Allein in einem trüben Dämmertraum
auf dem samtenen Grün, rosengeschmückt,
ruhen die Seligen unterm Weihrauchbaum,
vom Vergessen geprägt, vom Irdenen entrückt.

Die Wiesen hier sind weit und leer
und wenn sich Trauerweiden wiegen
im Winde, wird das Herz gar schwer,
obwohl es möcht wie eine Feder fliegen.

Die Jahreszeiten wollen sich nicht wandeln,
der Frühling lässt sich nicht vertreiben
und es hilft kein Flehen und kein Handeln,
er wird nicht von uns scheiden.

Trostlos ist der angeblich so tröstliche Schrein
der fleischgewordenen Völlerei und Frust
und schwer wie von steinernem Gebein,
liegt die Müßigkeit auf unserer Brust.

Doch in des Waldes Schatten bin ich König,
von der Sonn gekrönt mit Strahlenkranz,
vom altem Haupte bis zum Fuße, gänzlich
umweht von des Feuers züngelnd Glanz.

Der Flammen Berührung ist ein herber Brand,
der angesetzt an meinem Mund, entfacht
das vom einzig wahren Herrn gesegnet Land
in einem wildem Tanz rotgoldner Pracht.

Doch bedarf es hingebungsvoller Pflege,
es schwankt gar schon beim kleinsten Winde
es weicht zurück und sucht sich neue Wege
auf dass es einen Ort zum wachsen finde.

Es will über alles einen Mantel breiten,
einen Ascheschleier auf verkohltem Grund
über dem nur Krähenschwärme gleiten
und sie kreischen sich die Kehlen wund.

Doch dies lass ich nicht geschehen,
genieß ich doch mein angewohntes Leben,
so soll die Furcht im Wind verwehen
und noch lange nach Erfüllung streben.

Stattdessen vertreib ich mir die Zeit,
mit zartem Lautenspiel und Harfenklang,
und gib der Abendröte mein Geleit
mit leisem, zurückhaltendem Gesang.

Und wenn am Horizont der Feuerball
im stummen Wasser untergeht
zeigt die See ihre Pracht gar prall,
von gräulichen Wolken umweht.

Dann ist es wieder frei von jedem Makel,
nur unberührte Schönheit ist zu sehen
und dieses himmlische Spektakel
soll nie enden, soll auf ewig bestehen.

Die gräulichen Wolken treiben im Gefilde
und wie von der Hand einer Gottheit
formen sie sich zu allerlei Gebilden
schwebend in der stillen Unendlichkeit

Und am salzigen Ufer, am ebenen Strand,
fliesst das Wasser durch Steine und Tang
und reibt sich an einer schorfigen Felswand,
niedergedrückt von einem nebligen Vorhang.

Und im Sturme plustert es sich auf,
es türmt sich das Wasser zu hohen Wellen
wie so oft in des Meeres Kreislauf,
um dann nur an der Küste zu zerschellen.

Traurig ist es, des Flüssigen Schicksal,
sich zu schlängeln und zu winden,
doch es hatte nie nur eine Wahl,
es muss sich ans Zerbrechen binden.

Am Weltenmeere bin ich Prophet,
behängt mit Seetang und Koralle
und des Wassers wahrer Ästhet,
umschlungen von Wellenkrallen.

Und in den eisigen Lüften, in der ewigen Nacht
versteckt sich der Erste hinter den Schatten,
der sich selbst um die Herrschaft gebracht
und entmachtet wurde vom eigenen Gatten.

Nun hüllt er sich in Finsternis, der greise Narr
und neidisch betrachtet er die irdene Welt,
vielfältig, nicht trist, sich wandelnd, nicht starr
im Gegensatz zur Dunkelheit, zu der er sich gesellt.

Was hat dir deine Stärke, deine Macht damals gebracht?
Es verriet dich dein eigener, zuletzt geborener Sohn,
der noch immer dich verhöhnt, über deinen Stolz lacht
und dich hinunterwarf von deinem kalten Thron.

Doch Vater, zu Unrecht hörst du meinen Spott,
auch ich ward gestürzt und in die Ferne verbannt,
mein lustvolles Leben wurde zum Trott
und meine Träume und Pläne im Feuer verbrannt.

Die Wiesen hier sind weit, mit Blumen gesäumt,
das Meer ist klar und rein, die Maiden hold
es fällt zuerst nicht auf, man denkt man träumt,
doch die Fesseln sind da, nur sind sie aus Gold.

Allein in einem trüben Dämmertraum
auf dem samtenen Grün, rosengeschmückt,
ruhen die Seligen unterm Weihrauchbaum,
vom Vergessen geprägt, vom Irdenen entrückt.

-Tribut an Kronos-