Thema: Oh Wunder

  1. #1
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    Oh Wunder

    Oh Wunder!
    Nichts ist weicher,
    wärmer, runder!

    Niemand reicher
    als der zärtlich haschende
    Trauben naschende
    Hügellandstreicher.

    Eine sanfte leise
    Fingerkuppenreise -
    Erst Adagio im Kreise…

    Dann neck
    und keck
    Ein Dellenstipp -
    Mirakel wipp -
    oh Wunder!

    Nichts ist weicher,
    wärmer, runder!
    Wer nach dem Ende des Regenbogens sucht darf die Welt nicht schwarzweiß malen.
    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

  2. #2
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    Hi, Mumpitz --

    welch ein Leckerbissen!
    Ich liebe das Zarte und gleichsam Versteckte in erotischen Gedichten.
    Der Hügellandstreicher ist genial!
    Auch Mirakel wipp ist nicht deplaziert.

    Geistreich, entzückend, amorettisch.

    LG
    Barbarossa

  3. #3
    Aron Manfeld Guest
    Lieber Mumpitz,

    in Deinem schönen Gedicht wird offenkundig, dass Du ein Kind des PostWarGermany bist und die Propagandabotschaften des Werbefunks verinnerlicht hast, was keine Kritik darstellen, sondern verstehen helfen soll.

    Hier fühlt sich LeserIn nahezu wie im Italienurlaub der siebziger Jahre, reimvoll prägnant breitet sich eine unkompliziert-neckische Atmosphäre der Lust aus, was das Wesen eines erotischen Gedichtes ausmacht.

    Meinem Vorredner Barbarossa beipflichtend: Geistreich, entzückend, amoresk.

    Aron, lg

  4. #4
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    Lieber Mumpitz,

    „Italienurlaub der siebziger Jahre“ ? (Aron), ich hab irgendwas nicht mitgekriegt, sondern finde Dein Gedicht höchst indivuduell.

    Kaum etwas Schöneres, als wenn ein Gedicht von allen Regeln abweicht und trotzdem (oder gerade deshalb) funktioniert. Was mir sonst als rhythmisches Kraut und Rüben missfiele, geht hier mirakulös auf. (Ich brauchte etwas, um hinter Barbarossas Lob ausgerechnet für diese Stelle zu kommen.) Wenn man ein Beispiel dafür braucht, dass die Form eines Gedichtes nicht nur Verpackung ist, sondern dazugehört, wie zum Lied die Melodie, Dein „Wunder“ ist eins und die Melodie so „zärtlich“ und „leise“ und „keck“ wie das, was beschrieben wird.



    Michael

  5. #5
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    hallo mumpitz
    ich finde das ganz super.
    dem michael eine ganz einfache erklärung, wo der gigolo ins spiel kommt, der mit den vespa-schlüsseln klimpert: signor mumpitz will seiner schönen im grauen hessen (o.ä.) durch ein aufgeschnapptes italiensiches wort imponieren. +adagio+.... sprich das mit germanischer diktion, lass es auf der zunge zergehen, und du siehst leibhaftig die dame im cabrio, mit eulenäugiger sonnenbrille und lachsfarbenem kopftuch vor dir.. oder nicht?
    falls jemand fragen würde (das tut sicher keiner), wo der kitsch in diesem gedicht liege, dann hier, bei diesem +adagio+.
    aber interessant! dass der aron hier den endreim nicht zur schnecke machen will.. wirklich interessant.
    (zur erinnerung: ich find's toll!)
    lg wilma27

  6. #6
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    Hallo ihr vier,
    gerade bin ich von meiner Städtetour aus München zurück und lese mit Dank eure schönen Kommentare!

    Barbarossa,
    dass du das Gedicht als "Leckerbissen" empfindest, ehrt mich! Erotische Gedichte müssen mehr als andere die Fantasie anregen. Subtil hintergründige Verse lassen allen Lesern genug Raum für eigene Bilder, deswegen mag auch ich es gern so. Direktere Zeilen können mich aber auch begeistern - wenn sie eben genau meine Fantasie treffen.

    Aaron,
    über deine italienische Assoziation amüsiere ich mich sehr, zumal ich das "adagio" aus dem musikalisch-sinnlicher Sprachrepertoire entlehnt habe als aus dem südländischen. Aber dein Bild trifft so schön, plötzlich lese ich mein eigenes Gedicht ganz anders! Danke dafür!

    Michael,
    ich habe mir die äußere Form als hochbegeiserte Atemlosigkeit vorgestellt, die ein bisschen "Kraut und Rüben" japst vor Glück. Wenn du es als harmonische Einheit zwischen Form und Inhalt nachempfindest, ist mir diese Symbiose gelungen! Ja, und individuell soll es unbedingt gemeint sein, jeder und jede kennt und sieht andere "Wunder" vor Augen!

    Wima,
    du nimmst das italienische Bild auf, das Aron gezeichnet hat, wunderbar! Aus dem Adagio wird schnell ein Alegretto, ein Presto prestissimo - aber da hört das Gedicht vorher auf

    Danke euch allen!
    Mumpitz
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  7. #7
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    Lieber Mumpitz,

    Wilma soll die italienische Geschichte, die so viel Anklang fand, endreimen, dann hat er den „grauen hessen“ ein Gedicht gemacht.
    Du jedoch hast auf's Adagio noch Mirakel wipp getan. Das aber, Aron, gab's in den 70ern noch nicht.

    Michael

  8. #8
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    Na, Michael,
    Adagio mit Mirakel Wipp, das klingt ja so zusammengefasst wie Pommes Majo!
    Na, warum nicht, die erotische Fantasie kennt keine Grenzen...
    Mumpitz
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  9. #9
    Carina M. Guest
    Oh Wunder, ich habe soeben dieses Leckerchen entdeckt und ich muss sagen fantastisch.
    Ich nicht unbedingt ein Fan von erotischen Gedichten aber hier hast du es so subtil und fein beschrieben, dass es wirklich ein Genuss pur ist, zu lesen.
    Immer noch schmunzelnd,
    Carina
    Geändert von Carina M. (26.07.2012 um 19:40 Uhr)

  10. #10
    Dr. Üppig Guest
    @ Mumpitz:
    Entschuldige, aber vielleicht gehts nur mir so - ich werde nur etwas hungrig bei diesem Werk. Es ist durch die Rubrikwahl zwar leicht nachvollziehbar, welche Intention der Autor (also du) eigentlich verfolgt hat. Jedoch, betrachtet man das Werk an sich, klingt es wie die Beschreibung einer leckeren Vorspeise vor dem Hauptgericht.
    Sprachlich und formell wird das Ganze noch verstärkt: Die kurzen gereimten Zeilen erinnern an Werbeeinblendungen (siehe auch "Mirakel wipp-", V. 14) dann der (Dellen-)Stipp, der in mir die Assoziation mit dem Käsestipp weckt, und die vernaschten Trauben.
    Die (eventuell) gewollte Stimmung springt nicht auf mich über. Bei der überwältigenden Mehrheit der Leser, die dein Gedicht für gelungen erotisch halten, soll meine bescheidene Meinung nicht das Wasser trüben (hoffentlich).

    mfG
    Geändert von Dr. Üppig (26.07.2012 um 23:06 Uhr)

  11. #11
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    Hallo Taras Bulba,
    na, ich denke, die Sinnlichkeit einer guten Speise ist von der der Erotik nicht weit entfernt. Du hast selbst schon diese Verbindung für eine schöne Pointe (Stichwort: Lachs) genutzt. Welche Bilder die Fantasie im Kopf des Lesers erzeugt, soll frei und offen bleiben. Ob die roten Trauben des "Hügellandstreichers" also als Früchte des Weinstocks auf den Südhängen der Weinberge oder als erotische Knabberei auf den weichen Fleischhügeln beim Liebesspiel empfunden werden, sei dem Leser überlassen. Auch was man sich unter den wippenden Mirakeln vorstellt, ist völlig offen. Vielleicht verschmelzen hier auch die Freuden der sinnlichen Lust in der Kombination mit würzigen Remouladengedanken beim Stipp einer Delle...

    Wie auch immer, um eine Kategorisierung kommmt man in diesem Forum nicht herum, ich hätte tatsächlich lieber darauf verzichtet. Auch bei "Liebe und Romantik" wären die Zeilen gut aufgehoben, denke ich, oder bei "Hoffnung und Fröhliches"

    Es ist ein Gedicht, das man am besten sehr langsam und mit geschlossenen Augen liest...

    Dank dir für die Auseinandersetzung damit!
    Ciao
    Mumpitz
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    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

  12. #12
    Dr. Üppig Guest
    Wie gesagt, ich habe Probleme damit, eine erotische Nuance zu spüren. Wenn es absichtlich dazu genutzt wird (Stichwort: Lachs ), ist es ja ne ganz andere Sache. Da das Gedicht mit "nichts" praktisch beginnt, stellt sich das Gefühl von einem "das" oder "etwas", das beschrieben wird. Die Person, die als Erstes ins Spiel tritt, ist der 'Traubenesser'. Damit stellt sich bei mir der schon beschriebene Eindruck von einem leckeren Essen statt von einer erotischen Erfahrung.
    Besonders graut mir vor "Mirakel wipp" ...

    mfG

    EDIT: Wie bereits gesagt: Ist nur aus meiner Sicht, und ich bin alleine da. Nichts für Ungut!
    Geändert von Dr. Üppig (23.08.2012 um 20:11 Uhr)

  13. #13
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    Hi Taras,
    na, wenn dir vor dem Mirakel graut, scheint deine Fantasie ja doch anzuspringen...
    Nein nein, ich gebe nach: nimm es als Vers über ein leckeres Essen, meinetwegen!

    Einen einfallsreichen Tag wünscht dir
    Mumpitz
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