Thema: Unschuldig

  1. #1
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    15

    Unschuldig

    Unschuldig

    Wir werden alle ins Garn geführt
    Werden vom Teufel in uns verführt
    Was wir denken, wird kontrolliert
    Unsere eigene Meinung wird blockiert

    Ein Kindlein vom Nachbarshaus ist nun weg
    Man fand ihre Spuren im Wald, im Dreck
    In den Nachrichten wird berichtet, Kind entführt
    Dieser Satz hat die Leute zu einem Gedanken verführt

    Der nette Junge war doch dort
    Ach was ? Fahre fort !
    Ich hab´ ihn durchs Fenster da gesehen
    Am Fenster war er am Vorbeigehen
    Melde das doch der Polizei !
    Und was ist wenn er es nicht sei

    Diesen Gedanken verschwendet der Mensch nicht
    Jeder glaubt der allgemeinen Sicht
    Nun klopfte und hämmerte es an der Tür
    Ich schrie nur: reine Willkür

    Was war geschehen und was war passiert ?
    Ich saß in der Zelle, völlig verwirrt
    Man schrie mich an und redete fein
    Das mögen diese Psychospielchen sein

    Ich bring dich um !
    Ich nehmen es ihm nicht krumm
    Denn ich bin ein ahnungsloser Verbrecher
    Welcher Name bei Demos hallt durch die Lautsprecher

    Verzweifelt , ist kein Zustand mehr
    Meine Hoffnung ist völlig leer
    Die scharfe Kante des Tisches zieht mich an
    Schlimme Gedanken überfallen meinen Wahn

    Du bist frei, mein Sohn !
    Der Schuldige kriegt schon seinen „Lohn“
    Ich gehe raus und stell mich der Menge
    Ich sage nichts, bedrängt in die Enge

    Ich gehe an der Straße entlang
    Die Eltern überfällt nur der Beschützerzwang
    Halten ihre Kinder weg
    Die Freilassung erfüllte nicht seinen Zweck

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2010
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    Im nächtlichen Wald
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    Hallo GlervonGloo,

    Du wolltest eine Formale Kritik, somit sage ich dir schon mal, dass das Gedicht um einiges übersichtlicher ist, als der Volksheld es war. (1. Positive Anmerkung)

    Wir werden alle ins Garn geführt
    Werden vom Teufel in uns verführt
    Was wir denken, wird kontrolliert
    Unsere eigene Meinung wird blockiert
    Die Redewendung "in den Garn führen" kannte ich noch nicht... scheint etwas Regionales zu sein, aber das weiß man ja bei Sprichwörtern nie... man sagt sie halt und das regionale Gegenüber kennt sie halt...
    geführt/verführt ist ein identischer Reim und sollte vermieden werden. (Du wirst sicher zugeben, dass das nicht wirklich nach einem "Reim" klingt.)
    xXxXxXXxX
    XxxXxXxxX
    xxXxxXxX
    XxxXxxXxxXx
    Ich gehe mal davon aus, dass du mit dem Metrum noch nicht so vertraut bist. (Die x-se sind darum nur für mich, bzw. für dich heißt ein X= eine Silbe. Egal, ob groß oder klein.) Also solltest du, wie ich immer sage, im ersten Schritt mal versuchen, die Verse gleich lang zu machen. Zumindest bei den Reimversen. (oder nach einem bestimmten Schema) Du kennst sicher, wenn du einen Text liest und dann in ein verbales Loch fällst oder zu leiern anfängst, weil du den nächsten Vers erwartest? Das ist genau das, wenn einer zu lang oder zu kurz ist. Damit kann man zwar spielen, dann muss man es aber auch bewusst machen.
    Mir ist beim ersten mal lesen aufgefallen, dass man "eigene" im letzten Vers streichen kann. Dann wären die beiden Reimverse schon mal gleich lang. Schöner (=besser zu lesen) wird es, wenn du dann noch die beiden Verse an die anderen beiden anpasst, ohne dass sie aufgefüllt werden. Allerdings würde ich auch das doppelte "wird" streichen. Also V3 eine Silbe dazu, V4 zwei. Dann würde ich noch das "blockieren" durch ein stärkeres Verb zu ersetzen. Reicht ja, wenn es auf "iert" endet.

    Ein Kindlein vom Nachbarshaus ist nun weg
    Man fand ihre Spuren im Wald, im Dreck
    In den Nachrichten wird berichtet, Kind entführt
    Dieser Satz hat die Leute zu einem Gedanken verführt
    xXxxXxxXxx
    xXXxXxxXxX
    xxXxxxxXxXxX
    XxXxxXxxXxxXxxX
    So, du merkst sicher, worauf ich im letzten Vers heraus werden will.
    Ich hätte das spontan eine Idee, das "einzuebnen", ohne deinen Inhalt zu verändern. Zumindest hoffe ich das:

    Ein Kindlein vom Nachbarshaus ist verschwunden (viel Stärker! und die eine Silbe mehr, die ich brauchte.. )
    Man fand ihre Spuren im Wald dort unten. (muss sich ja dann wieder reimen... sonst würde ich "im Wald und Dreck" schreiben, da diese Kommakonstruktion zwar richtig ist, aber doof klingt.)
    In den NAchrichten wird berichtet "Kind entführt"
    Dies hat die Leute zu dem Gedanken verführt:
    Das doppelte "richten" in V3 ist nicht schön. Vielleicht fällt dir was besseres ein. "Kind entführt" würde ich in Anführungszeichen setzen. Sonst sind das getrennte Aussagen.
    V4 habe ich nur gekürzt. Der Doppelpunkt wird nur durch den bestimmten Artikel notwendig.

    Der nette Junge war doch dort
    Ach was ? Fahre fort !
    Ich hab´ ihn durchs Fenster da gesehen
    Am Fenster war er am Vorbeigehen
    Melde das doch der Polizei !
    Und was ist wenn er es nicht sei
    xXxXxXxX
    xXXxX (xx)
    xXxXXxxxx
    xXxXxxxX
    XxXxXxxX
    xXxXxXxX
    Bei V2 lasse ich die sehr starken Satzzeichen als Silben durchgehen, da die Pause ja da ist. Die dann noch fehlende Silbe würde ich dann durch ein "doch" oder "Nur" im zweiten Versteil auffüllen. Die letzen beiden Verse gefallen mir sprachlich nicht ganz, gehen aber. Die zu langen Verse 3 und vier würde ich kürzen, indem ich bei einem das "da" streiche, beim anderen aber "am Fenster", das doppelt wäre. Die letzte Silbe, die über ist, kriege ich aber gerade nicht hin...

    Diesen Gedanken verschwendet der Mensch nicht
    Jeder glaubt der allgemeinen Sicht
    Nun klopfte und hämmerte es an der Tür
    Ich schrie nur: reine Willkür
    XxxXxxXxxXX
    XxXxXxxxX
    xXxxXxxxxxX
    xXxXxXx
    Diesmal bist du dran, das anzupassen. Allerdings würde hier ein Bruch passen, weil plötzlich aus dem allgemeinen/passiven "er" ein aktives "ich" wird.
    Erst sagst du, zwei Strophen vorher, dass der Gedanke gleich kommst und nun sagst du, er kommt niemandem. Das ist ein Widerspruch. Da sollte eher eine Trennung entstehen.
    Wenn es klopft, dann weiß das LI ja nicht, was wer da warum klopft (warum klopfen?) und dass es Willkür ist.

    Was war geschehen und was war passiert ?
    Ich saß in der Zelle, völlig verwirrt
    Man schrie mich an und redete fein
    Das mögen diese Psychospielchen sein
    xXxXxxxxXx
    xXxxXxXxxX
    xXxXxXxxX
    xXxXxXxXxX
    Die erste Strophe ist gleich doppeltgemoppelt.
    Sonst ist die Strophe Ok. Halt in V3 eine Silbe weniger. Aber das kriegst du hin.

    Ich bring dich um !
    Ich nehmen es ihm nicht krumm
    Denn ich bin ein ahnungsloser Verbrecher
    Welcher Name bei Demos hallt durch die Lautsprecher
    xXxX
    xXxXxxX
    xXxxXxXxxXx
    XxXxxXxXxxXxx
    Der Text ist etwas verwirrend.. Gerade die ersten beiden Verse. Der letzte ist dann eine Inversion und der Reim nicht wirklich einer, weil die Betonung nicht passt. Du merkst bestimmt, dass das komisch klingt, wenn du es reimen willst. Als Tipp für den letzten Vers wäre "Mein Name hallt bei Demos durch Lautsprecher."

    Verzweifelt , ist kein Zustand mehr
    Meine Hoffnung ist völlig leer
    Die scharfe Kante des Tisches zieht mich an
    Schlimme Gedanken überfallen meinen Wahn
    xXxXxXxX
    XxXxxXxX
    xXxXxxXxXxX
    XxxXxXxXxXxX
    Das Komma nach verzweifelt erscheint mir falsch. Verzweifelt als Zustand zu beschreiben finde ich auch nicht sonderlich passend.
    Hoffnung kann nicht leer sein.
    An/Wahn ist kein reiner Reim, ist aber Ok.

    Du bist frei, mein Sohn !
    Der Schuldige kriegt schon seinen „Lohn“
    Ich gehe raus und stell mich der Menge
    Ich sage nichts, bedrängt in die Enge
    XxXxX
    xXxxXxXxX
    xXxXxXxxXx
    xXxXxXxxXx
    Das Wort Lohn würde ich nicht in Anführungszeichen setzen. Dass das nicht als Geld gemeint ist, sollte klar sein. Wer das nicht kapiert hat es nicht verdient...

    Ich gehe an der Straße entlang
    Die Eltern überfällt nur der Beschützerzwang
    Halten ihre Kinder weg
    Die Freilassung erfüllte nicht seinen Zweck
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXxXxX
    XxXxXxX
    xXxXxXxXxX
    Sprachlich überzeugt mich das nicht ganz... Da die Freilassung weiblich ist, muss es auch "ihren" heißen.

    Was ich allgemein noch sagen möchte:
    Die Satzzeichen gehören direkt an den letzen Buchstaben und nicht "Mitten in den Raum".
    Ich bin eigentlich der Meinung, dass Satzzeichen Sinn machen und helfen, den Leser zu leiten. Es ist zwar als Stilmittel möglich sie wegzulassen, aber ist nicht unbedingt mein Fall.
    Das war es glaube ich mit den allgemeinen Anmerkungen. Aber keine Angst, das Gedicht ist besser, als es der Kommentar wirkt...

    Meine Meinung zu dem Inhalt ist zwiespältig. Zum einen müssen die Kinder sicher gehalten werden, also sollte man sie bei einem Verdacht schützen, aber zum anderen ist es auch nicht richtig, einen Unschuldigen einzusperren, weil der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die Unschuldsvermutung gilt dann in der Öffentlichkeit nicht mehr für den wirklich Unschuldigen. Diese Aussage hast du relativ gut rübergebracht.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

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