1. #1
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    Wenn sich der Morgen hebt

    Wenn sich gemach der Morgen vor euch hebt
    wie ein geflüstertes Gebet und Amen,
    das ihr noch Lebenden zag von euch gebt,
    geschworen in des Herrn geweihtem Namen,
    um abzuwenden alles sterblich Gramen,
    das im Gemüt sich harsch zusammenbraut
    im hohlen Zwist entstehender Infamen-
    Lasst mich entschlafen, Sternenstaubbetaut!

    Denn alles Glück zerfällt das man erstrebt,
    vergeudetes Erhoffen fauler Samen,
    ein totgesäter Keim, der nicht mehr lebt,
    zerschunden zwischen menschlichen Reklamen,
    ein Leben, von dem sie sich alles nahmen,
    im Elend fremden Glückes wohlverstaut
    wo die vergessnen Helden ewig lahmen.
    Lasst mich entschlafen, Sternenstaubbetaut!

    Ich bin die Motte, die im Mondlicht schwebt,
    das Aas, das Löwenzahn und Klee umrahmen,
    der letzte Atem, der am Spiegel klebt,
    verzeiht, wenn mir Gefühle klar entkamen.
    Ich trank zu viel des Blutes hehrer Damen,
    doch heute ist die See leicht aufgeraut
    und gleicht nicht ihren Wangen, jenen zahmen.
    Lasst mich entschlafen, Sternenstaubbetaut!

    Es wehen Böen um die dunklen Bramen,
    wie die verlassnen Echos, die es blaut,
    wenn ihr euch wiederfindet in den Dramen.
    Lasst mich entschlafen, Sternenstaubbetaut.
    Geändert von Kleehonig (02.11.2012 um 00:17 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Kleehonig,
    also wem bei dem Gedicht, hier von Dir, der Sinn, von Mäkeleien überrankt, besteht, den möcht ich lesen, oder ne, möchte ich gar nicht wirklich. Mkay, vielleicht könne sich jemand wegen des Inhalts streiten, ich aber sicher nicht
    verzeiht, wenn mir Gefühle klar entkamen.
    ist, mittunter (viel von: Mehr), einfach unversonnen ausgedrückt, weil nah...
    (Das habe ich mir auch schon oft gedacht)
    Da kann ich persönlich nur drüber staunen...
    Werde Dein Gedicht bestimmt noch öfters mal wieder lesen
    lg

  3. #3
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    Hallo Kleehonig,

    auch ich habe dein Gedicht schon mehrmals gelesen und bin fasziniert davon, auch wenn ich leider nicht alles verstehe, z.B.
    Ich trank zu viel des Blutes hehrer Damen,
    doch heute ist die See leicht aufgeraut
    und gleicht nicht deinen Wangen, jenen zahmen.
    Hier wechselst du auch plötzlich vom LyrIhr zum LyrDu.

    oder

    Es wehen Böen um die dunklen Bramen,
    wie die verlassnen Echos, die es blaut,
    -> Vor allem diese Zeile musst du mir bitte erklären, auch wenn ich weiß, dass du deine Gedichte nicht erklären magst. Wenn es sich allerdings nicht von selbst erklärt, scheint der/die Dichter(in) nicht alles richtig gemacht zu haben (zumindest der Vers kommt mir arg dem Reim geschuldet vor, was bedeutet 'blaut'?).

    Ansonsten aber Chapeau zu diesem Reimschema und der sauberen Form – beeindruckend, wie du das durchgezogen hast!

    Auch von der Wortwahl bin ich insgesamt sehr angetan. Lasst mich entschlafen, sternenstaubbetaut! ist wunderschön; ich könnte noch so einiges zitieren, aber das würde zu lang werden. Hier: Vergeudetes Erhoffen fauler Samen bin ich mir nicht sicher, ob das semantisch in Ordnung geht (wie auch bei einigem anderen nicht).

    Du hast ein paar Rechtschreib- und Interpunktionsfehler drin, die ich gern ausgebügelt sähe, weil sie dein schönes Werk ein wenig verunzieren.

    Hier: um abzuwenden alles sterblich Gramen hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen.
    Vergeudetes Erhoffen fauler Samen - > 'vergeudetes' bitte klein schreiben.
    im hohlen Zwist entstehender Infamen-
    Lasst mich entschlafen, sternenstaubbetaut!
    'lasst' nach Gedankenstrich bitte klein (und Lücke vor Gedankenstrich beachten).
    Denn alles Glück zerfällt das man erstrebt -> Komma nach 'zerfällt'
    im Elend fremden Glückes wohlverstaut -> Komma nach 'wohlverstaut'

    Ansonsten sehr gern gelesen!


    Liebe Grüße
    Yoa

  4. #4
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    Vielen Dank euch beiden.
    Es freut mich zu hören das ihr es schon mehrfach gelesen habt.


    So Fehler Analyse.

    Ich trank zu viel des Blutes hehrer Damen,
    doch heute ist die See leicht aufgeraut
    und gleicht nicht deinen Wangen, jenen zahmen. Hier wechselst du auch plötzlich vom LyrIhr zum LyrDu.

    Das war wohl ein Fehler meiner seits. Ich hoffe so wie es jetzt steht ist es richtig.

    Es wehen Böen um die dunklen Bramen,
    wie die verlassnen Echos, die es blaut,
    wenn ihr euch wiederfindet in den Dramen.

    Na, die Winde pfeifen um die Masten wie Echos.
    "blaut" ist abgeleitet von "blauen" , das etwas zur Farbe Blau übergeht.
    Die Verse ergießen sich in Synästetischer Umwälzung.

    Das ich meine Gedichte nicht erklären will stimmt eigentlich auch nicht (mehr).
    Als ich das, vor ca. 2 Jahren in mein Profil schrieb hatte ich noch diese Einstellung,
    mittlerweile hat sich aber einiges geändert. Wobei es mir aber auch noch heute schwer fällt einige
    Verse zu erklären, Manches sollte man, wie Galapapa auch zu diesem Werk sagte, in seinem Sinn nicht hinterfragen
    und einfach nur die Bilder wirken lassen die in den Versen entstehen.
    Aber ich bin gern bereit Aufschlüsse zu geben und Fehler zu korrigieren.

    Danke nochmal an euch beide.
    Geändert von Kleehonig (08.08.2012 um 01:58 Uhr)

  5. #5
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    @Kleehonig
    Prima Name, „Kleehonig“.

    Zitat: „das ihr noch Lebenden zag von euch gebt, „
    Was hältst du von dem hier: das ihr noch Lebenden nur zag euch gebt, ?
    Zitat: um abzuwenden alles sterblich Gramen,
    A. um zu entgehen alles stofflich Gramen,
    Zitat. ein totgesäter Keim, der nicht mehr lebt,
    A. ein totgesäter Keim, der nimmer lebt,
    oder:
    ein totgesäter Keim, der Kälte webt,
    Zitat: Lasst mich entschlafen, sternenstaubbetaut!
    A: Lasst mich entschlafen, Sternenglück beraubt / wobei wahrscheinlich dein Sinn treffender wäre.

    Zitat: Es wehen Böen um die dunklen Bramen,//Bramen??? (Bilder??

    Schöne Metapher, großes Kino, alles 3D.

  6. #6
    Zündfunke Guest

    re

    Hi Kleehonig,

    ich find's klanglich/ stimmlich sehr gelungen. Diesen bestimmten Flair, der Deinem Gedicht anhaftet,
    hast Du m.E. konsequent durchgezogen. Das einige Passagen nicht auf Anhieb verständlich erscheinen regt geradezu zu mehrmaligem Durchlesen an)
    Mir gefällt besonders die Bildsprache in Strophe 3, ich weiss nich, aber irgendwie hab ich sofort
    an einen Vampir als lyr. Ich gedacht, da ich relativ viel cineastisch denke/ empfinde, hat mich das
    direkt an "Interview mit einem Vampir" erinnert.
    Ich hab's auch nicht als traurig, sondern eher als pathetisch düster empfunden und
    *sternenstaubbetaut*....das is quasi der eyecatcher im Gedicht.

    Also mir hat's super gefallen, ist Dir echt gelungen))

    lG

  7. #7
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    @ Horstgrosse

    Danke erstmal für deine Mühe.
    Aber um auf die von dir zitierten Verse eingehen zu können werde ich sicherlich erst am Wochenende Zeit haben.

    "Zitat: Es wehen Böen um die dunklen Bramen,//Bramen??? (Bilder??"
    gehe ich recht in der Annahme das du hier fragst was Bramen sind?
    Bramen sind Schiffsmastverlängerungen.

    @ Zündfunke

    Interessant das du auf einen Vampir kommst, war eigentlich absolut nicht meine Absicht, aber jetzt wo der Gedanke beim nochmaligen lesen in mir schlummert kann ich es an manchen Stellen verstehen.
    Danke für dein freundliches Lob.

    Grüße Kleehonig.

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