1. #1
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    Null (-) Diät

    Es fühlte einer sich zu dick
    und wünscht, es gäbe einen Trick,
    wie man ganz ohne Quälerei
    von heut’ auf morgen dünner sei.
    Er hat schon alles ausprobiert,
    was man zu diesem Zweck kreiert.
    Es gibt nur Reis oder nur Brot,
    auch Suppe ist im Angebot.
    Mal soll man nur ’was Rotes essen,
    dann wieder jedes Gramm bemessen.
    Mit Joghurt oder Weizenpampe
    rückt man zu Leibe seiner Wampe.
    Mal werden Früchte angepriesen,
    mal auf Salate hingewiesen.
    Er könnt’ auch seines Körpers Massen
    mit Wärmewickeln schmelzen lassen,
    oder mit Nadeln, langen, dünnen,
    den Kampf gegen das Fett beginnen.
    Schon der Gedanke macht ihn krank
    und treibt ihn an den Küchenschrank.
    Zu guter letzt bleibt noch der Sport;
    das reimt sich nicht umsonst auf Mord.
    Dann hat’s die Liebe ausgerichtet,
    als er ein holdes Weib gesichtet.
    Dem Loch, das er im Magen spürte
    und das zum Schlemmen ihn verführte,
    kam er nun endlich auf die Spur,
    es war von seelischer Natur.
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

  2. #2
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    Köstlich ! Diese Diät konveniert
    Und mit dem Metrum und den Reimen hast Du's auch drauf.

    Zitat Zitat von dickesusi
    Dem Loch, das er im Magen spürte
    und das zum Schlemmen ihn verführte,
    kam er nun endlich auf die Spur,
    es war von seelischer Natur.
    Ein trockener Kommentar, der den perfekten Abschluss bildet und das Gedicht "rund" macht.

    Gern gelesen.
    Gruß,
    SC
    Sylvester Christoph,
    Philomisanthrop und meditativer Versificator

    Sylvestrium christophorum, rezeptpflichtig, Dosierung
    einhalten !

  3. #3
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    Hallo dickesusi,

    dein Gedicht ist ein viele Diäten anschneidendes Gedicht. Ich weiß, es gibt noch viel mehr aber man kann

    nicht allen Göttern dienen. Jedoch hat es mich durch seinen Rhythmus und seinen Witz interressiert.

    Dafür das Du erst seit Juli dabei bist finde ich es schon sehr gut. Wie gesagt, gute Rhythmus und natürlich eine

    gelungene Pointe.

    Viele Grüße

    ReMo

  4. #4
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    Hallo SC und ReMo,

    vielen lieben Dank für Eure netten Kommentare. @ ReMo: Ich habe vor knapp 2 Jahren angefangen Gedichte zu verfassen und in diesem Forum habe ich - im Gegensatz zu vielen anderen im Internet zu findenden "Dichterclubs" , wo man lediglich gegenseitig die oft grauenvollen Ausflüsse verbaler Inkontinenz beklatscht- den Eindruck, dass überwiegend ernsthafte Kritik geübt wird.

    LG dickesusi
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

  5. #5
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    Hallo dickesusi,

    Jetzt kommt auch noch der Eule... Mist.
    Ganz so rosig wie meine Vorredner kann ich das Gedicht nicht sehen. Was ich grundsätzlich bei einem Gedicht begrüße, ist eine Einteilung in Strophen. Das liegt nicht daran, dass ein Text nur mit Strophen zum Gedicht wird, sondern daran, dass es einfach zu unübersichtlich ist. Man verspringt zwischen den Versen. Am besten gefällt mir der Klassiker mit vierer Strophen. Aber da bin ich recht flexibel und hatte selbst schon alles mögliche.

    Was ich dann noch Anmerken möchte:
    Das (größtenteils) stimmige Metrum rührt mir zu sehr von Einsilbern her, was es mir schwer macht, es passend zu lesen. So lässt sich kein Erfahrungsmetrum erlesen, das den anderen Versen dann aufgedrückt wird und das, in meinen Augen, Einsilber ausgleichen kann. Aber eben nur, wenn es einem vorher durch deutliche, einheitliche Versmaße eingeimpft wird.
    Manch ein Vers weicht dann noch ab, ohne das ich der Meinung wäre, dass es wichtig sei, sie hervorzuheben.
    Es gibt nur Reis oder nur Brot,
    (Hier entsteht bei Reis und oder ein Hebungsprall: xXxXXxX)
    rückt man zu Leibe seiner Wampe.
    (Hier tue ich mich schwer, das "rückt" unbetont zu lesen, aber dafür "man" zu betonen: XxxXxXxXx
    Eine kleine Inversion...)
    oder mit Nadeln, langen, dünnen,
    (Trochäus zu Beginn und dann erst Jambus: XxxXxXxXx)
    kam er nun endlich auf die Spur,
    (Wie bei dem zweiten "meiner" Verse: XxxXxXxX)

    Du startest mit einer leichten Inversion. Das ist nicht optimal, aber da es eine leichte ist (und mir nichts besseres einfallen mag) kann ich damit leben.

    Zum Inhalt selbst kann ich nicht viel sagen, da ich als Mann nicht soo viel mit Diäten am Hut habe. Ich frage mich nur ab und zu, wie es die Bundestagsabgeordnete schaffen, teilweise über dreißig Jahre von Diäten zu leben. Aber das wird dann auch wieder ein seelisches Problem sein.

    Ich hoffe, ich konnte dir helfen...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  6. #6
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    Oh weh!, Nachteule,
    jetzt hast Du mich erwischt. Ich habe nicht die blasseste Ahnung von den Fachbegriffen gehobener Dichtkunst. Ich denke und schreibe einfach drauf los. Es ist mir allerdings gelegentlich auch schon aufgefallen, dass sich der Rythmus, den ich meinen Zeilen verpasse, nicht jedem Leser direkt erschließt. Die "Unpässlichkeiten" bemerke ich nur, wenn ich andere meine Gedichte laut lesen lasse. Vielleicht sollte ich das öfter tun....Ich werde mich bemühen. Allerdings glaube ich nicht, dass ich meine bisher rund 100 Gedichte nochmal alle überprüfen und entsprechend ändern möchte (vielleicht nur bezüglich der Einteilung in Strophen). Da stecke ich dann doch lieber ab und zu Kritik von Kennern ein

    LG dickesusi
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
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    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

  7. #7
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    Hi dickesusi,

    grundsätzlich finde ich deine Geschichte gut erzählt und flott gereimt. Auch dass die Beleibtheit deines Protagonisten seelische Ursachen hat, ist eine nette Pointe.

    Meistens bleibst du im Jambus, mit einigen Schnitzern - wie von Nachteule bereits angedeutet.
    Das Reimschema ist auch hin und wieder durcheinandergeraten.

    Auch ich habe beim Lesen die Stropheneinteilung vermisst und würde dir dringend dazu raten. Sonst ermüdet der Leser, oder er lässt es ganz, weil er sich von der Textwurst erschlagen fühlt.

    Bezüglich Silbenbetonung gibt es hier im Forum einen recht gut erklärenden Faden - ich weiß nur nicht wo, aber ich kann mal suchen.
    Da mir scheint, dass du dich gerne weiter entwickeln willst, würde ich dir empfehlen, dich ein wenig mit Metrik auseinanderzusetzen. Das Gefühl dafür hast du ja.

    Ich wünsch dir weiterhin viel Spaß beim Schreiben.

    Man liest sich!

    Lg EvA
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  8. #8
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    Hallo Eva,

    ja, da gibt es wohl noch einiges zu lernen für mich.*seufz* Vielen Dank für die fachlichen Hinweise.

    LG Susi
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