Thema: virtuell

  1. #1
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.071

    virtuell

    Man kann an einen fernen Menschen denken und man kann einen nahen Menschen fassen,
    alles andere geht über Menschenkraft.
    (Kafka, Briefe an Milena)
    virtuell

    Das ist so was von irreal,
    ich krieg das schlicht nicht auf die Kette.
    Mit dir, das war echt epochal,
    doch jetzt wird’s ne Verbaldublette.

    Was Ganzheit war, ist nur noch Wort,
    statt tiefer Blicke gibt’s jetzt Briefe.
    Ich trau dem nicht von hier bis dort -
    als ob ich nur in Watte riefe.

    Ich kann das nicht, nur virtuell,
    ich lebe nicht nur in Gedanken,
    was du mir antust, ist echt grell.
    An dir kann ich nur noch erkranken.
    Geändert von Michael Domas (26.09.2012 um 01:51 Uhr) Grund: inspired
    ............................................................................................
    Mehr von mir in "Herzmarinade, Liebesgedichte", Chora Verlag

  2. #2
    Registriert seit
    Jul 2009
    Ort
    solingen
    Beiträge
    267
    Lieber Michael,
    ich hoffe, du bist wieder "gesundet".
    Ich lese hier eine kurze, heiße Affäre, halt einfach "epochal". Und dann das Ende? Nur noch Briefe statt Liebe?!
    Nun sag schon, wie ging es aus? Dein nettes Gedichtchen hat mich neugierig gemacht....
    LG Neropezine

  3. #3
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    373
    Hallo Michael Domas,

    ein eigenwilliges Werk, nicht lyrisch in der Sprache, aber so gut verpackt, dass man darüber hinwegsehen könnte.
    Auch die Form sehe ich hierbei ausnahmsweise als "gedichtsunterstützend" an.
    Für diese Kategorie der "neuen Texte" ist das für mich überdurchschnittlich, wenngleich es wohl nicht ganz meinen Geschmack trifft.

    LG
    M.

  4. #4
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.071
    Lieber Martin.

    danke, dass Du mein Gedicht so freundlich besprochen hast, obwohl es nicht ganz Deinen Geschmack trifft. Was ist „lyrische Sprache“? Ich meine, dass etwas, z.B. ein Gedanke, ein Erlebnis oder ein Gefühl, in eine knappe, durchgearbeitete Form gebracht wird, die mindestens so viel aussagt wie das, was auf den Zeilen steht.

    Hier hat sich das Ich, liebe Neropezine, das ja auch zum Beispiel verzweifelt rumschreien könnte, offensichtlich um Haltung bemüht, ich höre sogar einen gewissen (Galgen-) Humor raus, wie gesagt aus der Form, inhaltlich ist das ja alles nicht so lustig, was da beschrieben wird. Du selbst findest es, obwohl das Ende dieser „epochalen Liebe“ Dein Mitgefühl erregt hat, ein „nettes (!) Gedichtchen“. Ja.

    Inhaltlich geht es um das Materialismus-Problem, also darum, wie Körper und Seele zusammenhängen. Das ist ja eines meiner Leib-und-Magen-Themen und der Grund dafür, dass ich nur in zwei Rubriken schreibe. Zugespitzt wird das Problem, wenn ein Dichter mit Worten Leiblichkeit einzuklagen versucht, das ist wirklich ein Spaß.

    Immerhin, der unwillige Schreiber hier hat sich einen Reim gemacht, damit ist er doch, wenn nicht fein, so doch ein Stückchen aus der Sache raus. Oder?

    Es lebe die Lyrik

    Michael

  5. #5
    Registriert seit
    Feb 2006
    Ort
    Im Herzen des Vogtlandes
    Beiträge
    5.515
    @Michael

    Zitat:“ als ob ich nur in Watte riefe.“
    als ob ich nur durch Watte riefe.

    Zitat: An dir kann ich nur noch erkranken.
    An dir da will ich nicht erkranken. Oder:
    Papiergemaltes lässt mich kranken.
    Hm , das wärs. Tschüss.

  6. #6
    Registriert seit
    Sep 2012
    Beiträge
    2
    Lieber Michael,

    ich finde das sich in deinem Gedicht ein paar Wiedersprüche breit machen, wenn ich es richtig interpretiert habe...
    Du sprichst von einer irrealen Beziehung, die nur noch oberflächlich besteht. Diesen Sprung von dieser Scheinwelt hin zu "Willst du jetzt lieben oder zanken" krieg ich nicht mit, auf einmal ist das Illusorische weg und man ist wieder ganz real beim "Zanken"

    vielleicht kannst du mir helfen das nachzuvollziehen

    ansonsten Gefallen mir die einfach Kreuzreime, wie Martin schon sagt ist es nicht sonderlich lyrisch geschrieben aber doch ausdruckstark...
    Liebe Grüße

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2010
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.071
    Lieber Horst,
    wenn „durch“ statt „in“ Watte gerufen würde, gäbe es ja noch eine Chance auf Gehör, wollen wir mal nicht zu optimistisch sein. Das poetische „Papiergemaltes“ würde die Alltagssprache brechen, die ich hier verwendet habe.
    Danke für Dein Nachdenken

    Liebe(r) inspired,
    Du hast Recht. Ich habe die Zeile „Willst du jetzt lieben oder zanken?“ gelöscht.

    Danke für Deine Aufmerksamkeit

    Michael

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Realität, virtuell
    Von copiesofreality im Forum Gesellschaft
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 21.08.2017, 08:38
  2. virtuell
    Von Perry im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.04.2008, 13:24
  3. virtuell
    Von lubo im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 24.10.2003, 16:02
  4. Sind Profilierungsneurosen virtuell heilbar?
    Von scheurecker anton im Forum Suchanzeige aufgeben ...
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 03.04.2003, 16:06

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden