Thema: Der Bleistift

  1. #1
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    Der Bleistift

    Der Bleistift

    Nach Jahren
    nur noch schwarzer Staub.
    Das weiche Holz verdorrt,
    sein Papier gelb und welk.
    Der Vater längst ergraut,
    fortgegangen in die Welt,
    aber er atmet.

    Mit Träumen
    wurde oft die Endlichkeit
    in die Unendlichkeit verbannt.
    Vom ersten Atem eines Kindes,
    sanfter Stille in der Weite.
    Und verrosteten Herzen,
    die noch schlagen.

    Mit Sehnsucht
    sucht er in der Leere.
    Führt den Stift erneut,
    nach langer stiller Zeit.
    Und er hat es neu gefunden.
    Der schwarze Staub,
    er beginnt zu glühen.

  2. #2
    Dr. Üppig Guest
    Ein schönes Prosagedicht. Der Titel führt erstmal ein wenig in die Irre, weil man daran denkt, dass der Bleistift fokussiert wird, aber schon in der 1. Strophe legt sich das für mein Empfinden. Der parallelle Strophenaufbau wirkt nicht monoton, weil der Inhalt mitnimmt, ablenkt und variiert. In der 1. Strophe ist der Vater m.E. thematisch in eine etwas zu andere Richtung, ich würde weniger spezifisch sein bei der Beschreibung der vergangenen Zeit. Das Bild der Endlichkeit in der Unendlichkeit in der 2. Strophe gefällt mir sehr, und vor allem die letzten zwei Verse haben es mir angetan. Mit einer schönen Metapher wird der Rahmen sozusagen vollendet, der schwarze Pixel des Textes glüht.

    sehr gerne gelesen

    mfG

  3. #3
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    363
    Für mich ein schönes "Fühlgedicht." Kopf aus und fühlen, ohne dabei anspruchslos zu sein. Solche Texte sprechen eine Autorin wie mich am meisten an, vorallem das "Verstanden-werden" darin. Erst wollte ich gar nichts dazu sagen, weil ich finde, dass du schon alles mit deinen Zeilen gesagt hast, aber selbst das zu sagen ist ja schon positive Kritik =)
    Gerne noch mehr davon =)

    LG,Jessie
    Lass mich fliegen wie die Kirschbaumblüten

  4. #4
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    Vielen Dank für deine Antwort Jessie, deine ausführlichere Kritik, A.
    Das Gedicht ist in einer Stunde an der Uni entstanden, ich möchte ungern - aber dann doch - zugeben, dass es weniger Überlegung gekostet hat, als es vielleicht hätte kosten sollen.
    Definitiv nicht mein Lieblingsstück, allerdings sind die Zeilen 8-10 doch Favoriten.
    Ich bin immer froh, wenn meine Worte irgendwo und irgendwie Anklang finden
    Grüße,
    Simon

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