Staben- und Messwürste

©Hans Hartmut Karg
2012

Im Mittelalter größte - in Deutschlands Süden,
Zu Nördlingen Verkauf, Kurzweil und sehr viel Rummel,
Denn dort, wo noch der Wohlstand und der Reichtum blühten,
Gab es lokale Wertschöpfung ohne Geschummel.

Und 1406 kam dann mit diesem Stabenfest
Das älteste der Kinderfeste ganz Europas in die Stadt.
So gab es in der runden Stadt im Ries ein Tagesfest,
An dem die Stadt, das Land viel Lust und Freude hat.

Als größte Messe in ganz Süddeutschland
Mit vierzehn Tagen Kaufgelegenheit und vielen Menschen
Findet sie seither Anklang jedes Jahr:
Zur „Mess“ zu Nördlingen gab es dann auf die Hand
Das „Messgeld“, damit auch Dienstboten glänzten,
Durch einen Dienstherrn, der noch edel war.

Da gab es dann ein Bier für wenig Pfennig´,
Man hatte nur die eine Lust, ansonsten wenig.
Doch ließ die Jugend es schon damals sich nicht nehmen,
- Man wollte sich für seine Armut niemals schämen -
Kam zu den Schaustellern und lebte gerne im Radau,
Der eine mit, der andere ohne eine erste Frau.

Das Allerbeste seit dem frühen Mittelalter
Sind dort die schmalen, hellen, langen Würste,
Verkauft von Metzgern und von Schweinehaltern
Im Schafdarm – und das steigert alle Lebenslüste!

Kein Würstchen schmeckte mir auf dieser Welt je besser,
Als jene Würste, die als Paar in einer langen Semmel
Ganz ohne Zutaten und Senf gedacht für einen Meisteresser,
Der stramm reinbeißt – im Vollgenuss und ohne jeden Tremmel.

Wenn ich einmal im Jahr die tollen Würste esse,
- Ganz nahe übrigens bei der Strenesse! -
Wächst mir erneut die Heimatsehnsucht zu.
Die spül´ mit Bier hinab ich rasch im Nu,
Ganz tief hinunter in den weiten Magen –
Und habe jetzt die Antworten auf alle Fragen.

Denn im Genuss erinnert sich das Alter
Erneut an diese Kindheit und die Lustverwalter,
An Eltern, Kinder, an ferne Geschwister,
An alle, die als edle Essenslüster
Noch immer in Erinnerungen leben,
Wenn Magen, Geist und Seele schmachtend beben.

Die Messwürste sind Schlemmerkinderträume,
Die ich kein Jahr ums andere versäume,
Denn dort, wo mit Kastanien die alten Bäume,
Erweitern sie gemüthaft meine alten Räume
Und können meine frühen Fantasien schließen:
Noch einmal lustbetont die Kindheit in der Heimat zu genießen.

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