Thema: Das Haus

  1. #1
    Carina M. Guest

    Das Haus

    Das Haus

    ist kleiner als ich dachte
    verstaubte Vergangenheit
    steht im Raum
    unter Leintüchern verborgen
    ist kein Platz dort
    wo es so leer ist

  2. #2
    Registriert seit
    May 2010
    Ort
    Raum Münster
    Beiträge
    97
    Das interpretier ich mal!
    Die erste Ebene ist das Bild eines leeren Hauses, die Möbel verhangen, die Vorhänge zugezogen. Eine Person steht zwischen den Leintüchern. Die Stille und Leere atmet für sie, Erinnerungen werden geweckt - und enttäuscht. Hier betritt der Leser die zweite Ebene dieses Raumes. "Kleiner als ich dachte", so beginnt das Gedicht. Im Geist, in der Erinnerung war alles viel weiter, heller, und genau anders herum: viel Platz dort, wo es so belebt ist. Die beiden Gegensätze umschließen einen dritten: "im Raum stehende" Vergangenheit, präsent, offenkundig, und doch "unter Leintüchern verborgen", schemenhaft, konturlos.
    Und schon erschließt sich die dritte Ebene, die die Vergangenheit in die Gegenwart zurückspiegelt: "Es ist kein Platz dort" in der Vergangenheit, es ist so leer". Diese Reflexion ist für mich die eigentliche Botschaft, die Lehre: Das Erinnern spiegelt Vergangenes in einem eigenen, kreativen Licht. Holt einen die vergangene Realität allerdings ein, passt sie nicht mehr in das heute gelebte Leben, stört, sucht nach einem Abschluss. Solange die Möbel allerdings unter Leintüchern auf ihre Enthüllung warten, ist kein Platz in diesem alten Haus. Es muss dringend über Entrümpelung nachgedacht werden!

    Ein sehr dichtes Gedicht!

    Ciao
    Mumpitz
    Wer nach dem Ende des Regenbogens sucht darf die Welt nicht schwarzweiß malen.
    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

  3. #3
    Carina M. Guest
    Hallo Mumpitz,

    ich danke dir und freue mich, dass du dich so intensiv mit meinem Text beschäftigt hast
    Deine tiefgreifende Interpretation ist unglaublich sensibel und es erstaunt mich, wenn meine Worte so gut verstanden werden.

    Ich wünsche dir einen sonnigen Tag,
    lieben Gruß,
    Carina

  4. #4
    Registriert seit
    Mar 2012
    Ort
    Dresden
    Beiträge
    184
    Ich habe gerade dein Gedicht "Der Garten" gelesen und muss mich hier ein wenig selbst zitieren. Auch diese Ausgabe spricht mich an, zumal ich auch versuche mit wenigen Worten das auszudrücken, was man erzählen will. Ich mag auch diese Gedicht, eben weil es eine Aussage hat. Es ist tiefgründig, ohne viel Worte darüber zu verlieren. Einfach Danke.
    LG haifisch
    Poesie ist Musik in Worten.

  5. #5
    Carina M. Guest
    Hallo Haifisch,

    schön, dich auch hier zu lesen.
    Früher habe ich meist längere Texte geschrieben aber man sagte mir immer wieder: Kürzen, kürzen kürzen.
    Und dann kommt so etwas dabei heraus.

    Alles Liebe für dich,
    Carina

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