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  1. #1
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    Beschneidungen

    Auch ein kurzer Schnitt
    ist eine Verstümmelung
    auch ein kleiner Eingriff
    tut weh
    noch immer
    müssen es Menschen ertragen
    wenn ihnen andere befehlen
    ihren Körper zu quälen
    ohne Erbarmen
    in Gottes Namen.

    Wer beschneidet
    das Recht der Religionen
    Menschen zu verletzen
    an Körper, Geist und Seele?

  2. #2
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    moin.

    das thema is aktuell. die lamentierschublade, die du hier aufgemacht hast, weniger. das ist mir in der wortwahl viel zu allgemein, da wird mit dem pauschalkamm gegen alle striche der feinheit gebürstet. ich verstehe zwar den gedankengang, finde aber die ausarbeitung viel zu plakativ. da gibt es zu wenig differenzierung, zwischentöne, rafinesse. will sagen: auf die frage unten: wenn überhaupt, dann der gesetzgeber und der einzelne, der sich der religion widersetzt. hmm. irgendwie schade. denn die thematik bietet mehr, als ich hier wiederfinde.

    nix für ungut.

    wolle

    edit: uäh, da sind ja assonanzen. gut, dass sie mir vorher nicht aufgefallen sind. sonst hätte ich die auch bequengelt. an sich finde ich die verbindung zwischen "ohne erbarmen" und "gottes namen" nicht schlecht. trotz assonanz.
    Geändert von Francine (12.09.2012 um 17:54 Uhr)
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  3. #3
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    Hallo wolle 77,

    vielen Dank für deine Bemerkungen.

    Das Lamentieren liegt mir fern, ich wollte bloß eine (für mich) klare Tatsache darstellen.

    Ich weiß nicht genau, welche "Feinheiten, Differenzierungen, Zwischentöne und Raffinessen" in diesem Thema stecken - entweder man verteidigt die Beschneidungen aus religiösen Gründen, oder man verurteilt sie, weil sie eine Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrheit darstellen.

    Aber wenn du Ideen für eine Erweiterung des Themas hast - nur zu.

    Sicher habe ich mich sehr (zu?) allgemein ausgedrückt - aber das war Absicht.
    Ich finde es dem Thema angemessen, mit wenigen, deutlichen Worten eine (mehr oder weniger lyrische) Stellungnahme abzugeben.
    Die Kritik an den Religionen ist vielleicht ein wenig pauschal, aber ich denke, jeder weiß, was gemeint ist.

    Allerbeste Grüße

    wintervogel

  4. #4
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    Beschneidungsurteil:


    Der ehemalige Oberrabbiner Israels, Meir Lau, der als Junge das Konzentrationslager Buchenwald überlebte, sagte vor kurzem:

    "Es ist erstaunlich zu sehen, daß die Deutschen die Sensibilität gegenüber dem Weinen eines Babys entdecken. Ich habe diese Erfahrung in meiner Kindheit nicht gemacht."

    (SPIEGEL 37/12)

    Dies in Kürze zum Inhalt.

  5. #5
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    yoy,

    da gibt es mehrere aspekte. es gibt z.b. beschneidungen, die reine medizinische notwendigkeit sind. (da is die beschneidung sogar die weniger schmerzreiche alternative, vorhautverengung und so). die konstellation in deinem gedicht ist ja momentan die, dass menschen anderen menschen die physische selbstquälerei befehlen. das setzt aber immer noch den gehorsam voraus, damit das funktioniert.

    warum und da fängts an spannender zu werden, warum ist es denn aus religiöser/gläubiger sicht eventuell problematisch davon abzusehen? schau, das thema ist weitaus vielschichtiger und komplexer als du es hier darstellst. wenns nur weh tut und sonst keine funktion hat, dann gäbe es keine diskussion darüber. ein jüdischer mann ohne beschneidung? ich weiß nicht, was in talmud und midrash noch für den einzelfall steht, aber die traditionsvorgabe in der torah is da ziemlich eindeutig. hmm. wird schwierig denen zu verklickern, dass sie das sein lassen sollen, obwohl bzw. nur weils weh tut.

    vielleicht habe ich nen anderen anspruch an lyrik oder kunst im allgemeinen, aber sollte die nicht etwas mehr zeigen, als man so auf dem herkömmlichen demonstrationsbanner findet? zugegebenermaßen dein text ergäbe einen sonderbaren bannerspruch. aber wenn schon die plakative art, dann würde ich wenigstens auf die kinder setzen: die können gar nichts dafür o. dagegen und mit denen wirds einfach gemacht. keine befehle und nix. hilfloses kind und schnipp.

    hach. aber vielleicht will ich da auch einfach zu viel.
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  6. #6
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    Zitat Zitat von wintervogel Beitrag anzeigen
    Wer beschneidet
    das Recht der Religionen
    Menschen zu verletzen
    an Körper, Geist und Seele?
    Eine gute Frage.

    Und ein gutes Spiel mit dem Wort "Beschneidung".


    das thema is aktuell. die lamentierschublade, die du hier aufgemacht hast, weniger.
    Ich kann hier keine "Lamentier"-Schublade erkennen.

    Warum müssen Gedichte-Kritiker immer in die Schublade der Beleidigungen greifen - und sich damit selber jämmerlich besudeln?

  7. #7
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    offtopic:

    Zitat Zitat von Montag
    Ich kann hier keine "Lamentier"-Schublade erkennen.

    Warum müssen Gedichte-Kritiker immer in die Schublade der Beleidigungen greifen - und sich damit selber jämmerlich besudeln?
    selbstironie, das lobe ich mir.

    mal ehrlich: lieber wintervogel, fühlst du dich dadurch beleidigt, was ich zu deinem dings zu sagen hatte? falls ja, tut mir dies aufrichtig leid, denn es war meine absicht nicht. ich dachte, wenn schon kritik, dann wenigstens ehrlich und ohne blüten vorm gesicht. ich war länger nicht da und hatte die samthandschuhe schon eingemottet.

    ontopic:

    Zitat Zitat von Montag
    Eine gute Frage.
    echt jetzt? religion selbst hat gar kein recht. religion wird von menschen instrumentalisiert, um macht oder spezifische andere interessen (all time favorite der meisten: geld) zu sichern o. durchzusetzen. menschen verletzen menschen. no guns kill people. people kill people with guns. um john lajoye an dieser stelle leicht abgewandelt zu zitieren.

    Zitat Zitat von Montag
    Und ein gutes Spiel mit dem Wort "Beschneidung".
    was den positiven eindruck diesbezüglich angeht, pflichte ich gerne bei. nur finde ich es noch nicht gut, aber ausbaufähig zumindest.

    völlig besudelt & auch mal plakativ: für die meinungsfreiheit!
    wolle
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    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

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  8. #8
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    Hallo, ihr lieben Leute,

    Ich finde es gut, auch gegenüber dem Weinen eines Babys sensibel zu sein - wenn wir das nicht können,
    ist es schlecht um uns bestellt.

    Eine Beschneidung aus medizinischen Gründen ist natürlich völlig unstrittig.
    Wenn man sich FREIWILLIG - so ab 14 Jahren für eine Beschneidung (aus religiösen Gründen) entscheidet.
    finde ich das auch okay.
    Womit ich aber große Probleme habe, ist die Zwangs-Beschneidung von 3 Tage alten Säuglingen und von Mädchen
    (Wüstenblume). Vielleicht hätte ich das in dem Gedicht genauer zum Ausdruck bringen sollen.
    Andererseits finde ich es auch völlig legitim, plakative und vereinfachte Inhalte in ein Gedicht zu packen, wie das ja auch zum Beispiel Brecht und Fried oft getan haben (mit denen ich mich nicht vergleichen will).
    Wenn durch ein Gedicht eine Diskussion in Gang gesetzt wird, ist das nicht das Schlechteste, was aus einem Gedicht werden kann.

    Ich muss noch anfügen, dass ich mich durch die Kritik von wolle 77 nicht beleidigt oder angegriffen fühle - wenn er es so empfindet, ist das absolut in Ordnung, und er kann es auch sagen. Außerdem hat er ja auch seinen Standpunkt näher erläutert.

    Es gibt natürlich ein "Kirchenrecht", das sich im Laufe der Zeit etabliert hat.
    Man kann jetzt schon absehen, wie das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit dem vermeintlich "göttlichen Willen"
    geopfert wird - hier sieht man leider ganz deutlich, wer sich durchsetzt.

    Das alles sage ich, obwohl und weil ich ein religiöser Mensch bin.

    Liebec Grüße an alle

    wintervogel

  9. #9
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    Womit ich aber große Probleme habe, ist die Zwangs-Beschneidung von 3 Tage alten Säuglingen und von Mädchen
    (Wüstenblume).


    Die "Wüstenblume" zeigt als Beispiel unter vielen, daß es himmelweite Unterschiede sind.
    Die äußerst schmerzhafte und oft infektiös bedingt tödliche Clitorisentfernung gibt es lediglich bei Muslimen (aus offensichtlichen und bekannten Gründen), die n i c h t an Säuglingen vorgenommen wird.
    Das ist aber seit Jahr und Tag bekannt.

    Barbarossa

  10. #10
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    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Dies in Kürze zum Inhalt.
    Kurz - mag sein.


    Aber weit am Inhalt und an der Sache vorbei.

    Und was du da oben zitiert hast, ist völlig daneben - ganz gleich, wer das gesagt haben mag.

  11. #11
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    Hi, Montag -


    steht doch drin, wen ich zitiert habe.
    Selbstverständlich gehört das zum Thema "Beschneidung"!

  12. #12
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    Ich kann lesen ......

    "Es ist erstaunlich zu sehen, daß die Deutschen die Sensibilität gegenüber dem Weinen eines Babys entdecken. Ich habe diese Erfahrung in meiner Kindheit nicht gemacht."

    DEN DEUTSCHEN von früher - oder von wann auch immer - generell die Sensibilität gegenüber dem Weinen eines Babys abzusprechen, das ist eine boshafte rassistische Bemerkung - ganz gleich, von wem sie stammt ....

  13. #13
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    Findest Du?

    Als die Nazis - gleich welcher Couleur - die Kinder an die Mauer oder ins Gas schmissen, waren sie weniger sensibel.
    Und D u nennst dann diese Bemerkung rassistisch?

  14. #14
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    Zitat Zitat von wintervogel Beitrag anzeigen

    Womit ich aber große Probleme habe, ist die Zwangs-Beschneidung von 3 Tage alten Säuglingen und von Mädchen
    (Wüstenblume). Vielleicht hätte ich das in dem Gedicht genauer zum Ausdruck bringen sollen.
    Damit habe ich auch Probleme.

    Religion darf NIEMALS ein Vorwand für Körperverletzung sein. Never ever ....

    Und womit ich auch Probleme habe, das ist, wenn man DEN Juden oder DEN Spaniern oder DEN Franzosen oder DEN Deutschen usw ... usw .... pauschal etwas vorwirft.

    Wenn DAS nicht Rassismus ist, was ist DANN Rassismus?

  15. #15
    Corazon De Piedra Guest
    Hallo wintervogel,

    ein sehr komplexes Thema, da fragt man sich schon, ob ein Gedicht der Sache angemessen ist.
    Es gibt ja viele Beschneidungen, in Indien z.B. in manchen Gebieten die Beschneidung der Hoden, die so entstehenden Eunuchen bilden eine eigene Kaste in der indischen Kultur. Dann die in manchen Kulturen praktizierte Totalbeschneidung, bei Sexualstraftätern, die sich in der westlichen Welt leider nicht durchsetzen konnte.
    Nein, ich verwechsele das nicht mit Kastration, in den von mir erwähnten Kulturen bedeutet Kastration immer die Einwirkung stumpfer Gewalt auf die Hoden, praktisch ein Zerquetschen derselben, während Beschneidung immer die
    chirurgische Entfernung von Teilen der Geschlechtsorgane bedeutet.
    Dann gibt es noch die Beschneidung von Mädchen und Frauen, wohl die schlimmste Form dieser Verstümmelung.

    Ich lehne Beschneidungen von Knaben und Mädchen in jedem Fall ab, hier werden Menschen verstümmelt, und haben keine Möglichkeit sich zu wehren.
    Wer das partout möchte, kann es als Erwachsener immer noch machen lassen, wenn ihm so viel daran liegt.

    Besonders perfide finde ich, wenn die Beschneidung nur ein Vorwand für Pädophile ist um ihre Perversionen, die sie als religiöses Ritual bezeichnen, ausleben zu können, z.B bei ultra orthodoxen Juden, bei denen pädophiler Oralverkehr ein Bestandteil der Religion ist. Und das sowas legal ist, obwohl die Opfer teilweise an den Folgen nicht nur leiden, sondern sterben:

    "In ultra-orthodoxen Gemeinden insbesondere in Israel und den USA wird als Abschluss der Beschneidung beim Metzitzah B'peh das Blut von der Wunde mit dem Mund abgesaugt. Diese Praxis ist stark umstritn, da es dabei zu einer Infektion mit Herpes simplex Typ 1 kommen kann, mit dem Risiko von Hirnschäden oder sogar Todesfällen. Nach Schätzungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention werden innerhalb der rund 250.000 Mitglieder umfassenden Gemeinschaft ultra-orthodoxer Juden in New York pro Jahr circa 3.600 Neugeborene dieser Variante des Eingriffs unterzogen. Dabei wurden zwischen 2000 und 2011 elf Kinder mit Herpes infiziert; zehn mussten im Krankenhaus behandelt werden. Zwei von ihnen erlitten bleibende Gehirnschäden, zwei weitere starben. Der Appell von Michael Bloomberg, Bürgermeister New Yorks, 2005, sich von dieser Praxis zu distanzieren, wurde mit der Begründung, die oral-genitale Beschneidung sei sicher, abgelehnt. Eine Reglementierung würde laut einer Stellungnahme von Rabbiner David Zwiebel im Juni 2012 die Zeremonie in den Untergrund drängen und damit riskanter machen."

    Quelle: wikipedia

    Tja, ich finde sowas skandalös. Fellatio mit kleinen Jungs als religiöse Zeremonie auszugeben.

    CDP

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