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    Niemandes wunderliche Geschichte



    Niemandes wunderliche Geschichte


    Prolog


    Es war eine überaus finstere und stürmische Nacht, vor so manchen Jahren, in welcher ein ganzer Haushalt vor unbeschreiblicher Trauer und Angst toste und tobte. Ein Kind war aus seinem Bette entschwunden und nun brachten alle Bewohner dieses Hauses all ihre Kräfte auf, um nach ebendiesem Kinde zu fahnden. Alle Zofen, alle Mägde, alle Diener und auch Mutter und Vater selbst fanden sich am Rande einer schier endlos tiefen Schlucht wieder, als der Name des Kindes abermals und abermals in die finstere Nacht hinaus gerufen wurde, man aber in keinster Weise eine Antwort erhielt. Lediglich der tobende Wind und der tosende Fall des Regens durchbrachen die Stille der Nacht, als diese mit peitschenden Hieben und donnerndem Gedröhne an alle Seiten des Hauses sprangen. Mutter und Vater mochten indessen rufen und flehen, so oft und so laut sie es nur vermochten, doch ihr geliebtes Kind würde ihre vertrauten Stimmen nie und nimmer mehr vernehmen. Denn, ihr Kind befand sich nun in den Händen eines anderen Mannes. Eines Mannes, welcher in tiefster Nacht in ihr mollig warmes Haus gekommen und an das Bettchen ihres Kindes getreten war, um ebenjenen Kindes habhaft zu werden. Er nahm es an sich und entfloh mit ihm in die weite Schwärze der nächtlichen Düsternis. Auf dem Rücken seines Pferdes ritt nun ebenjener Mann durch die Weite der Nacht und mit dem geraubten Kinde unter seinem Arm, sehnte er sich nach seinem eigenen Hause.

    Die Jahre schwanden dahin und mit ihnen auch des Kindes Freude. Denn, alsbald das geraubte Kind in jenen verhängnisvollen, neuen Haushalt kam, ward auch schon sein Schicksal besiegelt. Denn, ebenjener Haushalt war gar voller fürchterlich gräulicher Menschen, welche ihr neues Kind ganz und gar nicht mit Liebe handhabten. Von früh morgens bis spät abends wurde das Kind durch das ganze Haus gescheucht, gejagt und getreten und zu den niedersten Arbeiten getrieben, welche so überaus mühselig widrig waren, dass kein anderer sich derer annehmen wollte und auch tief Nachts fand das arme Kind keinerlei Frieden, denn, dies war jene Zeit, in welcher es, wenn Mann oder Frau nicht zugegen waren, zum wehrlosen Objekte schamloser Begierde wurde. Doch, auch wenn das Kind leiblich stets gemisshandelt wurde, so geschah es mit dessen Geiste nicht minder. Stets wurde dem armen Kinde eingebläut, es sei nicht mehr wert, als ein räudiges Tier und es solle auf der Stelle aufhören zu weinen, da man es ansonsten in den dunklen Keller werfen würde. Dem Kinde wurde weisgemacht, es sei ein Nichts, gar ein blankes Häufchen Elends, welches es nicht verdienen würde einen eigenen Namen zu tragen und wessen man sich nur noch nicht entledigt hatte, da man sonst kein lasterloses Leben mehr führen könne. Die Jahre schwanden dahin und mit ihnen auch des Kindes Kindheit. Geplagt von steter Angst und stetem Schmerz wand es sich Nacht für Nacht auf seinem kahlen Bette und weinte sich selbst in gräulichste Träume. Fürwahr, die Jahre schwanden dahin und aus dem kleinen Kinde wurde ein betrübter Jüngling, welcher sich mehr und mehr und immer mehr nach dem Tode sehnte. So wie das Kind zum Jüngling herangewachsen war, so wuchsen auch Angst und Trauer tief in seinem Herzen heran und wurden zu bodenlosem Hass und unbändiger Wut, welche stets von Innen an ihren jugendhaften Käfig stießen, um aus ebendiesem herauszubrechen und die Welt unter sich zu begraben.

    Es war eine überaus finstere und stürmische Nacht, wie jene vor so manchen Jahren, in welcher ein ganzer Haushalt vor frohlockender Wut und Völlerei toste und tobte. Ein namenloser Jüngling war seinen knechtenden Pflichten nicht nachgekommen und so fanden die Herren des Hauses ihre Freude daran, ebenjenem Knaben die Leviten zu lesen und ihm seine Seele aus seinem Leibe zu keilen. Mit Wut in ihren Herzen und einem roten Schleier vor ihren Augen scheuchten, jagten und traten sie den Knaben durch das ganze Haus, bis dieser schlussendlich in seinem eigenen Blute zu erliegen kam. Vor dem Hause tobte der Wind und toste der Regen und in ebenjenem Hause tobten und tosten wüste Worte und ballende Fäuste. Der Jüngling hingegen lag zu Boden in seinem eigenen Blute und als dieser sich seinem eigenen, langersehnten Ende näherte, erblickte er vor seinem inneren Auge sein bisher verlebtes Sein, wie es vor ihm tanzte und ihm spottete. Fürwahr, es war eine überaus finstere und stürmische Nacht, doch verglichen mit jenem Sturme im Inneren des Jünglinges war ebenjenes Unwetter eine leichte Brise an einem kühlen Morgen. Denn, all sein Leid, welches ihm wiederfuhr und all der Schmerz, welchen er verspürte und all die Freude, welche ihm genommen wurde tanzten nun ebenjenem Knaben vor den Augen und spotteten diesem im Angesicht seines kümmerlichen Todes und weder Sturm, noch Nacht, noch Spott und Hohn vermochten zu ahnen, was nun geschehen würde.

    Wie durch Zauberhand öffneten sich die Tore des Käfiges und all der Hass und all die Wut quollen aus dem Leibe des Knabes hervor und hüllten diesen in schwärzeste Finsternis. Von bodenlosem Hass getrieben und von unbändiger Wut bemächtigt, wandte sich der Jüngling von seinem Tode ab und erhob sich, einem Phönixe, welcher aus seiner eigenen Asche aufstieg, gleich, aus seinem eigenen Blute und ließ einen gellenden Schrei durch die leidige Nacht fahren, welcher die Fenster zu bersten und das Gemäuer zu erschüttern drohte. Die hässlich wütende Finsternis in seinem Herzen umhüllte den Knaben mit samt seinem Leibe und seiner Seele und umnachtete seinen Geist, welcher sich selbst vergaß und lediglich seinen tiefsten Wunsch am Leben erhielt und zu diesem Zwecke ging die Dunkelheit einen Bann mit ihrem Herren ein und vermachte ihm alle Macht, welche er benötigte, um sich seiner Peiniger auf alle Zeiten zu entledigen und ebenjene Peiniger erstarrten nun vor Angst und Schrecken, als ihr totgeglaubter Diener, in tiefste Schwärze gehüllt, sich aus seinem eigenen Blute erhob und sich vor ihren Augen in ein gräuliches Ungetüm verwandelte, welches einem Drachen glich und noch ehe sie ihre letzten Gebete gen Himmel schicken konnten, fiel ebenjenes Ungetüm über sie alle herein und mit tosendem Gebrüll und scharfen Pranken zerfleischte es ihre von Gräuel zerfressenen Leibe und weidete ebenjene unter tosendem Geschrei und tobendem Gelächter aus. Wie von dem Teufel selbst besessen wütete und tobte der Knabe durch das ganze Haus und entledigte sich seiner Schänder, indem er ihr Innerstes nach außen kehrte und das Gemäuer seines Kerkers mit ihrem Blute tränkte.

    Sturm und Knabe und Finsternis wüteten und tobten in ihrer heiligen Dreifaltigkeit, sodass die Zeit wie im Fluge zu vergehen schien und dass die Nacht alsbald dem Tage wich und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne auf die blutgetränkten Ruinen des gräulichen Kerkerhauses fielen, in dessen Mitte nun der Jüngling, wieder seiner eigentlichen Gestalt bemächtigt, in einem See aus Blut und Düsternis, seelenruhig schlief. Es war ein leuchtender Tag, dessen strahlende Pracht den Jüngling aus seinem lieblichen Traume weckte und ihn zum ersten Male, seit ach so vielen Jahren, wieder das wolkenlose Himmelszelt erblicken ließ, welches sich in diesen frühen Morgenstunden in einem Meisterwerke aus anmutigen Farben ergoss und ebenjener Jüngling, welcher noch wenige Stunden zuvor in fürchterlichster Knechtschaft lebte, erhob sich nun, einem Phönixe gleich, aus seiner purpurnen Asche und badete im molligen Lichte der langersehnten Freiheit. Doch, so wundervoll sich dies alles anfühlte, so wenig wusste der Knabe weshalb. Denn, das Teuflische, welches einst seinen Leib und Geist verschlungen hatte und umnachtete, mag nun entschwunden sein, doch Finsternis und Hass und Wut waren tief in seinem Herzen geblieben und auch sein Geist blieb nicht verschont. Denn, er vergaß all sein Leid, er vergaß sein Leben und er vergaß auch seinen eigenen Namen, welchen er von Knechtschaft auf stets in Gedanken hielt, da dieser doch alles war, das er besaß. Seine Erinnerungen waren fort und geblieben war lediglich hassgenährte Finsternis und ebenjenes Kind, welches einst im goldenen Kindbette gelegen hatte, wurde nun zu einer Hasstirade sondergleichen, welche ohne sich selbst zu kennen, einem Niemanden glich und nun in die weite Welt zog, um ebenjenes selbst zu finden.



    I


    Es war ein leuchtender Tag, die Sonne stand hoch oben im wolkenlosen Himmel und ließ ihre strahlende Wärme gen Erde fallen, um mit ihnen die Welt unter sich zum Leben zu erwecken und ebenjene Strahlen fielen auf eine kleine Stadt hernieder und erhellten deren große Häuser und hüllten diese in einen leuchtenden Schleier aus molliger Wärme und lichterloher Freude und in ebenjener Szenerie begab es sich, dass ein noch recht junger Niemand, welcher noch beinahe ein Kind zu sein schien, abseits jedweden Zieles, umherirrte. Doch, auch wenn dieser weder wusste wo er sich befand, noch wohin er gehen sollte, so war er sich einer Sache gewiss bewusst und zwar, dass, ungeachtet dessen wo er sich befand, er alles und jeden um sich herum bedingungslos verachtete und verabscheute und so geschah es mit dieser kleinen Stadt nicht minder. Niemand wusste nicht recht, woher dieser Hass und diese Abscheu kamen, doch war er sich bewusst, dass diese Beiden schon seit langer, langer Zeit tief in seinem Herzen thronten und auf ewig dort verbleiben werden. Niemand ging an den farbenprächtigen Häusern vorüber und blickte durch ihre Fenster und hinein in eine heile Welt, wie sie sich ihm seit Anbeginn seiner Zeit stets verwehrte. Denn, hinter ebendiesen Fenstern erblickte er fröhliche Menschen, welche völlig frei von Angst und Trauer und behütet durch Geborgenheit in ihrer Gemeinsamkeit schwelgten und versanken. Mit Tränen in seinen Augen und wutentbranntem Hass in seinem Herzen schritt Niemand voran, vorbei an so manchen glücklichen Menschen, deren Untergang er sich sehnlichst herbeiwünschte.

    Niemand wanderte und wanderte verloren umher, doch hielt er schließlich Inne, als er an ein großes Anwesen kam, dessen schwarze Pracht sich schon von Weitem von der farbenträchtigen Buntheit der Stadt abzuheben schien. Die schwarzen Gärten verdorrten unter dem strahlenden Lichte der Sonne und das steinerne Gemäuer des Hauses war behangen mit farblosem Efeu, welcher sich die sterbenden Gärten zum Vorbilde nahm. Alles lag in stiller Pracht, doch Niemandem, von dieser Schönheit ganz und gar angetan, war es, alsob dieser eine gar liebliche Stimme vernahm, welche ihn aus dem tiefsten Inneren des Anwesens zu rufen schien. »Mein liebster, liebster Freund, so komme doch zu mir und betrete mein ach so finsteres Reich, schließe dich meiner an und werde ein lieblicher Teil ebenjenen Reiches, in welchem dich die unermesslichen Mächte der abertiefsten Abgründe erwarten und mit Freude empfangen werden.« Ebenjene wunderverheißende Stimme reizte Niemanden und schien ihn gar zu verführen, sodass er sich ihr schließlich ganz und gar ergab und dieser über die steinerne Schwelle hinweg und bis in das Innere des Anwesens folgte.

    Wie aus heiterem Himmel heraus wurde Niemand, als dieser ebenjenes Anwesen betrat, in finsterste Dunkelheit gehüllt und unfähig, etwas in dieser Schwärze zu erkennen, verspürte er einen gräulich kalten Zug, welcher an ihm vorbeiströmte und die Türe, durch welche er getreten war, zuschlug und einen lauten Knall ertönen ließ, welcher alle Fenster, welche keinen einzigen Funken Licht eindringen ließen, dazu veranlasste, einen überaus klirrenden Ton von sich zu geben. Doch, alsbald die Türe geschlossen war, entzündeten sich tausende und abertausende Kerzen im Raume und hüllten ebenjenen Raum in ein loderndes Licht, in dessen Schein Niemand nun eines anderen Wesens gewahr wurde.

    Eine düstere Gestalt mit leuchtenden Augen näherte sich ihm und je weiter sich diese ihm näherte, desto größer und ehrfürchtiger wurde jener Schatten, welchen ebenjene Kreatur im Scheine dieser vielen, vielen Kerzen warf und als jener Schatten den gesamten Raum einzunehmen schien, nahm die Kreatur zu Niemandes Füßen Platz und wie durch Zauberhand begannen sich die formlosen Ränder der Kreatur zu glätten, sodass, wie aus heiterem Himmel heraus, Niemand sich in Gegenwart eines katzenartigen Wesens wiederfand, um dessen Hals sich ein ledernes Band schlang, an welchem ein silberner Anhänger funkelte. Niemand, von dessen Schimmer ganz und gar entzückt, beugte sich sacht zu dem wunderlichen Geschöpf hernieder, um ebenjenen Anhänger in Augenschein zu nehmen, doch fuhr alsbald die schwarze Kreatur ihre ach so scharfen Krallen aus und verletzte mit ihnen Niemanden, welcher sich ihr sogleich entzog und auf seine fürchterlich blutende Hand blickte, welche in gar entstellter Art und Weise seinem Blute freien Laufe ließ, welches von ebenjener Hand herunter und auf den kahlen Boden lief. Doch war dies noch lange nicht das Ende allen Übels, denn, nicht nur, dass Niemandes Wunde fürchterlich schmerzte, um sie herum begann sich auch noch die einstmals bleiche Haut wie tiefstes Pech zu färben, schwärzer noch, als ebenjene Kreatur, welche ihm jenes Leid zufügte. Der Schmerz wurde immer und immer größer, sodass Niemand schließlich dazu gezwungen war, sich jenem Schmerze zu ergeben und in eine tiefe Ohnmacht zu fallen.

    Als Niemand nach einer schieren Ewigkeit wieder erwachte, fand er sich, zu Boden liegend, in einer Lache seines eigenen Blutes wieder und zu dessen Rechten befand sich das schwarze Wesen, welches sich an seinem vergossenen Blute labte. Jenseits aller guten Sinne und wider der Natur streckte Niemand ebenjenem Geschöpf, welches ihn zuvor verwundete, seine schwarze Hand entgegen, woraufhin das Wesen von seinem Blute abließ und sich dessen Hand zuwandte, deren Wunde wie durch Zauberei verheilte und je weiter sie heilte, desto mehr und mehr verblich die Schwärze, welche sie einst befiel. Die blutbegierige Kreatur, welche zuvor seinen Tod zu wollen schien, wurde indessen nun ganz und gar zahm und als Niemand seine Hand durch ihr zartes Fell gleiten ließ, schmiegte sich ebenjene Kreatur an ihn, gab lauter verzückte Laute von sich und ermöglichte es ihm, die Inschrift ihres Anhängers zu lesen. Charon. Niemand sprach diesen Namen aus und alsbald dessen Stimme verhallt war, kehrte jener gräulich kalte Zug, welcher zuvor die Türe schloss, in den Raum zurück und ließ die Flammen der Kerzen vor Kälte vergehen und als der Kreatur Name ein weiteres Male gesprochen wurde, entflammten sich die Kerzen erneut, doch dieses Male hatte Charon auf der ersten Stufe einer überaus langen und gewundenen Treppe, welche zuvor gewiss noch nicht dort gewesen war, Platz genommen und gab Niemandem zu verstehen, dass er ihm folgen solle. Ebenjener Niemand, welcher noch kurze Zeit zuvor dem Tode nahe war, erhob sich nun aus seinem eigenen Blute, welches unablässig von seinem Leibe tropfte und schritt auf jenes Wesen zu, welches ihn kurze Zeit zuvor dem Tode nahe brachte, doch nun sein Wohlwollen im Sinne haben musste, denn, kaum, dass Niemand den Anfang der steinernen Treppe erreichte, erhob sich Charon und begann den steinernen Berg zu erklimmen und Niemand, welcher wieder recht bei Sinnen zu sein schien, folgte jener Kreatur.

    Die steinerne Treppe schien gar endlos in den Himmel zu steigen, doch nach einer schieren Ewigkeit kamen Niemand und Charon an deren Ende und fanden sich alsbald vor dem Antlitze einer großen Türe wieder, vor derer sich Charon ein letztes Mal an Niemanden wandte und ihm zu verstehen gab, dass er von nun an alleine weiterschreiten müsse, woraufhin er sich selbst in schwarzen Rauch auflöste. Niemand schritt indessen voran und trat durch die große Türe, hinter derer sich ihm ein schier endlos weisser Raum offenbarte, welcher seine Grenzen jenseits dieser Welt zu haben schien. Niemandes Blick wanderte durch die Leere des Raumes, bis er schließlich an einem einzigen Punkte stehen blieb, an welchem schwarzer Rauch aus dem Nichts zu kommen schien, welcher wiederum eine Wolke formte und immer größer und größer wurde, bis er sich schließlich in das Antlitz einer wunderschönen Frau, mit langem, schwarzem Haar und wallendem Kleide, verwandelte, welche sich, alsbald diese zum Leben erwachte, ihm zuwandte. »Es erfreut mich überaus, dass du dem Klange meiner Stimme gefolgt bist, mein liebster, liebster Freund.« sprach die wundersame Frau, welche sich selbst als Herzogin bezeichnete, zu Niemanden und fuhr auch sogleich damit fort, ihm zu erzählen, wie sehr sie sich auf dessen Ankunft gefreut habe, da sie hier doch recht selten Besuch bekommen würde. Des Weiteren offenbarte sie ihm, dass ihr jene farbenfrohe Stadt, welche sich rings um ihr Anwesen aus dem Boden erhob und über welche sie regieren müsse, ein gar fürchterlicher Dorn im Auge sei und dies ebenjener Anlass gewesen sei, weshalb sie Niemanden in ihr eigenes Reich und zu sich geholt hatte, da dieser doch nicht minder für ebenjene Stadt empfand. Denn, schon von Weitem konnte sie dessen bodenlosen Hass und unbändige Wut tief in seinem Herzen spüren und wüten und toben hören, wie diese beiden nach Freiheit und Vernichtung trachten. So fuhr die Herzogin unentwegt fort, Niemandem immer und immer mehr und mehr Schmeicheleien zu machen und ihn selbst nicht auch nur im Geringsten zu Wort kommen zu lassen und schon nach wenigen Augenblicken hatte diese ihn in ihren Banne gezogen und ihm stets versichert, wie viel ihr doch an ihm liegen würde, da er und sie doch von dem gleichen Schlage seien. Doch, auch wenn es Niemandem überaus gefiel, mit all jenen schönen Worten überhäuft zu werden, so konnte er es sich dennoch nicht verwehren, auch einige Worte an die Herzogin zu richten, doch unterbrach ebenjene ihn, als er sein erstes Wort von sich geben wollte, indem sie ihm verkündete, dass sie zu seinen Ehren ein Fest stattfinden lassen möchte und sie nun alles nötige in die Wege leiten müsse und noch bevor Niemand auch nur den kleinsten Einwand einbringen konnte, löste sich die Herzogin in ebenjenen schwarzen Rauch auf, aus welchem sie zuvor entwuchs und ließ Niemanden überstürzt und alleine im weissen Raume zurück. Dieser verließ unterdessen ebenjenen weissen Raum, um nach der wunderlichen Herzogin oder ihrer schwarzen Kreatur zu suchen, doch das was er fand, war in keinster Weise, das was er sich erhofft hatte zu finden.

    Eine schiere Ewigkeit schien vergangen zu sein, als sich Niemand schließlich vor dem Antlitze der letzten noch verbliebenen Türe wiederfand, hinter dessen Flügel er noch nicht geblickt hatte. Denn, hinter ach so viele, viele andere Türen hatte er geblickt und ach so viele, viele Dinge hatte er erblickt, doch hatte keines dieser Dinge auch nur in geringster Art und Weise einem Feste geglichen, welches zu seinen Ehren stattgefunden hätte. Niemand trat nun durch ebenjene noch verbliebene Türe hindurch und fand sich sogleich in einem recht wundersamen Raume wieder, dessen ganzes Gemäuer aus vielen, vielen einzelnen Spiegeln zu bestehen schien, in denen sich jeweils ein Bildnis Niemandes spiegelte und ihm mit gräulichst verformten Zügen und auf widerlichste Art und Weise entgegen grinste und alsbald Niemand das erste gespiegelte Bildnis erblickte, schloss sich nicht nur auf sonderbare Weise jene Türe, durch welche er getreten war, es begannen auch die zahlreichen Abbilder seiner selbst, auf teuflischste Art zu lachen und ihr dröhnendes Gelächter durch den ganzen Raume schallen zu lassen, sodass sich Niemand nicht nur unter größten Schmerzen wand, sondern auch das Gemäuer zu beben begann. Das Gelächter der vielen, vielen Niemande dröhnte und hallte im Kopfe des eigentlichen Niemandes umher und quälte und marterte diesen auf gräuliche Art und Weise, sodass dieser sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr dazu im Stande sah, recht bei Sinnen zu bleiben. Denn, vor lauter Schmerz und Wahn begann nun ebenjener Niemand es seinen Ebenbildern gleich zu machen und sich ebenfalls dem Gelächter zu ergeben. Doch, noch bevor Niemand sich ganz und gar von seinem Verstande abwenden würde, öffneten sich die Flügel jener Türe, welche sich zuvor geschlossen hatten, und alsbald dies geschah, entschwanden die Bilder den Spiegeln, sodass des echten Niemandes Gelächter das einzige dieser Art war, welches die Herzogin vernahm, als diese durch ebenjene Türe in diesen Raume trat.

    Niemandes Besinnung kehrte wieder in ihm einher, sodass dessen manisches Gelächter sein Ende fand und er sich schließlich ihrer Anwesenheit gewahr wurde. Sogleich wandte er sich an sie, doch diese würdigte ihn keines Wortes, sondern gab lediglich eine kleine Bewegung ihrer Hand von sich, woraufhin zahlreiche, schwarze Ketten aus ebenjenen Spiegeln, aus denen noch zuvor höhnisches Gelächter dröhnte, drangen und Niemandes Leib in Ketten legten, sodass sich dieser, einer Marionette gleich, an eisernen Fäden hängend und einem Engerling gleich, in einer ebenso eisernen Puppe wiederfand, an welche nun die Herzogin herantrat, um Niemandem ihr wahres Begehren zu offenbaren. »Ach, mein liebster, liebster Narr. Du kannst es in keinster Weise erahnen, welch Freude es mir bereitet, dich hier in diesen Ketten hängen zu sehen und welch Freude es mir bereiten wird, dich deines Lebens zu berauben.« und alsbald die Herzogin diese Worte sprach, verstärkten die Ketten ihren eisernen Halt um Niemandes Leibe und ließen ihn ungeahnte Qualen erleiden. Die Herzogin, welche sich sichtlich an Niemandes Leid erfreute, gestand diesem auch, dass diese sich in der Tat auf dessen Ankunft gefreut hatte, jedoch nicht um in dessen Gesellschaft zu schwelgen, sondern um ihm ebenjene finstere Macht, welche in ihm inne wohnt, zu entreißen. Fürwahr, die Herzogin offenbarte Niemandem ihre wahren Absichten. Denn, diese liebte es nicht nur über ihre Stadt zu herrschen, sie hatte auch in keinster Art und Weise nur das geringste Interesse an Niemandem selbst, doch dafür aber umso mehr an dessen innewohnende Macht, welche sie schon von Weitem spüren konnte und ebenjenes Verlangen nach ebendieser Macht war es auch, welches sie dazu veranlasste, ihn zu sich in dieses Anwesen zu leiten, um ihn hier, an Ort und Stelle, ebendieser Macht zu berauben und ebenjene Macht, nach welcher es die Herzogin gierte, ist die alleszerstörende, alleserschaffende, unendlich göttliche Macht der Finsternis, welche schon seit vielen, vielen Jahren, gar von Kindesbeinen an, in Niemandem inne wohnt und im Laufe dessen Lebens immer größer und stärker wurde, doch erst erwachte, als dieser dem Tode in sein Antlitz blickte. Fürwahr, die Herzogin offenbarte Niemandem ihre wahren Absichten und ebenjener Niemand, welcher nur wenige Stunden und Ewigkeiten zuvor aus seiner Knechtschaft entflohen war, sah sich nun einem neuen Schicksale gegenüber, welches nicht knechtend, doch auch nicht minder tödlich war und ebenjenes tödliche Antlitz, in welches Niemand nun blickte, erweckte nun ein weiteres Male dessen finsteren Drachen und ließ diesem freien Lauf.

    Niemandes Leib wurde in tiefste Schwärze gehüllt und noch ehe die Herzogin es sich versehen konnte, ließ ebenjener schwarzer Niemand einen gellenden Schrei durch den gespiegelten Raume fahren, welcher dessen Gemäuer und Ketten zum Zerbersten brachte und ihn selbst somit aus ihren Fängen befreite und kaum, dass ebendessen Finsternis ihre Freiheit erhielt, entfaltete sich deren ganze Pracht und mit gefletschten Hauern und scharfen Klauen fiel Niemand über die Herzogin herein, willig, ihr ein jähes Ende zu bereiten. Doch diese gedachte in keinster Weise, an diesem Tage ihr Ende zu finden und so machte sie es Niemandem gleich, sodass dieser mit dessen Pranken keine Frau erhaschte, sondern einen Engel verfehlte, welcher nun mit gezogenem Schwerte ebenjenem ungetümen Drachen gegenüberstand. Niemand und die Herzogin standen sich als Drache und Engel im Kampfe gegenüber und malträtierten einander mit steten Hieben und Schnitten, Klingen und Klauen, wobei seine Widersacherin scheinbar den Kampf zu bestimmen schien, da diese ihre finstere Kraft bei Weitem geschickter handhabte als Niemand, welcher aus blinder Wut und Unerfahrenheit heraus, lediglich mit dessen Pranken um sich schlug und mehr Schaden dem Anwesen zufügte, als der Herzogin. Doch auch wenn Niemand sich anfangs nicht dazu im Stande sah seine Macht recht zu nutzen, so verlangten es ebenjene Augenblicke, in welchen er sich nun befangen sah, von ihm ab, dieser mächtig zu werden, sodass dieser immer geschickter und geschickter wurde und schlussendlich seine Gegnerin, welche sichtliche Schwierigkeiten hatte, einen wunden Punkt an dessen Leibe zu finden, ihres Schwertes beraubte und diese mit dessen Pranken schwerermaßen traf, sodass diese nicht mehr dazu im Stande war, gegen ihn zu bestehen.

    Die Herzogin lag nun in den blutigen Trümmern ihres einstigen Anwesens und sah ihrem Ende in Form von Niemandem, welcher sich ihr, in einer halb Mensch, halb finsteren Gestalt und mit ihrem eigenen Schwerte in dessen Händen, näherte, entgegen und noch ehe diese ihre letzten Worte von sich geben konnte, stand Niemand mit ihrem Schwerte über ihr und durchbohrte ihren Leib mit ebenjener Klinge und kaum, dass die Herzogin wahrlich schmerzverzerrte Laute von sich gab, löste sich ihre finstere Macht von ihrem sich windenden Leibe, wanderte über des Schwertes blutige Klinge und ließ sich von Niemandem nur allzu gerne einverleiben. Fürwahr, die Finsternis strömte aus ihrem Leibe und wanderte in jenen von Niemandem und mit ihr auch deren Macht und Glorie. Denn, alsbald Niemand das Schwert in der Herzogin Leibe stieß, begannen deren engelsgleiche Flügel zu zerfallen und je mehr und mehr diese zerfielen, desto weiter und größer sprossen ebenjene Flügel aus Niemandes Leibe und verschmolzen sich mit dessen finsterer Gestalt, sodass diese nicht mehr einem Drachen glich, doch wohl eher einem Engel mit Flügeln aus pechschwarzen Federn. Doch, auch wenn Niemandes Drache nun einem Engel glich, so hatte sich dessen finstere Macht wahrlich gesteigert. Die Herzogin zerfiel unterdessen und fand ihren staubigen Tode.

    Niemand kam voller Hoffnung und Zuversicht in dieses einstige Anwesen, doch belog und betrog die Herzogin ihn und vernichtete alle noch verbliebene Freude und Güte und mit ihnen jedwede Reue und Menschlichkeit in dessen Herzen und so musste sie die Folgen ebenjener Hinrichtungen tragen und bei eigenem Leibe erfahren. Fürwahr, Niemand hatte über die Herzogin gesiegt und sie ihrer selbst beraubt, doch war ihm dies noch lange nicht genug. Denn, Niemand und dessen neue Klinge hatten sich am Blute anderer geweidet, doch verzehrten sich dessen Wut und Hass nach mehr und immer mehr, sodass deren Gier Niemanden schließlich in das rege Treiben einer bunten Stadt trieben, um mit deren Blute ihr Verlangen zu stillen.

    Es war leuchtender Tag, als unzählige schwarze Wolken über den blauen Himmel einher brachen und die Sonne samt ihrer leuchtenden Pracht unter sich begruben, sodass die einstig farbenträchtige Stadt in einem grauen Meer aus Düsternis versank und in jener Stadt begab es sich nun, dass sich in deren Mitte ein schwarzer Engel aus den Schatten erhob und mit dessen Klinge über ebenjene Stadt und ihre Bewohner einher fiel. Niemand fiel über diese Stadt herein und zog durch ihre zahlreichen Straßen und noch zahlreicheren Bewohnern aus verdammten Kreaturen, welche er schlachtete, alsbald dessen Blick auf sie fiel. Sie alle sollten bluten, sie alle sollten leiden, sie alle sollten sterben und zu ebenjenen Zwecken durchstreifte Niemand die graue Stadt und schlachtete alles und jeden unter tosendem Gelächter und tobenden Schreien und alsbald die Straßen menschenleer und mit Blute getränkt waren, widmete sich dieser den Menschen, welche sich in ihren Häusern verkrochen und bescherte diesen ein nicht minder gräuliches Ende. Fürwahr, Niemand fiel über die Stadt einher und schlachtete und marterte alle ihre Bewohner, welche einst in steter Liebe und Freude schwelgten. Nicht nur, um sein Verlangen nach Blute zu stillen, sondern vielmehr um sich all derer, welche all dies hatten, zu entledigen. Fürwahr, Niemand fiel über die Stadt einher, um sich deren Bewohnern, deren Freuden und deren Spott und Hohn zu entledigen und alsbald die einstmals farbenprächtig fröhliche Stadt ihres Lebens beraubt und in Blut getränkt war, öffneten die schwarzen Wolken ihren Schleier und ließen ihren Tränen freien Lauf. Mit Blut an dessen Leibe und Blut an dessen Klinge wanderte Niemand indessen durch ebendiese leeren Straßen, deren Frohsinn, deren Hoffnung und deren Seelen er raubte und weidete sich an der Schönheit dessen, das er vollbracht hatte und nun, da all die höhnische Freude schmerzender Stille wich, war für Niemanden die Zeit gekommen, sich einem neuen Werke zu widmen.



    II


    Die Zeit verging und vieles hat sich verändert. Das Anwesen, welches einst der Herzogin gehörte, doch dann in Trümmern lag, wurde von Niemandem eingenommen und bis weit über dessen alte Pracht hinweg wieder aufgebaut und zu einem wahrlich prächtigen Schlosse verfeinert und ebenjenes Schloss erhob sich nun, in dessen steinerner Pracht, aus der leblosen Stadt und zeugte von der erschaffenden Macht der Finsternis. Denn ebenjenes Schloss aus schwarzem Stein, mit weiten Fronten aus buntem Glas in hohen, spitzen Fenstern und Rosen, hochgewölbten Räumen, Hallen und Sälen und wahrlich hohen Türmen, welche bis hoch in den wolkenreichen Himmel ragten, stand als Prachtstück inmitten der einst so farbenreichen Stadt, welche nun grau in grau und völlig menschenleer einer Geisterstätte glich. Lediglich das ach so viele, viele Blut im Innenleben der Häuser, welches der Regen nicht erfassen konnte, zeugte noch von den schlachtenden Taten des finsteren Engels und ebenjener Engel stand nun inmitten seines prächtigen Schlosses vor einer weissen Türe, welche hinter einer steinernen Wand verborgen und erst vor kurzem von ihm entdeckt worden war. Doch, auch wenn Niemand den Zweck dieser Türe nicht recht kannte, so fasste er dennoch den Entschluss, ebenjenen Zwecke selbst in Erfahrung zu bringen und kaum, dass er diesen Entschluss gefasst hatte, schritt Niemand durch ebenjene unbekannte Türe und wurde alsbald in ein gleissendes Licht gehüllt.

    Das gleissende Licht verschwand und mit ihm Niemandes Blindheit und alsbald diese Beiden verschwunden waren, fand sich dieser unter einem großen Baume, welcher in einem wahrlich wunderschönen Garten blühte, wieder. Niemand durchwanderte ebendiesen Garten und als er an vielerlei wunderbaren Dingen, welche gar zu schön waren, um sie jemals in Worte fassen zu können, vorüberkam, fand er sich schließlich in Gegenwart zweier Menschen wieder, welche in ihrer Natürlichkeit seelenruhig in Einklang schwelgten und welche er auch sogleich nach diesem wunderbaren Garten fragte. »Dies hier ist ein paradiesischer Garten voller Schönheit und Freude, in welchem keinem einzigen Wesen je ein Leid wiederfahren wird.« sprach einer der beiden Menschen, welcher sich selbst Adam nannte und als Niemand diesen fragte, woher dieser Ort wohl kommen mag, so antwortete der andere Mensch, welcher Lilith genannt wurde, dass Gott diesen Ort erschaffen habe. Niemand, welcher von diesem Gedanken sichtlich angetan war, fügte auch sogleich hinzu, dass, wenn dieser Garten wirklich von jemandem erschaffen worden wäre, dieser Gott gar überaus mächtig sein müsse, woraufhin Adam erwiderte, dass Gott wahrlich allmächtig sei und als Niemand schließlich in Erfahrung bringen wollte, wo er denn diesen Gott finden könne, so erklärten ihm die beiden Menschen, dass Gott in allem stecke und ebenjenes Alles ein Ganzes und somit Teil Gottes wäre. Doch war Niemand in keinster Weise mit dieser Antwort zufrieden und so stellte er diesen Gott in Frage, indem er Adam und Lilith frug, ob ebendieser Gott denn wirklich existieren würde, obwohl diese ihn nie und nimmer zu Gesichte bekommen haben. Doch Adam erklärte ihm, dass sie Gott nicht wahrhaftig sehen müssen, um an ihn zu glauben, da sie dessen Anwesenheit doch stets verspüren und er zuweilen auch mit ihnen spricht. Niemand wollte Gott soeben weiteren Zweifel entgegenbringen, als ebendieser, wie aus heiterem Himmel heraus, seine Stimme ertönen und verlauten ließ, dass er Lilith zu sprechen wünsche, welche sich auch sogleich von Niemandem und Adam abwandte und ihres Weges zog und alsbald dies alles geschah, frug Niemand wohin sie denn gehen würde, wenn Gott doch überall wäre und Adam erklärte ihm, dass, auch wenn man überall zu Gott sprechen könne, es dennoch Worte gibt, welche nicht für alle Ohren gesprochen werden sollten. Niemandem gefiel dieser Gedanke in keinster Weise, verachtete er doch die Unwissenheit und kaum, dass seine Ohren sich nach ebenjenen verbotenen Worten verzehrten, entschwand dieser Adams Gesellschaft und folgte Lilith auf ihrem Wege.

    Diese war unterdessen an ihrem abgelegenen Ziele angelangt und sprach in Gegenwart so mancher Bäume und Blumen zu ihrem Herren und frug ihn auch sogleich, weshalb dieser mit ihr sprechen möchte. »Mein geliebtes Kind, gar viel Zeit ist nun vergangen, seit ich euch Abbilder meiner Selbst geschaffen und mit einer Seele gesegnet habe, doch nun ist es an der Zeit, dich aus meiner Obhut und in jene (d)eines Mannes zu geben, sodass sich dieser fortan deiner annimmt.« Lilith, sich der Bedeutung dieser Worte nicht recht im klaren, erfreute sich dennoch an dem Gedanken, dem Willen ihres Herren Folge zu leisten und kaum, dass Gottes Worte ertönten, verließ diese den Ort des Geschehens, traf zuvor aber noch auf Niemanden, welcher sich im Verborgenen hielt und Gottes Worten lauschte. Dieser richtete auch sogleich das Wort an Lilith und verkündete dieser, welche Macht Gott zu besitzen sich anzumaßen glaube, da er doch mit dem Leben eines Menschen seine Späße treibe. Lilith war hingegen sichtlich zerstreut, da diese doch in Gottes Worten keinerlei Schaden ihrerseits vermutete und deren Sinne nach dachte, dass Adam fortan für sie sorgen solle, doch Niemand offenbarte Lilith die wahre Bedeutung dieser Worte, welche lautete, dass diese weithingehend das Eigentum Adams werden solle. Liliths Gedanken kreisten in ihrem Kopfe, sodass diese vor lauter Zerstreuung keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte, geschweige denn es recht zu wissen vermochte, wessen Worten sie nun Glauben schenken solle, aber dennoch zu Adam zurückkehrte.

    Dieser wollte auch sogleich in Erfahrung bringen, weshalb Gott sie zu sich gerufen hatte, doch vermochte es diese nicht, in den Worten Gottes einen rechten Sinn zu finden und so wiederholte sie diese Adam gegenüber wortwörtlich, welcher auch sogleich ebenjenen Sinne erkannt zu haben glaubte. »Meine Liebe, es hat wohl den Anschein, als wolle Gott, dass ich fortan über dich entscheide.« Lilith war von dieser Bedeutung in keinster Weise angetan und erkannte nun, dass Niemand recht zu haben schien und kaum, dass ihr ebenjene Einsicht kam, verkündete sie Adam, dass sie in keinster Weise je wieder einem Manne hörig sein und von nun an für sich selbst entscheiden werde. Jedoch war dieser keinesweges mit diesem Umstande in Einklang zu bringen, da er doch seinem Gott ganz und gar ergeben war und stets dessen Willen Folge leistete und so befahl er seiner Lilith, augenblicklich von ihrem schändlichen Plane abzulassen und sich ihm zu ergeben. Doch diese gedachte in keinster Weise ihr Leben der Knechtschaft zu opfern und so entbrannte zwischen Adam und Lilith ein gräulicher Streit, welcher zu Gunsten Liliths endete, diese aber dazu veranlasste dem Garten ihres Joches zu entschwinden und selbigen bis an das Ende Adams Tage zu verlassen.

    Niemand fand sich unterdessen auf einer stillen Weide wieder und lag dort in den Himmel blickend im Grase, als plötzlich eine mächtige Stimme von ebenjenem Himmel zu ihm herab sprach. »Wie kannst du es wagen, dich an meinen Menschen zu vergehen und sie mir widersprechen zu lassen! Ich bin Gott, der eine, einzig Wahre und niemand wagt es, mir zu widersprechen!« »Wenn ich mich an dieser Stelle nun vorstellen dürfte. Ich bin jener Niemand und widerspreche Euch so oft es mir auch nur in geringster Art und Weise möglich ist.« Niemandem war es gleich, ob Gott ihn kenne oder nicht, da dieser es doch von Anfang an nur darauf abgesehen hatte, ebendessen Allmacht zu prüfen und in Frage zu stellen und so verkündete Niemand, dass Gott ihn, sofern dieser wirklich allmächtig wäre, mit Leichtigkeit davon hätte abhalten können. Niemandes Worte erzürnten Gottes Gemüt dermaßen, sodass dieser ihm, alsbald dessen Worte verklangen, befahl, diesen Garten augenblicklich zu verlassen und nie mehr wieder in ihn zurück zu kehren. Jedoch wollte Niemand in keinster Weise Gottes Willen Folge leisten und so zwang ebendieser Gott ihn dazu, indem dieser mit Hilfe seiner göttlichen Macht einen gar überaus stürmischen Wind beschwor, welcher durch die Weide fegte und Niemanden mit sich riss, welcher daraufhin durch den gesamten Garten getragen und durch ebenjene Türe, durch welche er gekommen war, geworfen wurde und ebenjene Türe war es, welche Gott, alsbald sie geschlossen wurde, mit einem Zauber belegte, sodass kein Wesen mit Finsternis in dessen Herzen sie je wieder zu öffnen vermag.



    III


    Es war eine überaus düstere Nacht. Der Mond stand hoch oben im wolkenreichen Himmel und vermochte es nur an wenigen Stellen sein Licht durch ebenjene Wolkendecke zu senden und jene Wolken selbst waren angefüllt mit Trauer, Schmerz und Dunkelheit, welche in stetem Fall aus ebenjenen Wolken brachen und als schwarzer Regen zu Boden fielen und in ebenjener Szenerie, welche die graue Stadt mit samt ihrem Schlosse in einen finsteren Schleier hüllte, begab es sich, dass ein recht junges Frauenzimmer namens Katharinen von ihrem Wege abgekommen war und sich in ebenjene leidige Stadt verirrte und ebenjenes Frauenzimmer kam nun an jenen Häusern vorüber, in deren Innenleben sich fürchterliche Schandtaten ereigneten. Katharinen erblickte leblose Leiber, welche völlig frei von Leben und Hoffnung in einem Meer aus geronnenem Purpur trieben. Sie alle wurden ihres Frohsinnes wegen geschlachtet und ihres Glückes beraubt und ebenderen Blut tränkte nun das Gemäuer aller Häuser und hüllte sie in einen roten Schleier, welcher im rechten Lichte, alle Fenster aller Häuser zu großen, fürchterlichen Augen formte und ebenjene Augen waren es, welche Katharinen nun folgten, als diese voller Furcht und Angst ebendiesem Schrecken zu entrinnen suchte, bis diese schließlich an ein Schloss kam, dessen Fenster die einzigen seiner Art waren, welche ihr nicht nach ihrem Leben zu trachten schienen und ebenjenes Schloss war es, in welchem Katharinen nun Zuflucht suchte und kaum, dass diese jenes Schloss betrat, offenbarte sich ihr ein Anblick schier unvorstellbaren Ausmaßes. Katharinen fand sich in einem großen Raume wieder, welcher von einer schier unendlichen Anzahl an Kerzen erleuchtet und in ein seltsames Licht gehüllt wurde und in ebenjenem Raume begab es sich, dass dessen Gemäuer aus gar vielen, vielen Türen zu bestehen schien und ebenjene Türen weckten Katharinens Neugierde, sodass diese dem inneren Drange nicht widerstehen konnte und hinter das Antlitz so mancher Türe blickte. Eine schiere Ewigkeit schien vergangen zu sein, als Katharinen sich vor dem Antlitze einer wahrlich großen Türe wiederfand, welche sich im tiefsten Ende des Schlosses befand und deren Flügel in einem leuchtend strahlenden Grün gebadet und mit vielerlei Blumen und Blüten geziert war und ebenjene Türe war es auch, durch welche Katharinen nun schritt und alsbald diese hinter das Antlitze jener Türe blickte, offenbarte sich dieser eine vollkommen neue Welt.

    Katharinen fand sich unter einem großen Baume, welcher in einem wunderschönen Garten blühte wieder und ebenjener Garten war es auch, dessen Schönheit sie nun bewunderte, denn, ebendieser Garten erstrahlte in grünlichster Freude, war geziert mit allerlei Blumen und Blüten in allen nur erdenklichen Farben und erblühte unter einem strahlend blauen Himmelszelt und in ebenjenem Garten, in welchem zahlreiche Sommervögel durch die Lüfte flogen, begab es sich, dass Katharinen während eines kleinen Freudenganges auf einen natürlichen Menschen traf und ebenjener Mensch war es, welcher Katharinen in ebendiesem Garten willkommen hieß und dieser, bevor er ihrer Gesellschaft entschwand, anbot, solange in diesem Garten zu verweilen, wie diese es möchte. Doch auch wenn Katharinen die Gesellschaft dieses einen Menschen, welcher sich ihr als Adam zu erkennen gab, liebend gerne noch länger genossen hätte, so war diese doch allzu sehr von der Schönheit des Gartens angetan und so durchstreifte sie diesen, bis sie eine schiere Ewigkeit später an dessen Ende kam, welches einem abrupten Wechsel von grünem Grase zu schwarzem Sande gleich kam, denn ebenjener wundervolle Garten, in welchem Katharinen landete, war umgeben von einer wahrlich trostlos schwarzen Wüste, in welcher sich kein einziges Wesen lange halten mochte. So trostlos und verderblich ebendiese Wüste schien, war sie dennoch nicht verschont von jeglichem Leben, denn, alsbald sich Katharinen ebenjener Wüste abwandte, ertönte eine leidige Stimme, welche diese ersuchte, noch nicht zu gehen und als sich Katharinen jener Stimme stellte, fand diese sich in Gegenwart eines armen Frauenzimmers, welches am Rande des Gartens in dem schwarzen Wüstensande stand, wieder und ebenjenes Frauenzimmer war es auch, welches Katharinen nun frug, weshalb diese in dieser fürchterlichen Wüste und nicht in diesem grünen Garten lebe. Diese offenbarte Katharinen, dass sie durchaus einst in besagtem Garten lebte, sich diesem jedoch zeitig abwandte, nun aber an dessen Rand zurückkehrte, um den Bewohnern dieses Gartens ein kleines Geschenk zu überreichen und ebenjenes Geschenk, welches eine farbenreiche Frucht zu sein schien, war es nun, welches an Katharinen, mit der Bitte es Adam zu überreichen, von dem Frauenzimmer übergeben wurde und kaum, dass diese jene Frucht entgegennahm, verschwand besagtes Frauenzimmer wieder in den Weiten der Wüste.

    Adam saß im Grün des Gartens, als sich Katharinen zu ihm gesellte und auch sogleich jene Frucht überreichte, welche ihr von dem Frauenzimmer am Rande des Gartens anvertraut wurde und kaum, dass sich dieser daran labte, ertönte Gottes mächtige Stimme, welche ihm auch sogleich zu verstehen gab, welch Frevel es wäre, dass es sich dieser anmaße, von ebenjener Frucht zu nehmen, da es ihm doch gestattet war, von jeder anderen Frucht in diesem Garten nach eigenem Ermessen zu nehmen, jedoch nicht von dieser einen und kaum, dass Gott diese Worte sprach und noch bevor Adam welche an diesen richten konnte, verbannte Gott diesen mithilfe seiner göttlichen Mächte aus seinem paradiesischen Garten auf nimmer Wiederkehr und zu einem leidigen Leben voller Arbeit und Mühsal. Katharinen versuchte hingegen auch sogleich Gott dies alles zu erläutern, doch wollte dieser in keinster Weise ihren Worten Beachtung schenken, sondern vielmehr verlauten lassen, welch schreckliche Person diese wäre und wie sie es wagen könne, seine Geschöpfe auf solch hinterlistige Art und Weise in ihr Verderben zu schicken und noch ehe Katharinen weitere Worte an Gott richten konnte, forderte dieser sie auf, diesen heiligen Garten auf ewig zu verlassen und sich nie und nimmer mehr hier sichten zu lassen, da Gott sich sonst gezwungen sehen würde, ihrem Leben ein jähes Ende zu bereiten und kaum, dass Gott diese gräulichen Worte von sich gab, brach Katharinen in Tränen aus und stürmte, um ihr Leben fürchtend, durch jene Türe, durch welche sie einst diesen Garten betrat und auch, als diese längst in Niemandes Schloss angelangt war, konnte Katharinen in keinster Weise ihre ängstlichen Schritte zügeln, sodass diese nach einer schieren Ewigkeit voller Furcht und Erschöpfung auf Niemanden traf, welchem sie auch sogleich ihre Geschichte erzählte und noch ehe dieser ein Wort an sie richten konnte, gab Katharinen ihrer Erschöpfung nach und sank noch an Ort und Stelle in einen tiefen, wunderlichen Schlaf. Niemand, welcher seinen Ohren kaum trauen konnte, brachte diese auch sogleich zu Bette und kaum, dass dieser sich ihrer Ruhe sicher war, brach Niemand auch sogleich zu seiner letzten Reise in den paradiesischen Garten auf, an deren Beginn er durch die eigens von Gott verzauberte Türe trat, welche zuvor von Katharinen während ihrer Flucht vor dessen Zorn mit offenen Flügeln zurückgelassen hatte.

    Unterdessen fügte sich Adam seinem gräulichen Schicksale und fand sich in einer trostlos schwarzen Wüste wieder, welche, soweit das Auge reichen konnte, kein einziges anderes, lebendes Wesen zu beherbergen schien. Doch, so trostlos und verloren diese Welt auch scheinen mochte, so offenbarte sich Adam, als sich dieser nahe dem Abgrunde der Trostlosigkeit sah, ein schier undenkbarer Anblick, als sich dieser in Gegenwart Liliths wiederfand, welche wie aus dem Nichts zu kommen schien. »Ach, mein liebster Adam, welch Freude es mir doch bereitet, dich hier in dieser schwarzen Einöde zu erblicken und somit zu wissen, dass mein arglistiges Unterfangen Früchte trug.« und kaum, dass Lilith diese Worte von sich gab, griff diese nach einem naheliegenden Stein und erschlug mit ebendiesem Steine Adam, welcher es nicht auch nur im Geringsten fassen konnte, welch schändliche Taten Lilith vollbrachte. Fürwahr, Lilith vollbrachte schändliche Taten. Sie entfloh Gottes heiligen Garten, stahl zuvor jedoch noch eine verbotene Frucht von ihrem Baume und als diese dann auf Katharinen traf, brachte sie diese dazu, ebenjene verhängnisvolle Frucht Adam zu überreichen, um diesen somit aus dem Garten und in ihre Arme zu jagen. Fürwahr, Lilith führte Adam in seinen steinernen Tode, jedoch konnte sich diese nicht allzu lange daran erfreuen, da diese, alsbald sie auch nur einen einzigen Schritt in den paradiesischen Garten setzte, von Gott und dessen Zorn, welche nur auf ihre Wiederkehr gewartet haben, heimgesucht und ihrem endgültigen Verderben zugeführt wurde.

    Kaum, dass Gott dessen Zorn über Lilith einhergehen ließ, sah sich dieser bereits einem weiteren Ärgernis gegenüber. Denn, schon im nächsten Augenblicke trat Niemand inmitten des paradiesischen Gartens aus einer vermeintlich verschlossenen Türe, welche sich in dem Stamme eines großen Baumes befand, heraus und forderte nach dem Tode Gottes und verkündete, wie überaus gerne er diesen mit seinen eigenen Händen herbeiführen würde und kaum, dass Niemand diese Worte von sich gab, sprach Gott auch sogleich mit erhobener Stimme vom Himmel herab und gab Niemanden zu verstehen, dass dieser mit jenen letzten Worten sein Schicksal besiegelt hat. Niemand verspottete Gott lediglich nur und ließ diesen wissen, dass keine Stimme ihm je Leid zufügen könne und dass Gott, wenn dieser ihn vernichten möchte, sich ihm in dessen eigentlicher Gestalt entgegenstellen müsse und kaum, dass diese Worte ertönten, öffnete sich der blaue Himmel und offenbarte ein gleissendes Licht, welches heller als die Sonne erstrahlte und aus ebenjenem Lichte trat nun eine überaus unbeschreibliche Gestalt mit allen nur erdenklichen Eigenheiten und allen nur erdenklichen Farben heraus, sodass sich Niemand nun endlich Gott gegenübersah und kaum, dass beide sich einander in die Augen blickten, entfachte sich auch sogleich ein bitterer Kampf, aus welchem lediglich ein einziger Sieger hervorgehen kann.

    Fürwahr, es entbrannte ein bitterer Kampf. Niemand, welcher dessen eigene Finsternis nun meisterlich handhaben konnte, beschwor ebenjene Kraft und erschuf binnen eines einzigen Augenblickes sein geliebtes Schwert und stürmte mit diesem auch sogleich Gott entgegen, welcher dessen eigenen Kräften nicht minder fähig war und so sah sich Niemand nun allen nur erdenklichen Klingen gegenüber. Der Kampf war lang und beschwerlich. Federn flogen durch die Lüfte und viele, viele Klingen wurden gekreuzt und so manche göttliche zum Bersten gebracht, sodass sich Gott lediglich nur noch mit einer einzigen Klinge bewaffnet Niemandem gegenübersah und als letzten Ausweg nur noch den Himmel sah und kaum, dass Gott diesen Gedanken gedacht hatte, entfaltete dieser seine unzähligen Flügel und Schwingen und erhob sich gen Himmel. Niemand machte es ihm gleich, sodass sich schlussendlich Engel und Gott im Himmel gegenübersahen. Fürwahr, es war ein bitterer Kampf. Klingen wurden mit übermächtigen Kräften geschwungen, prallten unaufhörlich aufeinander und jeder einzelne Stoß entfachte einen Sturm flammender Funken, welcher über den Garten einher brach und ebendiesen unter sich begrub, sodass Gottes heiliger Garten in einem Meer tosender Flammen unterging und ebenjener Gott war es auch, welcher sich nun seinem Ende neigte. Denn, kaum dass ebendessen Garten sich immer mehr und mehr dem Tode neigte, schwand auch Gottes Wille zum Kampfe, sodass es für Niemanden eine Leichtigkeit war, diesem sein Schwert in dessen Leibe zu rammen und ihn mit einem Schlage geballter Finsternis gen Boden zu werfen, sodass sich dieser immer weiter und weiter in die Erde grub und dessen Aufprall einen Schlund göttlich komödiantischen Ausmaßes formte, in dessen Mitte sich Gottes unvorstellbarer Leib unter ebenso unvorstellbaren Schmerzen wandte. Doch war der Kampf noch lange nicht zu Ende. Denn, noch im selben Augenblicke stürzte sich Niemand in ebenjenen Schlund hinab, um Gott endgültig zu vernichten, sodass, als Niemand diesen ein weiteres Male mit seinem Schwerte durchbohrte, nicht nur die Erde zu beben begann, sondern auch Gottes einst so mächtige Kraft aus dessen Körper entwich und Niemand sich diese einverleibte und kaum, dass dies geschah, ließ ebenjener Niemand einen gellenden Schrei durch den brennenden Garten fahren, welcher ebenjene Flammen schwarz und himmelhoch entflammen ließ. Fürwahr, es war ein bitterer Kampf, doch siegte letzten Endes der schwarze Engel über den Gott, beraubte diesen seiner Macht und überließ dessen Leibe den tosend schwarzen Flammen, welche sich den Weg in den Krater hinab bahnten. Der göttlich mächtige Engel der Finsternis entschwand unterdessen diesem brennenden Garten und überließ diesen, seinem endgültigen Schicksale.



    IV


    Es war ein wundersamer Tag in einem nicht minder wundersamen Lande. Die roten Sonnen standen hoch oben im strahlend grünen Himmel und ließen ihr nicht minder strahlendes Lichte gen Boden fallen und ebenjener Boden war es, welcher einer schier unendlich großen Weide glich, deren blaues Grase im Lichte ebenjener Sonnen glänzte. Fürwahr, dies war ein wundersames Land, welches nicht nur in den aberwitzigsten Farben erstrahlte, sondern auch mit den unvorstellbarsten Kreaturen angefüllt war, welche sich in den vielen endlosen Weiden, auf den vielen gläsernen Bergen und in den Tiefen der weissen Meere tummelten. Doch, auch wenn die Tiere dieses Landes überaus wundersam waren, so waren es die Pflanzen, welche in allen nur erdenklichen Formen und Farben erblühten, nicht minder. Fürwahr, dies war ein wundersames Land und in ebenjenem Lande begab es sich nun, dass sich Katharinen unter dem strahlend grünen Himmel und in dem glänzend blauen Grase wiederfand und weder wusste, wo sie war, noch wie sie dorthin gelangte, da diese doch noch wenige Augenblicke zuvor in den Armen eines unbekannten Mannes ihrer Besinnung entschwand. Doch, auch wenn Katharinen nicht wusste, wo sie war, noch wie sie dorthin gelangte, so wusste sie dennoch, dass sie, so schön dieses Land auch sein mochte, einen Ausweg aus besagtem Lande finden müsse und so machte sich diese auf den Weg, ebenjenen Ausweg zu finden, sodass Katharinen nach einer schieren Ewigkeit die Gestalten zweier überaus hoher Türme am Horizont erblicken konnte und kaum, dass Katharinen ebenjene Türme erblickte, eilte sie zu ihnen, sodass diese sich schließlich vor dem Antlitze eines weissen Turmes, welcher bis hoch in den Himmel zu ragen schien, wiederfand.

    Katharinen betrat nun ebenjenen Turm und fand sich alsbald am Beginn einer schier endlos gewundenen Treppe wieder, deren Stufen bei Weitem höher waren, als alle anderen Stufen, welche Katharinen jemals zuvor gesehen hatte. So endlos diese Treppe auch schien und so hoch deren Stufen auch waren, ließ sich Katharinen dennoch nicht von ihrem Vorhaben abbringen und kaum, dass diese ihren Entschluss gefasst hatte, begann Katharinen auch schon ebenjene endlos gewundene Treppe zu bezwingen, sodass diese schließlich nach einer wahren Ewigkeit das Ende jener Treppe erreichte und sich dem Antlitze einer weissen Türe gegenübersah, durch welche sie, alsbald dies ihre Kräfte wieder zuließen, hindurchtrat, sodass sich Katharinen in Gegenwart eines kleinen Mädchens, welches in ein überaus weisses Kleidchen gehüllt war, wiederfand und ebenjenes Mädchen, welches sich Katharinen als Elfenbeinchen vorstellte, offenbarte dieser auch, wie überaus erfreut es über deren Ankunft sei und dass dieses Land nun endlich vor seinem Untergange bewahrt werden kann. Katharinen wollte auch sogleich in Erfahrung bringen, von welchem Untergang das Mädchen sprach, doch unterbrach dieses Katharinen und gab dieser zu verstehen, dass es zu gefährlich sei, nicht im Verborgenen darüber zu sprechen und kaum, dass Elfenbeinchen diese Worte von sich gab, entschwand diese Katharinens Gegenwart und löste sich in weissen Nebel auf. Katharinen wusste hingegen nicht so recht, was dies alles hier zu bedeuten hatte, sodass diese sich schließlich von dem weissen Turme abwandte, nur um sich schon nach wenigen Schritten vor dem Antlitze eines schwarzen Turmes, welcher bis hoch in den Himmel zu ragen schien, wiederzufinden.

    Katharinen betrat nun ebenjenen Turm und fand sich alsbald am Beginn einer schier endlos gewundenen Treppe wieder, deren Stufen bei Weitem höher waren, als alle anderen Stufen, welche Katharinen jemals zuvor gesehen hatte. So endlos diese Treppe auch schien und so hoch deren Stufen auch waren, ließ sich Katharinen dennoch nicht von ihrem weiteren Vorhaben abbringen und kaum, dass diese ihren Entschluss ein zweites Mal gefasst hatte, begann Katharinen auch schon ebenjene endlos gewundene Treppe zu bezwingen, sodass diese schließlich nach einer wahren Ewigkeit das Ende jener Treppe erreichte und sich dem Antlitze einer schwarzen Türe gegenübersah, durch welche sie, alsbald dies ihre Kräfte wieder zuließen, hindurchtrat, sodass sich Katharinen in Gegenwart eines kleinen Mädchens, welches in ein überaus schwarzes Kleidchen gehüllt war, wiederfand und ebenjenes Mädchen, welches sich Katharinen als Ebenholzlein vorstellte, offenbarte dieser auch, wie es in keinster Weise erfreut über deren Ankunft sei und dass sie dieses Land nicht vor seinem Untergange bewahren kann. Katharinen wollte auch sogleich in Erfahrung bringen, von welchem Untergang das Mädchen sprach, doch unterbrach dieses Katharinen und gab dieser zu verstehen, dass es nun besser für diese wäre, wenn sie diesen Turm für alle Zeiten verlassen und niemals wiederkehren würde und noch ehe Katharinen ein einzelnes Wort von sich geben konnte, jagte das kleine Mädchen diese zu der Türe hinaus und alsbald Katharinen durch ebenjene Türe trat, stieß ebenjenes kleines Mädchen diese die lange, lange Treppe hinab. Doch anstatt dem Tode in sein Angesicht zu blicken, fand sich Katharinen, wie durch Zauberhand, in einem weichen Bette wieder und erkannte auch sogleich, dass dies alles nur eine wunderliche Träumerei war.

    Katharinen verließ auch sogleich das Gemach, in welchem sie erwachte und fand sich alsbald in einem unvorstellbaren Wirrwarr an Gängen, Fluren, Korridoren, Treppen und Türen wieder, aus welchem es kein Entkommen zu geben schien und eine schiere Ewigkeit schien vergangen zu sein, als sich Katharinen noch immer in dem Irrgarten dieses Schlosses verloren sah. So viele Stufen hatte sie erklommen, so viele Türen hatte sie geöffnet und so viele Flure war sie entlang gewandert, doch war in keinster Weise ein Ende in Sicht und kurz vor jenem Augenblicke, in welchem sie alle Hoffnung fahren lassen wollte, kreuzte Charon ihren verzweifelten Weg und ebenjene schwarze Kreatur war es auch, welcher Katharinen nun folgte und ebenjenes Wesen war es auch, welches Katharinen in Niemandes Gesellschaft führte. Dieser ließ Katharinen auch sogleich wissen, wie überaus erfreut er darüber sei, dass diese nun wieder ganz und gar bei Kräften sei und sich von allem erholt habe. Doch, auch wenn Katharinen dessen Fürsorge überaus erfreute, so konnte diese es sich dennoch nicht verwehren einige Fragen an diesen zu richten, welche jedoch nie und nimmer beantwortet werden sollten, da Niemand auch sogleich fortfuhr und Katharinen offenbarte, dass ein fernes und wundersames Land dem Untergange geweiht sei und nur diese es davor bewahren könne und alsbald Niemand diese Worte sprach, war Katharinens Verstand ganz und gar verwirrt, da diese doch dachte, dass es besagtes Land lediglich in ihren Träumen geben würde. Niemand verkündete jedoch, dass es ebenjenes Land durchaus gibt und dass nur diese es erretten könne und noch ehe Katharinen auch nur ein einziges, weiteres Wort an Niemanden richten konnte, machte dieser von seinen finsteren Mächten gebrauch und beförderte Katharinen wie durch Zauberhand in ebenjenes wundersame Land zurück, aus welchem sie zuvor erwachte.

    Im schwarzen Schlosse hingegen erfreute sich Niemand an den Früchten seines Vorhabens, in welchem er verfolgte, sich das wundersame Land zu unterwerfen. Denn, Katharinen war nun darauf und daran eine seit langer, langer Zeit bestehende Weissagung zu erfüllen, in welcher es hieß, dass eines Tages ein Erlöser kommen und ebenjenes Land aus seiner Knechtschaft befreien wird und wie es das Schicksal so wollte, befand sich ebenjenes Land gerade in ebenjenem Joch und würde nun von Katharinen befreit werden, sodass ebenjene Weissagung jemand anderen von seinem Throne stürzen wird und nicht Niemanden selbst.



    V


    Es war bereits späte Nacht, als in einer Stadt, in welcher ein großer Palast gen Himmel ragte, schwarzer Rauch aus dem Nichts zu kommen schien und ebenjener Nebel war es auch, aus welchem Katharinen hervortrat und sich auch sogleich in der Gesellschaft eines kleinen Mädchens mit weissem Kleide wiederfand, welches Katharinen auch sogleich erzählte, dass es bereits auf deren Ankunft gewartet habe und es nun an der Zeit wäre, jene Weissagung, auf welche dieses Land schon seit vielen, vielen Jahren wartet, in Erfüllung gehen zu lassen. Katharinen hingegen war nun gänzlich der Verwirrung erlegen und forderte sogleich eine Erklärung für dies alles und so erzählte Elfenbeinchen, wie vor vielen, vielen Jahren dieses wundersame Land von einer gar überaus garstigen und grausamen Hexe erobert und unterjocht worden war und dass es seit diesen alten Tagen eine Prophezeiung gäbe, welche besagt, dass eines Tages ein Erlöser kommen und ebenjenem Lande seine Freiheit wiedergeben würde und als ebenjener Retter wurde nun Katharinen auserkoren. Diese war jedoch in keinster Weise darauf verpicht, Mittelpunkt jener oder irgendeiner anderen Prophezeiung zu werden. Jedoch blieb dieser keinerlei Zeit, über dies alles und dessen Bedeutung ihre Gedanken schweifen zu lassen, da, kaum, dass Elfenbeinchen Katharinen ihr Schicksal offenbarte, eine Horde bestialischer Krieger, welche ebenjener Königin, welche sich dieses Land unterworfen hatte, angehörten, Katharinen und Elfenbeinchen umstellten und mit ihren zahlreichen und scharfen Klingen bedrohten. Elfenbeinchen, eine Meisterin der weissen Magie, setzte auch sogleich ebenjene Magie frei, um sich mit dieser, einige der königlichen Krieger vom Halse zu schaffen. Jedoch waren es bei Weitem mehr Krieger, als diese verzaubern konnte, sodass sich Katharinen einer nicht minderen Anzahl jener Krieger gegenübersah, welche auch sogleich über diese einher fielen und ihr schreckliche Leiden zufügten, sodass diese sich in kürzester Zeit ihrem Ende neigte und dem Tode in sein gräuliches Antlitz blickte. Jedoch gedachte Katharinen in keinster Weise in dieser Nacht und in diesem Lande, fernab ihrer Heimat, ebenjenen Tode zu finden, sodass sich ihr starker Wille und ihr reines Herz einander einverleibten und eine Macht erschufen, welche jeden Abgrund, mag dieser auch noch so tief und finster sein, bis in seine letzten Ecken und Enden zu erleuchten vermag und ebenjene helllichtene Macht war es auch, welche den Tode samt seinem gräulichen Antlitze in die Flucht schlugen und Katharinens Leibe erneuerten, in weisse, wallende Kleider hüllten und mit einer lichtdurchfluteten Klinge segneten, welche bei Weitem schärfer war, als der menschliche Gedanke und ebenjene Klinge war es auch, welche Katharinen mit meisterlicher Hand zu führen vermochte und kaum, dass die königlichen Krieger dieser Verwandlung folgen konnten, wurden diese auch schon von ebenjener Klinge gespalten und ihrer Leben beraubt. Fürwahr, die königlichen Krieger fanden in dieser Nacht allesamt ihren Tod durch Katharinen und Elfenbeinchen und kaum, dass diese sich ebenjener Krieger entledigt hatten, stürmten diese auch sogleich in den Palast der Königin und fanden sich schließlich in deren Thronsaale wieder, in welchem ebenjene Königin auf ihrem goldenen Throne saß und deren Ankunft bereits erwartete.

    »Seid willkommen, meine lieben, lieben Lichter. Es scheint mir, als sei die Zeit nun gekommen, diesen, meinen Thron vor euren prophetischen Fängen zu bewahren und lasst mich euch hierzu nur noch eines erzählen: Ihr werdet diese Nacht noch bis weit über eure Tode hinaus bitterlich bereuen.« und kaum, dass die Königin jene Worte sprach, erhob sich diese von ihrem Throne und schleuderte sogleich, wie durch Zauberhand, einen flammenden Ball glühenden Feuers auf Katharinen und Elfenbeinchen, welchem diese nur um Haaresbreite entkommen konnten, sodass jedoch das Gemäuer des Saales Feuer fing. Sogleich entbrannte ihm wahrsten Sinne des Wortes ein feuriger Kampf, zu dessen Beginn die Königin ihre treueste und mächtigste Handlangerin herbeirief, welche auch sogleich in Gestalt eines kleinen Mädchens, welches in ein schwarzes Kleidchen gehüllt war, erschien und sich auch sogleich ihrem weissen Gegenstück entgegenstellte. Unterdessen bestritten Katharinen und die Königin einen wahrlich bitteren Kampf, in welchem Katharinen mit ihrem Schwerte meisterliche Züge vollführte, welche die Königin jedoch stets abzuwehren suchte. Doch nicht nur Katharinen hatte große Mühen damit, ihrer Widersacherin das Handwerk zu legen. Denn auch Elfenbeinchen und Ebenholzlein bekämpften einander mit deren Magie. Feuerbälle flogen durch die Lüfte, übergroße Wasserfluten gingen einher, mächtige Windböen fegten durch den Saal und auch die Erde konnte sich nicht davor bewahren zu beben und als alle diese Kräfte nicht greifen wollten, griffen diese beiden Mädchen zu ihren größten Mächten und beschworen die tiefsten Kräfte von Licht und Finsternis herbei und warfen sich diese einander entgegen. Jedoch war dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt und schlussendlich kam es so wie es kommen musste. Denn, alsbald diese beiden Kräfte aufeinandertrafen, entfachten diese ein fürchterliches Unheil, welches vollkommen ausser Rand und Band geriet und Elfenbeinchen und Ebenholzlein in ihre Tode riss. Katharinen bekam von alle dem jedoch nichts mit, da diese zu sehr in ihren eigenen Kampf vertieft war, welcher in keinster Weise ein Ende nehmen wollte. Katharinens lichtgetränkte Klinge wurde ein um das andere Male geschwungen, jedoch stets von der Magie der Königin abgelenkt und mit widrigen Zaubern vergeltet. Fürwahr, dies war ein langer Kampf, doch gelang es Katharinen schließlich mit ihrer geballten Kraft des Lichtes nicht nur den brennenden Palast in Schutt und Asche zu legen, sondern auch die Königin zu vernichten und in ebenjenem Lichte vergehen zu lassen. Fürwahr, dies war ein bitterer Kampf, doch siegte schlussendlich das Licht über die garstige Königin und ebenjenes Licht befreite das wundersame Land aus den Fängen seiner Königin und schenkte ihm seine langersehnte Freiheit wieder.

    Jedoch sollte diese nicht von langer Dauer sein. Denn, kaum, dass Katharinen jene Weissagung, welche sie in dieses wundersame Land brachte, erfüllt hatte, betrat auch schon das nächste Unheil das noch immer brennende Schlachtfelde und ebenjenes Unheil war kein geringerer als Niemand, welcher sich auch sogleich Katharinen entgegenstellte und dieser seine wahren Absichten offenbarte. »Nun denn, meine liebe, liebe Puppe. Es erfreut mich überaus, dass du solange meinem Spiele beiwohnen konntest. Doch ist es nun an der Zeit, den Vorhang über dich und dieses Land fallen zu lassen.« Kaum, dass Niemand diese Worte von sich gab, wollte Katharinen auch sogleich in Erfahrung bringen, was diese zu bedeuten hatten, doch wollte ihr dies Niemand in keinster Weise erläutern, da dieser doch auf diesen einen Augenblick schon viel zu lange gewartet hatte und kaum, dass Niemand seine blutbegierige Klinge beschwor, fiel dieser auch schon über Katharinen einher. Diese entgegnete Niemandem auch sogleich mit der ihren, sodass sich Licht und Finsternis alsbald in einem bitteren Kampfe um Leben und Tod wiederfanden.

    Niemand und Katharinen fielen über einander einher und führten ihre Klingen mit meisterlichem Können, sodass kein einziger der Beiden auch nur einen einzigen Treffer verbuchen konnte und als ebenderen Klingen keinen Erfolg mehr versprechen konnten, tränkten sie diese mit Licht und Finsternis und alsbald dies geschah, wurde dieser Kampf gar noch zäher und erbitterter. Denn ebenjene Klingen trieften vor lauter Mächten und ebenjene Mächte waren es, welche bei jedem einzelnen Hiebe und jeder einzelnen Begegnung zweier Klingen aus ebenjenen Schwertern quollen. Fürwahr, dies war ein bitterer Kampf, doch schien Katharinen die Oberhand zu gewinnen, als diese Niemandem sein Schwert aus dessen Händen riss. Dieser ließ sich jedoch nicht beirren und gab auch sogleich eine kleine Bewegung seiner Hand von sich, woraufhin unzählige schwarze Ketten, welche aus purer Finsternis bestanden, aus dem Nichts strömten und Katharinen in ihre Fänge nahmen, sodass diese einer Marionette, welche sie im Grunde auch war, glich und sich weder bewegen noch befreien konnte und je mehr sie an den Ketten zog, desto stärker und fester drückten diese und bereiteten ihr ungeahnte Leiden. Katharinens Ende schien besiegelt zu sein, als Niemand wieder dessen Schwert zur Hand nahm und dessen finstere Klinge gegen Katharinen richtete und ebenjene Klinge war es auch, mit welcher Niemand nun dieser entgegen stürmte. Jedoch konnte und wollte Katharinen diesen Kampf nicht so enden lassen und zu diesem Zwecke beschwor diese all ihr herzliches Licht herauf und entsandte es gegen die Ketten und ebenjene Ketten waren es, welche dem gleißenden Lichte, welches alles erhellte, nachgaben und unter einem lichten Ausbruch zu Grunde gingen und jenes Licht war es nun, welches durch die wundersamen Weiten zog und diese bis in alle Ecken und Enden erleuchtete. Fürwahr, es war bereits späte Nacht und die Monde standen hoch oben im grünen Himmel, doch war es in keinster Weise finster, sondern alle Weiten, alle Berge und alle Tiefen dieses wundersamen Landes waren bis in deren Innerstes erleuchtet, sodass diese Nacht wohl mehr einem Tage glich. Niemand und Katharinen waren unterdessen wieder in ihrem Kampfe vertieft, welcher, nach einer gefühlten Ewigkeit, dann doch noch sein jähes Ende nehmen sollte. Denn, auch wenn Niemand und Katharinen mit Licht und Finsternis umsich warfen, so kostete es diese immerhin ihre Kräfte, welche immer weiter und weiter schwanden und schwanden und sich deren Enden neigten, sodass Niemand und Katharinen ihre letzten Funken in ihren Klingen ballten und sich mit diesen ein letztes Male aufeinander stürzten und ebenjenem Kampfe besagtes jähes Ende lieferten. Denn, alsbald diese Beiden aufeinander trafen, durchbohrte Niemand den Leibe seiner Widersacherin mit dessen finsterer Klinge und brachte diese dem Tode nahe. Jedoch hatte Katharinen nicht minder verloren, denn auch diese durchstach Niemandes Leibe mit ihrer lichten Klinge und ebenjene Klingen waren es, welche, alsbald diese die Leibe des jeweils anderen durchbohrten, diese mit Licht und Finsternis tränkten und von Augenblick zu Augenblick dem langsamen Tode näher brachten. »Nun denn, meine Liebe. Es scheint fast so, als wären wir an unseren beiden Enden angelangt. Jedoch sollte das meinige nicht vollkommen vergebens sein. Denn, wenn ich dieses wundersame Land nicht mein Eigen nennen darf, so sollte dies auch kein Anderer.« und mit diesen Worten besiegelte Niemand das Schicksale ebenjenen wundersamen Landes. Denn, kaum dass dieser jene Worte von sich gab, entfesselte dieser all jene Finsternis, welche sich noch in seinem Leibe, seinem Herzen und seiner Seele verbarg und ließ diese aus ebenjenen Hüllen fahren und über dieses Lande einher fallen.

    Fürwahr, die Finsternis fiel über dieses wundersame Land einher und kaum, dass diese aus ihren Käfigen gelassen wurde, verdunkelte sich alles Licht, welches in diesem Lande weilte und alsbald das Licht verdüstert war, zogen schwarze Wolken hoch oben im Himmel auf und ebenjene Wolken waren es, aus welchen Felsbrocken, welche so groß wie Berge waren, auf die Erde fielen und diese unter sich begruben. Jedoch war dies noch nicht das ganze Leid. Denn, auch wenn jene Felsen dieses Lande richteten und erbeben ließen, so sprengten jene Beben das Antlitze ebenjenen Landes und aus ebendiesen Schluchten und Schlünden quoll nun finster brodelndes Pech hervor und flutete und sengte alles, dass ihm in den Weg kam. Alle Wesen, alle Blumen und Blüten wurden Stück für Stück von dem schwarzen Tode überrannt und verbrannt. Fürwahr, kochendes Pech überzog die Weiten und fallende Steine sprengten es und ebenjene Brocken waren es, welche die gläsernen Berge in viele, viele tausend und abertausend Teile bersten ließen.

    Fürwahr, dies war ein finsteres Ende, welches Niemanden und Katharinen, welche zuvor aber noch die vielen, vielen verzweifelten Schreie des Lebens dieses Landes vernahmen, mit sich riss und ebenjene Katharinen war es auch, welche im Angesicht dieses Todes in Tränen verging, während Niemand bis weit über beide Ohren erstrahlte.



    Epilog


    Niemand fand seinen Tode in jenem wundersamen Lande, welches er um wahrlich jeden Preis beherrschen wollte und so, wie es Niemanden traf, erging es dessen Schlosse nicht minder. Denn, kaum, dass Katharinen diesen zu Grunde richtete, begann ebendessen Schloss seinen eigenen Tode zu finden.

    Das schwarze Gemäuer gab sich selbst nach, die himmelhohen Türme sackten zusammen und fielen zu Boden und mit ihnen auch alle anderen Gemäuer. Die vielen, bunten Fenster zersprangen in viele, bunte Scherben und klirrten und hallten durch die Stadt und die vielen, vielen Türen brachen in viele, viele Stücke und begruben somit die Tore in all jene Welten, welche sich hinter deren Flügeln verbargen.

    Fürwahr, das steinerne Schloss, welches einst über der grauen Stadt thronte zerfiel zu Ruinen und Staub und alsbald dies geschah, verschwanden auch die schwarzen Wolken, welche einst den Himmel bedeckten und ließen dem Lichte wieder seinen freien Lauf, sodass die graue Stadt nach langer, langer Zeit wieder in ihrem bunten Glanze erstrahlte.



    Nachwort


    Nun denn, mein verehrtester Leser, wenn Du diese Zeilen hier liest, bedeutet dies, dass Du Dir die Zeit genommen hast, Dir diese Geschichte zu Herzen zu nehmen oder aber auch, dass Du diese lediglich überflogen hast und hier gelandet bist. Sei es wie es wolle, dennoch möchte ich Dir in beiden Fällen meinen Dank dafür aussprechen, dass Du einen mehr oder weniger flüchtigen Blick auf dieses Werk geworfen hast, mein liebster Leser.

    Diese Geschichte ist nun zu Ende und mit dieser auch das Leben aller, welche ein Teil von ihr sind. Sie alle fanden ihren Tod, für welchen mitunter Niemand die Schuld trägt. Jedoch vermag wohl lediglich dieser jene Gründe zu erläutern, welche ihn zu seinen Taten trieben und paradiesische Gärten und wundersame Länder finden und vernichten ließen.

    Nun, mein liebster Leser, mögen sich Dir mit Sicherheit einige Fragen stellen, deren Antworten Du vielleicht nicht in den Zeilen dieses Werkes finden kannst, daher solltest Du wohl versuchen, selbst eine Antwort für ebenjene Fragen zu finden. Denn, wozu schenkten uns Menschen die Götter ihre Phantasie, wenn wir diese nicht verwenden? Des Weiteren sei gesagt, dass, obwohl deren Geschichte recht wundersam wirkt, nicht alles, das Niemanden oder aber auch Katharinen anbelangt, geschrieben werden muss.

    Abschließend möchte ich Dich, meinen verehrtesten Leser, noch darum bitten, dieses Werk, oder doch wohl kleine Spielerei, nicht allzu kritisch zu betrachten, sondern lediglich jene Freuden zu genießen, welche ebendessen Zeilen Dir vielleicht bereitet haben oder noch bereiten werden. Sollte ich Dich jedoch, trotz aller meiner Bemühungen, zutiefst enttäuscht haben, so bitte ich Dich, mein liebster Kritiker...

    Geändert von Leopold Lilienfeld (14.12.2014 um 13:40 Uhr)
    Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. - Albert Einstein

    Es ist nur ein schmaler Grat zwischen Narr und Dichter.

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