Thema: Abendsonne

  1. #1
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    Abendsonne

    Abendsonne

    ©Hans Hartmut Karg
    2012

    Wenn die letzte Helle durch die Bäume bricht
    Und das grüne Hoffen noch dem Abendsinnen wehrt,
    Ins Ungewisse nach und nach verkehrt die Sicht,
    Hat der Morgen sich längst in sein Gegenteil verkehrt.

    Mild erscheint das feine Leuchten als Gemisch,
    Bleibt verzeihend an den langen Schatten hängen.
    Abgeräumt und leer so mancher gastlich´ Tisch,
    Überrollt von manchen Dunkelschattenlängen.

    Abendsonne legt den stillen Feierabend
    Nur noch eine kurze Weile an die Kette.
    Mensch und Tier, sich an der Kühle labend,
    Spüren: Stille schiebt sich in die laute Stätte.

    Lichter gehen an und Ruhestunden locken,
    Während unmerklich die Himmelsscheibe geht.
    Abendsonne stiehlt sich weg auf leisen Socken,
    Damit uns getrost ein neuer Lebenstag entsteht.

    *

  2. #2
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    500
    Guten Morgen Hans Hartmut Karg,

    das ist ein wundervolles Gedicht in einer edlen Sprache, auf "gehobenem Ton", wie man so schön sagt, aber sicher und gut formuliert, vor allem auch bilderreich im Ausdruck. Sehr schön erscheinen mir zum Beispiel folgende Stellen:

    Abendsonne legt den stillen Feierabend
    Nur noch eine kurze Weile an die Kette.
    oder:
    Abendsonne stiehlt sich weg auf leisen Socken,
    Solche Bilder können verhindern, dass der "gehobene Ton" sich zu sehr im Pathetischen verliert.

    Auch von der Form her kann das Gedicht gut überzeugen. Meistens sind es sechshebige, alternierende Verse, bei denen eine Zeile zumeist auch eine syntaktische Einheit umschließt. Nur an zwei Stellen stolpere ich ein wenig beim Lesen:

    Hat der Morgen sich längst in sein Gegenteil verkehrt.
    Man könnte doch schreiben:
    Hat sich der Morgen längst ins Gegenteil verkehrt.

    die andere Stelle wäre:
    Damit uns getrost ein neuer Lebenstag entsteht.
    Man könnte schreiben:
    auf dass für uns ein neuer Lebenstag entsteht.

    Auch störe ich mich ein wenig an einem allzu langen Wort:
    Überrollt von manchen Dunkelschattenlängen.
    Könnte man es auch auseinander nehmen? Vielleicht:
    überrollt von mancher dunklen Schatten Längen.

    Sehr gerne gelesen!

    Hans Werner

  3. #3
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    Beiträge
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    Re: Abendsonne

    Lieber Hans Werner,
    zunächst einmal ganz herzlichen Dank für das einfühlende Verständnis in meine Reimkunst!
    Was überlange Worte oder neue Begriffe anbelangt: Nicht alles ist Neologismus und muss sich verstecken! Zu allen Zeiten gehörte die Neuschöpfung von Wörtern und Begriffen zu den erlesenen Freuden des Dichterlebens. Ich freue mich immer wieder, wenn ich bei anderen Reimeschmieden neue Wörter finde, die genau das ausdrücken, wonach gesucht wurde.
    Herzliche Grüße und lieben Dank!
    Hans Hartmut Karg

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