M. Z., auf welchem Wege wandelst Du im Leben? Denke an das, was ich zu mir selber sage: nicht von jedem schmalen Wege gilt es, daß Christus der Weg ist, auch nicht, daß er zum Himmel führt.

Ein frommer Mann hat gesagt, daß es den Menschen ebensoviel oder noch mehr Mühe koste, zur Hölle zu fahren, als in den Himmel zu kommen. Es ist also ein schwerer Weg, der des Verderbens; aber Christus ist nicht dieser Weg, und der führt auch nicht zum Himmel. Es ist auf diesem Wege Unruhe und Angst und Qual genug, insofern ist der Weg wahrlich schwer, der Weg zum Verderben; der Weg, der zum Unterschied von den anderen Wegen, von denen wir gesprochen haben (dem Wege, der im Anfang schmal ist, und breiter und breiter wird, und dem schmalen Wege, der schmäler und schmäler wird), daran kenntlich ist, daß er im Anfang so leicht scheint, aber schrecklicher und schrecklicher wird. Denn es geht so leicht, in den Tanz der Lust einzutreten; aber wenn es dann vorwärts geht, und nun die Lust es ist, die mit dem Menschen gegen seinen Willen tanzt: das ist ein schwerer Tanz! Und es ist so leicht, den Leidenschaften den Zügel schießen zu lassen – kecke Fahrt, der man kaum mit dem Auge folgen kann! – bis dann die Leidenschaften, nachdem sie den Zügel genommen haben, der ihnen gegeben ward, in noch keckerer Fahrt – der Mensch selbst getraut sich kaum zu sehen, wohin sie fahren! ihn mit sich reißen! Und es ist so leicht, einem sündlichen Gedanken zu erlauben, sich in's Herz einzuschleichen – kein Verführer war so geschmeidig, wie ein sündlicher Gedanke es ist! es ist so leicht, es gilt hier nicht, wie sonst, daß es der erste Schritt ist, der etwas kostet, o nein, der kostet gar nichts, gerade umgekehrt, der sündliche Gedanke bezahlt teuer für sich, der erste Schritt kostet gar nichts – bis am Schlusse, wo Du teuer diesen ersten bezahlen mußt, der gar nichts kostete; denn ist der sündliche Gedanke hineingekommen, so macht er sich furchtbar bezahlt. Als Schmeichler kommt die Sünde am öftesten in einen Menschen hinein; aber wenn dann ein Mensch der Sünde Knecht geworden ist: das ist die furchtbarste Knechtschaft – ein schwerer, ein ungeheuer schwerer Weg zum Verderben