1. #1
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    Aus der Dichterpraxis

    Herr Labermann in seiner Dichterkammer
    bedichtet täglich seinen Weltschmerzjammer,
    wähnt sich zuletzt sogar dem Goethe gleich.
    Man ahnt, er ist in seinem Himmelreich.

    Kein Mäuslein darf ihn dabei etwa stören,
    die Gattin nicht und nicht die lauten Gören.
    Der Dichtereifer hat ihn voll gepackt,
    nun steht er vor uns: ehrlich, aber nackt.

    Da kam ein Kritiker vorbei und sprach:
    Dein Dichten ist zwar etwas schlicht und flach,
    hier reimt sich's leider nur mit Ach und Krach,
    doch sehen es dir Zeussens Götter nach,

    wenn du nur mutig, kräftig Gutes tust,
    denn diese Absicht trägst du auf der Brust.
    Drum schenk ich dir, das ist doch sonnenklar,
    demnächst den geilsten Anschleimkommentar.

    Worauf Herr Labermann mit Feuereifer
    sich schert nicht um Vernunft und Rumgegeifer,
    bedichtet gar sein allerletztes Hemd.
    Dem wahren Dichter ist nun mal nichts fremd.

  2. #2
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    Lieber Knochenkarl .

    Ich weiß nicht recht, was ich zu diesem Gedicht sagen soll: Der Inhalt gefällt mir sehr, sehr gut, die Aussage ist witzig.

    Was mir weniger gut gefällt, ist die Technik: Manche Verse hüpfen erheblich und lesen sich etwas unrund. Das liegt an der unterschiedlichen Silbenanzahl, die bei einem lustigen Gedicht unabdingbar ist.

    Ich würde die Verse "polieren" und wenn du magst, dann helfe ich dir dabei; lass es mich wissen.

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  3. #3
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    Liebe Medusa,

    nanu, was soll denn nicht in Ordnung sein? Es sind fünfhebige Jamben-Verse. Aber wenn du mir helfen willst, ich nehme deine Hilfe gerne an.

    Lieben Gruß
    Knochenkarl

  4. #4
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    Lieber Knochenkarl .

    Nun denn, du wolltest es nicht anders .
    Ich mache dir ein paar Vorschläge, die dich nach meiner Lesart vielleicht anregen, noch ein wenig zu basteln. Denn dein Gedicht ist, bis auf die Kleinigkeiten, gut gelungen.

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

    Herr Labermann in seiner Dichterkammer
    bedichtet täglich seinen Weltschmerzjammer,
    wähnt sich zuletzt sogar dem Goethe gleich. Ich betone hier „wähnt“ und das ist kein Jambus sondern ein Trochäus und es gibt (für mich!) einen Hebungsprall: wähnt/sich.
    Man ahnt, er ist in seinem Himmelreich. Hier würde ich „seinem“ weglassen, damit V3 und V4 die gleiche Länge haben.

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    XXxXxXxX
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    Kein Mäuslein darf ihn dabei etwa stören, Hebungsprall: Kein/Mäuslein
    die Gattin nicht und nicht die lauten Gören.
    Der Dichtereifer hat ihn voll gepackt,
    nun steht er vor uns: ehrlich, aber nackt.

    XXxXxXxXxXx
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    xXxXxXxXxX
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    Da kam ein Kritiker vorbei und sprach: „Kritiker“ ist im Jambus sehr schwer unterzubringen (Xxx). Meine Idee dazu: „Da kam ein Zensor längs und sprach:“
    Dein Dichten ist zwar etwas schlicht und flach,
    hier reimt sich's leider nur mit Ach und Krach,
    doch sehen es dir Zeussens Götter nach, Beim Jambus müsste „es“ betont werden und das ist ziemlich unschön.

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    wenn du nur mutig, kräftig Gutes tust,
    denn diese Absicht trägst du auf der Brust.
    Drum schenk ich dir, das ist doch sonnenklar,
    demnächst den geilsten Anschleimkommentar. Wie wärs mit „allergeilsten“? Damit stimmt die Silbenanzahl in V4.

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    Worauf Herr Labermann mit Feuereifer
    sich schert nicht um Vernunft und Rumgegeifer,
    bedichtet gar sein allerletztes Hemd.
    Dem wahren Dichter ist nun mal nichts fremd. Schlecht formuliert. Vorschlag: „Dem wahren Dichter ist halt gar nichts fremd“.

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  5. #5
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    Wer ist denn Zeuss?
    Und Zeussens klingt entsetzlich!

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