Es war einmal ein einsamer kleiner Junge, Peter genannt, der in der Nähe eines großen dunklen Waldes in einer kleinen Hütte lebte. Seine Mutter beachtete ihn nie, da sie sich immer nur um seine kleinen Schwestern kümmerte. Peters Vater war kurz nach der Geburt seiner jüngsten Schwester gestorben, sodass Peter ihn nie kennengelernt hat. Denn seine beiden Schwestern sind nur ein und zwei Jahre jünger als er. Peter war also drei Jahre alt, als sein Vater in den Tod ging. Er ist im Krieg erschossen worden. Peter kann sich nicht an ihn erinnern.
Peter war ein stämmiger Junge von acht Jahren, der sehr gern Abenteuer erlebte und Erkundungsreisen unternahm. Es gab keinen Platz, den er noch nicht erforscht hatte. Außer dem Wald… Doch sein Weg führte ihn auch dahin. Es war der letzte Freitag im Mai…
Als er kaum drei Schritte im Wald war, wurde es schlagartig dunkel und still. Peter fing an zu zittern und er fühlte sich unbehaglich, da die Bäume ihn förmlich zu verschlucken schienen. Ein schauriges Geräusch zerriss plötzlich die Stille zwischen den Tannen. Peter erschrak und rannte ein paar Schritte nach Norden. Zumindest hoffte er, dass dort Norden sei. Als er sich noch einmal herumdrehte, sah er, dass seine Anwesenheit nur eine Eule geweckt hatte, die nun diese grausigen Schreie ausstieß. Sie war ihm wohl diese paar Meter gefolgt, anders konnte sich Peter das Phänomen nicht erklären, dass sie plötzlich über ihm auf einem Ast saß. „Nur eine Eule…“, dachte Peter und ging etwas mutiger weiter in den Wald hinein. Dabei hatte er das Gefühl, dass ihn unsichtbare Augen beobachteten, denn das Gefühl, dass sich etwas in seiner Nähe durch das Unterholz schlug, wurde er einfach nicht los.
Schon bald konnte er den Himmel nicht mehr sehen, die Bäume standen immer dichter zusammen und die Baumkronen schirmten jegliches Licht ab. Jetzt wurde es wirklich düster unter den hohen Tannen. Peter konnte die eigene Hand vor Augen kaum sehen. Zitternd, weil die Dunkelheit auch ihre Schwester, die Kälte mitgebracht hatte, fing Peter an, in die Richtung zu rennen, aus der er gekommen war. Doch der Wald schien ihm Streiche zu spielen, denn Peter trat nicht etwa aus dem Wald, als er Licht erspähte, sondern nur auf eine kleine kahle Lichtung. Er rang nach Luft, der Schweiß perlte auf seiner Stirn und er riss die Augen auf, als er erkannte, wohin ihn das Schicksal getrieben hatte.
Er war zwar noch ziemlich jung, aber kein dummes Kind, sodass er gleich glaubte, zu erkennen, wo er sich befand und was er da sah.
Es war ein Haus, das so schief war, als hätte sich ein Riese dagegen gelehnt. Die Grundfläche bestand aus einem sieben-mal-sieben-Meter-Quadrat, was Peter gar nicht auffiel, da er nur Augen für die riesige Uhr hatte, die ganz oben hing. Er zählte die Stockwerke. Es waren 13.
Die Uhr schien stehen geblieben zu sein. Und zwar um Mitternacht, soweit Peter das von seinem Standpunkt erkennen konnte. Er kam sich neben diesem Turm vor wie ein Zwerg.
Unser Achtjähriger dachte sich bei all diesen wundersamen Zufällen nichts weiter, sondern murmelte nur: „Was für ein tolles Haus. Und so groß! Da finde ich bestimmt viele schöne Sachen zum Spielen.“ Schnell wie ein Löwe sprang er auf die Tür zu. Dabei hatte er schon lange wieder vergessen, was ihn vorher noch erschreckt und gleichzeitig fasziniert hatte. Man hatte ihm nämlich mal erzählt, dass in diesem dunklen Wald auf dieser kahlen Lichtung in diesem großen Haus vor langer Zeit eine Hexe gelebt habe, die kleine Kinder verschleppt und danach verspeist hatte. Sie soll es sogar auf seltsame Weise verflucht haben…
Doch Peter hatte sich noch nie viele Gedanken über das Haus und seine tote Bewohnerin gemacht. Zumindest hoffte er, dass die Hexe tot sei. Aber er war ja schon acht Jahre alt, also schon ein großer Junge. Außerdem war der Erzähler dieser Geschichte Onkel Johann gewesen, der Bruder von Peters Mutter und Dorfältester. Johann war schon 42 Jahre alt, als er Peter die Geschichte über die Hexe erzählt hatte. Das war schon ein sehr fortgeschrittenes Alter und vor zwei Jahren verstarb Onkel Johann dann auch. Peter hat Johanns Geschichten also nie ernst genommen und sie jetzt sogar ganz vergessen.
Peter rüttelte an der Türklinke, doch sie bewegte sich nicht. Die Tür war fest verschlossen. Verzweifelt schaute Peter sich um, er wollte unbedingt in dieses Haus. Er war nun schon einmal hier, da konnte ihn eine verschlossene Tür nicht davon abhalten, dieses Haus zu betreten. Doch die Fenster waren alle von innen mit Holzbrettern zugenagelt, sodass es nichts gebracht hätte, einen Stein zu werfen.
Peter ging also weiter um das Haus herum, wobei er wieder das Gefühl bekam, dass er beobachtet wurde. Schließlich stand er vor einer Scheune, deren Tür fehlte. Peter spähte vorsichtig hinein, als erwarte er, etwas Schreckliches zu sehen. Doch in der Scheune waren nur Heuballen über Heuballen aufgestapelt. Peter betrat die Scheune…
Nachdem er sich, noch halb im Türrahmen stehend, einmal um sich selbst drehte, stellte er enttäuscht fest, dass hier wirklich überhaupt nichts außer Heu gelagert wurde. Doch als er wieder nach draußen treten wollte, hörte er hinter sich plötzlich ein Rascheln. „Das sind bestimmt nur Mäuse“, dachte Peter, doch er drehte sich trotzdem um, um nachzusehen. Er sah nichts…
Dann knallte es plötzlich zu seiner linken und ein runder Gegenstand hüpfte die Heuballen herunter. Er schien aus dem Nichts zu kommen. Er kullerte über den Boden und blieb genau vor Peters Füßen liegen. Als Peter erkannte, was da vor ihm lag, weiteten sich seine Augen, der Schweiß brach erneut aus und der Junge wollte schreien, doch in seinem Hals saß ein Kloß. Peter schluckte den Kloß wieder hinunter und rannte, so schnell ihn seine kleinen Beine tragen konnten, aus der Scheune. Ohne darauf zu achten, welche Richtung er einschlug, lief er immer weiter und stieß plötzlich gegen die Tür des 13-Stockwerke-hohen Hauses. Die Tür schwang knarrend auf…
Ein letztes Mal drehte sich Peter um, um noch einmal einen Blick zur Scheune zu werfen. Direkt im Türrahmen lag ein kleiner Kürbis mit einer hämischen Fratze, deren Grinsen Peter sogar vom Haus aus sehen konnte. Aber gerade eben lag doch noch…
Peter schlug die Tür hinter sich mit aller Kraft zu, sodass irgendwelche Gläser klirrten. Er schloss die Augen und lehnte sich mit dem Rücken an das morsche Holz derselben.
Nach ein paar Minuten öffnete er sie wieder und fand sich in einer riesigen Eingangshalle wieder, die viel größer als sieben mal sieben Meter war, was Peter sicher aufgefallen wäre, hätte er abschätzen können, wie weit sieben Meter sind. Zwei einladende Treppen, die sich in der Mitte zu einer vereinten, führten in das nächste Stockwerk. Überall standen prall gefüllte Bücherregale, die bis zur Decke vollgestopft waren mit dicken Schmökern in einer fremden Sprache. Als Peter sich wieder den Treppen zuwandte, bemerkte er aus den Augenwinkeln, dass an den Wänden die Lichter brannten und alles glitzerte und glänzte, als wäre es eben erst abgestaubt worden. Hatte er sich vorhin nur geirrt, als er meinte, hier nur Dreck und kaputte Lampen gesehen zu haben?
Peter stieg die Treppen hinauf, bis er im 13. Stockwerk angelangt war. Überall sah es gleich aus. Vom Erdgeschoss bis zum zwölften Stockwerk standen nur übergroße Bücherregale und sonst nichts. Doch hier im letzten Stockwerk stand er plötzlich vor einer großen, verschlossenen Tür. Er wusste sofort, dass sie verschlossen war, weil er sie nicht mal berühren konnte, um sie aufzustoßen. Das musste doch eine besondere Sicherheitsvorrichtung sein oder?
Bevor er sich auch nur überlegen konnte, was er jetzt tun wollte, hörte er auf einmal ein lautes, schrilles Kreischen, was ihn dazu verleitete, sich die Ohren zuzuhalten. Mit aufgerissenen Augen starrte er die Tür an, vor der er immer noch stand. Das Geräusch war eindeutig aus dem Raum dahinter gekommen. Peter stolperte vor Angst zitternd rückwärts die Treppe hinunter, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Er befand sich nun auf der zwölften Etage, die sich plötzlich verändert hatte. Dabei war Peter doch höchstens 3 Minuten oben gewesen…
Das Kreischen wurde lauter und schriller, als würde sich die Geräuschquelle direkt auf die Tür zubewegen. Peter, der ein Stockwerk weiter unten noch immer vor Angst zitterte, nahm jetzt langsam die Hände von den Ohren. Das Kreischen war erträglicher, wenn man es direkt hörte. Das fand auch Peter und versuchte sich, in dem neuen Raum zu organisieren. Doch er konnte einfach nicht verstehen, was eine Küche mit riesigen Töpfen, Tellern, Bechern, Schüsseln und Besteck, so groß wie ein Baguette, hier im zwölften Stock zu suchen hatte. Als er gerade die nächste Treppe in Angriff nehmen wollte, hörte er im obersten Stockwerk Holz bersten. Der Verursacher des Kreischens, was nun endlich langsam abklang wie ein Echo, schien die Tür, die magisch verschlossene Tür, einfach so aufgetreten zu haben. Peter schüttelte den Kopf, als wollte er seine Gedanken ordnen, aber er war immer verwirrter. Wie konnte jemand die Tür auftreten, wenn er sie nicht mal berühren konnte? Doch das war Peters geringstes Problem, denn jetzt hörte er zweifellos Schritte auf der Treppe. Schlagartig war es still und Peter lauschte nur dem pochenden Geräusch, was sich in ziemlich unregelmäßigen Abständen zwischen diese Stille schob.
Poch. Poch. Poch.
Peter hielt den Atem an. Er konnte sich nicht rühren. Er schaute auf seine Füße, befahl ihnen in Gedanken, wegzulaufen und wollte doch gleichzeitig nicht wegrennen. Er wollte trotz seiner Angst wissen, was diese Geräusche verursachte.
Poch. Poch.
Die Schritte kamen immer näher. Sie schienen kurz zu verharren, bis sie schließlich die letzte Stufe in Angriff nahmen.
Poch.
Das pochende Geräusch der Schritte verklang und Peter, der aus irgendeinem Grund wusste, dass derjenige, zu dem die Schritte gehörten, direkt vor ihm, 3 Meter entfernt an der Treppe, stehen musste, hob den Kopf.
Er sah… nichts!
Nichts.
Dort stand niemand.
Peter, dessen Puls sich innerhalb der letzten paar Minuten rapide beschleunigt hatte, schnappte nach Luft. Er hatte wieder das Gefühl, beobachtet zu werden und diesmal konnte er sogar die Richtung einordnen. Unsichtbare Augen folgten ihm von der Treppe, als er in den elften Stock rannte.
Peter wusste, dass er soeben einem Gespenst begegnet war.
Schreiend rannte er weiter. Immer weiter durch die Etagen, die sich alle auf seltsame Weise in ganz unterschiedliche Räume verwandelt zu haben schienen. Nirgendwo sah er mehr Bücherregale, geschweige denn Bücher.
Er schrie und schrie und schrie und rannte und rannte und rannte.
Er schrie und rannte um sein Leben.
Doch als er endlich vor der Haustür stand, ging diese nicht auf.
„Bitte!“, stammelte Peter, „Bitte geh doch auf! Bitte!“ Verzweifelt kratzte er mit seinen Fingernägeln über das alte Holz, doch nichts passierte. Dann zuckte er zusammen, denn etwas Weiches, Beharrtes hatte gerade sein Bein gestreift. Mit einem lauten Quieken fuhr er herum. Im Halbdunkeln sah er noch eine braun-weiß gestreifte Katze davonhuschen. Peter blies erleichtert die Luft wieder aus seinen Backen. Beruhigend murmelte er sich zu: „Nur eine Katze, nur eine Katze.“
Doch nachdem er eine halbe Stunde nur dagestanden und gewartet hatte, was nun passiert, begann der ganze Spuk von Neuem. Nur tausend Mal schlimmer…
Peter hörte wieder ein Kreischen, das ihn dazu zwang, die Ohren zuzuhalten. Diesmal ging er noch in die Knie, als wolle er sich so vor dem grässlichen Geräusch retten. Wieder hörte er Schritte, die die Treppen herunterstiegen, nur diesmal viel schneller und regelmäßiger. Als Peter sicher war, dass das Gespenst, was ihm nach unten gefolgt war, nun direkt vor ihm stand, nahm er die Hände von den Ohren, versuchte, das Kreischen, welches immer noch andauerte, ohne leiser zu werden, und sprach leise, aber bestimmt: „Bitte, lieber Geist, lass mich gehen. Bitte lass mich in Ruhe, lass mich gehen.“ Doch nichts und niemand antwortete ihm. Er hörte nur ein grollendes Lachen, das von nirgendwo herzukommen schien, sondern das er nur in sich selbst hören konnte. Nahm der Geist etwa seinen Körper in Besitz? Nein, er konnte noch klar denken. Aber die Angst schnürte ihm jede Hoffnung zu, sodass er es auch irgendwann nicht mehr fertig brachte, klar zu denken. Er kauerte über eine Stunde vor der Haustür, sprach auf den Geist ein und wurde in den Wahnsinn getrieben.
Türen quietschten, die Uhr, die ja eigentlich stehen geblieben war, schlug schallend laut zwölf Uhr. Mitternacht…
Weitere Geister gesellten sich zu dem ersten und kreischten, klirrten mit ihren Ketten oder starrten Peter einfach nur an.
Huuuhuuuuuuhuh!
Peter fing an zu weinen.
Huuhuuuuuh!
Peter kniff die Augen noch fester zusammen und zerbiss sich die Lippen.
Huhuuuuh!
Ein eckliger Schleim hüllte ihn ein, er konnte sich nicht mehr rühren, aber er war eh starr vor Angst und Schreck.
Huuuh!
Die Geister ließen ihn noch immer nicht gehen, sie fingen an, ihn in seiner glibberigen Masse wie einen Basketball hin und her zu werfen. Peter, der sich in seiner neuen Schutzhülle, die eigentlich alles andere als gutartig war, sicher fühlte, traute sich dabei sogar die Augen zu öffnen. Er schrie, wenn er in der Nähe eines Geistes war, denn jedes Mal, kurz bevor ihn einer der Gespenster auffing, sah er die rot glühenden Augen, mit denen er gemustert wurde. An den Wänden rannen Bäche aus Blut und überall sah Peter zertrümmerte Knochen herumliegen. Er hoffte, dass das keine menschlichen waren…
Huuh!
Peter versuchte sich in dem schleimigen Etwas zu bewegen, doch er konnte sich überhaupt nicht rühren. Er hatte keine Chance…
Huh!
Das Kreischen, Klirren und Anstarren wurde mit einem Schlag immer weniger, die Geister schienen zu verschwinden. Als der letzte das Haus verlassen hatte, spürte Peter plötzlich eine angenehme Wärme in sich drinnen.
Als er sich jedoch, noch immer voller Angst zitternd, aber frohen Mutes, nun endlich nach Hause zu können, umdrehte und der Haustür zuwandte, versperrte ihm eine Gestalt den Ausgang. „Bitte!“, flehte Peter die Gestalt an.
Keiner von beiden rührte sich.
Nach einer endlosen Minute sagte die Gestalt endlich: „Komm hier raus, schnell!“ Peter rannte hinaus, der Gestalt hinterher, die sich außerhalb der Mauern dieses schrecklichen Hauses als kleines Mädchen entpuppte. Sie brachte ihn zu einer Baumgruppe und drückte ihn dann mit einer Kraft, die Peter ihr nie zugetraut hätte, auf einen Felsen.
„Setz dich. Du hast ja einiges erlebt dadrin oder? Warum bist du denn nur da rein gegangen? Jeder weiß doch, was passiert, wenn man das Hexenhäuschen betritt.“ Belustigt und gleichzeitig verärgert, als würde sie einem kleinen Kind zum zigsten Mal etwas Banales erklären, schaute sie Peter in die Augen. Sie hatte wunderschöne eisblaue Augen, in denen Peter zu versinken glaubte. Da er mit seinen acht Jahren noch nichts über Liebe wusste, dachte er in seinem kindlichen Enthusiasmus: „Wenn ich mal groß bin, dann heirate ich sie.“
„Ich heiße übrigens Joelle“, sagte das Mädchen in diesem Augenblick und reichte ihm einen Kanten Brot.
Mit beschämendem und gleichzeitig erleichtertem Blick dankte Peter ihr, nahm das Brot an und lief mit ihr durch den Wald und wieder nach Hause.
Zu Hause angekommen, verabschiedete er sich lächelnd von ihr, versprach ihr, sie mal zu besuchen und legte sich sofort in sein Bett. Er fiel gleich darauf in einen tiefen Schlaf und das Lächeln verließ von da an nie sein Gesicht.
Peter war ein glücklicher achtjähriger Junge, der eines seiner größten Abenteuer heil überlebt und dazu noch ein sehr nettes Mädchen kennengelernt hatte. Er war zufrieden mit sich und der Welt, ohne zu wissen, wie ernst diese ganze Sache wirklich war…
Peter konnte nicht wissen, dass drei und sieben magische Zahlen sind.
Peter konnte nicht wissen, dass Eulen und auch Katzen, sowie Raben, treue Begleittiere von Hexen waren.
Peter konnte nicht wissen, dass plötzliche Dunkelheit für Spuk und Gespenstisches stehen.
Peter konnte nicht wissen, dass ihn das unsichtbare Geräusch, das ihn die ganze Zeit verfolgt hatte, zu der Lichtung geführt hat.
Peter konnte nicht wissen, dass sich tatsächlich mal ein Riese gegen das Haus gelehnt hat.
Peter konnte nicht wissen, dass es kein Zufall war, dass er an einem Freitag losgegangen war und das Haus 13 Stockwerke hatte. Das war eine Anspielung auf den Unglückstag Freitag, der 13.
Peter konnte nicht wissen, dass Mitternacht bedeutet, dass etwas Grusliges geschieht.
Peter konnte nicht wissen, dass es eigentlich gar keine Lichtung in diesem Wald gibt.
Peter konnte nicht wissen, dass es gar nicht dunkel oder kalt, sondern recht warm und mitten am Tag war.
Peter konnte nicht wissen, dass das Haus nie 13 Stockwerke hatte, sondern immer nur 3.
Peter konnte nicht wissen, dass das Haus in Wirklichkeit einfach nur eine Bibliothek war, die man unüblicherweise neben einem Bestatterunternehmen gebaut hatte.
Peter konnte nicht wissen, dass die Haustür nie morsch und leicht zu öffnen, sondern schon immer verschlossen war. Das genaue Gegenteil hat sich mit der Tür im letzten Stockwerk zugetragen, die eigentlich die ganze Zeit offen stand.
Peter konnte nicht wissen, dass die Heuballen in Wirklichkeit Särge waren.
Peter konnte nicht wissen, dass der Kürbis ihm statt eines menschlichen Schädels vorgegaukelt wurde.
Peter konnte nicht wissen, dass es gar keine Gläser in dem Haus gibt, es birgt die Geräusche in sich.
Peter konnte nicht wissen, dass das Haus im Inneren so verzaubert war, dass es viel größer wirkte, als es von draußen aussah.
Peter konnte nicht wissen, dass das Haus sich regeneriert hat, als der Junge es betrat. Die Lampen waren eigentlich wirklich kaputt und überall lag eine zentimeterdicke Staubschicht.
Peter konnte nicht wissen, dass die Räume sich nie verändert haben, es standen immer nur Bücherregale dort.
Peter konnte nicht wissen, dass es gar keine Gespenster oder Katzen gab, sondern das einfach nur Reflektionen des Lichts gewesen waren.
Peter konnte nicht wissen, dass der Spuk eigentlich nur die eine Minute von Mitternacht bis 0.01 Uhr gedauert hat.
Peter konnte nicht wissen, dass ihn kein kleines Mädchen gerettet hatte, sondern er selbst den Weg zurück nach Hause gefunden hat.
Peter konnte nicht wissen, dass diese, seine, Geschichte nie wirklich, sondern nur in seinem Kopf stattfand. Er hatte all das nur in seinem Kopf erlebt.
Denn Peter konnte nicht wissen, dass er an Schizophrenie litt…