1. #1
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    Spielen mit dem Metrum für fortgeschrittene Lerner - in einfachen Worten

    Grundlagen: Metrik mehrsilbiger Wörter - in einfachen Worten und Metrum auslesen - in einfachen Worten
    Ziel: Das Erlernen einfacher metrischer Spielereien, die das Gedicht interessanter gestalten.
    Unterstützende Links: Lyrisches Lexikon der Nachteule, siehe jeweilige Texte
    Quellen: Keine
    Folgende Lektionen: Übung 1 – Auslesen eines Metrums; Übung 2 - Schreibübung zum Metrum

    1. Grundlagen


    Wer mit dem Metrum umgehen kann und weiß, wie er ein einheitliches Metrum erstellt, ist auch in der Lage, das Metrum bewusster einzusetzen. Hierzu soll dieser Faden dienen. Allerdings sollte man dann auch die Grundlagen wirklich verstanden haben und etwas Übung haben.

    2. Spielereien


    2.1 Wechselnde Metren und Kadenzen
    Unter Umständen kann bei längeren Gedichten ein gleichförmiges Metrum langweilig wirken. Um dem entgegenzuwirken, kann man mit wechselnden Metren und Kadenzen arbeiten. Am besten ist es dabei, jeweils einen Vers im Jambus und einen im Trochäus zu schreiben. Ebenso kann man zwischen weiblichen und männlichen Kadenzen wechseln. Dabei sollte die Länge der jeweils metrisch gleichen Verse dennoch gleich lang sein, da sonst Leseprobleme auftreten können, ähnlich der einheitlichen Metren. Auch ein Stimmungswechsel kann durch einen Wechsel des Metrums, wie es bei dem Reimschema auch möglich ist, dargestellt und betont werden. Ebenso kann unterschiedlichen Personen ein anderes Metrum zugeordnet werden, so dass der Leser sie schon am Metrum unterscheiden kann.
    Beispiele finden sich hier.

    2.2 Satzzeichen als Ersatz für Senkungen


    Starke Satzzeichen wie Ausrufezeichen und Fragezeichen können innerhalb eines Verses Senkungen ersetzen. Dies ist möglich, da die kurze Pause, die beim Lesen entsteht, die beiden Hebungen ebenso voneinander trennt, wie es eine Senkung tun würde. Auf diese Weise fällt der Hebungsprall dem Leser als solcher nicht auf.
    Beispiele finden sich hier.

    2.3 Hebungsprälle


    Ein Hebungsprall kann, bewusst gesetzt, einen Bruch im Text widerspiegeln und verstärken. Ebenso kann auch ein Stolpern des Protagonisten durch ein Stolpern des Lesers unterstrichen und wichtige Stellen durch den Hebungsprall besonders betont und hervorgehoben werden.

    2.4 Zäsuren


    Bei zu langen Versen kann es vorkommen, dass sie „zerbrechen“. Dem kann man durch Zäsuren vorbeugen, da sie den Vers strukturieren. Da eine Zäsur in der Regel aus trennenden Satzzeichen oder einem Hebungsprall besteht, kann sie die selben Wirkungen haben, wie dies bei den genannten Spielereien der Fall ist.
    Dies wird zum Beispiel beim Hexameter angewendet. Hier findet sich ein Faden, der den Hexameter erklärt.

    3. Nachwort


    In diesem Faden werden Sonderfälle dargestellt, die die Einheitlichkeit des Metrums gefährden beziehungsweise zerstören. Sie dürfen also nicht zur Ausrede werden, wenn man Fehler im Metrum begangen hat, sondern sollen nur bewusst gesetzt werden. Wenn man sie allerdings bewusst einsetzt, können sie helfen, den Rhythmus des Gedichts zu stärken oder gar zu verbessern, damit das Gedicht nicht langweilig oder vielleicht leiernd wird. Hierzu ist, wie bereits erwähnt, ein gewisses Wissen über das Metrum und dessen Wirkung, notwendig, wie sie in diesem Faden - und dessen Vorgänger - vermittelt wird.
    Viel Spaß beim Anwenden!

    Folgende Lektionen: Die Reihe endet hier.
    Geändert von Nachteule (03.11.2014 um 01:59 Uhr)
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  2. #2
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    Hallo Nachteule,

    ich bin schon gestern um diesen Faden geschlichen, da ich ihn für eine gute Idee halte. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Forenirrglaube, dass sich nur gut liest, was einheitlich ist, jemals ganz verschwinden wird, aber ich kämpfe gern mit gegen diese Windmühlen.

    2.2-2.4 gefallen mir sehr, gerade, dass du auch auf Satzzeichen eingehst, halte ich für wichtig. Danke auch für den Link zu der interessanten Rilke-Diskussion. Dieses Gedicht habe ich immer besonders wegen der Ausdrucksstärke im Rhythmus bewundert. Und da wäre auch noch mein Ansatzpunkt. Mir fehlt hier noch ein bisschen das In-Beziehung-Setzen von Metrum und Rhythmus. Ich hab mal was Ähnliches verfasst, auch wenn der Ansatz vielleicht ein bisschen anders ist. Wenn du magst, würde ich es dir mal schicken, vielleicht kannst du was daraus noch verwenden.

    Dabei sollte die Länge der jeweils metrisch gleichen Verse dennoch gleich lang sein, da sonst Leseprobleme auftreten können
    Zu viel Spielerei kann tatsächlich störend wirken, obwohl ich mir ein Gedicht gut vorstellen kann, in dem (von Strophe zu Strophe) Metrum und Verslänge gewechselt werden (um unterschiedliche Stimmungen oder Sprecher darzustellen).

    Man könnte aber eben auch erwähnen, dass man mit unterschiedlichen Verslängen (bei durchgehendem Metrum) auch ganz schön spielen kann.


    Danke für den Faden und liebe Grüße
    yaira

  3. #3
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    Zitat Zitat von yaira Beitrag anzeigen
    Zu viel Spielerei kann tatsächlich störend wirken, obwohl ich mir ein Gedicht gut vorstellen kann, in dem (von Strophe zu Strophe) Metrum und Verslänge gewechselt werden (um unterschiedliche Stimmungen oder Sprecher darzustellen).

    Man könnte aber eben auch erwähnen, dass man mit unterschiedlichen Verslängen (bei durchgehendem Metrum) auch ganz schön spielen kann.
    yaira! Wie schön dich wiederzulesen

    Ich möchte nur hier kurz einwerfen, dass ich deine Gedanken aus dem obigen Zitat vollkommen teile, ich hab auch schon mit sich verkürzender und verlängernder Verslänge gespielt und habe gerade genau sowas für einen Text auch wieder im Kopf.

    Es soll halt einfach, das was man will, unterstützen und nicht, weil zufällig, destruktiv wirken. Ich bin total dafür, jedes erdenkliche Stilmittel auszukosten, solange es denn begründet und nachvollziehbar gesetzt wird


    LG und ja, ein schöner Faden, ich liebe ja Metrik!
    AC
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  4. #4
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    Hallo yaira,

    es freut mich, dass dir die Idee dieses Fadens (er hat noch zwei/vier Vorgänger ) gefällt!
    Das ein Gedicht unbedingt einheitlich sein muss, glaube ich auch nicht, aber der Faden ist für Metrumseinsteiger gedacht, die das Metrum wahrscheinlich nicht gut genug beherrschen, um bewusste "Unebenheiten" einzustreuen. Außerdem bin ich der Meinung, nur wer weiß, welche Wirkung er mit einem einheitlichen Metrum erzielen kann, auch durch "uneinheitliche" Metren bewusst welche erzielen kann.
    (Und nebenbei möchte ich noch anmerken, dass ich ein Metrum nur dann analysiere, wenn ich irgendwo gestolpert bin oder besonders schön durchgeflutscht. )

    Ich weiß zwar noch nicht ganz, wie ich den Rhythmus/Metrum-Bezug in den Faden integrieren kann, aber ein Versuch ist es wert. ich würde mich freuen, wenn du ihn mir zuschicken könntest. (entweder als Link per PN oder auch gerne per Mail als Text. Je nachdem, wie es sich anbietet. Die Mailadresse ist hier offen geschaltet.)
    Die Links habe ich mir von maXces geben lassen. Da musst du dich bei ihm bedanken.

    Zu viel Spielerei kann tatsächlich störend wirken, obwohl ich mir ein Gedicht gut vorstellen kann, in dem (von Strophe zu Strophe) Metrum und Verslänge gewechselt werden (um unterschiedliche Stimmungen oder Sprecher darzustellen).
    Dazu wollte ich mit meinem letzten Satz in Punkt 2.1 animieren. Eben Stimmungswechsel darzustellen. Andere Personen sind auch eine gute Idee, die ich vergessen habe. Werde ich gleich mal einfügen.

    Danke für deine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Faden!

    @Sturmi
    Dich ignoriere ich einfach mal, weil du dich direkt an yaira gewandt hast und ich nicht weiß, was ich dazu sagen soll...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Geändert von Nachteule (02.04.2013 um 13:36 Uhr)
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