Es graut der Tag im Hohen Hause,
und viele Menschen arbeitsam
bevölkern des Gesetzes Klause,
was andres wäre wohl infam.

Punkt Neun ertönt das Bimbambim,
und alles rennet, rettet, flüchtet,
lässt jedes liegen, was intim,
und wird nicht mehr gesichtet.

Vom Schützenfest der letzte Rest
sitzt gottergeben in den Bänken,
mit Schlips und Kragen, bibelfest.
Herr Lammert darf die Sitzung lenken.

Die Sozis decken Schmackes auf.
Die FDpisten wiegeln ab.
Und Mitte rechts haut kräftig drauf.
Links geißelt man den Stamokap.

Das Haus erbebt in seinen Mauern.
Die Redner wettern, dass es kracht.
Das kann noch stundenlang so dauern.
Und plötzlich ist es Mitternacht.

Da kann man auf granitnen Stufen
den Geist des Hauses wandeln sehen,
und vor dem Reichstag unberufen
die Limousinen wartend stehen.

Dort oben aber brennt noch Licht.
Man beugt sich über die Papiere.
Der Diener bringt das Nachtgericht,
steht räuspernd in der Office-Türe.

Es drängt die Zeit, es dräut der Tag.
Der letzte Nerv liegt unterm Tische.
Wofür man sich auch opfern mag,
die Leute halten's bloß für Wische.

So geht es jeden Tag aufs neu.
Doch Volkes Wohl lohnt alles Streben,
es hat hier niemand Zeit wie Heu,
man schuftet bis zum Grab ergeben.

Schlaf ruhig, Volk, und sei gewiss,
es liegt dein Glück in guten Händen,
erspar uns Krach und Ärgernis,
zum Guten wird sich alles wenden.

Man sollte unsre Besten loben.
Wenn nicht wir Volk in unsrer Tücke,
dann tut's der Herrgott einst dort oben.
Geschieht es doch zu Volkes Glücke.