1. #1
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    Dunkelheit im Innern

    Ist es falsch an Mord zu denken,
    eine letzte Blume zu verschenken?
    Ist Kälte ein einzelnes Gefühl,
    oder ist alles in mir kühl?

    Dunkel ist es in meinem Kopf,
    als ob nichts hielte meinen Schopf.
    Es ist als bärste der Gedanke,
    als wäre sie angreifbar meine Flanke.

    Innere Stichelei triebe mich an,
    um nicht zu verzagen in diesem Wahn
    der für all das Ursprung sei'
    und doch nicht dies allein.

    Es ist als zerfetze meine Seele,
    als wäre ich es der sich schäle
    in hunderte gewollte Hüllen
    als müsst ich mich selber füllen.

    Mit dem Glauben an das Reine,
    welches mich ändern kann, kleine,
    Schrittchen welches zu gehen ist
    und mag es auch noch so trist

    muss nun gewandelt werden,
    um zu ändern mich auf Erden.
    Denn ohne Hoffnung man verzweifle...

  2. #2
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    Hallo Timothy7772,

    du hast nach Kommentaren gerufen, hier bin ich.

    Ich fange mal mit dem an, mit dem ich normal aufhöre:
    ich finde es kritisch, wenn man bei eine ernsthaften/traurigen Gedicht den Paarreim nutzt. Warum? Das gibt dem Gedicht schnell eine unfreiwillige Komik. Bei Satire oder dergleichen: Kein Problem, habe ich selbst schon des öfteren getan, aber du sprichst hier von Mord und Abschied. Da will mir der Paarreim nicht gefallen. Vielleicht bietet sich der Kreuzreim da eher an. Aber hier ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Also nur so am Rande fürs nächste Mal.

    Aber nun zu dem, was diesem Gedicht evtl. weiterhelfen könnte.
    Ist es falsch an Mord zu denken,
    eine letzte Blume zu verschenken?
    Am Anfang habe ich ein kleines Verständnisproblem, das aber auch an mir liegen kann. (Hängt von deiner Antwort ab... ) Handelst es sich hierbei um Mord an einer anderen Person oder um Selbstmord, den ich bei "innerer Dunkelheit" erwarten würde und auch "eine letzte Blume zu verschenken" schlägt für mich in die Selbstmordkerbe.
    Ist Kälte ein einzelnes Gefühl,
    oder ist alles in mir kühl?
    Mir ist das "kühl" hier etwas zu schwach. Es geht um eine starke emotionale Kälte, die du ausdrücken möchtest. Kühl sagt das noch nicht mal zur hälfte. Findest du nicht auch?

    Dunkel ist es in meinem Kopf,
    als ob nichts hielte meinen Schopf.
    Es ist als bärste der Gedanke,
    als wäre sie angreifbar meine Flanke.
    Hier sind drei Inversionen in einer Strophe, die alle drei den Reim "verursachen" sollen. Das ist nicht wirklich schön. Das klingt einfach erzwungen. Der erste Vers ließe sich durch "Dunkelheit in meinem Kopf" o.ä. "retten". Beim zweiten Vers gefällt mir das Wort Schopf schon nicht. Das klingt für mich meistens gezwungen poetisch, was die Stimmung zerstört. Ein Vorschlag wäre "Nichts anderes hält meinen Schopf", was dann allerdings die Aussage etwas verdreht.
    Im letzen Vers ginge es einfacher. Einfach ein Komma nach "Angreifbar", auch wenn der Satz dann kein perfekter ist, aber er wäre besser.

    Innere Stichelei triebe mich an,
    um nicht zu verzagen in diesem Wahn
    der für all das Ursprung sei'
    und doch nicht dies allein.
    Dein erster Vers wirkt wie eine indirekte Rede. Das liegt an dem "triebe". Also entweder "trieb" oder alles im Plural, also innere Sticheleien trieben...
    Der zweite dann wieder eine Inversion, bei der mir aber gerade nichts einfallen möchte.
    Dein Apostroph hinter sei verstehe ich nicht... es bildet allerdings nur einen unreinen Reim mit allein.

    Es ist als zerfetze meine Seele,
    als wäre ich es der sich schäle
    in hunderte gewollte Hüllen
    als müsst ich mich selber füllen.
    Hier stört mich explizit eigentlich nur, dass du davon sprichst, dass das LI sich in Hüllen schält. Das ist für mich irgendwie unlogisch. man schält die Hüllen vielleicht ab, aber man schält sich nicht in sie.

    Mit dem Glauben an das Reine,
    welches mich ändern kann, kleine,
    Schrittchen welches zu gehen ist
    und mag es auch noch so trist
    Nach V2 kein Komma. V3 wechselst du dann vom Plural (kleine) ins Singular (ist). Das ist störend und nicht wirklich tut gelöst, zumal der Satz dann mit dem Reimwort nicht wirklich fertig ist, aber abbricht (auch wenn er in der letzten Strophe aufgenommen wird, fehlt immernoch das "sein" o.ä.)

    muss nun gewandelt werden,
    um zu ändern mich auf Erden.
    Denn ohne Hoffnung man verzweifle...
    Der unfertige Satz hat zur Folge, dass man dann hier nicht weiter weiß. Der Strophenanfang bringt den Leser hier vor die Frage: "Häh?"
    Die Inversion im letzten Vers ist dann wirklich unnötig, weil sie noch nicht einmal einen Reim unterstützt. Hier kannst du ganz einfach Klartext sprechen.

    Metrum habe ich kein einheitliches gefunden, weshalb ich nicht darauf eingehen werde.

    Du verwendest das Wörtchen "als" fast schon inflationär, was mir nicht sonderlich gefallen will. Meistens ist es schön, wenn man Wiederholungen vermeidet oder nur sehr bewusst einsetzt.

    Du zeigst in deinem Gedicht mehrer Arten das Problem, die Dunkelheit im Inneren, zu beleuchten. Da warst du zwar relativ kreativ, aber ich könnte mir vorstellen, dass man dabei auch versuchen könnte, Auswege aufzuzeigen oder Entwicklungsschritte darzustellen. Das Gedicht sagt so wie es da steht, wenig auf viel Platz. Das Ziel eines Gedicht ist meist das Gegenteil. Manche bestehen sogar darauf, das Dichten von Dichte kommt.

    Im Großen und Ganzen ist das Gedicht nicht schlecht gemacht. Vor allem, wenn man mal von den Inversionen absieht. Und da ich es als ein zweites Gedicht ansehe, erst recht. Allerdings würde ich an deiner Stelle versuchen die Fehler, die ich aus meiner Sicht aufzeigte, abzustellen.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
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    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
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    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

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