1. #1
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    So ist mein Herz ein dunkler Teich

    So ist mein Herz ein dunkler Teich,
    auf dessen Grund die Liebe lauert.
    Sie liegt. Sie ruht. Sie überdauert
    von Algen überwachsnen Steinen gleich
    und zieht dich, blickst du - hingekauert -
    nach unten, in ihr Schattenreich.
    Geändert von Roderich (16.11.2012 um 19:54 Uhr)
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    Jorge Luis Borges


    Mein Wiedereinstiegsgedicht nach all der Zeit: So ist mein Herz ein dunkler Teich

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  2. #2
    Frank Reich ist offline Stranger in a strange land
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    Hallo Roderich,

    wenn es dem Wortmagier jetzt noch gelingt, das "hingekauert" (ein Frosch aus dem Reich der Reime?) in etwas Romantischeres zu verwandeln, wird das Ganze märchenhaft schön.
    Gern gelesen.

    LG
    Frank Reich

  3. #3
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    "jäh durchschauert", "kühl durchschauert" oder etwas in der Art?
    Aber auch so finde ich dieses hochromantische, fließende Gedicht wohllautend, klanglich hervorragend und inhaltlich hinreißend, lieber Roderich!


    Beste Grüße
    von
    Barbarossa

  4. #4
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    Hallo ihr zwo,

    vielen herzlichen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text und euer Feedback.

    Ein ganz großes Dankeschön erst einmal für den "Wortmagier", lieber Frank Reich - das macht mich ganz verlegen. Interessant, dass sowohl du als auch Barbarossa das "hingekauert" so störend empfinden. Ja, der Wortklang ist hier nicht ganz so schön, das gebe ich zu, allerdings passt für mich persönlich das Bild, das sich daraus ergibt, ganz gut. Die Assoziation zum Frosch ist naheliegend, verbindet sich mit dem Teich-Bild. Insofern empfinde ich das als stimmig, erkenne aber, dass es klanglich hier wohl einen Bruch gibt.

    Lasst mich das noch mal ein wenig überdenken.

    Viele Grüße

    Thomas
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  5. #5
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    @Roderich

    Sei gegrüßt im Reiche der Phantasien.
    Irgendwie hast du da einen Strömungsfehler drinnen.

    Zitat: auf dessen Grund die Liebe lauert.
    Sie liegt. Sie ruht..

    Frage: Also die Liebe lauert, richtig?

    Also dann aber: Sie überdauert
    von Algen überwachsnen Steinen gleich
    und zieht dich, in ihr Schattenreich.

    Frage: Die Liebe zieht dich ins Schattenreich, auf den Grund, richtig?

    Aber warum die negativen Aspekte, Liebe heilt doch, richtet auf.

    Oder du wolltest ausdrücken, dass deine Liebe auf dem Grunde des Teiches (Dein Herz) jetzt liegt. (durch einen Verlust, warum auch immer)

    Hmm. Dann sind aber die Betrachtungspunkte Liebe Lauert, Liebe überdauert, irgendwie nicht stimmig.
    Mal sehen, ich versuch mich mal an deinem Text, damit du erkennst was ich meine.


    Jetzt ist mein Herz ein dunkler Teich,
    auf dessen Grund die Liebe ruht
    Sie liegt. Sie schläft, nimmt mir den Mut
    jetzt herrscht die Trauer, blind und bleich
    und zieht dich, blickst du hingekauert
    nach unten, in ihr Schattenreich.

    Übrings, das „hingekauert“ ist optimal für eine gebrochene Gestalt.
    Gruß an dich Rederich, schön dich wieder zu Lesen.


    Teil 2
    Ich hatte deine Reime nicht bedacht.


    Jetzt ist mein Herz ein dunkler Teich,
    auf dessen Grund die Liebe trauert
    Sie liegt. Sie schläft, ganz eingemauert
    jetzt herrscht die Trauer, blind und bleich
    und zieht dich, blickst du hingekauert
    nach unten, in ihr Schattenreich
    Geändert von horstgrosse2 (16.11.2012 um 12:28 Uhr) Grund: Teil2

  6. #6
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    Hallo horstgrosse,

    erst einmal vielen Dank für die ausführliche Beschäftigung mit deinem Gedicht. Ich finde deinen Vorschlag sehr reizvoll, gefällt mir gut - verfolgt aber eine andere Intention als meine Version. Denn genau um das, was dich irritiert hat - dass nämlich die Liebe in diesem Fall nicht heilt und aufrichtet - geht es. Diese Liebe ist eine böswillige, sich selbst und andere zerstörende. Das beginnt schon damit, dass das Herz ein dunkler Teich ist. Kein netter, froschbequakter Tümpel mit Seerosen, sondern eine richtig widerliche Pfütze. Dort unten lauert die Liebe, wartet auf ihre Opfer. Sie tut so, als würde sie da oben nichts angehen. (Sie liegt. Sie ruht.) Und sie überlässt sich dem Vergessen, wohlwissend, dass sie jederzeit bereit ist, zuzuschlagen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die ergibt sich eben dann, wenn sich jemand "hinkauert". Wobei das Gedungene des Hinkauerns eben ganz gut - für mich jedenfalls - mit dem Bild harmoniert, das ich vor Augen habe. Eine Gestalt, die sich an einen dunklen Teich hinkauert, ist für mich selbst irgendwie gebrochen. Das ist keine Prinzessin, die durch den Garten flaniert und sich an den Rand des Teiches setzt. Das ist eher die drogenabhängige Schwester der Prinzessin, das bleiche Mädel mit zu viel Make-up im Gesicht. Das leichte Opfer.

    Was ist das nun für eine Liebe, die da unten auf dem Grunde liegt? Nun, keine besonders angenehme. Eine eher krankhafte. Aber darum ging's mir. Um die Auswüchse der Liebe, die aus einem reinen Herzen einen schwarzen Teich machen können. Liebe ist nicht immer schön. Manchmal ist sie richtig fies.

    So viel also zu meiner Intention.

    Viele Grüße

    Thomas
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  7. #7
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    @Roderich


    Danke für die nAufklärung, somit hast du dann natürlich Recht. Und ja, ich kannte Jenes auch.
    Schönes WE.

  8. #8
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    Hallo Roderich ,
    Für mich war es stimmig, wie Du es geschrieben hast, aber ich habe ganz andere Ideen dazu gehabt.Das Herz, als dunkler Teich assoziiert: Schmerz, Trauer, schlimme Erinnerungen und Erfahrungen-aber darunter, und so habe ich es verstanden, liegt im Dunklen immer noch die Liebe, zwar versteckt, vergraben, im "Dunklen"-aber kraftvoll und präsent. Sie überdauert auch Dunkles, Schweres, sie ruht (in sich selbst),ist unauslotbar, überdauert alles, jede "Überwucherung" und wenn Du nahe genug herangehst, Dich von Narzissmus und Hybris verabschiedest, Dich also zusammenkauerst und auf Deine Verletzlichkeit, Deine Menschlichkeit und Tierhaftigkeit besinnst, dann begegnest Du ihr wieder und sie zieht Dich in ihren Bann, zieht Dich auf den Grund, ins Schattenreich, das für mich nicht nur für Tod sondern auch für die Möglichkeit von Wiedergeburt und Erneuerung steht...ich fand Dein kleines Werk fast sacral in seiner "Tiefe", jedenfalls aber wesentlich positiver als in Deiner Interpretation.
    Sehr gerne gelesen und kommentiert.
    LG
    macin

  9. #9
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    Hallo macin,

    hui, das ist aber eine sehr feine Interpretation, sehr schlüssig und absolut am Text nachvollziehbar! Vielen Dank dafür. Du hast mir hier tatsächlich eine völlig neue Lesart aufgezeigt. Das ist einer jener tollen Momente, für die ich dieses Forum so sehr mag - und warum es auch mich wieder zurückgezogen hat.

    Viele Grüße

    Thomas
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  10. #10
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    Zitat Zitat von horstgrosse2 Beitrag anzeigen
    @Roderich

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    Zitat: auf dessen Grund die Liebe lauert.
    Sie liegt. Sie ruht..

    Frage: Also die Liebe lauert, richtig?

    Also dann aber: Sie überdauert
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    und zieht dich, in ihr Schattenreich.

    Frage: Die Liebe zieht dich ins Schattenreich, auf den Grund, richtig?

    Aber warum die negativen Aspekte, Liebe heilt doch, richtet auf.

    Oder du wolltest ausdrücken, dass deine Liebe auf dem Grunde des Teiches (Dein Herz) jetzt liegt. (durch einen Verlust, warum auch immer)

    Hmm. Dann sind aber die Betrachtungspunkte Liebe Lauert, Liebe überdauert, irgendwie nicht stimmig.
    Mal sehen, ich versuch mich mal an deinem Text, damit du erkennst was ich meine.


    Jetzt ist mein Herz ein dunkler Teich,
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    Gruß an dich Rederich, schön dich wieder zu Lesen.


    Teil 2
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    nach unten, in ihr Schattenreich

    Hi, Roderich -

    ich habe wohl sehr mißinterpretiert.
    Dann lediglich noch eine Anregung zu dem wunderschönen Gedicht:

    Setze das "hingekauert" in Kommas (Kommata).

    Lieben Gruß
    von
    Barbarossa
    Geändert von Cyparissos (16.11.2012 um 19:58 Uhr)

  11. #11
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    Hallo Barbarossa,

    jep, danke. Bin mir seit der neuen Rechtschreibung nicht mehr sicher, was das Setzen von Kommata betrifft. Ich glaube, ich werde mich hier elegant aus der Affäre ziehen. *geht ändern*

    Viele Grüße

    Thomas
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  12. #12
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    Hallo Roderich,

    wunderbare Verse.

    Die Liebe lauert wie ein Raubtier, sie ist herzlos und Besitz ergreifend. Deshalb hat sie aus einem (ahnungslosen) Herzen wohl auch einen dunklen Teich gemacht. Wer ihr als schwaches Wesen zu nahe kommt, wird überwältigt und verfällt, doch was ist ihr Köder?
    Gerne mehrmals gelesen und länger mit beschäftigt.

    Gruß … Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  13. #13
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    Hallo Sidgrani,

    vielen herzlichen Dank fürs Lesen und dein Feedback. Freut mich sehr, dass dir das Gedicht gefällt. Und ja, du hast eine gute Frage aufgeworfen, denn tatsächlich ist in den Zeilen selbst kein Köder verankert. Ich denke, das bleibt dann offen und Interpretationssache des Einzelnen.

    Viele Grüße

    Thomas
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  14. #14
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    Mahlzeit Roderich,

    zugegeben ... du hast einen Text von mir kommentiert und so begann ich, neugierig auf deine Texte geworden, nach deinen Werken zu schauen.

    Und so kreise ich schon seit Tagen um dieses Werk, das durchaus vorzeigbar und gut gemacht ist, doch mir besonders in seiner Schluss-Sequenz einfach nicht zusagen will.

    Dieses „hingekauert“ in V5 ist mir schlichtweg ein unangenehmes Steinchen im Schuh.

    Warum hast du nicht einfach eine Art Reim-Zäsur in Betracht gezogen?
    Ungefähr so:

    So ist mein Herz ein dunkler Teich,
    auf dessen Grund die Liebe lauert.
    Sie liegt. Sie ruht. Sie überdauert
    von Algen überwachsnen Steinen gleich
    und zieht dich, ohne Kompromiss,
    nach unten, in die Finsternis.

    Statt Kompromiss könnte man auch Bitternis oder Kümmernis oder ganz was anderes einsetzen – war auch nur als Beispiel gemeint.

    Wie gesagt, das „hingekauert“ wirkt mir persönlich zu reimschuldig, passt mir einfach nicht

    Gruß
    RA

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