I.

Manchmal
ist das Glück
zum Greifen nah'

manchmal
winkt
die Freiheit

doch immer kehren wir
den Blick
zurück

so dass wir es nicht sehen können ...

wie rings um uns die Welt
auf uns blickt
und nur darauf wartet
dass wir es tun
und es ergreifen

und unsere Flügel aufspannen ...

so dass jeder
sein eigen Glück
in uns
erblicken kann


II.

Doch die Sehnsucht nach Freiheit
ist längst
aus unseren Köpfen
entflohen

sie existiert nur noch
in den Versprechungen
von Werbeplakaten

selbst der Papagei
wiederholt
jedes einzelne Wort
das man ihm vorspricht


III.

Der Adler
kennt nur
die Freiheit

er weiß nichts
von einem Strick
der ihn festhält

er kennt nur
den Blick
von oben

dass wir ihn festhalten
ihn wie einen König
in Ketten legen
ändert daran nichts

er kennt nur
die Freiheit

gefangen
ein Leben lang
erträumt er sie sich


IV.

Dem Menschen
das Wesen
des Adlers
erklären

könnte so schön sein

wenn es wirklich
um ihn
ginge

aber es geht
um uns
um unsere
eigene Existenz

inmitten
der Natur


V.

Der Adler
ist gefährlich
er erweckt
in uns
Erinnerungen

eines kollektiven Gedächtnisses

deshalb
sperren wir ihn
wie einen König
ein

so dass er keine Macht mehr
über uns hat
und uns heimlich
beobachten könnte ...


VI.

Der Adler
blickt weiter
hinaus
als je ein Mensch
mit bloßem Auge sah

er sieht
die Wälder
unverändert schön

und sieht den Menschen längst
an seinem Ende angelangt

wie er sich fürchtet
vor der Nacht
wenn er
zu jagen beginnt


VII.

Könnte es sein
dass der Adler
eine Erfindung
unseres Geistes ist
damit wir die Welt
einst so sehen werden
wie er?


VIII.

Der Adler
gehört
dem Himmel

weit entfernt -

dem Blick
entrückt

stürzt er sich hinunter ...

so dass, wenn er uns
aufeinmal nahe kommt
man erschrickt
und doch verzückt ist
über so viel
Schönheit mit einem Schlage.