1. #1
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    das bächlein im wald

    im murmelwäldchen
    fließt ein quell,
    er plätschert lustig, plätschert hell
    und spiegelt murmelkieselhinterlegte
    bilder

    ein bild von mir, ein bild von dir
    und eins, wo wir uns beide
    - murmelküsse tauschend -
    übers wasser neigen

    im weichen, grünen murmelmoos,
    da hab ich dich gefunden,
    nun murmeln wir
    vergnügt drauflos
    und zählen nicht die stunden

    ein murmelweib, ein murmelmann,
    und in der murmelmitte
    die nymphe aus dem murmelquell,
    sie plätschert lustig, plätschert hell,
    in unsrem bund die dritte

    der abendwind weckt schon das laub
    zum vesperae-gemurmel,
    die zeit bleibt stehn,
    wir müssten wohl
    nach hause gehn,
    jedoch wir stelln uns taub
    und spielen unser murmelspiel



    Geändert von kaspar praetorius (14.08.2012 um 20:59 Uhr) Grund: Titeländerung auf Wunsch des Autors

  2. #2
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    Liebe Wilma,

    das ist ja lustig, nachdem Du mir unter meiner Feigenmarmelade die „kinderbuch-verslein“ der letzten Strophe vorgeworfen hast, nun also von Dir selber welche. Freilich keine des „schluss-mit-genuss-ejakulation“- Charakters.
    Sondern fein gesponnen (fein gemurmelt), wie es von Dir zu erwarten ist. Auch am Kitsch schrappst Du vorbei, indem Du einige Sollbruchstellen einfügst (z.B. murmelkieselhinterlegte), darunter die „unreinen“ und ungleichmäßig verteilten Reime, aber auch ryhytmische wie das angehängte „bilder“ in S1. Für die letzte Zeile würde ich mir jedoch einen sanfteren Ausklang wümnschen (z.B. unser murmelmurmelspiel)

    Und einen anderen Titel! (auch wenn er Dir viele Klicks eingebracht hat. Alles Voijeure hier.)

    Murmelmurmel

    Michael
    Geändert von Michael Domas (23.07.2012 um 13:07 Uhr)

  3. #3
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    Hi, wilma27 -


    der abendwind weckt schon das laub
    zum vesperae-gemurmel,
    die zeit bleibt stehn,
    wir müssten wohl
    nach hause gehn,
    jedoch wir stelln uns taub
    und murmeln weiter mit gefühl
    unser murmelspiel



    Das gefällt mir ausnehmend gut. Im Rest ist mir einfach zu viel bemühtes Gemurmel.


    LG
    Barbarossa

  4. #4
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    hallo michael
    danke für den vorschlag. ich ändere dort was ab und auch den titel.
    die kinderverse sind meine krücke. du kannst es auch anders.
    lg w.

    hallo barbarossa
    ich fürchte, das bächlein kann nicht auf sein murmeln verzichten. aber ich kann dich verstehen.
    lg w.

  5. #5
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    Liebe Wilma,

    das ist ja mal wirklich spannend: Wenn nun Dein Gemurmel nicht so „bemüht“ wäre (Grüß Dich, Barbarossa), dann wär's dann doch Kitsch, oder? Wie schlicht ein Gedicht (aber auch ein Musikstück) sein darf, ohne seinen Kunstanspruch einzubüßen, finde ich eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Ist zum Beispiel das „Es ist Nacht“ des großen Spötters Christian Morgenstern regrediert oder genial reduziert?

    Merkwürdig, dass Barbarossa die letzte Strophe am besten gefällt, sie ist rhythmisch die schwierigste. Metrisch allerdings klappt die letzte Zeile wieder nach, weil sie betont beginnt, obwohl die davor mir einer Betonung endet.

    Mir selbst gefällt die dritte Strophe am besten, nämlich
    sehr, sehr gut

    Michael

  6. #6
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    Ich erklär das mal ganz kurz:

    Nicht nur das Netzchen mit den Murmeln (Marmelsteinen) seh ich bei all dem Gemurmel vor mir,
    sondern gerade bei Murmelmann und Murmelweib

    die wittendern und aufrecht sitzenden Murmeltiere.
    Daran mag es liegen.


    LG
    Barbarossa

  7. #7
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    Hi Wilma,
    dein Gedicht inspiriert mich, einmal über das lautmalerische Wort "murmeln" nachzudenken. In dem Zusammenhang deiner Zeilen hat es etwas Vertrautes, Zärtliches, Kuscheliges, Rundes. Auch etwas Heimliches, Verstecktes, denn das Murmelgeräusch ist unverständlich, leise, verschwiegen. All diese Attribute schaffen in der gezeichneten Natur-Atmosphäre eine verspielte erotische Stimmung. Darüber hinaus besitzt das Wort Murmel aber auch eine verschmitzte körperliche Mehrdeutigkeit, die hier mit Murmelkuss, Murmelspiel und "Draulosmurmeln" die Fantasie beflügelt.

    Rhythmisch plätschern die Verse wie das Murmelbächlein, kleine Wirbel und Schnellen wirken hier wie gewollt. Dennoch bleibt das Ganze in einem verspielt einfachen Vierhebersystem, das die sprachliche Verspieltheit ("vergnügt", "lustig", "Murmelspiel") unterstützt.

    Nicht so gut gefällt mir "hinterlegte" Bilder, hinterlegt klingt so statisch, interpretierend, sachlich. Vielleicht reicht hier schon "und spiegelt Murmelkieselbilder". Noch einmal nachdenken würde ich auch über zwei floskelgebräuchliche Wendungen, nämlich "wir zählen nicht die Stunden" und "die Zeit bleibt stehn". Ich empfinde das als sprachliche Leerläufe in einer ansonsten so bildlichen Moosplätscheratmosphäre. Vorschläge ... hm, für die letzte Strophe vielleicht:

    "... die Zeit setzt aus,
    wir müssten wohl
    schon längst nach Haus,
    ..."

    und in der dritten Strophe:
    "... und messen nicht die Stunden..."

    Da gibt es aber sicher noch andere Möglichkeiten!

    Ach, noch ein Gedanke zum Titel: Der ist jetzt sehr brav, hui! Ich hätte es "Murmelade" genannt...

    Gern gelesen!
    Ciao
    Mumpitz
    Geändert von Mumpitz (25.07.2012 um 10:18 Uhr)
    Wer nach dem Ende des Regenbogens sucht darf die Welt nicht schwarzweiß malen.
    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

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