Thema: Anna gepierct

  1. #1
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    Anna gepierct

    An Anna dran ist so ein Ding, ein netter, kleiner Piercingring. Sie schnaubt schon an der Wohnungstür und hält sich für ein Hörnertier. Ihr Silber-Weichteil-Trennwand-Stecher geht durch beide Nasenlöcher. Kann man so denn, denk ich, existieren? Überhaupt genügend respirieren? Aber jetzt merk ich allmählich: Anna ist unwiderstehlich! Rasch zieh ich den Kälberstrick durchs Ringlein, und im Augenblick wird zahm sie und ist lieb. Und was bin ich? Viehdieb! Zwar: Piercings find ich generell unsäglich, lächerlich und einfach unerträglich. Nicht jedoch in Annas Fall, da denk ich taktisch, ist's bei ihr doch irgendwie ganz praktisch.

    Auf Vorschlag von Mumpitz hier nun die Version in gereimten Zeilen.
    Falls damit die "triviale Naivität" (Mumpitz) des Textes deutlicher wird, kann mir das nur recht sein. In meinen Ohren stimmt die Musik.

    An Anna dran ist so ein Ding,
    ein netter, kleiner Piercingring.
    Sie schnaubt schon an der Wohnungstür
    und hält sich für ein Hörnertier.
    Ihr Silber-Weichteil-Trennwand-Stecher
    invahiert die Nasenlöcher.
    Kann man so denn, denk ich, existieren?
    Und genügend respirieren?
    Aber Anna lacht
    und rümpft ihr Näslein sacht.
    Da zieh ich rasch den Kälberstrick
    durchs Ringlein, und im Augenblick
    wird zahm sie und ist lieb.
    Und was bin ich? Viehdieb!
    Zwar: Piercings find ich generell unsäglich,
    lächerlich und einfach unerträglich.
    Nicht jedoch in Annas Fall, da denk ich taktisch,
    ist es da doch irgendwie ganz praktisch.
    Geändert von kaspar praetorius (12.07.2012 um 11:35 Uhr)

  2. #2
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    Liebe Wilma,

    ich kenn Dich nicht wieder. Sonst immer so verspielt, führst Du hier im ernst ein Kampagne gegens Piercing? Unter der Rubrik Liebe und Romatik? Und dann diese Holperer! Ist das Gedciht wirklich von Dir?

    Michael

  3. #3
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    hallo michael
    tja, so kann man sich in einem dichter täuschen!
    und in sich selber. ich steh nämlich auf anna, trotz oder wegen ihrem piercing. vielleicht muss ich ja meine aversion aufgeben?
    ich hatte natürlich gehofft, dass mein text hier von s/m-anhängern geschätzt würde. auch das eine enttäuschung...
    holperer habe ich tatsächlich einen ungewollten entdeckt, danke. er müsste jetzt draussen sein. in der neuen darstellung sollte man es ohne holpern lesen können.
    merci für die rückmeldung!
    "verspielt" wird mir verpflichtung sein.
    lg wilma27
    Geändert von kaspar praetorius (10.07.2012 um 10:43 Uhr)

  4. #4
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    Witziger Zufall, dass ich grad gestern nacht eine Piercing-Idee in mein Notizbuch schrieb:
    Dichter-Piercing: Ringe unter den Augen...

    Ich finde dein Gedicht ziemlich verspielt, muss ich sagen... das Gedicht eröffnet darüber hinaus aber eine sehr grundsätzliche Debatte über Sinn und Unsinn von Schmuck - und übertragen von Kunst im Allgemeinen. Muss Kunst nützlich sein? In der Tier- und Pflanzenwelt finden wir die bizarrsten Kunstwerke in Form und Farbe, und immer wieder fragt die Forschung: wozu?
    Aus demselben Grund, aus dem Anna ihr Piercing trägt.
    Es ist ein typisch menschliches Verhalten, immer einen Strick durch den Ring ziehen zu wollen. So sind wir wohl veranlagt. Dabei möchte ich keinesfalls ausschließen, dass Kunst nicht auch nützlich sein darf!

    Warum ist das Gedicht als Fließtext geschrieben? Es hat nichts Prosaisches, ist konsequent rhythmisch und gereimt. Einzigen Grund, den ich erkennen kann: es wird auf diese Art aus der trivialen Naivität gehoben, den die Worte in Zeile und Strophe vielleicht vermitteln könnten.

    Gruß an Anna!
    Mumpitz
    Wer nach dem Ende des Regenbogens sucht darf die Welt nicht schwarzweiß malen.
    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

  5. #5
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    hallo mumpitz
    dann könnte ich also annas piercing vielleicht einfach "schön" finden, wie man das bei "kunst" tut? da eröffnest du mir ja ganz neue perspektiven, vielen dank. ich glaube, anna wird das mögen, dass ich ihr ringlein nicht mehr nur unter dem aspekt der nützlichkeit betrachte (und der michael domas hoffentlich auch...).
    den fliesstext habe ich für den michael gemacht, damit er beim lesen nicht so ins holpern kommt. aber oben siehst du, wie es "trivial-banal" ist.
    lg wilma27
    p.s. gruss auch von anna!

  6. #6
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    Liebe Wilma,

    so „konsequent rhythmisch und gereimt“, wie Mumpitz findet, ist Dein Gedicht eben nicht, aber das sieht man im Fließtext weniger deutlich als bei den Versumbrüchen:

    Z1-5, vierfüßiger Jambus:
    ..
    ab Z6 dann aber Kraut und Rüben, bei 2 Zeilen konnt ich nicht mal ixXxen.:
    invahiert (?) die Nasenlöcher.
    ..
    Kann man so denn, denk ich, existieren?
    ... ??
    Und genügend respirieren?
    ..
    Aber Anna lacht
    .- (hier passt die Abweichung)
    und rümpft ihr Näslein sacht.
    ..-
    Da zieh ich rasch den Kälberstrick
    ..
    durchs Ringlein, und im Augenblick
    ..
    wird zahm sie und ist lieb.
    ..- (passt)
    Und was bin ich? Viehdieb!
    . ??
    Zwar: Piercings find ich generell unsäglich.
    ...-.
    lächerlich und einfach unerträglich.
    ..-.
    Nicht jedoch in Annas Fall, da denk ich taktisch,
    ...
    ist es da doch irgendwie ganz praktisch.
    ..-.

    Dass Du auf anna stehst, trotz oder wegen ihrem piercing, war mir durchaus nicht entgangen, ändert aber nichts an meinem Eindruck, dass hier mal einer übers Piercing loswerden will, was mal gesagt werden muss – und schon tausendmal gesagt wurde. In Mumpitzens „sehr grundsätzlicher Debatte über Sinn und Unsinn von Schmuck“ seh ich meinen Eindruck verifiziert.

    Nichtsdestoweniger, dem Gruß an Anna schließ ich mich gerne an. Möge sie die Hand beißen, die den Kälberstrick durchs Ringlein zieht. Ah, ich lese, im Gegenteil wird zahm sie und ist lieb. Umso herzlicher grüße ich sie, Du kennst mich ja, Wilma

    Michael

  7. #7
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    lieber michael
    der text hat einen durchgehenden iambus. da, wo am zeilenende eine senkung ist, muss dann halt am anfang der nächsten zeile eine hebung kommen. wahrscheinlich könnte man das viel besser machen, so dass du es ohne probleme und ohne was zu merken lesen würdest. beispiele gibt es, ja, bei wem? bei aron.
    hoffentlich schaffe ich auch mal was in der art.
    danke für deine arbeit und mühe.
    lg wilma27

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