1. #1
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    Wer weiss Bescheid über Hölderlin?

    Liebe gedichte.com-Leserinnen und -Leser

    Jetzt brauche ich echt eure Hilfe.

    Weil niemand hier so dumm ist, wie er sich gibt, nahm ich an, dass es einen guten Grund haben muss, wenn ein Hobbydichter Friedrich Höderlin als Bürgen für falsche Satzstellungen angibt.

    Ich habe mich also eine halbe Stunde in die Buchhandlung gesetzt und wider Erwarten Gefallen gefunden an zwei Hölderlin-Gedichten: „Andenken“ und „Der Rhein“.

    Zugegeben: H.‘s Kommasetzung ist nach heutigem Empfinden hie und da seltsam und entgegen der Bedeutung. Aber ohne die Kommas ist dann doch wieder eine normale Syntax zu erkennen. (Zumindest weiss ich jetzt, woher anamolie ihre Kommabesessenheit hat...)
    Jedoch: An ein, zwei Stellen (in zwei langen Gedichten!) kann man tatsächlich sagen, dass die Satzstruktur verwirrlich sei.
    Frage(n):
    Ist das bei H. Stilmittel (Wo er doch im übrigen eben geradezu mit Akribie die allerkompliziertesten Satzkonstrukte gemäss Syntax konstruiert!)?
    Ist es seiner Krankheit, den Medikamenten geschuldet?
    War er besoffen? Unaufmerksam?
    Hat ein Kopist ungenau abgeschrieben?
    Wer weiss eine Antwort?

    Schönen Gruss und Dank zum Voraus

    wilma27

  2. #2
    Longshanks Guest
    Hallo wilma,

    ich nehme an, Höldelin hat das im Wege des vorauseilenden Gehorsams gemacht. Wie sonst könnten Yoda und einige andere nn's sich auf Hölderlin berufen? Er wusste, dass solche Verdreherbeispiele in der Zukunft begehrt sein würden. Wenn er das nicht gewusst hätte, hätte ers nicht so gehandhabt, qed.

  3. #3
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    hallo longshanks
    danke für deine antwort.
    wir wissen doch, dass die "verdreherbeispiele" nur als zombies noch lebensfähig sind! ich meinte nicht die verdreher. verschieben von syntaktischen gliedern ist doch das eigentliche wesen der grammatik. (bei meiner suche nach erklärungen für hölderlins stil habe ich allerdings gefunden, dass jemand schreibt, h. und zeitgenossen hätten quasi revolution gemacht gegen eine starre form, welche nur subjekt-prädikat-bestimmung gelten lassen wollte).
    also ich meine tatsächlich stellen, wo für mich keine struktur auszumachen ist! das ist doch für jene zeit wohl eher untypisch, oder?
    das hier ist die eine stelle, wo ich bei bestem willen die struktur nicht rausschälen kann /was mache ich mit dem pronomen "sie"??):
    Wem aber, wie, Rousseau, dir,
    unüberwindlich die Seele,
    die starkausdauernde, ward,
    und sicherer Sinn
    und süße Gabe zu hören,
    Zu reden so, daß er aus heiliger Fülle
    Wie der Weingott, törig göttlich
    Und gesetzlos sie die Sprache der Reinesten gibt
    verständlich den Guten, aber mit Recht
    Die Achtungslosen mit Blindheit schlägt
    Die entweihenden Knechte, wie nenn ich den Fremden?

    (Der Rhein)

    und hier eine, wo ich keinen nomen.bezug für das pronomen "das" finde, obwohl die struktur sonst aufgeht:
    Noch denket das mir wohl
    (Andenken)

    ich hoffe, du kannst noch mehr zu meiner erhellung beitragen.
    lg wilma27
    Geändert von kaspar praetorius (20.02.2013 um 21:52 Uhr) Grund: die zwei stellen aus hölderlintexten

  4. #4
    Longshanks Guest
    Hallo wilma,

    also zunächst bin ich Höldelin unbeleckt, diese Bildungslücke werde ich bestimmt noch zu schließen versuchen. Die erste Stelle erscheint mir auf die Schnelle weniger problematisch.

    "sie" ist die Seele. Wenn ichs aufdrösle so heißts für mich:

    Da (Wenn) R. eine starke Seele hat,und er dann so. wie der Weingott redet - töricht göttlich - und sie (die Seele) die Sprache der Reinesten wiedergibt,wie nenn ich dann den Fremden? (R). Die Stelle mit dem Weingott und den Gaben sind Einschübe. Wenn dus in Gedankenstriche setzt, dann gehts auf.

    Wem aber, wie, Rousseau, dir,
    unüberwindlich die Seele,
    - ......-
    und sie.......

    Noch denket das mir wohl
    Das hier ist ohne den Zusammenhang nicht ganz so eindeutig. Aber ich könnte das neudeutschen so : "Das scheint mir nix Genaues" , das sehe ich als ungut etc. Altertümelt halt etwas.

    Ohne Angaben von Gewähr und sorry für das Flapsige in Antwort 1. Ich finde nur diese gebetsmühlenartige Wiederholung von Schiller hat, Goethe hat, Gryphius hat, Klopstock hat, Hölderlin hat brechreizerregend. ABer sag das mal so Leuten, die außer Kniefällen nix zu ihren Texten hören wollen. Da wirst du keine Rosen ernten.

    Gruß

    Longshanks
    Geändert von Longshanks (21.02.2013 um 07:21 Uhr)

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