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    Grundlagen des Reims

    Grundlagen des Reims

    Voraussetzungen: Vers, Strophe, Kenntnisse der Metrik empfehlenswert, aber nicht erforderlich (weitere Fäden dazu auch hier)
    Ziel: Allgemeine praktische und theoretische Kenntnisse von Reimen
    Weitere aufbauende Übungsfäden: Übungsteil und Vertiefung zu den 'Grundlagen des Reims'

    1. Allgemeines
    Immer wieder liest man auf diversen Gedichte-Seiten im Internet Formulierungen wie ' ... obwohl es sich nicht reimt, ein tolles Gedicht ..' oder '... und es reimt sich sogar auch noch ...' und so weiter. Oft wird Reim und Gedicht fast schon als Synonym verwendet, dabei gibt es eine eine sehr große Zahl an reimlosen Gedichten. Und umgekehrt gilt: Nicht alles, was sich reimt, ist auch ein (gutes) Gedicht. In diesem Faden wollen wir uns mit dem Reim an sich befassen und mit seiner Wirkung im Gedicht. Insbesondere soll es hier auch um praktische Aspekte gehen - Wirkung, Anwendungsbereiche, Reimarten, Reimschemata, Qualität von Reimen und Alternativen. Wir werden dabei sehen, dass der Reim ein sehr wirkungsvolles Klangmittel ist, aber auch nur dann, wenn er richtig - das heißt, gekonnt - eingesetzt wird.

    2. Vom Wort zum Reim
    Wir wollen zunächst einmal vom Wort zum Reim gelangen. Was ist ein Reim? Rein intuitiv hat vermutlich jeder Zugang zu Reimen (anders als etwa bei der Metrik, wo es zT große Unsicherheiten gibt). Landläufig gesprochen 'klingt ein Reim irgendwie ähnlich/gleich'. Der Reim verbindet also zwei (oder mehr) Worte mit ähnlichem Klang. Genauer könnte man sagen, dass bei zwei Reimwörtern ab einem gewissen betonten Vokal (und den eventuell nachfolgenden Silben) ein Gleichklang vorliegt. Der Gleichklang kann dabei eine oder mehrere Silben umfassen.

    Am Anfang war das Wort. Wollen wir nun reimen, so müssen wir solche Gleichklänge suchen und finden.


    Übung: Überlege dir Reime, wobei sich eine, zwei oder drei Silben reimen.
    zum Beispiel: einsilbige Reime: Herz - Schmerz, ...



    Obwohl man das Reimen oft intuitiv im Gefühl hat, empfiehlt es sich, die Grundlagen der Metrik zu beherrschen. So zum Beispiel sieht Musik und Klassik vielleicht nach einem Reim aus, doch die Aussprache (und die Betonung der beiden Wörter) verrät, dass dies nicht so ist (Musik xX; Klassik Xx). Am Anfang kann es deshalb empfehlenswert sein, sich die Reimwörter laut vorzusagen um zu überprüfen, ob jetzt wirklich ein Reim vorliegt oder ob zwei Wörter nur wie ein Reim aussehen.

    3. Reimformen und Reime an sich
    Es gibt eine Vielzahl an Reimarten und vermutlich könnte man nur mit Reimarten eigene Fäden füllen. Im Weiteren soll es darum gehen, einen kleinen Bereich vorzustellen. Zunächst wollen wir uns einmal einen kleinen Überblick verschaffen, wie wir einen großen Teil der häufig vorkommenden Reime einteilen können.
    a) nach der Silbenanzahl
    b) nach der Anordnung im Vers
    c) nach dem Klang

    Zu a)
    Wie in Teil 2. schon angesprochen kann ein Reim eine, zwei, drei und eventuell sogar noch mehr Silben umfassen. Je mehr Silben, desto interessanter ist es im Normalfall, wobei es damit auch schwieriger wird.

    Zu b)
    Der 'Klassiker' ist natürlich der Endreim. Die Reimworte stehen hier am Versende. Oft wird ein Reimschema befolgt, besonders häufig findet sich der Paarreim (man gibt dabei das Schema AABB an, das man erhält, wenn man die Versenden betrachtet: Vers 1 und Vers 2 reimen sich (= A), Vers 3 und Vers 4 reimen sich (B)), Kreuzreim (ABAB) und umarmender Reim (ABBA). Gleiche Reime werden mit demselben Großbuchstaben gekennzeichnet. Eine weitere Möglichkeit ist der Haufenreim (AAAA) oder der Schweifreim (AABCCB). Verse, die sich auf kein anderes Wort reimen, nennt man Waise (Darstellung zB hier im dritten Vers: AAXA ... dargestellt mit X).

    Neben dem Endreim als prominentestem Vertreter gibt es weiters noch den Anfangsreim. Hier steht das Reimwort nicht am Versende, sondern am Versanfang. Beim Binnenreim befindet sich der Reim im Versinneren. Es gibt zahlreiche weitere Möglichkeiten und Variationen davon, etwa dass sich ein Wort aus dem Versinneren auf das Wort am Versende desselben Verses reimt, oder dass sich das Wort am Versende des einen Verses auf das Wort am Versanfang des nächsten Verses reimt.

    Übung: Schreib eine Strophe mit vier Versen jeweils einmal im Paareim, einmal im Kreuzreim, einmal im umarmenden Reim und einmal im Haufenreim zum gleichen Thema.

    Bei einem großen Teil der gereimten Lyrik findet man tatsächlich nur den Endreim. Hier stellt der Anfangsreim, der Binnenreim, der Schlagreim etc eine gute Abwechslung dar, die man in seinen Text (mit Endreim) auch zusätzlich einflechten kann.

    Zu c)
    Wenn die Lautfolge, also das, was man hört, genau übereinstimmt, dann spricht man von einem reinen Reim. Oftmals werden reine Reime als 'besser' im Vergleich zu 'unreinen Reimen' empfunden (dazu mehr, wenn es um die Qualität geht). Unreine Reime hören sich 'fast' gleich an, die Lautfolge stimmt annähernd überein, aber eben nicht vollständig. Ein Beispiel dafür ist etwa schön-stehn. Bei der Assonanz (die durchaus eine gute Alternative zu Reimen sein kann) stimmen die Vokale zwar überein, nicht aber die Konsonanten (zB: Gabel-Magen).

    Überdies zu erwähnen ist noch der identische Reim, weil sich dieser besonders bei Anfängern immer wieder findet. Der identische Reim reimt ein Wort auf sich selbst (Wort - Wort, Herz - Herz, ...). Das gilt auch für gleiche Worteile, etwa machen-vermachen.

    Übung: Suche reine Reime und unreine Reime zu einen (selbstüberlegten) Wort. Überlege dir außerdem Assonanzen dazu. Versuche wiederum, dich von wenigen Silben zu mehreren Silben zu steigern.



    Zusätzlich möchte ich noch auf ein paar weitere Sachen eingehen:
    • Wenn man bei einem vorliegenden Text beurteilen soll, ob es sich um reine oder unreine Reime handelt, so kann die zeitliche und örtliche Herkunft des Autors zum Teil eine Rolle spielen. So wird in diesem Forum des öfteren bemängelt, Goethe hätte so und so viele unreine Reime verwendet. Das mag aus heutiger Sicht auch richtig sein. Aus damaliger Sicht aber vielleicht nicht. Ebenso kann es auf regionale Dialekte ankommen.
    • Ebenso erschwerend sind am Anfang so genannte Augenreime. Augenreime sehen so aus, als würden sie sich reimen. Sie tun es aber nicht. Diese Art von Reimen lässt sich besonders gut in Kombination mit Fremdsprachen (Englisch, Französisch, ...) umsetzen. Ein Beispiel wäre, wenn man versucht, Orangen auf fangen (Wangen, bangen, Zangen, langen, sangen, ...) zu reimen. Fangen, Wangen, Bangen, Zangen, ... reimt sich tadellos. Orangen aber nicht, obwohl es so aussieht. Der Augenreim lässt sich besonders bei humorvollen Texten (mit entsprechender zwanghafter Aussprache) anwenden, weswegen seine Verwendung in ernsteren Texten meist nicht ratsam ist. Wenn ihr also etwas reimen wollt, dann überlegt, ob es sich auch wirklich hörbar reimt. Reimprogramme, sofern ihr welche verwenden wollt, könnten da täuschen.
    • Im Forum wird oft von 'Reim dich oder ich fress dich'-Reimen gesprochen. Das liegt dann vor, wenn der Vers extrem auf ein einzelnes Reimwort hingebogen wird. Manche gehen dabei über Leichen - seien sie grammatikalischer oder inhaltlicher Natur.
    • Auch ist es möglich, Reime so zu bilden, dass sie nur durch übertrieben gekünstelte und unnatürliche Betonung oder Aussprache 'funktionieren'. In ernsteren, traurigeren, aber auch in freudigen Texten kann so etwas oft albern wirken, in humorvollen Texten hingegen ist dieses Mittel durchaus legitim.


    Übung: Such einige (Fremd)Wörter, mit denen du lustige Augenreime finden kannst. Verwende sie in einem Gedicht.

    Sollte sich jemand für Schüttelreime interessieren, auf die hier in diesem Faden verzichtet wurde, findet ihr hier das richtige.

    4. Wirkung und Funktion des Reims

    Der Reim 'hört' sich gut an. Er wirkt einprägsam. Mithilfe des Reims kann eine lustige, fröhliche, ausgelassene, satirische, betrübte, ernste, traurige Grundhaltung ausgedrückt werden. Durch den Klang kann der Reim sehr gut und sehr wirkungsvoll steuern, wie ein Gedicht ankommt. Der Paareim wirkt etwa in der Regel eher froh und ausgelassen und ist deshalb relativ ungeeignet, will man eine ernste Grundhaltung vermitteln. Der Kreuzreim wirkt zwar nicht so froh und so ausgelassen, doch kann er besser ernste, traurige, betrübte, aber auch positive Stimmungen vermitteln. Der Reim kann dabei auch eine gewisse Harmonie ins Spiel bringen. Besonders bei längeren Versen, wo der Reim nicht so 'stark' erkennbar ist, kann somit eine harmonische Stimmung erreicht werden.

    Die Wirkung eines Reimes kann durch möglichst originelle und innovative Reime zusätzlich verstärkt werden. Mehrsilbige Reime, gespaltene Reime (Wörter - hört er) oder neue ungelesene Reime vermitteln leicht einen bleibenden Eindruck beim Leser.

    Die Wirkung des Reimes kommt überdies durch räumliche Nähe der Reimwörter zustande. Eine direkte Nachbarschaft im Vers klingt anders als wenn mehr Text dazwischen ist. Damit sich die Wirkung optimal entfaltet, sollte die Verslänge daher einheitlich sein - nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz.

    Sehr eng verknüpft mit der Wirkung eines Reims ist also das 'Timing' oder anders ausgedrückt: 'Wann kommt der Reim?'. Da spielt insbesondere die Verslänge eine Rolle. Als Faustregel gilt oft, dass um die 10 bis 12 Silben pro Vers ganz gut sind. Natürlich kann man auch kürzere Verse nehmen, doch dann nimmt der Reim sozusagen mehr ein, die Reime kommen schneller hintereinander. Man hat da dann recht schnell das Gefühl, dass der Reim den Text erdrückt. Ebenso kann der Text dadurch leicht albern und unfreiwillig komisch wirken. Macht man die Verse viel länger, dann kann es sein, dass der Reim kaum mehr als solcher erkannt wird. Oder wäre dir das mehr im vorhergehenden Satz als Reim zum Sehr (erstes Wort dieses Absatzes) aufgefallen? Wohl kaum. Bei Gedichten verhält sich das ähnlich.

    Zudem sollte im Allgemeinen auf eine brauchbare Metrik geachtet werden.

    Die Reim dient auch als Strukturmerkmal. Die Einteilung von Strophen, Versen ... kann damit stärker betont werden.

    Übung: Untersuche ein selbstgewähltes Gedicht im Forum im Hinblick auf die Wirkung seiner Reime. Wie wirken sie auf dich? Passt das zum Text an sich?



    5. Anwendungsbereiche

    Hier soll jetzt keine ja/nein Liste stehen. Jeder muss selbst wissen, was machbar ist und was nicht. Am Anfang kann man auch ruhig mit unterschiedlichen Reimschemata spielen und verschiedenste Reimarten probieren. Später und mit mehr Erfahrung kann es auch sein, dass ein eher unpassendes Schema bewusst verwendet wird - eben um eine gewisse Wirkung zu erzielen. Wie in Punkt 4 angesprochen, gibt es allerdings ein paar 'Faustregeln', was wie angewendet werden kann. Insbesondere Anfänger verwenden sehr oft den Paarreim, mitunter auch in sehr unpassender Weise. Deshalb hier noch einmal die allgemeine Empfehlung: (ein Wort in Klammer heißt: machbar, aber eventuell nicht die erste Wahl)

    Paarreim: fröhlich, froh, ausgelassen, lustig, heiter, freudig, verspielt, kindlich, (sehnsüchtig), (verliebt), (romantisch),
    Kreuzreim: sehnsüchtig, betrübt, ernst, traurig, düster, neutral (zb politische Texte), (verliebt), (romantisch), ...
    Umarmender Reim: sehnsüchtig, verliebt, romantisch, freudig, heiter, betrübt, froh, neutral, ...

    Man sieht schon, dass der Kreuzreim und der umarmende Reim im Allgemeinen weitaus breiter anwendbar sind als der Paareim. Zusätzlich zum Reimschema spielt eben auch die Qualität der Reime und die Reime an sich eine Rolle, sodass es sich hier nur um sehr grobe Empfehlungen handeln kann.

    Übung: Schreib zu einem positiven (freudige, heitere, ausgelassene Stimmung) oder einem negativen (traurige, triste, düstere Stimmung) Thema eine Strophe von vier Versen. Verwende dazu einmal den Paareim, einmal den Kreuzreim und einmal den umarmenden Reim und vergleiche deine Ergebnisse. Welches Schema passt am besten zum Thema?


    Übung: Lass die Gedichte, die du in der Übung zu 3. b) geschrieben hast, auf dich wirken und überleg dir, welche Reimschemata das von dir gewählte Thema am besten transportieren und unterstützen.

    6. Qualität von Reimen

    Über die Qualität lässt sich oft diskutieren. Der Herz-Schmerz Reim ist ein gutes Beispiel dafür - von den einen gehasst, von den anderen mit Hingabe verwendet. Oft spielen persönlicher Geschmack und Präferenzen eine Rolle. Doch man kann sehr wohl versuchen, Reime nach ihren Qualität einzuteilen. Ich möchte hier ein paar Kriterien vorstellen, anhand derer man sich überlegen kann, wie gut/schlecht ein Reim ist.

    a) Innovation
    Das vermutlich wichtigste Kriterium! ... für einen wirklich, wirklich sehr sehr guten Reim. Danse Macabre verwendete etwa einmal den Reim tanzten - Glanz denn, oder Jamzee reimte Wochen auf doch ent... (wer neugierig ist: Einfach mal in den Gedichten der beiden stöbern. ). Diese Reime wirken originell und innovativ. Man kennt sie noch nicht - die Wirkung ist umso größer. Im Gegensatz dazu wird der Reim Herz - Schmerz oft als Gegenbeispiel genannt. Der Reim ist mehr als bekannt und wurde von fast jedem schon einmal verwendet. Einen Innovationspreis wird man damit nicht gewinnen.

    b) Rein/Unrein
    Prinzipiell werden von der Community reine Reime oft als besser angesehen. Wie aber schon angesprochen, ist das oft schwer aufgrund von regionalen Dialekten.

    c) Silben
    Einsilbige Reime wirken oft sehr einfach. Zweisilbige oder gar dreisilbige können da oft den Unterschied ausmachen.

    d) Wortarten und Wortbedeutung
    Mischt man in einem Reim verschiedene Wortarten (zB reimt man ein Verb auf ein Nomen), so kann die Abwechslung auch gut und gelungen sein. Reine Verb-Verb-Verb Reime wirken mit der Dauer des Gedichts oft fad, reine Nomen-Nomen-Nomen Reime aber auch. Auch kann es, je nach Text, interessant sein, unterschiedliche Sinnbezirke zu verwenden.

    e) Passend
    Das wichtigste ist, dass Form und Inhalt einander in optimaler Weise ergänzen. Dieses Kriterium ist gemeinsam mit der Innovation vermutlich das wichtigste. Die Qualität eines Reimes ist auch in seinem Kontext zu betrachten.

    Nach diesem einfachen Schema soll der umstrittene Herz-Schmerz Reim untersucht werden. Der Reim gilt weithin als bekannt und 'ausgelutscht'. Beurteilt man die Qualität des Reimes nach der Neuheit, so wäre das ein klares Nicht Genügend. Ansonsten handelt es sich um einen einsilbigen reinen Reim. Also formal solide, aber nichts besonderes. Auffällig ist aber, dass die Wortbedeutungen einerseits weit entfernt liegen, andererseits ist die gedankliche Nähe der Worte durchaus einzusehen. Schlussendlich ist - in meinen Augen - beim Herz-Schmerz Reim das wichtigste, dass er passt. Unterstützt er den Inhalt besser als jeder andere Reim, so hat er in diesem Fall seine Berechtigung. Ist der Autor nur zu faul einen anderen Reim zu suchen, sollte der Reim besser weg.

    Übung: Untersuche die folgenden Reime auf ihre Qualität:
    Kopf-Kopf; Kopf-Schopf; schon-iPhone, Schablone-iPhone, mich-dich; ich-mich; mächtige-prächtige; vorsingen-bezwingen; wenden-wenn den; Wald-kalt; heute-Meute; schwarz-Harz; Wirsing-Pfirsich;


    Übung: Überleg dir zu den obigen Reimen jeweils einen passenden Kontext und einen unpassenden.

    Übung:
    Such dir einen Text im Forum und untersuche die Reime im Kontext des jeweiligen Texts auf ihre Qualität. Warum sind die Reime gut/schlecht?


    7. Praxisrelevante Hinweise


    Beim Endreim ist das Reimschema prinzipiell frei wählbar. Ob ihr AABB oder AXAX oder ABCXCBA wählt, ist ganz euch überlassen. Das Entscheidende sollte dabei die Wirkung sein. Passt AABB klanglich? Wie hört sich euer Text an? Besonders am Anfang ist es zu empfehlen, zu experimentieren. Durch das Probieren und durch entschprechende Rückmeldungen von anderen Usern bekommt man erst das nötige Gefühl dafür. Eurer Phantasie soll dabei keine Grenze gesetzt werden - und vielleicht findet sich ja eine geniale Reimidee darunter. Ein paar allgemeine Tipps könnte man im Hinblick auf den Endreim aber geben, da diese Fehler besonders oft und gerne von Anfängern gemacht werden:
    - Besondere Vorsicht ist beim Paarreim geboten. Der scheinbar 'einfachste' Reim ist - will man ihn gut beherrschen - eigentlich einer der schwierigeren. Ich lese immer wieder unsagbar traurige Texte und könnte mir vor Lachen auf die Schenkel klopfen. Die Liste weiter oben, in der den einzelnen Reimschemata Stimmungen 'zugeordnet' werden, ist keinesfalls vollständig oder allgemeingültig, doch ist sie (besonders am Anfang) eine gute Richtlinie. Wenn du reimst, dann achte auch darauf, welche Stimmung deine Reime auslösen und ob das in deinem Text so passt. Falls der Kreuzreim am Anfang noch zu schwer sein sollte, kann hier dann die Verwendung von Waisen ganz nützlich sein, um die nüchternere Stimmung zu erreichen, zB AXAX, falls ABAB zu schwer ist.
    - Vom Haufenreim ist im Allgemeinen eher abzuraten. Ähnlich wie beim Paareim kommt dadurch leicht so eine kindliche Abzählreim-Stimmung rein. Und die ist nicht überall gewollt.
    - Das Mischen von Paarreim, Kreuzreim, Haufenreim in einem Gedicht (jeweils in verschiedenen Strophen) ist zwar grundsätzlich möglich, doch selten gelingt es wirklich gut. Am Anfang ist es da oft besser, man hält ein Reimschema im gesamten Text durch. Wenn es den Inhalt unterstützt, kann später ein bewusster Wechsel des Reimschemas durchaus Sinn ergeben.
    - Im Allgemeinen empfiehlt sich eine ungefähr einheitliche Verslänge. Von extrem kurzen Versen und sehr langen Versen ist besonders Anfängern eher abzuraten. Eine Verslänge von ungefähr 8 bis 14 Silben ist ok. Der Grund hierfür ist - wie so oft - die Wirkung.
    - Nehmt nicht zu einfache Reime. Ich-dich-mich-sich ist nicht der einzige Reim, den es gibt. Der Reim ist kein Selbstzweck, sondern in erster Linie ein Stilmittel wie jedes andere auch. Es kommt nicht auf die Anwendung selbst an, sondern auf die Wirkung, die damit erzielt werden kann. Neuere, unverbrauchtere und innovative Reime sind dabei von Vorteil.
    - Achtet auf die Metrik.

    8. Alternativen

    Der Reim ist ein Klangmittel. Insbesondere die Assonanz kann den Reim teilweise sehr gut ersetzen. Weitere Klangmittel, die gerne auch in Kombination mit Reimen eingesetzt werden können, wären Alliterationen oder Vokalhäufungen. Dazu gibt es später noch einen eigenen Faden.

    9. Beispiele

    Die Beispiele sollen zum Teil den Einsatz und die Wirkung verschiedener Formen, Reimschemata, Verslängen, etc verdeutlichen. Ich habe versucht, Beispiele zu wählen, die zu den weiter oben besprochenen Themen passen. Bei einigen Texten finden sich auch längere Kritiken dabei.

    Auf halben Weg - Anti Chris
    http://www.gedichte.com/threads/145001-Auf-halbem-Weg
    Interessant im Hinblick auf Verslänge und auf die verwendeten Reime an sich.

    Wache, Mond - Anti Chris
    http://www.gedichte.com/threads/134357-Wache-Mond
    Verslänge und Reimschema ist bemerkenswert.

    Straßen Europas - Nachteule
    http://www.gedichte.com/threads/1693...3%9Fen-Europas
    Verslänge und Klang des Gedichts ragen heraus.

    kultuhr - Jamzee
    http://www.gedichte.com/threads/152776-kultuhr
    Reime und Klang sind die Beschäftigung wert.

    Ein H in der Supphe - leporello
    http://www.gedichte.com/threads/1777...e?goto=newpost
    Tolle Reime.

    wachgeträumt und ausbetrogen - linespur
    http://www.gedichte.com/threads/1668...nd-ausbetrogen
    Im Hinblick auf Reime ganz großes Kino.

    Feuerwerk - ferdi
    http://www.gedichte.com/threads/121795-Feuerwerk
    Das Spiel mit der Form des Sonetts sowie das Reimschema ist hervorzuheben.

    le vampir - levampyre
    http://www.gedichte.com/threads/22512-Le-vampir
    Ein Beispiel für Reimschemata.

    Am Strand von Venedig - Danse Macabre
    http://www.gedichte.com/threads/7066...nd-von-Venedig
    Zum Teil tolle Reime.

    Straßenbild - Danse Macabre
    http://www.gedichte.com/threads/39893-Stra%C3%9Fenbild
    Relativ kurze Verslänge, teils tolle Reime.

    Niederschlag - Danse Macabre
    http://www.gedichte.com/threads/12960-Niederschlag
    Reimschema

    Ins unentdeckte Land - Danse Macabre
    http://www.gedichte.com/threads/3231...entdeckte-Land
    Reime

    Continentale Tristesse - Danse Macabre
    http://www.gedichte.com/threads/1357...tale-Tristesse
    Verslänge und Reime

    Schlafwandlung - monalisa
    http://www.gedichte.com/threads/125841-Schlafwandlung
    Ein schleichender Übergang von Assonanzen zu Reimen.


    Weiters noch ein paar Beispiele nur zu Assonanzen:

    Bilder einer heilen Welt - monalisa
    http://www.gedichte.com/threads/1256...er-heilen-Welt

    Der Weg zurück in meine Niederlagen - monalisa
    http://www.gedichte.com/threads/1257...ne-Niederlagen

    Sei du mein Amor - monalisa
    http://www.gedichte.com/threads/122583-Sei-du-mein-Amor


    Zum Vergleich noch reimlose Lyrik:

    Der Beweis - Nachteule
    http://www.gedichte.com/threads/173535-Der-Beweis

    Ode an die Nacht - Nachteule
    http://www.gedichte.com/threads/172040-Ode-an-die-Nacht

    mein guter kamerad - Woitek

    http://www.gedichte.com/threads/1669...-guter-kamerad
    Geändert von MisterNightFury (06.03.2013 um 09:15 Uhr)

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