Grundlagen: Übung 1: Auslesen eines Metrums
Ziel: Erlernen und Üben des metrischens Schreibens
Unterstützende Links: das Lyriklexikon der Nachteule
Quelle: Gedichtarchiv

Dieser Faden soll dabei helfen, zu lernen, wie man ein metrisches Gedicht schreibt. Die Übungen sind in der Schwierigkeit ansteigend. Somit würde es Sinn machen, alle Übungen durchzuführen. Das ist aber nicht unbedingt notwendig. Unter Umständen ist es auch sinnvoll, nicht alle Übungen am Stück zu machen (dauert wohl auch etwas lange), sondern zwischendurch zu reflektieren und die Eindrücke der Übung auf sich wirken zu lassen.

Übung 1: Ordne die folgenden Wörter ihrem Metrum zu. Versuche es erst, durch Anwendung der gelernten Metrikregeln. Solltest du damit nicht weiterkommen, durch eine bewusste Aussprache des Wortes und schaue erst dann in den Duden. Wenn du alle Wörter zugeordnet hast, solltest du sie mit Hilfe eines Wörterbuchs überprüfen, damit du sicher sein kannst, dass du keinen Fehler gemacht hast.

Xx xX Xxx xXx xxX Wechselnd




Gehirn; Schreiber; dinieren; sauber; sortieren; Foto; Musik; Malerei; Gebläse; allein; dahin; Heimat; Änderung; Sinnlichkeit; richtig; warum; Musikant; abgetrennt; Mikroskop; Verlust; Ergebnis; allerlei; Sauerei; Benzin; Schreiberei; darum; Autopsie; Metrik; Trochäus; Cartoonist; Schreiberling; kaputt; kompetent; wozu; dazu; Bockmist; Geschreibsel; Endung; sobald


Übung 2: Wähle 4 Wörter aus Übung 1 und suche Formen, mit denen du die Stammsilbe in die vier anderen, festen Metrumsformen bringst. Versuche dabei, keine Verwandlungsform doppelt zu verwenden. Da es sich um eine Übung handelt, sollten auch alle Wörter, die du findest, auch im Duden stehen. Findest du zu einem Wort keine, suche weiter. Es gibt bestimmt eine.
Ein Beispiel, das schon fast komplett in der Auswahl vorkommt, weswegen für dich alle vier Wörter wegfallen :
Schreiber Xx
Beschrieb xX
Schreiberling Xxx
Geschreibsel xXx
Schreiberei xxX


Übung 3:
Ersetze bei dem folgenden Gedicht von dir gewählte Wörter, ohne das Metrum des Gedichts zu verändern. Nutze hierfür die Wörter aus Übung 1. Dabei darfst du aber gerne mehrere Wörter durch eines ersetzen. Der Sinn muss nicht erhalten bleiben.

http://www.gedichte.com/gedichte/Ludwig_Uhland/Unstern
1. Unstern, diesem guten Jungen,
Hat es seltsam sich geschickt:
Manches wär’ ihm fast gelungen,
Manches wär’ ihm schier geglückt.
Alle Glücksstern’ im Bunde
Hätten weihend ihm gelacht,
Wenn die Mutter eine Stunde
Früher ihn zur Welt gebracht.


Übung 4:
Schreibe mit den Wörtern aus Übung 1 ein Gedicht. Es muss keinen, und kann fast nicht, Sinn ergeben und sich nicht reimen. Versuche dabei ein einheitliches Metrum zu verwenden und die Kadenzen gleich zu halten. Mache dies mit verschiedenen Versfüßen.


Übung 5:
Schreibe ein jeweils vierversiges Gedicht, mit eigenen Worten, im Trochäus, im Jambus, im Anapäst und im Daktylus. Dabei muss das Gedicht keinen Sinn ergeben und muss nicht gereimt sein.


Übung 6:
Ersetze bei der zweiten Strophe des oben genannten Gedichts Wörter, ohne das Metrum zu verändern. Diesmal muss das Gedicht seinen Sinn behalten. Nutze dafür eigene Wörter:

2. Waffenruhm und Heldenehre
Hätten zeitig ihm geblüht,
War doch in dem ganzen Heere
Keiner so von Mut erglüht;
Nur als schon in wilden Wogen
Seine Schar zum Sturme drang,
Kam ein Bote hergeflogen,
Der die Friedensfahne schwang.


Übung 7:
Schreibe nun ein jeweils vierversiges Gedicht, mit eigenen Worten, im Trochäus, im Jambus, im Anapäst und im Daktylus. Diesmal solltest du das Gedicht am Ende reimen. Reimschema ist der Paarreim. Die Verse sollten jeweils einen Sinn ergeben, müssen dies aber nicht als Ganzes tun.


Übung 8:
Nun kannst du schon ein vierversiges Gedicht im Jambus schreiben, das komplett zusammenhängend Sinn ergibt. Dabei sollst du abwechselnd weibliche und männliche Kadenzen verwenden.


Übung 9:
Diesmal ist ein Gedicht im Trochäus dran. Wieder soll es komplett Sinn ergeben, doch diesmal gereimt. Verwende hierzu einen Kreuzreim. Versuche auch, die Reime überraschend zu wählen und keine Zwangsreime zu verwenden, am Besten auch mit mehrsilbigen Wörtern. So kannst du auch gleich das Reimen üben.


Übung 10:
Schreibe zu einem fröhlichen Thema ein jeweils vierversiges Gedicht im Jambus, dem Trochäus, dem Anapäst, dem Daktylus sowie einem Unmetrischen und reime im Paarreim. Zwei Verse sollen weibliche, zwei männliche Kadenzen haben (beim Daktylus und Anapäst auch gerne Gleitende). Versuche dabei, die Wortwahl so ähnlich wie möglich zu halten und vergleiche die Stimmung, die die Gedichte jeweils wirklich erzeugen. Welcher Versfuß passt besser?


Übung 11:
Schreibe zu einem traurigen Thema vierversige Gedichte im Kreuzreim. Der Rest ist gleich wie Übung 10.