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  1. #1
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    Berlin im Juli


    Wie ist die Stadt doch schön im Sonnenschein,
    wenn wir schon früh am Morgen heftig schwitzen,
    uns freuen, wenn die Brunnen fröhlich spritzen,
    gleich Kohlen glühen Wände, Pflasterstein.

    Am Abend klönen wir beim Meißenwein,
    wir bleiben bis zum Tagesanbruch sitzen,
    sind Lebenskünstler, die sich gern erhitzen.
    Ich frage mich: Wer wollt woanders sein?

    Die Gullies, Hundetüteneimer stinken.
    Was solls? Wenn über uns die Sterne blinken,
    wenn Linden duften, Nachtigallen singen,

    uns Füchse ihre lieben Kleinen bringen,
    die Waschbärn mit der Coladose kicken?
    Wie heiter unsre Juliuhren ticken.

  2. #2
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    Hallo.

    Auf der Sonnenseite zu leben, mag dieses Gedicht zu 10% ausdrücken. Die anderen 90% interessieren dich wahrscheinlich eh nicht, haben aber mit dem ganzen Verzicht der Gutmenschen auf Vollständigkeit zu tun, die nicht weiter denken können als Sonnenschein und Meißenwein. Dazu müsste man ja Verantwortung für etwas übernehmen was alle gleichermaßen betrifft, z. Bsp das großstädtische Müllproblem, wenn du uns schon eine Coladose spendierst.

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Hallo.

    Ach du liebe meine Güte! Da darf sich die Berlinerin nicht völlig unbefangen am Sonnenschein in der Stadt erfreuen ohne den negativen Seiten Raum zu geben? Was erwartest du nach wochenlangem Regen?

    Ich antworte mal im Sinne Kierkegaards: „Es genügt nicht, sich an die Spitze der Entwicklung zu setzen, um die eigene Überholbarkeit zu relativieren“. Oder: „Es entspricht der spontanen Lebenserfahrung, dass das Vernünftige noch nicht das Wirkliche und das Wirkliche nicht das Vernünftige ist, denn die Vollendung der Theorie bedeutet keineswegs die praktische Verwirklichung“.
    Plato meint unter Anderem, dass das Unvollendete zum Vollendeten, das Endliche zum Unendlichen drängt. In diesem Sinne ist deine Kritik an meinem Sonett nicht hilfreich, eher dümmlich.

    LG, M.

  4. #4
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    Hallo Medusa,

    mir gefällt dein Gedicht. Aus diesem Grund: Circa 50 % ist gut bis brilliant, die andere Hälfte ist für den "Hundetüteneimer". Sei mir nicht böse, aber Wörter wie "Coladose" stehen im völligen Kontrast zu ästhetisch-brilianten "Juliuhren" und zerstören dein am Anfang sehr schön begonnendes, und gegen Ende leider abschwächendes Sommersonett.

    Trotzdem habe ich das Gedicht gerne gelesen, allein schon wegen der wirklich klasse gestalteten Quartetten. Den Rest würde ich aber an deiner Stelle dringend überarbeiten. Das Niveau am Ende ist einfach ein ganz anderes. Bsp.: statt "stinken" könnte man "sinken" benutzen..

    Viele Grüße
    Martin

  5. #5
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    Guten Morgen Martin .

    Mit deiner Kritik hast du Recht und Unrecht zugleich. Einerseits könnte ich die Sprache polieren, da stimme ich dir zu, andererseits müssen die Bilder genau so bleiben, wie sie sind. Entscheide ich mich für eine „bessere“ Sprache, werden die Bilder undeutlich, du verstehst, was ich meine?

    Bei der inhaltlichen Strukturierung habe ich mich an eine Form der italienischen Sonette gehalten: These in den Quartetten, Antithese in den Terzetten, also die zwei Seiten eines Sommerabends in Berlin, was natürlich auf jede andere Großstadt zutreffen kann.

    Du kannst hier mitten in der Stadt, meinetwegen an der Spree, in einem Gartenlokal sitzen und beispielsweise Bisamratten und Füchse beobachten. Ich habe es selbst erlebt, dass eines Abends die Stille durch lautes Geklacker gestört wurde: Ein Waschbär spielte mit einer Coladose! Zwischen den Tischen!
    Und wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht, dann riechst du die Hundetüteneimer vom Parkplatz oder von der Straße.

    So, das wäre meine Erklärung für den „Qualitätsabbau“ .

    Ich danke dir ganz herzlich für deine Kritik und dein schönes Lob. Ändern kann ich hier nichts mehr, aber bei einem neuen Sonett werde ich an deine Einwände denken.
    Viele liebe Wochenendgrüße,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (28.07.2012 um 08:41 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Medusa,

    mir gefällt es genauso wie es ist. Ich kenne Berlin nicht gut aber ich finde die Mischung aus platten Worten und poetischen Mitteln gerade gut um einen Teil Berliner Sommerstimmung einzufangen.
    Es ist eine Momentaufnahme und zwar eine fast rein "Natur und Jahreszeiten"-mässige. Hättest du Berlin gesellschaftlich bedichten wollen dann hättest du es sicher nicht in Natur und Jahreszeiten eingestellt. Soviel zu der Kritik von Robert Schulz. Und natürlich muss auch so etwas erlaubt, erlebt und gedichtet werden dürfen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, nicht auch Schattenseiten ausgeleuchtet zu haben.
    Gerne gelesen
    Grüße
    question

  7. #7
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    Hallo Medusa,
    mich erinnert Dein Gedicht ganz stark an meinen Berlin-Aufenthalt im Juli 1968. Damals waren es auch sehr
    heiße Tage und die lauen Abende umso köstlicher! Ich finde Dein Sonett sehr stimmmungsvoll, die Gegensätze werden in
    den Terzetten schön zum Ausdruck gebracht. "Wie heiter unsre Juli-Uhren ticken" finde ich optimal als Schluss-Satz!
    Heitere Sommergrüße von Xenia

  8. #8
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    Hallo Question .

    Ich freue mich sehr über dein tolles Lob, Dankeschön!
    Ich denke wie du, denn ein kritisches Berlingedicht hätte ich gewiss nicht unter Natur eingestellt und wahrscheinlich auch kein Sonett gebastelt.

    Die etwas flapsige Sprache passt zur Situation und, wie sollte es anders sein, auch zur Berlinerin . Du musst unsere Hauptstadt unbedingt mal besuchen. Sie ist hässlich und schön, laut und ganz still, grau und grün, trüb und sexy; in (fast) allen Straßen stehen rechts und links riesige Linden, überall gibts schöne und weniger schöne Kneipen und die Bewohner sind Spitze !

    Nochmals meinen herzlichen Dank für deinen Kommentar.
    Viele liebe Wochenendgrüße,
    Medusa.



    Liebe Xenia .

    Mich freut dein Lob zu meinem Julisonett sehr und ich danke dir ganz herzlich dafür.
    Auch ich kann mich noch an den Sommer 1968 erinnern; er war in der Tat sehr heiß - nicht nur die Temperaturen!

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und grüße dich herzlich,
    Medusa.

  9. #9
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    Berlin im Juli

    Liebe Medusa,

    es ist ein Gedicht mit einer gut verständlichen und auch treffenden Aussage, die ganz sicher auch so gewollt ist. An der Aussage sollte deshalb auch nichts verändert werden. Es wird uns hier ein vielfältiges Bild der Großstadt gezeigt, das eine zufriedene Geruhsamkeit zum Inhalt hat, aber auch Unschönes nicht ausklammert. Der Mensch braucht Ruhephasen in welche er sich aus allem Schlechten, von dem alle mehr oder weniger belastet sind, zurückzieht. Kritik an der Aussage ist hier perspektivisch. Zu allem lässt sich auch eine Perspektive finden aus welcher Aussagen subjektiv nicht gefallen. Hierzu denke ich sollte die Perspektive des Schreibers gesucht und gewertet werden. Mir gefällt das genüssliche Bild der Ruhe das sich auch nicht vom Hundekotgeruch stören lässt.
    Zu Deinem hoffentlich Freudentag alles Gute, herzlichen Glückwunsch und viel Vergnügen in Zürich.

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (28.07.2012 um 13:47 Uhr) Grund: Ergänzung
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  10. #10
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    Lieber Hans ,

    ich sitze grad in Kloten, warte auf mein Empfangskommitee und wundere mich, dass ich auch von hier aus meine Kommentare sichten und beantworten kann .

    Du hast sehr klar erkannt, was ich mit meinem Sonett ausdrücken wollte: Die genüssliche Ruhe an einem Sommerabend in Berlin mit allen mehr oder weniger störenden Momenten.

    Ich danke dir herzlich für deinen Kommentar und dein Lob und schicke dir viele liebe Wochenendgrüße,
    Medusa.

    P.s. Danke auch für die Geburtstagswünsche.



    Lieber Wendiger .

    Auweia, jetzt kommts aber dicke! Mal schauen, ob ich dir den Wind aus den Segeln nehmen kann:
    Ich meine, dass ich die gar nicht unübliche Form These/Antithese recht gut, selbstverständlich nicht perfekt! getroffen habe. In den Quartetten geht’s um die Menschen, das Wetter und die Ruhe, in den Terzetten geht’s um die Tiere, die Freude, die sie bereiten und, natürlich, um den Gestank. Was ist daran fadenscheinig? Noch was: Gedichte „kommen“ bei mir nicht einfach, sie sind immer das Resultat langer Überlegungen.

    Dass die alten italienischen Formen meist klingend enden, weiß ich auch. Hier habe ich mir erlaubt, ein wenig von der Norm abzuweichen – ist das soooo schlimm? Und wo liest du einen Daktylus? Das Sonett ist durchgängig im Jambus!
    Wie ist die Stadt doch schön im Sonnenschein,
    wenn wir schon früh am Morgen heftig schwitzen,
    uns freuen, wenn die Brunnen fröhlich spritzen,
    gleich Kohlen glühen Wände, Pflasterstein.
    xXxXxXxXxX

    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX

    Am Abend klönen wir beim Meißenwein,
    wir bleiben bis zum Tagesanbruch sitzen,
    sind Lebenskünstler, die sich gern erhitzen.
    Ich frage mich: Wer wollt woanders sein?

    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
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    Die Gullies, Hundeteneimer stinken.
    Was solls? Wenn über uns die Sterne blinken,
    wenn Linden duften, Nachtigallen singen,

    xXxXxXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXx
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    uns Füchse ihre lieben Kleinen bringen,
    die Waschbärn mit der Coladose kicken?
    Wie heiter unsre Juliuhren ticken.

    xXxXxXxXxXx
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    Das zweite Terzett muss ich im ersten Vers ändern, da sind zwei Silben zu viel, ich muss dir zustimmen.
    Die Füchse bringen wem die lieben Kleinen?
    Na uns selbstverständlich, davon ist im ganzen Sonett die Rede.

    Denk was du willst über Berlin. Ich sage dir dies: Hier ist alles möglich
    .

    Dein Kommentar ist nicht sonderlich hilfreich, weil viele deiner Einwände ziemlich weit hergeholt und nicht stimmig sind. Trotzdem danke ich dir dafür.


    Herzliche Wochenendgrüße,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (28.07.2012 um 18:18 Uhr)

  11. #11
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    Lieber Wendiger .
    Ui! da hätte ich dir ein wenig mehr Sprachgefühl zugetraut.
    Also wirklich: Einen solchen Mangel hat mir noch kein Kritiker vorgeworfen!
    Und deine Ich-weiß-nicht-was sind an den Haaren herbei gezogen. Wer, bitteschön, betont
    Son-nen schein, Pflas ter stein, Mei-ßen-wein.
    . Es gibt zuweilen andere Betonungen bei uns Preußen, wie hier beispielsweise:
    wo-an-ders sein
    Ich halte meine Betonung für gängig, du siehst darin einen Fehler. Lese ich unsere Altmeister, so stimme ich als Preußin immer mit ihren Hebungen überein.
    Wenn dir der Rhythmus fehlt, dann lass es sein.
    Nö, diesen Stiefel ziehe ich mir nicht an und schieße zurück: Wenn du keine Ahnung hast, dann lass bitte deine Kommentare sein. Sie sind eindeutig darauf aus, Streit mit mir zu beginnen. Dafür bin ich die falsche Adresse! Mich kann so schnell kein Kommentator provozieren .

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  12. #12
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    Guten Morgen Wendiger .
    Ach doch, eine kleine bitte hätte noch: Wenn du in den Antworten an mich wohl den inflationären Gebrauch von Smilies, welch ja auch im krassen Gegensatz deiner Wortwahl stehen, ein wenig einschränken könntest?
    Na klar doch, gerne. Nur diesen oben werde ich auch bei dir beibehalten.
    Nein, das war nicht meine Absicht.
    Na, mein von dir zitierter Vers war mit einem Augenzwinkern zu lesen.
    In Ordnung, vielleicht war ich selbst etwas gestresst und du hast es abgekriegt.
    Aus diesem Grunde wäre ich froh, wenn hier vielleicht der eine oder die andere etwas zur Sache beisteuern könnte.
    Das würde ich auch sehr begrüßen, schaun wir mal.


    Und nun zu „ Son-nen schein“ etc.: Wir unterscheiden starke und schwache Betonungen. Hier wird „Son“stark betont, „nen“ überhaupt nicht und „schein“ immerhin noch schwach betont – für meine Lesart ein Jambus, wenn auch ein etwas schwächelnder. Hier:
    Am Abend klönen wir bei Brot und Wein
    ist der Jambus natürlich deutlicher, weil "Brot" und "Wein" stark betont werden.


    Um bei meinem Gedicht zu bleiben: Ist es nicht völlig wurscht, wie die Verse enden? Die Kadenzen wiederholen sich vier Mal und es kann dem Leser überlassen werden, ob er einen Jambus oder einen Daktylus liest, oder?

    Die klassischen italienischen Sonette sind grundsätzlich und durchgängig im jambischen Pentameter geschrieben und haben weibliche oder männliche Kadenzen; in Frankreich schrieben sie im Alexandriner mit Diärese und olle Shakespeare änderte sogar die äußere Form, blieb aber beim jambischen Pentameter mit weiblichen oder männlichen Kadenzen.
    Deutsche Sonette wurden auch im jambischen Pentameter mit weiblichen oder männlichen Kadenzen geschrieben.

    Das waren die klassischen Formen. Bei späteren Sonetten kannst du viele Variationen finden: Stumpfe und klingende Kadenzen beispielsweise oder weniger als 11 (12) Silben pro Vers etc.

    Ich weiß nicht, ob es ein „Sowohl-als-auch“ gibt, bei den klassischen Formen sicher nicht. Ich meine allerdings, dass es kein Fehler ist, das starre Korsett ein wenig zu lockern und die Form dadurch der Jetztzeit etwas anzupassen. Voraussetzung dafür ist allerdings das Wissen um die klassischen Formen.

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  13. #13
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    Guten Morgen Wendiger .

    Neenee, entweder habe ich mich blöd ausgedrückt oder du hast mich falsch verstanden.

    Selbstverständlich müssen wir uns um Form und Inhalt Gedanken machen, sehr viele sogar. Immerhin gibts Metrik und Metrum und wir können zwischen zahlreichen Strophenformen wählen, um für alle Themen das Passende zu finden, was wir unbedingt auch machen sollten. Denn nur ein Gedicht, bei dem Form und Inhalt eine Einheit bilden, klingt nach und erweckt Interesse.

    Besonders streng sind die Hebungen beim Klanggedicht geregelt. Ich habe mit den Kadenzen ein wenig gemogelt, was aber den Klang der Verse nicht beeinträchtigt; die Melodie bleibt erhalten.

    Übrigens: Keines meiner Gedichte genügt meinen Ansprüchen oder stimmt mich rundum zufrieden!

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  14. #14
    Longshanks Guest
    Hallo Medusa

    So richtig warm will ich trotz der geschilderten Hitze nicht werden mit dem Text.

    Im Einzelnen:

    Im ersten Quartett klingts für mich als wollte LI sagen, die Stadt sei schön, wenn die Menschen am Morgen schon heftig schwitzen und Wände und Pflaster glühen, quasi als ob diese beiden unangenehmen Begleiterscheinungen der Hitze die Bedingung für das Schönsein der Stadt seien.

    Ich nehme aber an, dass das eher im Sinne von „obwohl“ gemeint ist?

    Unschön ist der singuläre „Pflasterstein“ wo vorher die Mauern doch ihren Plural haben durften. Der Reimzwang fordert seine Opfer.

    Ist „Meißenwein“ was typisch Berlinerisches?

    Lebenskünstler, die sich gern erhitzen? Was soll das sagen? Sonnenanbeter oder Diskutierwütige? Ein Lebenskünstler zeichnet sich m.E. doch gerade dadurch aus, dass er alles nimmt wies kommt und ihn nix aus der Ruhe bringt?

    Dem „wollt“ fehlt der Apostroph oder ist das die neue Falschschreibung?

    Wenn über uns die Sterne blinken,
    wenn Linden duften, Nachtigallen singen,
    uns Füchse ihre lieben Kleinen bringen,
    die Waschbärn mit der Coladose kicken?

    Hier holt der Satz mit „wenn“ recht ausufernd aus, bleibt aber das darauf folgende „dann“ schuldig und im grammatikalischen Sinn unvollständig.

    Die Sterne, Linden und Füchse die uns ihre lieben Kleinen bringen sind bäbbsüß. Dass Füchse als Kulturfolger in die Städte kommen ist bekannt. Aber dass sie LI’s ihre Kinderlein bringen, naja. Sterne, Linden und Nachtigallen sind Postkartenkitsch.

    Die Waschbären gefallen mir als Bild, weil die ja tatsächlich Mülltonnen umgraben und – wenn auch unabsichtlich – mit Dosen scheppern.- Aber auch da

    „die Waschbären mit Coladosen kicken" würde mir besser gefallen oder aber du verlängerst die "wenn… Zeilen" um eine mehr.
    wenn Waschbaären...

    Insgesamt ist mir der Text im übrigen auch zu telegrammlastig.
    Xxxxxx Satz und Sinn fertig Ping Zeilenvorschub
    Xxxxxx Satz und Sinn fertig ping ZeilenvorschubZeile

    Gruß

    Longshanks
    Geändert von Longshanks (01.08.2012 um 10:39 Uhr)

  15. #15
    Registriert seit
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    Lieber Longshanks .

    Ich freue mich sehr über deinen Kommentar, denn Wendiger und ich treten ein wenig auf der Stelle und deine Kritik bringt ein wenig frischen Wind.

    Du hast nicht ganz Unrecht mit dem Zerpflücken meines ersten Quartetts, so gelesen ist es blanker Unsinn.
    Ich nehme aber an, dass das eher im Sinne von „obwohl“ gemeint ist?
    Richtig! Und damit zeigst du mir, dass diese Strophe auch in meinem Sinne verstanden werden kann.
    Der Reimzwang fordert seine Opfer.
    Ich weiß nicht so recht: Ist denn der Singular sooo fürchterlich? Klar ist er dem Reim geschuldet, aber geht dieser Kompromiss auf Kosten der Melodie? Ich sage: Nein! Geht er auf Kosten des Bildes oder des Inhalts? Auch hier sage ich: Nein!
    Ist „Meißenwein“ was typisch Berlinerisches?
    Nö, das glaube ich nicht, inzwischen ist er sicher weit verbreitet. Ich vermute allerdings, dass wir die Ersten waren, die diesen köstlichen, überaus trockenen und fruchtigen Weißen kosten durften; er ist ziemlich teuer und wird allmählich in fast allen Kneipen angeboten.
    Lebenskünstler, die sich gern erhitzen? Was soll das sagen? Sonnenanbeter oder Diskutierwütige? Ein Lebenskünstler zeichnet sich m.E. doch gerade dadurch aus, dass er alles nimmt wies kommt und ihn nix aus der Ruhe bringt?
    Nicht wirklich. Ein (berliner!) Lebenskünstler kann sowohl als auch. Das ist eine unterschiedliche Betrachtungs- bzw. Empfindungssache, die von mir gewünschte Aussage hast du verstanden?
    Dem „wollt“ fehlt der Apostroph oder ist das die neue Falschschreibung?
    Also: Ein Apostroph wird nur dann gesetzt, wenn das Wörtchen „es“ ausgelassen werden soll. Das ist nach alter und neuer Rechtschreibung so.
    Hier holt der Satz mit „wenn“ recht ausufernd aus, bleibt aber das darauf folgende „dann“ schuldig und im grammatikalischen Sinn unvollständig.
    Hier stimme ich dir zu, das ist nicht gelungen.
    Die Sterne, Linden und Füchse die uns ihre lieben Kleinen bringen sind bäbbsüß. Dass Füchse als Kulturfolger in die Städte kommen ist bekannt. Aber dass sie LI’s ihre Kinderlein bringen, naja. Sterne, Linden und Nachtigallen sind Postkartenkitsch.
    Postkartenkitsch? Nee nich? Sowas kannst du hier ständig erleben. Eben weil die Füchse unsere Kulturfolger sind, lassen sie uns an ihrem Leben teilhaben. Grad neulich hatte eine Fähe ihr Kleines mitten auf dem Parkplatz abgelegt, wahrscheinlich war sie auf der Jagd; alle Autofahrer machten einen Riesenbogen um das Füchslein, das sich nicht stören ließ.
    Insgesamt ist mir der Text im übrigen auch zu telegrammlastig.
    Genau das ist mein Problem! Egal, was ich schreibe, es hat immer den Stil einer trockenen Berichterstattung! Vielleicht sollte ich besser Leitartikel schreiben?

    Betrachte meine Antwort bitte nicht als einen Rückzug auf „Das ist mein Stil bzw. meine dichterische Freiheit“. Um deine berechtigten Kritiken umzusetzen, müsste ich das gesamte Sonett verändern und das kriege ich nicht gebacken, denn ich habs schon im Juli 2011 geschrieben.

    Nun kannst du natürlich fragen „Warum stellst du ein Gedicht ein, an dem du nichts mehr ändern willst oder kannst?“ Das ist eine gute Frage, die ich nur mit dem Hinweis, „es steht hier noch nicht“ beantworten kann. Gute Hinweise und Verbesserungsvorschläge sind mir immer willkommen, das weißt du. Hier fehlt mir der Moment und ich muss es genau so stehen lassen, wie es ist. Bei folgenden Gedichten werde ich deine Kritiken vielleicht umsetzen können und nicht mehr honigsüß daher kommen.

    Ich danke dir für deinen Kommentar und grüße dich herzlich,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (01.08.2012 um 17:46 Uhr)

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