Thema: Einwickelgeld

  1. #1
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    Einwickelgeld

    In den ersten Nachkriegsjahren war das Geld bei uns, wie in den meisten Familien, sehr knapp. Wir hatten im Krieg alles verloren und brauchten jeden Pfennig für den Wiederaufbau. Mein Vater musste als Lehrer seine fünfköpfige Familie versorgen, was schon zu normalen Zeiten nicht immer ganz leicht war. Wie sollte man da noch etwas sparen?

    Aber, Not macht erfinderisch! Meine Eltern hatten eine reizende Idee. Mit geringem Einsatz wollten sie etwas Besonderes zustande bringen. Sie kauften einen kleinen Abreißkalender, von dem täglich das aktuelle Blatt abgetrennt wurde. In jedes Papierchen wickelten sie Tag für Tag einen Groschen, an Sonn- und Feiertagen fünfzig Pfennige oder sogar mal eine D-Mark. Zu besonderen Anlässen durfte es auch etwas mehr sein. Mutter achtete darauf, dass pünktlich eingewickelt wurde.

    Das kostbare „Einwickelgeld“ stopften wir in eine Dose und kurz vor Weihnachten versammelte sich die ganze Familie, um die Münzen wieder auszuwickeln. Dann wurde gezählt. Spannend! Wie viel wird es diesmal sein? - Vater rundete den Betrag noch ein wenig auf. Wir durften alle mitbestimmen, was jeweils vom „Einwickelgeld“ angeschafft werden sollte. Es fehlte uns so vieles. Einmal kauften wir ein neues Essbesteck, ein andermal ein kleines Radio. Manchmal bescherte uns das Geld auch einen köstlichen Gänsebraten, an den wir sonst nicht zu denken wagten. Wichtig war, dass es allen zugute kam. Durch diese Sammelaktion wurde der Zusammenhalt der Familie gestärkt.

    Und so geschah es Jahr für Jahr, bis es uns wieder deutlich besser ging. Für mich war das etwas besonders Schönes und Beglückendes, weil durch ein tägliches kleines Opfer so viel erreicht werden konnte. Und Spaß hat‘s außerdem gemacht.

  2. #2
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    Eine wunderschöne Geschichte, die mich sehr ergreift.
    Auch wenn es einem schlecht geht, kann man oft das Glück tiefer empfinden.
    E.Chatterfield

  3. #3
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    Hallo Ingeborg,

    dein "Einwickelgeld" ist etwas ganz Besonderes. Etwas das ganz fest in einer Famile verankert ist und zusammenhält. Ein Schatz den man sein Leben lang mit sich trägt.
    Allerdings finde ich es als Text noch ausbaufähig. Es liest sich so wie wenn jemand diese Ankedote seiner/ihrer Freundin beim Kaffeetrinken erzählt. An manchen Stellen liest es sich einfach sehr nüchtern und dann kommen wieder ein paar ausgeschmücktere Stellen.
    Mir hätte es gefallen, wenn du noch ein wenig mehr Details, Stimmungen und Bilder mit eingebracht hättest. So ist es an manchen Stellen leider sehr abgehakt und man (oder zumindest empfinde ich es so) würde gerne etwas mehr in diese MOmente und Stimmungen eintauchen.
    Viele Grüße
    question
    Geändert von question (04.07.2012 um 16:25 Uhr)

  4. #4
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    Hi, Ingeborg!

    Da steigen Erinnerungen auf!
    Bei uns war die Lage ebenso angespannt. Ich weiß es: Not macht erfinderisch.
    Was haben wir nicht alles unternommen, um dringendste Nöte zu lindern. Wer kennt noch Brennesselspinat? Wer kennt noch Briketts aus eingeweichtem Papier? Wer kennt noch selbstgebastelte Schulhefte? Selbst gezogene Kerzen?
    Und doch: Wir rückten immer nahe zusammen, das war Gold wert.

    Mich hat Deine Geschichte sehr wehmütig gestimmt.
    Dank von

    Barbarossa

  5. #5
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    Hallo Lady Chatterfield, question und Barbarossa,

    danke für euer reges Interesse an meinem Einwickelgeld.Es tut mir leid, wenn es für question nicht blumig genug ausgearbeitet erscheint, aber das Ereignis liegt schon lange zurück und ich wollte nichts dazu erfinden. Nochmals danke.

    Liebe Grüße von Ingeborg

  6. #6
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    Hallo Ingeborg,

    es ist eine schöne und rührende Erinnerung. Da gibt es nichts daran zu rütteln und ich möchte es auch gar nicht in dem Sinne kritisieren.
    Es ist eine persönliche Erinnerung, ein persönliches Erlebnis und als solches werde ich es nun auch aufnehmen und Gefallen daran finden.
    Mir war das nicht klar. Ich dachte eher es sei eine erfundene Geschichte und daher auch der Wunsch nach mehr Ausschmückung usw. im Text.
    Liebe Grüße
    question

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