1. #1
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    Was ist Literatur?

    Ich sitze hier uns schreibe Gedichte, Romane, Erzählungen.
    Du liest sie und sagst zu mir: Deinen Worten fehlt der Zusammenhang.
    Ich denke über das Leben nach. Hat das Leben einen Zusammenhang.
    Ist es eine Geschichte mit einer klar nach zu vollziehenden Moral?
    Ich schreibe Geschichten, so wie sie das Leben erzählt. Unsinnig, ohne klaren Faden, ohne das sich alles sinnvoll auflöst. Bin ich deshalb ein schlechter Erzähler?

    Dir scheint das Leben wie ein Film, da gibt es immer eine klare Botschaft, vielleicht bleibt einmal am Ende eine offene Frage, doch alles erscheint klar und wie ein Faden sieht sich die Erzählung von einem unklaren Anfang zu einem alles auflösenden Schluss.

    Mein Leben ist nicht so. Mein Leben ist wie ein Chaos, das nur hin und wieder klar zu beschreibende Bruchstücke darstellt. So sind auch meine Geschichten. Sie bilden das Chaos ab, das sich mir im Leben darstellt.

    Fraktale, die ein Bild ergeben, dies ist mein Leben. Ist es deswegen kein Leben, weil es keine Geschichte ist?

    So nimm die Geschichte mit der Maus.

    Sie wartet auf ein Stück Käse und verfällt in einen tiefen Gedanken. Sitzt vor der Falle und meditiert darüber, ob die Nahrungsaufnahme wirklich alles ist, was für sie das Leben lebenswert macht.
    Sollte sie nicht lieber den Käse dazu verwenden andere Mäuse anzulocken und sich ihrer Gesellschaft erfreuen. Sie nimmt den Käse aus der Falle und stirbt.

    Hat diese Geschichte eine tiefere Moral? Sie ist doch voll aus dem Leben gegriffen.
    Eine Maus greift sich den Käse einer Mausefalle und stirbt. Ein paar Gedanken dazu und fertig ist die Geschichte. Wo bleibt der Sinn hinter der Realität. Ebenso fehlt meinen Geschichten der Zusammenhang. Denn von Ursache und Wirkung in unserem Leben abgesehen, erkennt man leider keinen Sinn, Zusammenhang, keine Geschichte.
    Von Geschichten lebt die Politik, die Wirtschaft, die Werbung. Sie wollen das Leben in ein gut zu vermarktendes Schema pressen, sie wollen dem Leben die Schablone der Mathematik auflegen, damit alles leicht zu berechnen ist. Doch das Leben ist nicht so.
    Das Leben ist unergründlich. So sind auch meine Geschichten.

    Ist dies schon Literatur?

  2. #2
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    Eine gewöhnungsbedürftige Frage, ich würde spontan sagen: ja.
    Für mich gehört zur Literatur alles Aufgeschriebene, die Gattungs- oder Klassifizierungsfragen, etc. kommen natürlich erst später.

    Siehe auch:

    Zitat Zitat von Wikipedia zu Literatur
    Literatur ist seit dem 19. Jahrhundert der Bereich aller mündlich (etwa durch Versformen und Rhythmus) oder schriftlich fixierten sprachlichen Zeugnisse. Man spricht in diesem „weiten“ Begriffsverständnis etwa von „Fachliteratur“ oder „Notenliteratur“ (Partituren) im Blick auf die hier gegebene schriftliche Fixierung. Die öffentliche Literaturdiskussion ist demgegenüber seit dem 19. Jahrhundert auf Werke ausgerichtet, denen Bedeutung als Kunst zugesprochen werden könnte, und die man im selben Moment von Trivialliteratur, von ähnlichen Werken ohne vergleichbare „literarische“, sprich künstlerische, Qualität, abgrenzt.
    Ist die Geschichte von dir? Dann solltest du sie am entsprechenden Ort im Forum posten.

    Willkommen

    M.

  3. #3
    Dr. Üppig Guest
    @ Chessy Games j.:
    Ist nun die Frage als Anstoß zu einer Diskussion gedacht oder als Argument für eine eigene Meinung?

    Die Frage, was Literatur sei, ist genau so alt wie die Literaturwissenschaft.
    Grundsätzlich wird erstmal grob zwischen deskriptiver (= alle sprachlichen Erzeugnisse einer Gesellschaft) sowie normativer Literatur (= einer bestimmten Norm, meist der Kunst-Norm ensprechend) unterschieden.
    Ich gehe einfach davon aus, dass hier Literatur im engeren Sinne gemeint ist und verwende den Begriff nachfolgend auch so.

    Wenn deine Frage ist, ob Literatur, die so nah wie möglich an das echte Leben zu halten ist, die einzig richtige Manifestation des Umgangs mit dem kreativen Schreiben ist, so ist das klar zu verneinen. Solch ein Vorgang ist schlicht nicht möglich. Dies wird schnell klar, wenn man versucht, ein Gespräch genau so wiederzugeben, wie es stattgefunden hat: Ein Leser kann solch einem Gespräch kaum folgen. Eine Niederschrift, eine Geschichte, ob sie eine Handlung und eine Moral nun hat oder nicht, stellt bereits einen Grad der Verarbeitung des Erlebten dar. Wenn du also anführst, Literatur habe die Wirklichkeit wiederzugeben, so entgegne ich, dass eine die Wirklichkeit nicht existent ist.

    Ist also Literatur alles, was jemand niederschreibt und dafür hält? Ich sage: kaum. Abseits der mir langsam aber sicher zum Halse raushängenden () wissenschaftlichen Definitionen, die Literatur erfüllen muss (Verfremdung, Fiktionalität usw usf), kommt es vor allem mir darauf an, dass jemand sich darüber Gedanken gemacht hat, was er eigentlich sagen möchte. Dann messe ich es an der Wichtigkeit, der Dringlichkeit des Gesagten; oft ist diese nicht gegeben, dann tritt der Unterhaltungsfaktor ins Spiel. Denn: Auch wenn der Begriff "Trivialliteratur" traditionell bespuckt wird, so stellen die sog. Klassiker letztendlich eine für ihre Zeit gedachte Trivialliteratur dar.

    Um nach langatmigem Vortrag auf deine Frage zurückzukommen: Ist das Literatur? Es kommt darauf an, wie du es siehst, bearbeitest und darstellst.

    mfG

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