einem sogenannten Ausschuss geschieht, besonders hervorgehoben. Es war für mich eben überraschend, dass auf das Einwirken dieses Ausschusses Emails zutage gefördert werden, von denen man sicher annehmen durfte, dass sie von den Betroffenen längst gelöscht worden sind, vor allem angesichts der Brisanz der gegenwärtigen Ermittlungen. Und dennoch sind sie da, verfügbar, im Wortlaut lesbar. Und das hat mich überrascht und zu dem Gedicht bewogen. Deshalb möchte ich die Stelle nicht löschen.
    Viele Grüße
    Hans Werner

  6. #6
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    Hallo Hans Werner,

    ich möchte auf eine Stelle deiner Gedichts eingehen, die mich zum Lachen gebracht hat. Und ich meine, sie sei unfreiwillig komisch...
    Du meinst wohl,
    naiver Bürger,
    du könntest deine Daten
    löschen,
    wie Blutflecken
    von der weißen Weste

    Unbescholtener?
    Das wichtige ist blau hervorgehoben, denn: Genau das tut der User im Internet. Ob auf Facebook oder sonstwo. Sobald er etwas löscht, kann das nicht gleich weg sein, da alles erst weg ist, wenn es überspeichert wurde. Ebenso ist der Blutfleck nicht weg, nur weil sichs reimt und alles gut ist, was sich reimt, sondern weil es jeder kriminaltechnische Ermittler sofort mittels Mittel sichtbar machen kann. Darum ist deine Wortwahl hier sicherlich unfreiwillig komisch. Du willst nämlich genau das Gegenteil aussagen: Was man löscht, sollte unsichtbar sein, so wie wenn man seine "weiße Weste wäscht", die dann auch gleich sauber ist und niiiiiiemand mehr was sieht. Das ist aber eben nicht so. Jeder Honk kann das Blut sehen. Er braucht nur das richtige Mittel. Ein Vergleich, der Hinkt. Vielleicht konnte es die Eiscreme sein, die Mutti nicht sehen soll, aber der Blutfleck ist das falsche Bild.
    (Korrigiere mich, wenn ich falsch liege!)

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
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    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  7. #7
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    Hallo Nachteule,

    ja dann stimmt mein Bild erst recht. Denn die Blutflecken zeigen, dass Löschen grundsätzlich nicht möglich ist. Mit Hilfe technischer Tricks kann man sie wieder sichtbar machen. Das gerade wollte ich ja sagen. Auf der anderen Seite sind die Blutflecken das drastische Bild für schwere Schuld, für ein schlimmes Beflecken der Weißen Weste.

    Vielen Dank für Deinen Kommentar.

    Hans Werner

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