Thema: Der Philosoph

  1. #1
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    Der Philosoph

    Er hält sich für besonders klug
    und pflegt im frommen Selbstbetrug
    über des Lebens Eigenheiten
    sich philosophisch zu verbreiten.

    Doch lässt er die Substanz vermissen
    in den pathetischen Ergüssen,
    mit denen er die Seiten füllt.
    Die Flut seiner Gedanken quillt

    ganz ungefiltert aufs Papier,
    nun schon bis Seite hundertvier.
    Er hält sein Werk jetzt für vollendet
    und hat’s an den Verlag gesendet.

    Die Antwort schlägt ihm aufs Gemüt:
    Man schreibt - um Höflichkeit bemüht-,
    die Leserschaft sei augenblicklich
    mit schwerer Kost nicht ganz so glücklich.

    Und darum sendet man zurück
    seiner Gelehrtheit Meisterstück.
    Der Zorn will ihm die Sinne rauben:
    „Was diese Herren sich erlauben!“

    Sein Herzblut steckt in diesem Buche,
    d’rum macht er noch ein paar Versuche.
    Und weil’s am Ende keiner mag,
    erscheint sein Buch im Selbstverlag.

    Steht unverkäuflich im Regal;
    der Beigeschmack ist ziemlich schal.
    Mit Mühe kann er nur verkraften,
    dass and’re seine Kunst verachten.

    Die Einsicht zieht sich lange hin….
    …die Welt dreht sich auch ohne ihn.
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

  2. #2
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    Hallo,

    hat metrisch stellenweise noch etwas Potential, läßt sich aber dennoch flüssig lesen, was ich angesichts der flotten Geschichte, die ganz nebenbei auch eine gewisse Beobachtungsgabe und Menschkenntnis zutage treten lässt, auch sehr gerne getan und dabei geschmunzelt habe.

    LG

    Jürgen
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  3. #3
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    @dickesusi

    mach mal schön hier weiter. Deine Gedichte beleben, sind klug und lassen uns schmunzeln!

    herzlichst almebo
    Lieber ein eckiges Etwas,
    als ein rundes Nichts.

  4. #4
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    Lieber JoteS,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe, nachdem ich in diesem Forum den entsprechenden Rat bekommen habe,
    meine langen Gedichte der besseren Lesbarkeit zuliebe in Strophen aufgeteilt. Da sie ja urspünglich nicht so verfasst wurden, passiert es schon mal, dass die neue Strophe mitten im Satz beginnt. "Darf" man das eigentlich einfach so machen?

    LG Susi
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
    hat sich in meinem Kopf entsponnen
    ganz unerwartet ein Gedicht

  5. #5
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    Hallo Susi,

    ich denke mal, da steht die Lesbarkeit an erster Stelle - also darf man. So fällt übrigens sehr deutlich auf, wieviele kleine Rhythmuswechsel Du im Text hast. Zum Glück sind diese alle von einer Art, dass sie den Lesefluss nicht sonderlich stören aber ein rhythmisch etwas engeres Korsett täte Deinen Gedichten dennoch gut. Nicht, das Rhythmuswechsel nicht erlaubt wären aber mann sollte sie gezielt einsetzten und nicht willkürlich geschehen lassen.

    Egal, ich will nicht meckern, das wäre hier arrogant und unagebracht.

    LG

    Jürgen
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  6. #6
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    Hallo Wendiger,

    Du hast schon recht. Ich sollte aufhören, hier laufend Texte einzustellen, wenn ich weder Zeit noch Muße habe, auch mit den Kritiken zu arbeiten. Es ist natürlich ein wenig Eitelkeit dabei. Wer hört nicht gern, dass seine Texte ankommen.
    Ich werde mich jetzt also mal überwinden müssen und anfangen zu arbeiten. Vielleicht hilft mir das ja auch aus meiner momentanen seelischen Schieflage.
    Vielen Dank für die kleine Kopfwäsche.
    LG Susi
    Als ich so dasitz, ganz versonnen
    und denk an alles und an nichts,
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    ganz unerwartet ein Gedicht

  7. #7
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    Hi Susi,
    alle Kritik, die diesem Gedicht zuteil wurde, empfinde ich als Kleinigkeitsnörgelei auf hohem Niveau - aber da wollen wir ja alle hin.
    Rhythmisch habe ich überhaupt nichts auszusetzen, im Gegenteil lockern die "Synkopen" den Textfluss eher auf und nehmen ihm die Statik, die sich sonst oft bei vierhebigen Versen einstellt. Mich erinnert das Gedicht in seiner ganzen Anlage und Aussage an Eugen Roth. Er kann es noch etwas raffinierter, dafür ist er berühmt geworden, aber deine Philosophen-Kritik kommt schon sehr humorvoll und treffend rüber.

    Was ich wirklich ändern würde ist der Reim "verkraften" - "verachten", das wirkt ín meinen Augen etwas nachlässig und dilletantisch.

    Gerne gelesen und geschmunzelt,
    ciao
    Mumpitz
    Wer nach dem Ende des Regenbogens sucht darf die Welt nicht schwarzweiß malen.
    aus: Andreas Gers, Ein Lümmel mit nur Un im Sinn, Cenarius Verlag Hagen

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