Thema: Mein Lehrer

  1. #1
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    Mein Lehrer

    Mein Lehrer mag mich nicht, ich falle auf.
    Ich strecke nicht, obwohl ich alles weiß.
    Er hat gesagt, ich hätte viel mehr drauf.
    Ich denke gern, doch denk ich oft im Kreis.

    Mein Lehrer sagt, ich stör den Unterricht.
    Ich mag ein leeres Blatt am liebsten leer.
    Er meint, ich soll das mal aus seiner Sicht...
    Die Mama sagt, Zensuren sind nicht fair.

    Mein Lehrer will, dass ich mir Mühe gebe.
    Doch morgens geht mein Wecker viel zu spät...
    Er wünscht, dass ich das Lesen übe...
    Ich suche manchmal lang mein Schreibgerät.

    Mein Lehrer ruft oft meine Mutter an.
    Man hört hier kaum die Schulhausglocke.
    Er meint, sie sollte besser dann und wann...
    Im Sportsack fehlt schon wieder eine Socke.

    Ich streng mich an, fast immer, täglich, stündlich.
    Zu Hause schreib ich nachts noch Strafaufgaben.
    Mein Lehrer sagt, ich sei halt zu empfindlich.
    Man kann doch schon mal was vergessen haben...

    Mein Vater sagt, die Schule sei sehr wichtig.
    Im Sommer fahre ich mit ihm ans Meer.
    Mein Lehrer meint, mein Vater sieht das richtig.
    Ich mag den Lehrer gar nicht mehr so sehr.
    Geändert von kaspar praetorius (01.07.2012 um 13:27 Uhr)

  2. #2
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    liebe anjuleanga
    danke für deine kritik.
    mein fehler, wenn ich es nicht schaffe, verständlich in worte zu bringen, was ich im kopf hatte.
    was mich echt trifft, ist, dass meine erste fassung deiner meinung nach eine allgemeine schulwirklichkeit wiedergab... hab ich das richtig verstanden? dabei hatte ich doch die absicht, ein spezielles kind zu "verdichten" ...
    "banale, stille zustandsbeschreibung" schreibst du... ja, das war meine absicht. denn kindliche dramen haben in meiner sicht was banales.
    ich habe jetzt das objekt etwas zurechtgestutzt. ich hoffe, dass in der neuen fassung ein roter faden erkennbar wird.
    lg wilma27

  3. #3
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    Hi, wilma -

    ich sehe den roten Faden: Die Änderung im Verhalten des Lehrers, im Empfinden der Schülerin.
    Irgendwie kommt mir das Kind angelehnt autistisch vor, zumindest sehr verschlossen und auf sich selbst zurückgezogen.
    Der Lehrer wird, je mehr Zeit vergeht, immer unangenehmer, drängender, und auch die Eltern ändern ihr Verhalten.
    Ob dem Kind das Lernen wichtig ist, konnte ich nicht herauslesen.

    Ich finde das Gedicht sehr gelungen; liest es sich durch den Kreuzreim so flott?

    Zusatzbemerkung:
    ich habe keinen analytischen Verstand und schreibe meine Kommentare aus dem Gefühl heraus.

    LG
    Barbarossa

  4. #4
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    hallo barbarossa
    danke für deine sichtweise. der kreuzreim wurde schon mit absicht gewählt, aber eher aus inhaltlichen überlegungen.
    in der ersten fassung gab es für mich gar keine "entwicklung", in der jetzigen sehe ich eigentlich nur eine: die in der letzten zeile angedeutete.
    der lehrer wird nach meiner intention nicht unangenehmer oder drängender. er versucht, "schule zu machen".
    aber kindern i s t das lernen wichtig, glaub mir! das braucht man nicht eigens noch hinzuschreiben.
    deine zusatzbemerkung finde ich absolut unnötig.
    lg wilma27

  5. #5
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    hoi wilma.
    jetzt hast du den schluss geändert, über den (den orginalen) ich gestern noch einigemale nachgedacht habe. und um den ich dich um aufkösung bitten wollte. jetzt hat sichs wohl geklärt. trotzdem: hätte das kind dern leher wirklich lieben können, der es nicht versteht?

    jetzt gibts dem ganzen noch einen anderen dreh: die vater-kind konstellation wirkt auch nicht optimal, wenn dieser sich auf die lehrerseite stellt, wo dieser es offensichtlich nicht schafft, das kind abzuholen.

    mir gefallen deine nüchternen einsatzverse. hat mich an kästner erinnert. man muss sich die geschichte selber zusammensetzen, und sogesehen stimm ich anjuleanga zu, dass es auf eine art emotionslos wirkt. barbarossas hinweis auf das authistische geht auch in die richtung, (obwohl ich dann laut protestieren möchte, dass emotion/zwischenmenschliches und autismus nicht zusammenpasse. aber darum gehts jetzt nicht )
    aber das ist ja gewollt. und es erzeugt in mir als leser genau die gruselige stimmung und emotion, wenn man daran denkt, wie man einem (ich denke hier primarschüler?) das leben und lernen schon so verleiden kann.
    aber wo das system höher gehalten wird, als die bedürfnisse wirds noch eine weile so weitergehen, und -hey!- ritalin schmeckt auch noch 15 jahre später im studium ganz lecker.

    gefällt mir.
    gruass slepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  6. #6
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    Ich habe leicht verändert.
    Ich fühle mich oft unsicher, wenn ich Kommentare anderer User lese, die den weitaus besseren Durchblick haben.

    LG
    B.

    @ leporello:
    So habe ich das auch nicht gemeint. Aber bei Autismus ist oft eine Begleiterscheinung, daß Kinder ihren Gefühlen verbal oder mimisch keinen Ausdruck verleihen können.
    Ich schrieb auch extra "angelehnt".
    Könnte ebenso starke Schüchternheit sein.

  7. #7
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    @barbarossa: ...und ich dachte noch, ob ich das als weiterführenden gedanken deklarieren soll, der nicht als direkte antwort auf deine meinung gedacht war.
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  8. #8
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    hallo leporello
    hallo anjuleanga
    danke für eure gedanken zu diesem monologdrama.
    eigentlich war meine absicht, dass in dem, was der schüler über den lehrer sagt, die lehrerschiene neutral aufgezeichnet wird. das hat dann verwirrt und zur aussage geführt, dass man nicht wisse, was eigentlich der schüler fühle.
    nun, in wirklichkeit ist es eben so, dass er das wahrscheinlich selber nicht weiss. und genauso wenig weiss der lehrer, wie er mit der situation umgehen soll. beide schienen laufen parallel richtung nächste bahnhöfe, aber nirgends kommen sie zusammen. die mögen sich, nur merkt's der andere nicht; die tun beide ihr bestes, aber hier wäre nicht das beste, sondern was passendes gefragt.
    vielleicht schaffe ich ein andermal, das zu "verdichten".
    lg wilma27

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