Thema: Zwei Diebe

  1. #1
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    Lightbulb Zwei Diebe

    Ein dreister Dieb stahl sich mal reich
    und zahlte, Unschuld zu beteuern,
    auf seine Beute ein paar Steuern -
    hofiert wird er, dem König gleich.

    Ein Mann, ich weiß, es war nicht richtig,
    doch stahl er nur zum Überleben;
    er ward dem Richter übergeben -
    ein strenges Urteil, wäre wichtig.

    Dies alles könnte ich ertragen -
    den dreisten Dieb, erst recht den schlichten;
    doch sehe ich den ersten richten,
    dann soll die Glocke dreizehn schlagen!
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  2. #2
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    Interessante Vermisschung der lyr. Personen. Wenn jeder mal lyr. Ich wird, kommt die hypothetische Frage nach Sinn und Zweck des Rechturteils vielleicht etwas vom Weg ab, wenn man dem böseren von beiden gesellschaftliche Akzeptanz zuspricht um seinem Bruder ganz biblisch ein Auge auszuhacken. Nur wird vergessen, dass der Dieb mit seinen Steuern, die Verantwortung dafür abtritt, alles böse hätte nur durchtrieben genug zu sein, um für empörte Gedichte zu sorgen, deren Story an Unterschieden festgemacht werden, welche durch die Volksseele besser gerichtet wären. Und diesen Hinweis in seiner eigenen Empörung verschwinden zu lassen, hat etwas so Penetrantes, das die Diebe mir beide plötzlich sympathisch werden, da sie ja berufsgruppenneutral, scheinbar Glück und Pech symbolisieren sollen und nicht Gerechtigkeitsempfinden.

    LG RS
    Geändert von Terrorist (09.07.2012 um 17:13 Uhr)
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Lieber Eremit .

    Eine harsche Kritik an unserem Rechtssystem, die durchaus angebracht ist; Justitia ist nicht blind und vor allem nicht unbestechlich!
    Klaust du einen Apfel, wirst du vor den Kadi gezerrt, klaust du Millionen, dann decken Politik und Wirtschaft nachhaltig das Mäntelchen des Schweigens darüber. Nun gut, der Apfeldieb wird mit einer Verwarnung davon kommen. Aber der Millionendieb, der vielleicht Tausende mit seinem Raub geschädigt hat auch, und das ist die Crux .

    Sehr gerne gelesen und mal wieder nachgedacht .
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  4. #4
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    Hallo Robert,

    ich weiß nicht, ob die Frage nach dem Sinn und Zweck eines Rechtsurteils nur
    hypothetischen Charakter hat, nur weil bei vielen Fehlurteilen und verfehlten oder
    überholten Gesetzen geschwiegen wird.

    Fakt ist:
    1. In Juristenkreisen gilt: Es hat nicht der Recht, der Recht hat, sondern der, der Recht erhält.
    2. Beim Rechterhalten ist die finanziell besser gestellte Streitpartei im Vorteil. Da muss man noch nicht mal gleich an Bestechung denken, obwohl dieser Gedanke im Bereich des Erlasses von Gesetzen gar nicht so abwegig ist, wenn ich da an den Lobbyismus in der Politik denke.
    3. Der dreiste Dieb mit der größten Beute hat die besten Chancen auf den gewieftesten Anwalt und kann mit ein wenig Geschick den größten Teil seiner Beute mit einem "Vergleich" sichern.
      Wie viele Menschen nehmen Ungerechtigkeiten in Kauf, da sie sich einen Rechtsstreit nicht leisten können. Soll doch der Schuhwichser, den ich um den Lohn seiner Arbeit betrogen habe, erst mal klagen. Sollte ihm dies wider Erwarten gelingen, kann man in Anspielung auf angebliche Mängel ja noch einen Vergleich anstreben. Am Ende zahlt der die Hälfte der Rechtskosten und wagt es nie wieder, zu klagen. Meine Rechtskosten setze ich von der Steuer ab.
    4. Ungesühnte Straftaten erhöhen die Dreistigkeit, mit der weitere Straftaten ausgeübt werden, bis irgendwann eine Grenze überschritten wird, wo Deine zitierte Volksseele aufbegehrt und mit einem Schauprozess an einem Bauernopfer beruhigt wird.


    Hallo Medusa,

    so ähnlich sehe ich es auch, wobei ich nicht unbedingt die Juristen in der Kritik sehe. Ich denke die
    überwiegende Mehrheit arbeitet schon loyal im Sinne der Gesetze. Aber ein Rechtsstaat ist eben noch
    keine Gewähr für Gerechtigkeit, wenngleich ein großer Fortschritt im Vergleich zu rechtlosen Regimen.
    Die Verse entstanden übrigens durch Anregung des Gedichtes "Am Strom der Zeit" von E. Roth und sollen auch nur einen Zustand widerspiegeln - weder die Juristen verunglimpfen, noch die Superlösung präsentieren.

    Vielen Dank für Eure Kommentare.

    LG Eremit
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  5. #5
    Derolli Guest
    Lieber Eremit,

    das hast du ganz dolle gemacht! Eugen Roth könnte man das einfach zwischen die Werke mogeln und nicht mal er selbst würde merken, dass es nicht von ihm stammt. Wahnsinnig gelungen ist diese, im rothschen Stil verfasste, Gesellschaftskritik. Ich hätte nicht gedacht, solch eine hervorragende Nachahmung vorzufinden, da hast du dich wirklich klasse in die Sprache und den beißenden Humor hineingearbeitet.
    Einfach genial wie du den Spannungsbogen bis zur letzen Zeile hälst, ohne dass er irgendwie ermüdet oder abbricht.
    Natürlich ist auch die Aussage an sich, absolut passend und Roth kompatibel.

    Super

  6. #6
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    Lieber Eremit,

    das ist ein fast echter Eugen Roth, oder eben ein echter Eremit: Sozialkritik so ganz aktuell.
    Was soll man noch dazu sagen? Du tust hier einen Gedanken auf, den man sicher in vielen Köpfen finden könnte.
    Du hast vollkommen Recht in dem was Du schreibst und manches Unrecht schreit zu Himmel.
    Gut gemacht ist es allemal.
    Trotz des humorigen Reimes grüße ich Dich sehr nachdenklich und ein bisschen traurig.

    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  7. #7
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    Danke für die Erleuchtung, welche haarsträubender nicht hätte sein dürfen,
    um die übrige und übliche Zustimmung abzugrasen
    Den Kompromiss aus meiner letzten Zeile lässt du so gekonnt in deinen "Fakten" verschwinden, dass du das Gedicht scheinbar als zu bejubelndes Denkmal eingestellt hast und nicht um zusammen etwas rauszuarbeiten, was beiderseits Akzeptanz findet. Aber im Alter darf man halt keine Zeit mehr mit Denken , was dem Gedicht gut getan hätte, verschwenden.

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
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  8. #8
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    Hallo Robert,

    Zitat Zitat von Robert Schulz
    Den Kompromiss aus meiner letzten Zeile lässt du so gekonnt in deinen "Fakten" verschwinden, dass du das Gedicht scheinbar als zu bejubelndes Denkmal eingestellt hast und nicht um zusammen etwas rauszuarbeiten, was beiderseits Akzeptanz findet.
    Zitat Zitat von Robert Schulz (letzte Zeile)
    ... das die Diebe mir beide plötzlich sympathisch werden, da sie ja berufsgruppenneutral, scheinbar Glück und Pech symbolisieren sollen und nicht Gerechtigkeitsempfinden.
    Deiner zitierten letzten Zeile konnte ich nur entnehmen, dass Du Gerechtigkeitssinn als unsympathisch empfindest. Sicher kann man versuchen, Raffgier und Lebenserhaltungstriebe mit den Begriffen Glück und Pech in Verbindung zu bringen, wie auch Krieg und Frieden, nur schätze ich die Chance auf beiderseitige Akzeptanz in diesem Fall als unwahrscheinliches Ereignis ein.

    Zitat Zitat von Robert Schulz
    Aber im Alter darf man halt keine Zeit mehr mit Denken , was dem Gedicht gut getan hätte, verschwenden.
    Auch wenn Du lieber Robert, innerhalb nur kurzer Zeit zum zweiten Mal sehr persönlich reagierst, um nicht zu sagen ungehobelt, muss ich Dich enttäuschen. An dieser Stelle haben wir wohl unterschiedliche Auffassungen und bitteschön, wenn Du eine andere Meinung als Denkfaulheit definierst, so bin ich wohl denkfaul und kann damit gut leben.

    Eremit
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