Der schüchterne Liebhaber

Seht ihr dort im nassen Regen
Jenen Menschen sich bewegen.
Manchmal schaut er bittend auf,
Hart ist jener Türe Knauf.
Sehnsucht spricht aus seinen Blicken.
Kann denn Liebe so bedrücken.
Wird nichts sein glücklich‘ Denken stören?
Wird sie die Liebe ihm gewähren?
Die Zukunft wird es lehren.

Täglich sieht man ihn dort schlendern.
In den grauen Werksgewändern
Tut er seiner Liebe Dienst,
Tut es ohne den Gewinnst,
Den er draus gern ziehen würde.
Ach! so schwer wird ihm die Bürde.
Und täglich muss er sie ertragen,
Und täglich will er sie befragen:
"Willst Du es mit mir wagen?"

Plötzlich öffnet sich die Pforte,
Und in leichtem Mezzoforte
Tritt das Mädchen sacht heraus.
Um die Ecke hinters Haus
Flüchtet er voll Angst sich plötzlich.
Ist es doch ja auch ergötzlich,
Im Hinterhalt versteckt zu stehen,
Verschämt die Lichtgestalt zu sehen,
Und sehnsuchtsvoll zu flehen.

Wenn Gelegenheit sich bietet,
Ist sein Herz wie festgenietet.
Mut und Wille ihn verlässt.
Dafür wird ihm eingepresst
Ungewissheit, Unvermögen;
Brechen aller Wünsche Bögen.
Und morgen wird er wieder stehen
Und sehnsuchtsvoll die Tür besehen
Und an das Schicksal flehen.