Wenn ich tot bin

©Hans Hartmut Karg
2012

Sowie ich tot bin, möcht´ ich keine Exklusivbehandlung.
Als Liebender habe ich schon Elementarbedürfnisse:
Man möge mich in weißes Linnen hüllen, als Wandlung
Zu den Toten – und dazu ja kein Weinen, keine Seelenrisse!

Man lege mich in einen Einfachrechteckkasten ganz aus neuer Fichte,
So ohne Imprägnierung, Farbe, Nägel, und innen nur belegt mit duftend´ Heu.
Der Sarg bleibe im Gottesdienst ganz offen, damit ich höre Schillers Dichten,
Und in den Händen halte ich den Rosmarin, dazu ein Fichtenkreuz, ganz neu.

Ich möchte nirgends Blumen sehen, nicht auf dem Sarg und auf dem Grab.
Mit einem Violinkonzert von Mozart mild zum Grab geleitet
Fasse sich jener Pfarrer kurz, denn alles habe ich, was ich schon hab´,
Womit die wundersame Seele hin ins Himmelreich begleitet.

Während der Totengräber dieses erdenendlich´ Grab mit Erde deckt,
Seien die Trauernden zum tollen Leichenschmaus geladen,
Denn mit Gespräch, Wein, Weib, Gesang wird dort bezweckt,
Dass die Erinnerung gut, fern bleibt von mir ein Erdenschaden.

Getränke soll es reichlich für die Trauergäste geben,
Dazu Bratwürste, Kartoffeln als Salat und Sauerkraut,
Damit sich alle hier im Jetzt ein wenig schon einleben
In ihrer Endlichkeit – wie´s bei uns halt der Liebe Brauch.

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