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Thema: Meine Schuhe

  1. #1
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    Lightbulb Meine Schuhe


    Fand jüngstens in finsterer Dachkammerecke,
    verstaut in verwitterter, hölzerner Truhe,
    geschützt mit Papier unter staubiger Decke,
    zu Paaren gebündelte, uralte Schuhe.

    Entdeckte mit Kopfschütteln all jene Treter,
    die einstmals mir schmerzreich die Füße verbogen.
    Ich litt ohne Tränen und vieles Gezeter,
    war stolz und bewusst jeder Mode gewogen.

    Welch heiteres Kramen, erfreuliches Sinnen,
    ein jedes Paar Schuhe erzählte Geschichten.
    Ich konnte dem Zauber nur schwerlich entrinnen
    und mochte nicht enden, die Schätze zu sichten.

    Erblickte die Klompen zum Wandern an Sielen,
    Geschnürtes und Festes zum Klettern am Berge,
    die gummigen Stiefel zum Waten in Prielen
    und wollig gestrickte Pampuschen für Zwerge,

    Überarbeitung:
    Erblickte die Klompen zum Wandern an Sielen,
    Geschnürtes und Hartes zum Steigen auf Berge,

    die Kleinen und Bunten zum Toben und Spielen,
    von Oma gestrickte Pampuschen für Zwerge,


    Sandalen mit Bändsel und Pumps mit Geflitter,
    die Schuhe zum Tanzen und jene zum Sporten -
    erwischte mich damit nicht schweres Gewitter ...?
    Erinnere deutlich die Angst allerorten.
    Überarbeitung:

    bequeme Sandalen und Pumps zum Stolzieren,
    die blitzblanken, tiefschwarzen Stiefel zum Reiten,
    zertretenes Schuhwerk zum Sport und trainieren -
    gedachte der Vielfalt vergangener Zeiten ...


    Inmitten der Rückschau geriet ich ins Grübeln:
    Mein letztes Paar Schuhe, wer wird es verstauen?
    Ich werde den Kehraus gewiss nicht verübeln
    und lass mir die Laune auch dann nicht versauen.
    Geändert von Medusa (24.08.2012 um 08:50 Uhr)

  2. #2
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    Meine Schuhe

    Liebe Medusa,

    es ist eine schöne Geschichte, die Du im Daktylus sehr flüssig gereimt hast. Besonders gut gefallen mir die ersten drei Strophen, die das Thema sehr schön aufbauen. Die Reime Berg(e)/Zwerge und Sporten/allerorten passen auch gut ins Thema gefallen mir aber weniger. Klompen sind Holzschuhe, was sicher den meisten bekannt ist, da war ich erst ein wenig begriffsstutzig.
    Insgesamt ein sehr schönes Gedicht.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hallo Medusa,

    das Thema finde ich mit dieser Erinnerungsgeschichte sehr gut umgesetzt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie man
    beim Betrachten alter Schuhe ins Grübeln kommt, vor allem die 2. Strophe spiegelt voll und ganz meine eigenen
    Erfahrungen wider. Die Reime, bis auf Sporten/allerorten, sind gut gewählt und das Gedicht liest sich sehr flüssig.

    LG Xenia

  4. #4
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    Hallo Medusa,
    Schuhe und Füße- was für ein Thema! Was kann man daraus alles erkennen, ganze Lebensgeschichten, denn die geliebten Treter begleiten uns unser ganzes Leben. Ja, wer räumt nachher alles weg, - all die ganzen Lebenserinnerungen, wo bleiben sie, wohin gehen alle Erfahrungen? Ich habe Deinen Gedanken einfach ein bisschen weiter gesponnen und der Faden ist endlos. da reihen sich tausend neue Fragen an.
    Ich hoffe allerdings nicht, dass Du wirklich alle Deine Schuhe, die Du jemals getragen hast, auch gesammelt hast......?????
    Nein natürlich nicht, ich weiß es.
    Wieder eine andere Betrachtungeweise zum Thema! Danke und liebe Grüße,
    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  5. #5
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    Lieber Hans .
    Die Reime Berg(e)/Zwerge und Sporten/allerorten passen auch gut ins Thema gefallen mir aber weniger.
    Mir gefallen sie auch nicht wirklich; ich habe lange darüber nachgedacht und fand keine besseren.

    Ja, die Klompen, meine waren feuerrot! Diese Treter ganz aus Holz, ich glaube Pappelholz, sind erstaunlich leicht, bequem und drücken nicht.

    Ich freue mich sehr über dein schönes Lob, Dankeschön.

    Herzliche Grüße,
    Medusa.


    Liebe Xenia .
    Die Reime, bis auf Sporten/allerorten, sind gut gewählt
    Ich glaube nicht, dass mir noch andere Reime einfallen und bin froh, das Thema halbwegs mit Leben erfüllt zu haben. Mein Fehler war, alle Kadenzen unbedingt weiblich enden zu lassen. Da kommt schon mal solch Kauderwelsch vor .

    Schön, dass dir das Gedicht gefällt und Dankeschön für dein Lob.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.


    Liebe Klatschmohn .

    Nee, ich sammele Bilder .

    Das Thema war für mich äußerst schwierig und ich habe ewig überlegt, bis mir diese Geschichte ins Hirn kam. Natürlich besitze ich Schuhe und achte darauf, dass sie schick und bequem sind und obendrein zur Kleidung passen – das gibts tatsächlich! Aber darüber ein Gedicht zu schreiben – nee nich?
    Immerhin bringe ich euch zum Nachdenken und das ist schließlich auch was.

    Danke für dein schönes Lob!
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  6. #6
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    Hallo Medusa,

    ich finde interessant, dass die anderen genau die Reime stören, die mich auch stören.
    Dachkammerecke gefällt mir allerdings auch nicht wirklich. Allgemein ist die erste Strophe sehr ellipsisch, falls es das Wort gibt... Wenn nicht ein Neologismus...

    Beim "Zwerge/Berge" reim würde ich irgendeine Konstruktion suchen, die auf "passen den Zwergen" oder ähnlich endet. z.B. "gestrickte Pampuschen, sie passen nun/nur Zwergen"

    Statt "Sporten", das für mich sehr umgangssprachlich klingt und zudem eingedeutscht ist (), würde ich etwas mit "Horten" schreiben. Das müsste reinpassen, da das LI ja genau das mit den Schuhen macht. Es hortet sie, für schlechte Zeiten... Also für einen Deutschen die Zukunft.

    Sind Bändsel das, was der Schwabe "Bändel" oder "Bändle" nennt?

    Inhaltlich hätte es mir eher ins Nachdenkliche gepasst, da der Schluss ja eigentlich der Gedanke ist, was wohl mit dem letzten Paar sein wird.

    Allgemein klingt die Sprache, wie bei der ersten Strophe schon angedeutet, etwas gezwungen, was wohl am Daktylus liegt. Viele Ellipsen...

    Die Gedanken hinter dem Gedicht gefallen mir aber.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  7. #7
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    Liebe Nachteule .
    ich finde interessant, dass die anderen genau die Reime stören, die mich auch stören.
    Die stören mich doch auch! Ich habe gebastelt und gebastelt und gebastelt ......., das Thema war nicht meins. Die „Dachkammerecke“ halte ich für gerade noch erträglich, ist ja schließlich ein Daktylus, da hinein passt sie schon und das Bild ist auch nicht schlecht.
    Beim "Zwerge/Berge" reim würde ich irgendeine Konstruktion suchen, die auf "passen den Zwergen" oder ähnlich endet. z.B. "gestrickte Pampuschen, sie passen nun/nur Zwergen"
    Darüber werde ich nachdenken, die Idee gefällt mir!
    würde ich etwas mit "Horten" schreiben. Das müsste reinpassen, da das LI ja genau das mit den Schuhen macht.
    Auch diese Idee ist super! He, du bist richtig gut !
    Sind Bändsel das, was der Schwabe "Bändel" oder "Bändle" nennt
    Ich glaub schon. Das sind die Schnüre um die Fesseln bzw. die Waden hinauf bis zum Knie – "Jesuslatschen" halt! Bändsel ist nicht Berliner Mundart!
    Inhaltlich hätte es mir eher ins Nachdenkliche gepasst, da der Schluss ja eigentlich der Gedanke ist, was wohl mit dem letzten Paar sein wird.
    Ja, das sehe ich genau so und habe gezögert, es hier einzustellen. Aber weil es bis auf die letzten paar Verse eher heiter daher kommt, bin ich hier gelandet. Mal sehen, was ich noch ändere, dann können wir übers Verschieben nachdenken.
    Allgemein klingt die Sprache, wie bei der ersten Strophe schon angedeutet, etwas gezwungen, was wohl am Daktylus liegt. Viele Ellipsen...
    Ganz sicher gibt es Dichter, die den Charme des Daktylus erkennen und wunderbare Verse schmieden –
    ich übe noch .
    Die Gedanken hinter dem Gedicht gefallen mir aber.
    Das freut mich; deine Ideen gefallen mir gut und sie sind durchaus machbar. Sobald ich mich wieder mit dem Thema beschäftigen möchte, wird geändert, versprochen.

    Herzliche Grüße und carpe diem (ist ja noch nicht Nacht)
    Medusa.
    Geändert von Medusa (20.08.2012 um 18:19 Uhr)

  8. #8
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    "Welch heiteres Kramen, erfreuliches Sinnen"

    das passt einerseits auf dein Gedicht (inklusive Reimsuche)
    und ist andererseits die einzige Elllipse, die ich darin gefunden habe.

    lg wilma27

  9. #9
    Derolli Guest
    Liebe Medusa,

    gerade die erste Strophe, würde ich als wirklich elegant lesen, nicht als gezwungen. Das ist ein starker Satz, so schön verschnürrt ineinander , eben so wie Schuhe - das passt gut. Das Highlight ist aber gewiss der Schluß, ein Gedicht über Schuhe, das sogar mich zum Nachdenken anregt (ich habe zu meinen Schuhen, keine innige Beziehung und ich muss gestehen, welche ich gerade anziehe, hängt meist vom Zufall ab, nicht von Modebewusstsein). Die Schuhe symbolisieren Bewegung, ein Kennzeichen von Leben, doch was wenn die Schuhe für immer stillstehen?! Wer wird sie und damit auch die Erinnerung an unser Leben, wegräumen? Werden sie weitergegeben und nochmal jemanden in Bewegung halten (sei es auch nur durch den Altkleiderkontainer)? Oder werden sie einfach weggeworfen und verschwinden für immer? Ein starker Schluss - ein echtes Highlight.

    Liebe Grüße

    Derolli

  10. #10
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    Guten Morgen Wilma .

    Eigentlich wollte ich eine laaange Pause einlegen, bevor ich mich erneut diesem Gedicht widme. Aber dein Kommentar ließ mich aufmerken und so habe ich gleich nach Ellipsen geforscht; du hast Recht, es ist nur die eine.
    Ich mag Ellipsen eigentlich recht gern, wenn es nicht zu viele sind, versteht sich.
    Was die Reimsuche betrifft, so empfinde ich S4 und S5 als etwas gequält, die anderen Verse lesen sich doch rund, bzw. hüpfen nicht und die Reime passen zu den Bildern - aber das ist Ansichtssache .
    Nun werde ich mich zeitnah zu einer Überarbeitung der beiden Strophen aufraffen.

    Herzlichen Dank für deinen Kommentar und viele liebe Grüße,
    Medusa.


    Guten Morgen Olli .

    Mir gefällt die erste Strophe auch: Sie gibt ein gutes Bild und stimmt auf das Folgende ein. Ich freue mich sehr, dass du es ebenso siehst. Auch die letzte Strophe halte ich für gelungen und danke dir für dein schönes Lob dazu.

    Dazwischen gibts einige Kritikpunkte, die ich, so es mir gelingt, beheben werde; gute Vorschläge dafür habe ich genug bekommen.

    Als ich nach langen Überlegungen für diesen Inhalt den Roten Faden aufnahm, war mir klar, dass der Schluss unerwartet sein sollte. Ein wenig übers Endliche nachzudenken, schadet gewiss nicht.

    Ich danke dir nochmals für dein schönes Lob und dein Nachdenken!
    Herzliche Grüße in den Tag hinein,
    Medusa.

  11. #11
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    Meine Schuhe

    Liebe Medusa,

    die Überarbeitung der vierten Strophe ist eine gute Verbesserung. Sprachlich finde ich das Gedicht gut gelungen. Umgangssprachliche Worte machen das Gedicht natürlich. Ein perfekte schöne Sprache kann ein Gedicht auch erzwungen erscheinen lassen (Wer spricht schon perfekt?).

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  12. #12
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    Lieber Hans .

    Danke fürs erneute Vorbeischauen und deine Meinung zu meiner Überarbeitung. Ich freue mich sehr, dass dir meine Bastelei zusagt und über deine lobenden Worte.

    Herzliche Abendgrüße,
    Medusa.

  13. #13
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    Liebe Medusa,

    die Überarbeitung hat sich meiner Meinung nach gelohnt. Die neuen Reime fügen sich harmonisch ein, nichts ist
    erzwungen - ein schöner Lesefluss, wie ich finde!

    Liebe Grüße
    Xenia

  14. #14
    Derolli Guest
    Liebe Medusa,

    auch mir gefällt die Überarbeitung. Strophe fünf hat so mehr Biss, klingt mehr nach einer natürlichen Wortwahl und verliehrt so den Reimzwang, der durch "orten" kam.

  15. #15
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    Liebe Xenia ,
    lieber Olli .

    Vielen lieben Dank fürs erneute Reinschauen, ich bin jetzt auch zufrieden; die Verse wirken nicht mehr so sehr gedrechselt.

    Die Überarbeitung ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch Zusammenarbeit ein besseres Werk entstehen kann. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Autor seinen Blödsinn nicht mit Feuer und Schwert verteidigt und guten Rat annimmt .

    Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

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